Martin Moritz Bieber wurde am 10.11.1900 in Tabarz im kreis Waltershausen in
Thüringen geboren und besuchte von 1915 bis 1917 zunächst die
Hauptkadettenanstalt in Berlin-Lichterfelde. Von dort wird er am 29.03.1917, mit
Wirkung zum 02.04.1917, aus dem Kadetten-Korps kommend, als Fähnrich der 1.
Kompanie des I. Ersatz-Bataillons des Niederrheinischen Füsilier-Regiments Nr.
39 in Düsseldorf zugeteilt.
Vom 01.05. bis zum 30.06.1917 zum Ausbildungs-Kursus für Fahnenjunker auf den
Truppenübungsplatz Döberitz kommandiert, kommt Bieber am 11.07.1917 zum
Füsilier-Regiment 39 ins Feld, wird dort als Gruppen- und Zugführer eingesetzt,
ist stellvertretender Kompanieführer, Adjutant und Ordonnanz-Offizier, bis er am
09.12.1917 bei Chermitzy leicht an der rechten Schulter und am Gesäß durch
Handgranatensplitter verwundet wird. Zunächst zur Sanitäts-Kompanie 50 verlegt
und ab dem 11.12.1917 im Feld-Lazarett 170 in Liesse, kehrt Bieber am 22.12.1917
zum Regiment zurück und wird dort am 28.05.1918 bei Unchair am rechten
Oberschenkel verwundet. Über die Sanitäts-Kompanie 50, kommt er am 30.05.1918
zur Krankensammelstelle Chambry und von dort am 08.06.1918 in das
Reserve-Lazarett Luitpoldschule in Zweibrücken.
Wieder genesen am 25.06.1918 dem Ersatz-Bataillon des Regiments unterstellt,
wird er am 24.07.1918 über die Infanterie-Ersatz-Truppe des VII. Armee-Korps zur
50. Infanterie-Division überwiesen, um von dort dann am 02.08.1918 wieder dem
Füsilier-Regiment 39 zugeteilt zu werden. Dort übernimmt am nächsten Tag den
Posten des Nachrichten-Offiziers des III. Bataillons und wird am 03.09.1918 zum
Kompanie-Offizier der 8. Kompanie ernannt.
Ab dem 10.10.1918 Führer eine Kampfpatrouille, wird er am 12.10. in den Stab des
II. Bataillons versetzt und vom 08.11. bis zum 07.12.1919 einer Sonderformation
der 50. Infanterie-Division zugeteilt.
Ab dem 08.12.1918 bei der Abwicklungsstelle des Füsilier-Regiments 39, wird er
am 16.12. zum Adjutanten des II. Bataillons ernannt und übernimmt am 10.01.1919
den Posten des stellvertretenden Führers der MG-Kompanie.
Ab dem 02.02.1919 Führer des MG-Zuges des Regiments, erhält er am 10.02.1919
Urlaub zum Ablegen des Abiturs, wo er ab dem 20.03.1919 dem Freikorps
Niederrhein beitrat.
Am 01.05.1919 als Büro-Offizier zum Füsilier-Regiment 39 versetzt, trat Bieber
am 01.10.1919 dem Reichswehr-Schützen-Regiment 61 bei und wird am 01.02.1920
beurlaubt.
Am 15.03.1920 erfolgte die Versetzung in das II. Bataillon des
Infanterie-Regiments 21, bzw. am 13.04.1920 ins Reichswehr-Schützen-Regiment 61.
Von dort am 01.06.1920 zum Reichswehr-Schützen-Regiment 14 nach Osnabrück
versetzt, wird Bieber im Zuge der Heeresverminderung mit der Berechtigung zum
Tragen der Uniform des Füsilier-Regiments 39, aus dem Dienst entlassen, arbeitet
fortan aber bis zum 15.10.1934 als E-Offizier weiter.
Mit Wirkung vom 15.10.1934 kommt er als Hauptmann zum I. Bataillon des
Infanterie-Regiments Osnabrück nach Lingen, wo er seinen Dienst bei der 2.
Kompanie leistet. Weiterhin bis zum 14.12.1934 zum Ausbildungsstab der
Infanterieschule nach Döberitz kommandiert, kehrt er am 15.12.1934 zur 2.
Kompanie zurück.
Im Regiment übernimmt Bieber am 12.06.1935 die 5. Kompanie, die am 15.10.1935 in
5. Kompanie des Infanterie-Regiments 37 in Osnabrück umbenannt wird.
Ab dem 06.10.1936 Chef der 1. Kompanie im Infanterie-Regiment 39 in Düsseldorf,
besucht er vom 09.05. bis zum 18.05.1938 einen Lehrgang für leichte Granatwerfer
an der Infanterieschule Döberitz. Nach Rückkehr zu seiner Kompanie, wird er am
10.11.1938 in den Stab des Infanterie-Kommandeurs 26 in Düsseldorf versetzt und
am 26.08.1939 mit dem Posten des O1 der 86. Infanterie-Division betraut.
