Hermann-Heinrich Behrend wurde am 25.08.1898 in Perleberg an der Stepenitz als
Sohn eines Versicherungs-Direktors geboren und trat als Kriegsfreiwilliger mit
16 Jahren am 01.06.1915 in die kaiserliche Armee ein, wo er zum 2.
Rekruten-Depot des Ersatz-Bataillons des Großherzoglich Mecklenburgischen
Füsilier-Regiment Nr. 90 "Kaiser Wilhelm" zugeteilt wurde. Dort wird er
am 15.06.1915 in die 4. Kompanie und am 20.07.1915 in die 3. Kompanie versetzt,
bis er am 08.08.1915 zur 7. Kompanie ins Feld, an die Ostfront, überwiesen wird.
Am 01.10.1915 dort erkrankt und bis zum 06.10.1915 im Vereinslazarett II des
Roten Kreuzes in Landsberg an der Warthe, kommt Behrend am 07.10.1915 in die 5.
Kompanie des Reserve-Infanterie-Regiments 90, bzw. vom 13.10.1915 bis zum
04.11.1915 in die dortige 3. Kompanie.
Am 05.11.1915 an die 1. Infanterie-Division ins Feld versetzt, gehörte er dort
ab dem 14.11.1915 zur 11. Kompanie des Infanterie-Regiments 43, wo er am
04.01.1916 zum überzähligen Gefreiten, am 29.02.1916 zum Fahnenjunker und am
29.03.1916 zum Unteroffizier befördert wurde.
Am 06.04.1916 kommt Behrend zum II. Rekruten-Depot des II. Ersatz-Bataillons des
Infanterie-Regiments 43 und erhält vom 29.05.1916 bis zum 26.08.1916 eine
Kommandierung zum Offiziers-Aspirantenkursus nach Döberitz. Mit Ende des Kursus
kehrt er zum II. Ersatz-Bataillon zurück und besteht dort am 03.11.1916 seine
Fähnrichsprüfung. Zehn Tage später wird er zum Infanterie-Regiment 43 ins Feld
versetzt und dort am 23.11.1916 der 1. Kompanie zugeteilt.
Vom 24.01.1917 bis zum 08.02.1917 zum MG-Kurs nach Borsa-Banya kommandiert, wird
er am 19.02.1917 zum Fähnrich ernannt und am 13.04.1917 zum Leutnant befördert.
Als solcher wird er am 14.04.1917 Kompanie-Offizier in der 6. Kompanie des
Infanterie-Regiments 43.
Vom 26.04.1917 bis zum 16.05.1917 nimmt er am Sturmkursus in Prislop teil,
während der am 04.05.1917 zur 7. Kompanie versetzt wurde. Am 16.05.1917 erkrankt
und im Feldlazarett 15 der 1. Infanterie-Division in Borsa behandelt. Wieder
genesen kehrt er am 10.07.1917 zur 7. Kompanie zurück.
Am 05.08.1917 übernimmt Behrend den Posten des Ordonnanz-Offiziers beim II.
Bataillon, wird vom 03.11.1917 bis zum 30.11.1917 beurlaubt und vom 18.12. bis
zum 22.12.1917 zum Sturm-Bataillon 5 (Rohr), an die Westfront, kommandiert. Dem
schloss sich vom 03.01.1918 bis zum 31.01.1918 eine Kommandierung zur
Lehr-MG-Kompanie 1 in Damloup an. Zwischenzeitlich wurde er am 24.01.1918 der 2.
MG-Kompanie des Infanterie-Regiments 43 zugeteilt, wo er zuletzt als
Kompanieführer Verwendung fand.
Mit Ende des 1. Weltkrieges gehörte Behrend zur 2. Kompanie des I.
Freiwilligen-Bataillons des Regiments, dem späteren III.
Bataillon/Schützen-Regiment 2. Mit seiner Kompanie nimmt er vom 03. - 05.03.1919
an Kämpfen gegen regierungsfeindliche Kräfte in Königsberg teil.
