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594. Eichenlaubträger Ehrenfried Oskar Boege
General der Infanterie

Ehrenfried Oskar Boege wurde am 11.11.1889 als Sohn von Oskar Wilhelm Alois Boege, eines Königlichen Rechnungsrates bei der Eisenbahn-Direktion Posen und seiner Frau Maria Lina Clara, geb. Ravene in Ostrowo/Provinz Posen geboren.
Nach dem Besuch der Volksschule und des Gymnasiums in Ostrowo, sowie des Königlichen Marien-Gymnasiums in Posen, legte er am 08. März 1909 seine Prüfung ab.
Zu Ostern 1909 begann Boege ein Studium der Rechts- und Staatswissenschaften in München und wechselte noch im selben Jahr zur Universität Greifswald und dann 1911 zur Universität Königsberg wo er sein Studium der Rechtswissenschaft und Geschichte fortsetzte. Im Jahr 1912 brach er sein Studium ab und kehrte nach Posen zurück, wo er an seiner Dissertation arbeitete und sich dann jedoch entschloss Soldat zu werden.
So trat Boege am 13. September 1913 als Fahnenjunker in das 3. Oberschlesische Infanterie-Regiment Nr. 62 in Cosel/Ratibor ein. Es folgten am 27.01.1914 die Beförderung zum Fahnenjunker-Gefreiten und am 07.03.1914 zum Fahnenjunker-Unteroffizier, sowie zum Fähnrich mit Patent vom 20.05.1914. Ab dem 30. April besuchte er bis zum 01. August die Kriegsschule in Engers/Rhein und wurde am 06. August 1914 zum Leutnant befördert.
In den ersten beiden Kriegsjahren, war Boege Chef der 9. Kompanie, dann Chef der MG-Kompanie, dann Bataillonsadjutant und schließlich Ordonanzoffizier beim Regimentsstab.
Seine Feuertaufe erhielt er in der Schlacht bei Neufchateau (22. - 23.08.1914). Außerdem nahm er an den Schlachten an der Maas, an der Verfolgung von der Maas zur Marne, an der Stellungsschlacht in der Champagne und an den Kämpfen bei Péronne teil.. Das Eiserne Kreuz II. Klasse erhielt er am 30. September 1914.
Vom 25. Januar 1916 bis zum 31. Oktober 1916 befehligte Boege den MG-Scharfschützentrupp 132, danach bis zum 06. Juli 1917 und vom 02. August bis 28. Juli 1918 Chef der 2. Kompanie der MG-Scharfschützen-Abteilung 11.
Das Eiserne Kreuz I. Klasse bekam er am 06.Februar 1917 und erlebte die Frühjahrschlacht bei Arras, die Schlacht in Flandern und vom 21. März bis 06. April 1918 die Grosse Schlacht in Frankreich.
Mit Patent vom 18.04.1918 wird er zum Oberleutnant befördert. Die letzten Kriegsmonate verbringt er beim Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 77 und als Adjutant der 38. Reserve-Infanterie-Brigade im Rahmen der 2. Garde-Reserve-Division (bis 12.01.1919).
Im oberschlesischen Grenzschutz war Boege  Chef der 2. (MG) Kompanie des Infanterie-Regiments 62 in Oberglogau im kreis Kreuzburg und des nunmehrigen Reichswehr-Schützen-Regiments 15. Die Aufgaben des Adjutanten des Infanterie-Führers 8 übernahm er am 13. November 1919.
Im Infanterie-Regiment 4 tätig erhielt er am 01. Oktober 1920 die Nachricht, das er für die Reichswehr ab dem 01. Januar 1921 vorgesehen war. An diesem Tag wurde er Mitglied des Infanterie-Regiments 6 in Mölln. Daraufhin folgte die Kommandierung zur Führergehilfenausbildung beim Stab der 2. Division in Stettin und nahm an der Wehrkreisprüfung vom 25. - 30. April 1921 teil.
Am 20. September 1921 heiratet Oberleutnant Ehrenfried Oskar Boege Ruth-Dolores geb. Prudlo in Körnitz/Kreis Neustadt/Oberschlesien. Von den 4 Kindern wird der älteste Wolfgang-Maria seit dem 30. Juni 1944 im Raum Minsk als Soldat im Infanterie-Regiment 11 der 14. Infanterie-Division, vermisst. Der jüngste Sohn, Oberst Ehrenfried Boege (1995 Brigadegeneral) wird am 01. April 1986 Kommandeur der Panzerbrigade 18 der Bundeswehr.
Ab 01. Oktober 1921 war Boege etatmäßig als Eskadronoffizier beim Reiterregiment 6 geführt, blieb jedoch weiterhin beim Stab der 2. Division. Nach einer Kommandierung zum 7. (Bay.) Artillerie-Regiment wird er am 01. Oktober 1922 zur 3. Kompanie des 7. (preuß.) Infanterie-Regiments in Schweidnitz versetzt. Nach einer kurzen Zeit als Chef der 3 (MG) Kompanie in Neiße folgte ab dem 10. Oktober 1924 eine Kommandierung bis zum 31. März 1939 zum Regimentsstab. Boege wird während dieser Zeit am 01.10.1926 zum Hauptmann befördert.
