Ehrenfried Oskar Boege wurde am 11.11.1889
als Sohn von Oskar Wilhelm Alois Boege, eines Königlichen Rechnungsrates bei
der Eisenbahn-Direktion Posen und seiner Frau Maria Lina Clara, geb. Ravene in
Ostrowo/Provinz Posen geboren.
Nach dem Besuch der Volksschule und des Gymnasiums in Ostrowo, sowie des
Königlichen Marien-Gymnasiums in Posen, legte er am 08. März 1909 seine
Prüfung ab.
Zu Ostern 1909 begann Boege ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften
in München und wechselte noch im selben Jahr zur Universität Greifswald und
dann 1911 zur Universität Königsberg wo er sein Studium der Rechtswissenschaft
und Geschichte fortsetzte. Im Jahr 1912 brach er sein Studium ab und kehrte
nach Posen zurück, wo er an seiner Dissertation arbeitete und sich dann jedoch
entschloss Soldat zu werden.
So trat Boege am 13. September 1913 als Fahnenjunker in das 3. Oberschlesische
Infanterie-Regiment Nr. 62 in Cosel/Ratibor ein. Es folgten am 27.01.1914 die
Beförderung zum Fahnenjunker-Gefreiten und am 07.03.1914 zum
Fahnenjunker-Unteroffizier, sowie zum Fähnrich mit Patent vom 20.05.1914. Ab
dem 30. April besuchte er bis zum 01. August die Kriegsschule in Engers/Rhein
und wurde am 06. August 1914 zum Leutnant befördert.
In den ersten beiden Kriegsjahren, war Boege Chef der 9. Kompanie, dann Chef
der MG-Kompanie, dann Bataillonsadjutant und schließlich Ordonanzoffizier beim
Regimentsstab.
Seine Feuertaufe erhielt er in der Schlacht bei Neufchateau (22. -
23.08.1914). Außerdem nahm er an den Schlachten an der Maas, an der Verfolgung
von der Maas zur Marne, an der Stellungsschlacht in der Champagne und an den
Kämpfen bei Péronne teil.. Das Eiserne Kreuz II. Klasse erhielt er am 30.
September 1914.
Vom 25. Januar 1916 bis zum 31. Oktober 1916 befehligte Boege den
MG-Scharfschützentrupp 132, danach bis zum 06. Juli 1917 und vom 02. August
bis 28. Juli 1918 Chef der 2. Kompanie der MG-Scharfschützen-Abteilung 11.
Das Eiserne Kreuz I. Klasse bekam er am 06.Februar 1917 und erlebte die
Frühjahrschlacht bei Arras, die Schlacht in Flandern und vom 21. März bis 06.
April 1918 die Grosse Schlacht in Frankreich.
Mit Patent vom 18.04.1918 wird er zum Oberleutnant befördert. Die letzten
Kriegsmonate verbringt er beim Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 77 und als
Adjutant der 38. Reserve-Infanterie-Brigade im Rahmen der 2.
Garde-Reserve-Division (bis 12.01.1919).
Im oberschlesischen Grenzschutz war Boege Chef der 2. (MG) Kompanie des
Infanterie-Regiments 62 in Oberglogau im kreis Kreuzburg und des nunmehrigen
Reichswehr-Schützen-Regiments 15. Die Aufgaben des Adjutanten des
Infanterie-Führers 8 übernahm er am 13. November 1919.
Im Infanterie-Regiment 4 tätig erhielt er am 01. Oktober 1920 die Nachricht,
das er für die Reichswehr ab dem 01. Januar 1921 vorgesehen war. An diesem Tag
wurde er Mitglied des Infanterie-Regiments 6 in Mölln. Daraufhin folgte die
Kommandierung zur Führergehilfenausbildung beim Stab der 2. Division in
Stettin und nahm an der Wehrkreisprüfung vom 25. - 30. April 1921 teil.
Am 20. September 1921 heiratet Oberleutnant Ehrenfried Oskar Boege
Ruth-Dolores geb. Prudlo in Körnitz/Kreis Neustadt/Oberschlesien. Von den 4
Kindern wird der älteste Wolfgang-Maria seit dem 30. Juni 1944 im Raum Minsk
als Soldat im Infanterie-Regiment 11 der 14. Infanterie-Division, vermisst.
Der jüngste Sohn, Oberst Ehrenfried Boege (1995 Brigadegeneral) wird am 01.
April 1986 Kommandeur der Panzerbrigade 18 der Bundeswehr.
Ab 01. Oktober 1921 war Boege etatmäßig als Eskadronoffizier beim
Reiterregiment 6 geführt, blieb jedoch weiterhin beim Stab der 2. Division.