An der Westfront stationiert übernimmt Bieber am 18.01.1940 das Kommando über
das II. Bataillon des Infanterie-Regiments 167, mit dem er am Feldzug im Westen
teilnimmt. Nach Ende der Kämpfe besucht er vom 11.11. bis zum 23.11.1940
einen Bataillons-Führer-Lehrgang in Nevers/Frankreich, um dann mit seinem
Regiment am Ostfeldzug teilzunehmen. Dort wird er am 02.03.1942 mit sofortiger
Wirkung zum Führer des Infanterie-Regiments 427 ernannt.
Nach der Versetzung in die Führer-Reserve, mit Wirkung vom 07.03.1942, übernimmt
er mit Wirkung vom 06.07.1942 das Kommando über das Infanterie-Ersatz-Bataillon
193 in Detmold und wird dann mit Wirkung vom 25.09.1942 mit dem Kommando über
das Infanterie-Regiment 184 beauftragt.
Mit seinem Regiment geht Bieber am 05.07.1943, im Rahmen des Unternehmens "Zitadelle",
zum Angriff über und nimmt bis 15.00 Uhr die beiden ersten tiefgegliederten
Stellungssystem des Gegners. Die Division erteilte daraufhin den befehl den
Angriff einzustellen und sich in der erreichten Linie zur Verteidigung
einzurichten. Unterstützende "Ferdinand"-Kampfwagen wurden zurückgezogen
und eigene Pak in Stellung gebracht. Damit sollte Zeit zur Umgliederung gewonnen
werden, um am nächsten Tag wieder zum Angriff übergehen zu können.
Da zwischen 15.00 und 16.00 Uhr keine Verbindung zum Gefechtsstand des Regiments
bestand, Bieber aber über die Angriffsziele der Division unterrichtet, setzte er
persönlich gegen 16.00 Uhr eine Gruppe aus 5 "Ferdinanden" mit 25
aufgesessenen Grenadieren, unter stärkstem Abwehrfeuer, zum Angriff auf die das
Vorgelände beherrschende Höhe 256,5, nordostwärts 1. Maja, an, die sich bereits
in der 3. Verteidigungsstellung befand und das Vorgelände beherrschte. Der
Vorstoß glückte und obwohl er nun vom Halt des Abgriffes unterrichtet wurde,
schob Bieber weitere Kräfte auf die Höhe vor, um diese gegen die gegnerischen
Angriffe zu halten. Selbst an der Organisation der Abwehr beteiligt gelang es
dem Regiment die Höhe bis zum Einbruch der Dunkelheit zu halten, bis die
Division dem stark geschwächten Regiment neue Reserve zuleiten konnte.
Obwohl gegen den Befehl der Division handelnd schuf Bieber so die
Vorraussetzungen für einen neuen Angriff der Division auf die 3.
Verteidigungsstellung am 06.07.1943. Ein Durchstoß durch diese Linie ohne diese
beherrschende Höhe, wäre ohne schwere Verluste wohl nicht möglich gewesen. Dafür
wird er durch den Divisionskommandeur Weidling zum Ritterkreuz eingereicht, was
vom Kommandierenden General des XXXXI. Panzer-Korps, sowie dem Oberbefehlshaber
der 9. Armee Model befürwortet wurde, zum Ritterkreuz eingereicht.
Bei den Kämpfen am 09.07.1943 durch einen Beckenschuss schwer verwundet, nachdem
er in einer Krise beim Angriff des I. Bataillons, nach Ausfall des Kommandeurs
die Kompanien persönlich zum Angriff ansetzte, erhält Bieber am 28.07.1943 das
Ritterkreuz als Oberst und Kommandeur des Grenadier-Regiments 184 der 86.
Infanterie-Division.
Nach seiner Genesung übernimmt er am 04.11.1943 das Kommando über die
Divisions-Gruppe 86 bei der Korps-Abteilung E und ist dann ab dem 22.07.1944
stellvertretender Führer der Korps-Abteilung. Für die Führung der
Divisions-Gruppe erhält er am 02.09.1944 als Oberst das Eichenlaub zum
Ritterkreuz.
Vom 08.08.1944 bis zum 31.08.1944 Teilnehmer des 13. Divisions-Führer-Lehrgang
und dann in die Führer-Reserve versetzt, wird er am 07.09.1944 mit Wirkung vom
03.09.1944 mit der Führung der 62. Volks-Grenadier-Division beauftragt, bzw. mit
Wirkung vom 15.09.1944 mit der Führung der 271. Volks-Grenadier-Division, deren
Kommando er am 01.01.1945 übernimmt.
Als Divisionskommandeur gerät er am 13-.05.1945 in sowjetische Gefangenschaft,
aus der er am 08.10.1955 entlassen wird, nachdem er zuvor im Lager Woikowo
untergebracht war.
Martin Moritz Bieber verstarb am 19.10.1974 in Düsseldorf.