Mit Wirkung vom 01. März 1929 übernahm E. O. Boege die 12. (MG) Kompanie des 7. (Preuß.) Infanterie-Regiments in Breslau-Carlowitz. Am 01. Oktober 1932 wird er Taktiklehrer an der Infanterieschule (später Kriegsschule) in Dresden. Dort wird er am 01.08.1934 zum Major befördert.
Ab dem 06. Oktober 1936 bis zum 02. November 1938 war er Kommandeur des III. Bataillons des Infanterie-Regiments 84 in Gleiwitz, wo er am 16. März 1937 zum Oberstleutnant befördert wird. Danach folgt die Versetzung als Kommandeur der Lehrgruppe A an der Kriegsschule Potsdam mit Wirkung vom 03. November 1938.
Mit dem 26. August 1939 wird Boege mobilmachungsmässig in den militärischen Stab Hitlers kommandiert und wird am 01. September 1939 stellvertretender Kommandant des Führerhauptquartiers.
Nach dem Polenfeldzug wird er am 04. Oktober in die Führerreserve versetzt und erteilt während dieser Zeit Taktikunterricht für Reserveoffiziere der Ersatzdivisionen.
Am 14. Dezember 1939 übernimmt er das Infanterie-Regiment 161 der 81. Infanterie-Division und liegt mit diesem Regiment bis März 1940 auf dem Truppenübungsplatz Neuhammer und danach bis zum 10. Mai im Raum Goldberg/Schlesien, währenddessen war er am 01.02.1940 zum Oberst befördert worden.
Am 10. Mai 1940 wird das Infanterie-Regiment 161 nach Eupen verlegt und marschiert über Spa,  Charleville und Mezieres in den sog. "Sack von St. Quentin" wo es vom 22. Mai bis 02. Juni in Quartier lag. Am 4. Juni griff man über den Aisne-Kanal in Richtung Aisne-Marne-Loire auf Bourges an. Für die Leistungen erhielt Boege die Wiederholungsspangen zum EK I und EK II am 15. Juni 1940.
Seit dem 13. Juli 1940 ist Boege Kommandeur des Infanterie-Regiments 7 und bereitet das Unternehmen "Seelöwe" vor und wird schließlich im Juni 1941 nach Raczki in den Osten verlegt.
Am 22. Juni war dieses Regiment die erste deutsche Einheit, die den Njemen erreichte und auf dem Ostufer einen Brückenkopf bildete. Es sperrte erfolgreich den Njemen-Übergang und hinderte die Übersetzung starker feindlicher Kräfte. Man nahm teil an der Schlacht um Smolensk, der Doppelschlacht von Wjasma und Brjansk und schließlich den Angriff auf Moskau, mit den damit verbundenen Abwehrkämpfen südlich Gshatsk. Für diese Kämpfe wird er am 18. Oktober 1941 mit dem Infanteriesturmabzeichen und am 22. Dezember 1941 mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.
Vom 01. Dezember bis 10. Februar 1942 übernimmt Boege das Kommando über die 252. Infanterie-Division und am 11. Februar wurde er Führer der 197. Infanterie-Division und am 01. April deren Kommandeur. Am 01.04.1942 zum Generalmajor befördert erreicht er am 01.01.1943 den Rang eines Generalleutnants und bekommt am 13. Januar 1943 das Deutscher Kreuz in Gold.
Im Mai und Juni 1942 nahm die von Boege kommandierte Division am Unternehmen "Hannover", der Vernichtung des sowjetischen Kavalleriekorps Below im Raum Dorogobusch, teil.  Es folgten Abwehrkämpfe im Raum Bjelij-Duchowtschina von Juni 1942 bis März 1943. Nach dem "Büffel"-Rückzug fanden weitere schwere Abwehrkämpfe beiderseits Smolensk statt. Im Oktober und November 1943 beteiligte man sich an den Abwehrkämpfen innerhalb der Panther-Linie und wurde dafür im Wehrmachtsbericht erwähnt.
Am 5. November wurde Boege in die Führerreserve versetzt, da man eine neue Verwendung für ihn vorsah. So besuchte er im Januar 1944 einen Lehrgang für Kommandierende generale in Döberitz und übernahm am 01. Februar bis 10. März 1944 als Stellvertreter die Führung des XXXXI. Panzerkorps und ab dem 25. März übernahm der dieses Panzerkorps als Kommandeur unter gleichzeitiger Beförderung zum General der Infanterie. Zusammen mit seinem Korps erlebte er die Abwehrkämpfe bei Narwa und die Kämpfe am rechten Flügel der Heeresgruppe Nord westlich von Dünaburg
In einem Aufsatz "Die Schlacht bei Ergli" schrieb General Boege:

" Im August 1944 brachen die Sowjets zu dem erwarteten Angriff gegen den rechten Flügel der 18. Armee vor. Der Schwerpunkt lag entlang der Strasse nach Ergli-Riga ... Der Angriffsstoß der Sowjets über Ergli in Richtung Riga bedrohte zugleich den Rücken des XXXXIII. Armeekorps. Der OB der Heeresgruppe Nord beauftragte Boege unter Unterstellung des X. Armeekorps mit der Wiederherstellung der Lage (Gruppe Boege)."
Die Heeresgruppe  stimmte dem Neuaufbau der Front etwa 25 km westlich der ehemaligen Stellung zu...
"Nach kurzentschlossenem Gegenangriff wurde Ergli genommen... Planung und alle Maßnahmen beruhten auf eigenen Entschlüssen, die die Billigung der Heeresgruppe Nord fanden."

Etwa 2 Wochen später wurde die Gruppe Boege aufgelöst und das Generalkommando des XXXXIII. Armeekorps kehrte auf seinen alten Gefechtsstand zurück. Für die Schlacht um Ergli erhält Boege als 594. Soldat der Wehrmacht am 21. September 1944 das Eichenlaub zum Ritterkreuz, dazu heißt es am 27.09.1944 im "Ostdeutschen Beobachter:

"General Boege hat als Führer einer Kampfgruppe die gegen die westlich Modchn eingebrochenen Sowjets zum Gegenstoß eingesetzt wurde mit Tatkraft und Zähigkeit nicht nur den feindlichen Angriff aufgefangen  sondern sogar die Angriffsspitzen der Bolschewisten wieder erheblich nach Osten zurückgeworfen und dabei die wichtige Ortschaft Ergli zurückerobert. Der für die Kämpfe in diesem Frontabschnitt entscheidende Abwehrerfolg ist zu einem erheblichen teil General Boege zu verdanken, der auch unter stärkster Feindeinwirkung stehts in vorderster Linie führte und die Truppen seiner Kampfgruppe dadurch zu höchsten Leistungen mitriss.