Nach einer Kommandierung zum 7. (Bay.) Artillerie-Regiment wird er am 01.
Oktober 1922 zur 3. Kompanie des 7. (preuß.) Infanterie-Regiments in
Schweidnitz versetzt. Nach einer kurzen Zeit als Chef der 3 (MG) Kompanie in
Neiße folgte ab dem 10. Oktober 1924 eine Kommandierung bis zum 31. März 1939
zum Regimentsstab. Boege wird während dieser Zeit am 01.10.1926 zum Hauptmann
befördert.
Mit Wirkung vom 01. März 1929 übernahm E. O. Boege die 12. (MG) Kompanie des
7. (Preuß.) Infanterie-Regiments in Breslau-Carlowitz. Am 01. Oktober 1932
wird er Taktiklehrer an der Infanterieschule (später Kriegsschule) in Dresden.
Dort wird er am 01.08.1934 zum Major befördert.
Ab dem 06. Oktober 1936 bis zum 02. November 1938 war er Kommandeur des III.
Bataillons des Infanterie-Regiments 84 in Gleiwitz, wo er am 16. März 1937 zum
Oberstleutnant befördert wird. Danach folgt die Versetzung als Kommandeur der
Lehrgruppe A an der Kriegsschule Potsdam mit Wirkung vom 03. November 1938.
Mit dem 26. August 1939 wird Boege mobilmachungsmässig in den militärischen
Stab Hitlers kommandiert und wird am 01. September 1939 stellvertretender
Kommandant des Führerhauptquartiers.
Nach dem Polenfeldzug wird er am 04. Oktober in die Führerreserve versetzt und
erteilt während dieser Zeit Taktikunterricht für Reserveoffiziere der
Ersatzdivisionen.
Am 14. Dezember 1939 übernimmt er das Infanterie-Regiment 161 der 81.
Infanterie-Division und liegt mit diesem Regiment bis März 1940 auf dem
Truppenübungsplatz Neuhammer und danach bis zum 10. Mai im Raum
Goldberg/Schlesien, währenddessen war er am 01.02.1940 zum Oberst befördert
worden.
Am 10. Mai 1940 wird das Infanterie-Regiment 161 nach Eupen verlegt und
marschiert über Spa, Charleville und Mezieres in den sog. "Sack von
St. Quentin" wo es vom 22. Mai bis 02. Juni in Quartier lag. Am 4. Juni
griff man über den Aisne-Kanal in Richtung Aisne-Marne-Loire auf Bourges an.
Für die Leistungen erhielt Boege die Wiederholungsspangen zum EK I und EK II
am 15. Juni 1940.
Seit dem 13. Juli 1940 ist Boege Kommandeur des Infanterie-Regiments 7 und
bereitet das Unternehmen "Seelöwe" vor und wird schließlich im Juni
1941 nach Raczki in den Osten verlegt.
Am 22. Juni war dieses Regiment die erste deutsche Einheit, die den Njemen
erreichte und auf dem Ostufer einen Brückenkopf bildete. Es sperrte
erfolgreich den Njemen-Übergang und hinderte die Übersetzung starker
feindlicher Kräfte. Man nahm teil an der Schlacht um Smolensk, der
Doppelschlacht von Wjasma und Brjansk und schließlich den Angriff auf Moskau,
mit den damit verbundenen Abwehrkämpfen südlich Gshatsk. Für diese Kämpfe wird
er am 18. Oktober 1941 mit dem Infanteriesturmabzeichen und am 22. Dezember
1941 mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.
Vom 01. Dezember bis 10. Februar 1942 übernimmt Boege das Kommando über die
252. Infanterie-Division und am 11. Februar wurde er Führer der 197.
Infanterie-Division und am 01. April deren Kommandeur. Am 01.04.1942 zum
Generalmajor befördert erreicht er am 01.01.1943 den Rang eines
Generalleutnants und bekommt am 13. Januar 1943 das Deutscher Kreuz in Gold.
Im Mai und Juni 1942 nahm die von Boege kommandierte Division am Unternehmen "Hannover",
der Vernichtung des sowjetischen Kavalleriekorps Below im Raum Dorogobusch,
teil. Es folgten Abwehrkämpfe im Raum Bjelij-Duchowtschina von Juni 1942
bis März 1943. Nach dem "Büffel"-Rückzug fanden weitere schwere
Abwehrkämpfe beiderseits Smolensk statt. Im Oktober und November 1943
beteiligte man sich an den Abwehrkämpfen innerhalb der Panther-Linie und wurde
dafür im Wehrmachtsbericht erwähnt.