Vom 16.09.1919 bis zum 18.12.1919 zur Korps-Kriegsschule des I. Armee-Korps nach
Gumbinnen kommandiert, wird er am 21.02.1920 in die Abwicklungsstelle des
Infanterie-Regiments 43 nach Pillau versetzt und wird vom 01.03.1920 bis zum
30.03.1920 zur Wiederherstellung der Gesundheit, bis zur Genehmigung des
Abschiedsgesuches, beurlaubt. So wird er am 12.03.1920 infolge der
Heeresverminderung mit dem 31.03.1920 verabschiedet und arbeitet als
landwirtschaftlicher Mitarbeiter auf ostpreußischen Gütern.
Am 01.01.1924 wird er als Leutnant im 1. (Pr.) Infanterie-Regiment in Königsberg
angestellt und am 01.02.1926 zum Oberleutnant befördert und am 10.01.1924
Kompanie-Offizier in der 15. Kompanie des Regiments. In der Folge nimmt er vom
16.02.1925 bis zum 27.02.1925 an einem Gasschutz-Lehrgang in Hannover teil,
erhält vom 01.04.1925 bis zum 13.05.1925 eine Ausbildung im Pionier-Dienst beim
1. (Preuß.) Pionier-Bataillon und wird vom 01.10.1925 bis zum 15.02.1926 zu
einem Offiziers-Waffenschul-Lehrgang nach Dresden kommandiert, wo er am
01.02.1926 zum Oberleutnant befördert wurde.
Vom 02.05.1927 bis zum 28.06.1927 zum 1. (Preuß.) Pionier-Bataillon kommandiert,
kommt Behrend am 01.10.1927 zur 4. (MG) Kompanie des 1. (Preuß.)
Infanterie-Regiments, wird dort vom 19.01.1928 bis zum 07.04.1928 zur 1.
(Preuß.) Nachrichten-Abteilung kommandiert und wird am 01.04.1928 zum
Nachrichten-Offizier des I. Bataillons seines Regiments ernannt.
Einen Monat später kommt er zur 14. Kompanie und am 01.04.1929 zur 3. Kompanie
des Regiments.
Am 01.10.1930 wird er zur 6. Kompanie des Infanterie-Regiments 18 versetzt,
erhält dort vom 08.03.1932 bis zum 11.03.1932 seine Wehrkreisprüfung und
übernimmt am 01.07.1933 das Kommando über die 2. Kompanie in Paderborn. Als
Kompaniechef wird er am 01.09.1933 zum Hauptmann befördert.
Am 01.10.1934 wird er Chef der 15. Kompanie des Infanterie-Regiments Paderborn,
bzw. am 15.10.1935 Chef der 5. Kompanie des Infanterie-Regiments 64.
Nach einem Reitunfall scheidet er, unter Bewilligung der gesetzlichen Versorgung
zum 31.01.1937, aus dem aktiven Wehrdienst aus und ist vom 02.03.1937 bis zum
05.12.1938 Abwehrbeauftragter des Generalkommandos III bei der Rheinmetall
Borsig GmbH, beim Werk Tegel in Berlin. Zwischenzeitlich hatte er am 25.11.1937
den Char. als Major und das Recht zum Tragen der Uniform des
Infanterie-Regiments 64 erhalten.
Vom 06.12.1938 bis zum 02.01.1939 nimmt er als Major a.D. an einer Auswahlübung
beim E-Bataillon des Infanterie-Regiments 16 teil und wird vom 03.01.1939 bis
zum 31.05.1939 zur Ableistung der Probedienstzeit als
Ergänzungs-Offiziers-Anwärter dem E-Bataillon des Infanterie-Regiments 16
zugeteilt. Zuvor war er am 05.01.1939 zum Offizier des Beurlaubtenstandes vom
Offizierskorps des Infanterie-Regiments 16 gewählt worden und wurde am
21.01.1939 zum Major der Reserve befördert. Mit Wirkung zum 01.02.1939 wird er,
als Chef der 1. Kompanie des Ergänzungs-Bataillon des Infanterie-Regiments 16,
bei den Offizieren des Beurlaubtenstandes des Heeres als Major der Reserve
angestellt.