Am 3. September 1944 übergab Boege das Kommando des Panzerkorps an Generalleutnant Versock und wurde am 05. September selbst Nachfolger des Generals der Artillerie Loch und somit Führer der 18. Armee. Am 18. Januar wird er zum Kommandeur der 18. Armee ernannt.
Im Zeitraum vom Oktober 1944 bis Mai 1945 erlebte General Boege 5 Kurlandschlachten. Am 5. Mai 1945 geriet er in russische Kriegsgefangenschaft und somit begann ein Leidensweg der über 10 Jahre dauern sollte.
Bis 30. Juni 1945 hielt er sich in lettischen Auffanglagern auf und wurde dann in ein Lager in der Nähe Moskaus verlegt. Über 2 Jahre verbrachte er in Woikowo bei Iwanowo, dann folgten 1 1/2 Jahre in einem Gefängnis, sowie weitere 3 Monate in einem Zuchthaus in Wologda. Vom Juli 1949 bis Juli 1950 wurde er im Zementwerk und dann im Erholungslager 35 bei Workuta eingesetzt.
Vom Juli 1950 bis Februar 1954 wurde er in die Ostukraine verlegt, wonach eine Verlegung nach Asbest bei Swerdlowsk erfolgte und dann weiter nach Woikowo.
Erst der Besuch Konrad Adenauers vom 9. - 13. September 1955 bereitete die Heimkehr Boeges, der am 06. Oktober 1955 in Friedland deutschen Boden betrat.
Zunächst siedelte sich Boege in Bonn, dann in Füssen und zuletzt in Hildesheim an, wo er im Alter von 76 Jahren am 31. Dezember 1965 verstarb und mit militärischen Ehren in Rosenthal/Kreis Peine beigesetzt wurde.

Beförderungen

 

Auszeichnungen

Gefreiter 27.01.1914 Eichenlaub zum Ritterkreuz 21.09.1944
Unteroffizier 07.03.1914 Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 22.12.1941
Fähnrich 20.05.1914 m. Patent v. 20.05.1914 Cc Eisernes Kreuz II. Klasse

16.06.1940

Leutnant 06.08.1914 m. Patent v. 28.01.1913 M Eisernes Kreuz I. Klasse 16.06.1940
Oberleutnant 18.04.1918 m. Patent v. 18.04.1918 Hh Eisernes Kreuz II. Klasse - 1. WK 30.09.1914
Oberleutnant 01.07.1922 erh. RDA v. 18.04.1918 (9) Eisernes Kreuz II. Klasse - 1. WK 06.02.1917
Hauptmann 01.10.1926 (RDA 4) Deutsches Kreuz in Gold 13.01.1943
Major 01.08.1934 (RDA 23) Dienstauszeichnung IV. - I. Klasse 12.09.1938
Oberstleutnant 28.03.1937 m. Wirk. v. 01.03.1937 (RDA v. 01.03.1937 (15)) Infanterie-Sturmabzeichen in Bronze 18.10.1941
Oberst 30.01.1940 m. Wirk. v. 01.02.1940 (RDA v. 01.02.1940 (15)) Medaille Winterschlacht im Osten 06.08.1942 (15.07.1942)
Generalmajor 16.03.1942 m. Wirk. v. 01.04.1942 unter Vorbeh. der Festsetz. des RDA
Generalmajor 08.04.1942 erh.RDA v. 01.04.1942 (27)
Generalleutnant 21.01.1943 m. Wirk. v. 01.01.1943 (RDA v. 01.01.1943 (50))
General der Infanterie 20.06.1944 -3210- m. Wirk. v. 01.06.1944 (RDA v. 01.06.1944 (3))

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