Georg Bleher wurde am 4. Februar
1919 in Langenau bei Ulm an der Donau als Sohn eines Reichsbahnbeamten
geboren. Nach dem Besuch der Volksschule und anschließend der Handelsschule
beendete er eine Ausbildung zum Industriekaufmann.
Am 1. April 1939 begann er seinen Dienstzeit im Reichsarbeitsdienst am
Westwall, der im März 1940 endete. Am 18. Juni 1940 erhielt Bleher seine
Einberufung und kam nach der Grundausbildung zur 3. Kompanie des
Infanterie-Regiment 34. Dieses Regiment gehörte zur 35. Infanterie-Division
und lag nach dem siegreichen Ende des Westfeldzuges in Holland und später in
Belgien. Am 1. Dezember 1940 wurde Georg Bleher zum Gefreiten befördert und
zugleich Hilfsausbilder und stellvertretender Gruppenführer.
Im Frühjahr 1941 verlegte das Infanterie-Regiment 34 nach Ostpreußen in den
Suwalki-Zipfel. Der 22. Juni 1941, der erste Tag des Krieges gegen die
Sowjetunion, brachte für Bleher den ersten Einsatz als Infanterist in
vorderster Linie. Bedingt durch den Ausfall des Gruppenführers mußte er
bereits an diesem Tag zum ersten Mal Verantwortung für untergebene Soldaten
übernehmen.
In den Vormarschkämpfen erlitt er im August 1941 eine erste Verwundung und
erhielt dafür am 15. September 1941 das Verwundetenabzeichen in Schwarz. Nach
einem kurzen Aufenthalt in einem rückwärtigen Lazarett in Warschau war er
jedoch bald wieder bei der Truppe und erhielt am 20. Oktober 1941 das Eiserne
Kreuz II. Klasse. Es folgten die Kämpfe bei Smolensk und die Kesselschlacht
von Wjasma. Während des Vormarsches auf die sowjetische Hauptstadt erhielt
Bleher am 1. Dezember 1941 die Beförderung zum Unteroffizier.
Am 4. Dezember 1941 kam der deutsche Vormarsch vor den Toren von Moskau
endgültig zum Stehen. Es folgte der Rückzug und die schweren Winterkämpfe
unter unvorstellbaren Bedingungen. Im März 1942 wurde Georg Bleher erneut
verwundet und erlitt zudem schwere Erfrierungen, es drohte ihm die Amputation
beider Hände. Bleher konnte dies jedoch verhindern. Er kam über Gshatsk und
Warschau in ein Militärhospital nach Ulm, wo er sich von seinen Verletzungen
und Erfrierungen wieder erholen konnte. Am 8. April 1942 erhielt er das
Verwundetenabzeichen in Silber.
Als Bleher im Spätsommer 1942 wieder zum Infanterie-Regiment 34 zurückkam,
wurde er noch am gleichen Tag seiner Rückkehr zu einem Spähtrupp eingeteilt,
den er entscheidend zum Erfolg führte. Dafür erhielt er am 17. Oktober 1942
das Eiserne Kreuz I. Klasse. Bereits am 12. Juli 1942 war ihm die Ostmedaille
verliehen worden.
Es folgten die Absetzbewegungen im Bereich der Heeresgruppe Mitte bis zum
Dnjepr. Aufgrund seiner ständigen Bewährung wird Bleher, noch immer
Unteroffizier, Kompanietruppführer. Im September 1943 wird er zu einem
Offizierslehrgang an die Kriegsschule nach Dresden geschickt. Es folgen die
Beförderungen zum Fahnenjunker-Unteroffizier am 1. Oktober 1943 und zum
Feldwebel am 1. Februar 1944, sowie die Ernennung zum Oberfähnrich am 1. März
1944. Nach erfolgreichem Abschluß des Lehrganges wird Georg Bleher zum
Leutnant d.R. befördert, mit Rangdienstalter vom 1. April 1944.
Mit der Beförderung zum Offizier kam Bleher jedoch anschließend nicht wieder
zu seinem alten Regiment zurück, sondern wurde zum Grenadier-Regiment 358
versetzt. Dieses gehörte zur 205. Infanterie-Division und lag Ende März 1944
im Raum Polozk. Bleher wurde mit der Führung einer Kompanie betraut. Jedoch
kurz darauf ernannte ihn der Kommandeur des III. Bataillons zu seinem
Adjutanten, später übernimmt Bleher diese Funktion im I. Bataillon des GR 358.
Trotz seiner neuen Aufgabe war Bleher weiterhin stets in vorderster Linie zu
finden und es erfolgte am 1. August 1944 die Verleihung der längst
überfälligen Nahkampfspange in Bronze. Bleher erlebte nun den Zusammenbruch
der Heeresgruppe Mitte und die Rückzugskämpfe ins Kurland. Die hier kämpfenden
deutschen Verbände wurden im Herbst 1944 abgeschnitten und eingeschlossen.
Am 25. Oktober 1944 erhielt Bleher das Verwundetenabzeichen in Gold. Der
ständige Einsatz fand dann am 9. März 1945 mit der Verleihung des Deutschen
Kreuz in Gold die verdiente Anerkennung. Gleichzeitig wird Bleher rückwirkend
auf den 1. Januar 1945 zum Oberleutnant d.R. befördert.
Der Kampf im Kurland wurde zum Stellungskrieg, in der Literatur bekannt als
die 6 großen Kurlandschlachten. Am 23. März 1945 trat das I. Bataillon des
Grenadier-Regiment 358 an, um einen Einbruch der russischen Truppen zu
begradigen. Bereits in den ersten Minuten fiel der Bataillonskommandeur. Es
war bereits der dritte Kommandeur, der direkt an der Seite von Bleher tödlich
getroffen wurde. Bleher, als Adjutant immer an der Seite des Kommandeurs, war
auch bei der Einsatzbesprechung anwesend gewesen, die dem Angriff
vorausgegangen war. Er übernahm nun auf eigenen Entschluß die Führung des
Bataillons und führte den Angriff erfolgreich zu Ende. Dabei erhielt er jedoch
einen Durchschuß durch den linken Ellenbogen. Diese 6. Verwundung bedeutete
für ihn das Ende seines Einsatzes an der Ostfront.
Nach der Versorgung seiner Wunde schlug sich Bleher nach Libau durch und
gelangte über die Ostsee nach Swinemünde. Von das aus ging es weiter im
Eisenbahntransport nach Hamburg und anschließend nach Süddeutschland ins
Lazarett nach Ravensburg. Von der Verleihung des Ritterkreuzes am 6. Mai 1945,
welches er für den erfolgreichen Gegenstoß, der zur Einkesselung und
Vernichtung der 8. russischen Gardedivision wesentlich beitrug, erhielt,
erfuhr Bleher erst Jahre nach Kriegsende.
Die letzten Wochen des Krieges verbrachte er im Lazarett Ravensburg. Bleher
hatte großen Anteil an der kampflosen Übergabe der Stadt an die Franzosen, die
dadurch vor erheblichen Kriegsschäden bewahrt wurde. Dies schützte Bleher
jedoch nicht vor der Kriegsgefangenschaft. Im Juni 1945, die Verwundung war
weitgehend verheilt, folgte der Transport nach Frankreich in ein
Offizierslager. Hier war es besonders der Hunger, der in den folgenden Monate
viele Opfer unter den deutschen Gefangenen forderte. Erst am 13. Juni 1947
wurde Georg Bleher wieder in die Heimat entlassen.