Am 19.05.1939 wird er zum aktiven Major ernannt und am 01.06.1939, mit Wirkung
vom 01.03.1939, als Major wieder im Heer angestellt. Dort leitet er die
Unterführer-Lehrgänge des Infanterie-Regiments 16.
Im Zuge der allgemeinen Mobilmachung übernimmt Behrend am 25.08.1939 das
Kommando über das I. Bataillon des Infanterie-Regiments 489, dem sogenannten "Friesenbataillon".
Mit diesem nimmt Behrend am Frankreich-Feldzug teil, wo er sich am 11.05.1940
bei den Kämpfen um die Maas- und Albert-Kanal-Übergänge besonders auszeichnete.
So eroberte die Höhe 119 auf dem Westufer des Kanals bei Ter Nazien, südostwärts
Eben Emael.
Mit Beginn des Russland-Feldzuges, stiess Behrend am 22.06.1941, noch vor Beginn
des planmäßigen Angriffes des Regiments, im Dunst des Artilleriefeuers, tief in
die Befestigungslinien südostwärts und ostwärts Tauroggen durch. Damit
ermöglichte es Behrend der Kampfgruppe
Badinski, im Rahmen der 1. Panzer-Division, den Durchbruch zum Ostrand
Tauroggens und die Besetzung des Ostteils der Stadt. Für diesen Einsatz erhielt
Behrend am 15.07.1941 das
Ritterkreuz.
Am 10.09.1941 wird behrend bei Krasnogwardeisk verwundet, verbleibt zunächst bei
der Truppe und kommt dann ins Kurlazarett Semmering. Sein Bataillon hatte
erhebliche Verluste erlitten und Behrend nahm in seinen Gefechtsberichten kein
Blatt vor den Mund. So forderte er von seinen Vorgesetzten die Herauslösung des
Bataillons. Daraufhin wurde er abgelöst.
Nach seiner genesung wird Behrend am 16.10.1941 in die Führer-Reserve versetzt
und beim Infanterie-Ersatz-Bataillon 489 verwendet. Am 20.12.1941 übernimmt er
dann mit sofortiger Wirkung das Kommando der Gruppe Streifendienst beim
Wehrmachtsbefehlshaber Ukraine.
Am 01.08.1942 ist er Kommandeur des Streifendienstes für Reiseverkehr
Skandinavien, wo er am 15.02.1943 zum Oberst befördert wird. Dem folgt mit
Wirkung vom 20.12.1942 die Ernennung zum Kommandeur des Heeresstreifendienstes
für Reiseverkehr Mitte. Von dort erfolgte dann mit Wirkung vom 01.05.1943 die
Versetzung in die Führer-Reserve, wo er sich am 03.05.1943 beim
Heerespersonalamt, Amtsgruppe P1, beim Chef der Infanterie-Abteilung, Oberst
Marx, zu melden hatte.
Am 26.07.1943 erfolgte dann mit Wirkung vom 25.05.1943 die Ernennung zum
Kommandeur des Grenadier-Regiments 154.
Nach einer Erkrankung, kommt Behrend am 10.10.1943 zurück in die Heimat, wird
dort am 04.02.1944 in die Reserve versetzt, um am 07.02.1944, mit Wirkung vom
06.12.1943, erneut das Kommando über das Grenadier-Regiment 154 zu übernehmen.