Am 5. November wurde Boege in die Führerreserve versetzt, da man eine neue
Verwendung für ihn vorsah. So besuchte er im Januar 1944 einen Lehrgang für
Kommandierende generale in Döberitz und übernahm am 01. Februar bis 10. März
1944 als Stellvertreter die Führung des XXXXI. Panzerkorps und ab dem 25. März
übernahm der dieses Panzerkorps als Kommandeur unter gleichzeitiger
Beförderung zum General der Infanterie. Zusammen mit seinem Korps erlebte er
die Abwehrkämpfe bei Narwa und die Kämpfe am rechten Flügel der Heeresgruppe
Nord westlich von Dünaburg
In einem Aufsatz "Die Schlacht bei Ergli" schrieb General Boege:
" Im August 1944 brachen die Sowjets zu
dem erwarteten Angriff gegen den rechten Flügel der 18. Armee vor. Der
Schwerpunkt lag entlang der Strasse nach Ergli-Riga ... Der Angriffsstoß der
Sowjets über Ergli in Richtung Riga bedrohte zugleich den Rücken des XXXXIII.
Armeekorps. Der OB der Heeresgruppe Nord beauftragte Boege unter Unterstellung
des X. Armeekorps mit der Wiederherstellung der Lage (Gruppe Boege)."
Die Heeresgruppe stimmte dem Neuaufbau der Front etwa 25 km westlich
der ehemaligen Stellung zu...
"Nach kurzentschlossenem Gegenangriff wurde Ergli genommen... Planung und
alle Maßnahmen beruhten auf eigenen Entschlüssen, die die Billigung der
Heeresgruppe Nord fanden."
Etwa 2 Wochen später wurde die Gruppe Boege
aufgelöst und das Generalkommando des XXXXIII. Armeekorps kehrte auf seinen
alten Gefechtsstand zurück. Für die Schlacht um Ergli erhält Boege als
594. Soldat der Wehrmacht am 21. September 1944 das Eichenlaub zum
Ritterkreuz, dazu heißt es am 27.09.1944 im "Ostdeutschen Beobachter:
"General Boege hat als Führer einer
Kampfgruppe die gegen die westlich Modchn eingebrochenen Sowjets zum Gegenstoß
eingesetzt wurde mit Tatkraft und Zähigkeit nicht nur den feindlichen Angriff
aufgefangen sondern sogar die Angriffsspitzen der Bolschewisten wieder
erheblich nach Osten zurückgeworfen und dabei die wichtige Ortschaft Ergli
zurückerobert. Der für die Kämpfe in diesem Frontabschnitt entscheidende
Abwehrerfolg ist zu einem erheblichen teil General Boege zu verdanken, der
auch unter stärkster Feindeinwirkung stehts in vorderster Linie führte und die
Truppen seiner Kampfgruppe dadurch zu höchsten Leistungen mitriss.
Am 3. September 1944 übergab Boege das Kommando des Panzerkorps an
Generalleutnant Versock und wurde am 05. September selbst Nachfolger des
Generals der Artillerie Loch und somit Führer der 18. Armee. Am 18. Januar
wird er zum Kommandeur der 18. Armee ernannt.
Im Zeitraum vom Oktober 1944 bis Mai 1945 erlebte General Boege 5
Kurlandschlachten. Am 5. Mai 1945 geriet er in russische Kriegsgefangenschaft
und somit begann ein Leidensweg der über 10 Jahre dauern sollte.
Bis 30. Juni 1945 hielt er sich in lettischen Auffanglagern auf und wurde dann
in ein Lager in der Nähe Moskaus verlegt. Über 2 Jahre verbrachte er in
Woikowo bei Iwanowo, dann folgten 1 1/2 Jahre in einem Gefängnis, sowie
weitere 3 Monate in einem Zuchthaus in Wologda. Vom Juli 1949 bis Juli 1950
wurde er im Zementwerk und dann im Erholungslager 35 bei Workuta eingesetzt.
Vom Juli 1950 bis Februar 1954 wurde er in die Ostukraine verlegt, wonach eine
Verlegung nach Asbest bei Swerdlowsk erfolgte und dann weiter nach Woikowo.
Erst der Besuch Konrad Adenauers vom 9. - 13. September 1955 bereitete die
Heimkehr Boeges, der am 06. Oktober 1955 in Friedland deutschen Boden betrat.
Zunächst siedelte sich Boege in Bonn, dann in Füssen und zuletzt in Hildesheim
an, wo er im Alter von 76 Jahren am 31. Dezember 1965 verstarb und mit
militärischen Ehren in Rosenthal/Kreis Peine beigesetzt wurde.