Im Rahmen der 58. Infanterie-Division sollte das Regiment Ende Januar 1944 von
Pleskau aus in Richtung Pljussa vorgehen. Dabei entstand zum Grenadier-Regiment
220 eine Lücke von 10 Kilometern. Dadurch erhielt das Grenadier-Regiment 154 den
befehl sich zurückzukämpfen, wobei das Regiment westlich der Stadt Luga von
einer ganzen gegnerischen Division angegriffen wurde und Partisanen sämtliche
Verbindungen störten. Drei Tage war das Regiment eingeschlossen und hielt
dennoch stand. In der Ortschaft Potschap geriet das I. Bataillon in einen
Häuserkampf, woraufhin behrend mit der Aufklärungs-Abteilung 158, unter
Rittmeister von Cramm, zu Hilfe kam und so drei Viertel der Ortschaft erobern
konnte. Nachdem starke Feindkräfte angriffen, drückte Behrend die Spitze der
Truppe um den Angreifer herum und erreichte bei Nacht die Pljussa, wo er am
13.02.1944 nach Überschreitung des Flusses wieder Anschluss an die Division
fand. Für diesen Einsatz wurde Behrend am 06.03.1944 mit dem 421. Eichenlaub
ausgezeichnet.
Ab dem 20.06.1944 wieder in der Reserve, übernimmt er am 21.07.1944 das Kommando
über das Grenadier-Regiment 529 und mit Wirkung vom 01.08.1944 über die
Divisions-Gruppe 299. Am 01.09.1944 wieder Kommandeur des Grenadier-Regiments
529, kommt Behrend mit Wirkung vom 15.12.1944 zurück in die Reserve und wird vom
13.02. bis zum 15.03.1945 zum 17. Divisionsführer-Lehrgang kommandiert, um am
01.04.1945 mit der Führung der Division 490 beauftragt zu werden. Im Zuge der
Umbenennung in die 490. Infanterie-Division, übernimmt Behrend, unter
gleichzeitiger Beförderung zum Generalmajor, am 17.04.1945 das Kommando über die
Division.
Die Division war in Nordwestdeutschland eingesetzt und bestand größtenteils aus
zusammengewürfelten Truppen, wie den Kampfgruppen Knaust und Lier und umfasste
hauptsächlich Ausbildungs- und Ersatz-Einheiten. Ein Plus war das erfahrene
Offiziers- und Unteroffiziers-Korps. Ein Minus die nur kurz ausgebildeten
Rekruten der jüngsten Jahrgänge.
Nachdem die Teutoburger-Wald-Linie gegen die übermächtigen Gegner nicht gehalten
werden konnte, erfolgte ein schrittweises Zurückgehen zwischen Ems und Weser,
zusammen mit dem Hauptteil der 1. Fallschirm-Armee. Dabei setzte sich 490.
Infanterie-Division nochmals am Fladderkanal fest. Während eines feindlichen
Panzerangriffes auf die Kampfgruppe Knaust, traf Behrend bei der Kampfgruppe ein
und sah wie der beinamputierte Oberstleutnant Knaust im Graben stand und
feuerte. Behrend sprang ihm bei, woraufhin beide fast gleichzeitig je einen
Panzer mit der Panzerfaust abschossen.
Weiter nördlich schloss sich der Ring um die Division und Behrend stiess an der
Spitze der Stoßgruppe durch, wobei ca. 14 Sherman-Panzer meist im Nahkampf
abgeschossen wurden. Dafür erhielt er am 26.04.1945 die Schwerter zum
Eichenlaub.
Kurze Zeit später wurde der Flugplatz Sage durch feindliche Panzer angegriffen.
Behrend stiess dem Gegner in die Flanke, der sich überrascht zurückzog.
Am 08.05.1945 geriet Behrend in britische Gefangenschaft, wo er bis März 1946
Kommandeur der Kriegsgefangenen-Gruppe Behrend war, die aus Angehörigen der 490.
Infanterie-Division und später auch aus Teilen der Divisions-Gruppe 319,
bestand. Die Entlassung aus der Gefangenschaft erfolgte am 15.05.1947.
Herman-Heinrich Behrend starb am 19.06.1987 in Soltau.