Hans Boelsen wurde am 06.03.1894 in Emden in Ostfriesland
geboren und trat am 17.08.1914 als Kriegsfreiwilliger dem Ersatz-Bataillon des
2. badischen Grenadier-Regiments "Kaiser Wilhelm I." Nr. 110 bei. Von
dort wechselt er am 22.10.1914 in das Ersatz-Bataillon des 4. Badischen
Infanterie-Regiments "Prinz Wilhelm" Nr. 112 und am 05.12.1914 in das
Ersatz-Bataillon des 10. Württembergischen Infanterie-Regiments Nr. 180. Ins
Feld versetzt übernimmt er am 06.04.1915 den Posten eines Zugführers und wird
als solcher am 098.06.1915 durch einen Granatsplitter verwundet.
Wieder genesen kommt Boelsen am 13.07.1915 zunächst als Zugführer in das
Ersatz-Bataillon seines Regiments und später in die dortige 2.
Ersatz-MG-Kompanie.
Ab dem 17.03.1916 MG-Zugführer und Ordonnanz-Offizier im Stab des
Reserve-Infanterie-Regiments 247, wird er gegen Ende August 1916 aufgrund einer
Ruhe-Erkrankung in ein Lazarett verlegt, um dann ab dem 11.12.1916 wieder in die
2. Ersatz-MG-Kompanie zurückzukehren.
Von dort wird er am 17.01.1917 als Bataillons-Adjutant zum Infanterie-Regiment
476 versetzt, wo er weiterhin den Posten eines Ordonnanz-Offiziers und später
den des stellvertretenden Regiments-Adjutanten übernimmt.
Ab dem 01.08.1918 Ordonnanz-Offizier im Stab der 242. Infanterie-Division, kommt
er mit Ende des 1. Weltkrieges als Kompanie- und Zug-Führer zum
Landesschützen-Korps und zum Reichswehr-Schützen-Regiment 7 im Detachment Stobbe.
Von dort erfolgte am 03.09.1919 bis zum 16.12.1919 die Rückversetzung in die
Abwicklungsstelle des Infanterie-Regiments 180, wo er dann am 19.12.1919 mit dem
Charakter als Oberleutnant aus dem Heeresdienst entlassen wird. Im Zivilleben
legt er 1922 sein wirtschaftliches Diplom ab und promoviert 1923 zum Dr. rer.
pol. und im Jahre 1928 zum Dr. jur.
Vom 13.06.1933 bis zum 17.06.1933 nimmt er an einem Kompanie-Führer-Kursus des "Stahlhelms"
in Mainz, sowie vom 10.09. bis zum 17.09.1933 an der Herbstübung des 12.
Infanterie-Regiments teil.
Vom 01.02. bis zum 28.02.1934 nimmt Boelsen, als Adjutant der SA-Standarte 25,
an einem Kursus der SA-Führerschule der SA-Gruppe Hessen teil und wird ab dem
15.07.1934 im I. Bataillon des Infanterie-Regiments 15 angestellt. Bereits ab
dem 16.07.1934 besucht Boelsen einen Lehrgang beim Ausbildungs-Stab der
Infanterieschule Döberitz, kehrt am 14.09.1934 wieder zu seinem Regiment zurück
und übernimmt am 01.10.1934 den Posten des Chefs der 3. Kompanie im
Infanterie-Regiment Gießen. Bereits am 15.10.1935 übernimmt er den gleichen
Posten im Infanterie-Regiment 36, bis dieses als Infanterie-Regiment 105 in das
Rheinland verlegt wird. Damit ist Boelsen ab dem 06.10.1936 Chef der 11.
Kompanie im Infanterie-Regiment 115 und besucht vom 21.11. bis zum 11.12.1937
einen Stabs-Offiziers-Lehrgang der 33. Division. Weiterhin erhält er am
25.03.1938 die Berechtigung die Titel Dr. Dr. neben seinem militärischen Rang
tragen zu dürfen.
Seit dem 03.11.1938 als Taktiklehrer an der Kriegsschule Potsdam tätig, kommt
er, ebenfalls als Taktiklehrer, am 17.08.1939 an die Infanterie-Schule Döberitz.
Mit Wirkung vom 15.10.1939 wird er in den Stab des XXII. Armee-Korps versetzt
und übernimmt dort den Posten des IIa. Von dort erfolgte am 06.03.1940 die
Ernennung zum IIa im Stab der Gruppe von Kleist, mit der er am West-Feldzug
teilnimmt.
Ab dem 13.07.1940 als IIa wieder im Stab des XXII. Armee-Korps, übernimmt er am
16.11.1940 den Posten des IIa im Stab der Panzergruppe 1. Kurz vor Beginn des
Ostfeldzuges wechselt Boelsen mit Wirkung vom 16.05.1941 als Kommandeur des II.
Bataillons zum Schützen-Regiment 111 und wird bereits am 26.06.1941 an der
Ostfront verwundet. Während der Genesung in die Führer-Reserve versetzt,
erfolgte mit Wirkung vom 29.07.1941 die Ernennung zum Kommandeur des
Kradschützen-Bataillons 160 (mot.). Als solcher bewährt er sich im Gefecht bei
Rublewka am 13. und 14.08.1941 besonders.
Nachdem er am 04.12.1941 erkrankte, wird er am 21.02.1942 in die Führer-Reserve
versetzt und mit Wirkung vom 01.03.1942 in die Lehr-Abteilung III der
Infanterieschule Döberitz kommandiert. Dort wird er dann mit Wirkung vom
09.03.1942 zum Kommandeur der Lehr-Abteilung III (für mot.-Infanterie) ernannt.
Mit Wirkung vom 15.01.1943 erfolgte dann die Versetzung in den Kommando-Stab der
Schule.
Am 10.07.1943 wird Boelsen mit Wirkung vom 15.05.1943 zum Kommandeur des
Panzer-Grenadier-Regiments 111, im Rahmen der 11. Panzer-Division, ernannt. Mit
dieser Division nimmt sein Regiment an den schweren Abwehrkämpfen nach der
Absetzbewegung der 4. Panzer-Armee westlich von Belgorod im Raum Trostjanez
teil. Dort gelingt dem Gegner am 17.08.1943 beim nördlichen Nachbarn ein tiefer
Einbruch mit drei Mech. Garde-Brigaden, einer Garde-Panzer-Brigade, einem
Panzer-Regiment und drei Schützen-Divisionen. Dieser Einbruch dehnt sich am
18.08.1943 weiter nach westen aus und überrollte auch die zurückgenommen Linien
der Division, bei der der Einbruch erfolgte. Damit war die offene linke Flanke
der 11. Panzer-Division bedroht. An diesem linken Flügel lag das Regiment unter
dem Kommando von Boelsen, der zu diesem Zeitpunkt einen Entlastungsangriff in
Richtung Osten führte. Dieser Angriff wurde bereits mit entbehrlichen
Trossleuten geführt. In Kenntnis der bedrohlichen Lage am linken Flügel der
Division, zieht er einige dieser Truppen ab und führt diese in den Raum
Nikitowka-Belka, wo er versprengte Einheiten der Nachbardivision zusammenrafft.
Aufgrund des Ausfalls viele Offiziere setzt sich Boelsen persönlich an die
Spitze dieser Kampfgruppe und führt diese gegen den Feind, den er zunächst bei
Grusskoje, dann bei Nowosselowka, bei Skrebowka und bei Baiwor in schneidigen,
schwungvollen Gegenstößen, unter blutigen Verlusten, zurückwirft. Dadurch baut
Boelsen nach und nach von Osten nach Westen eine mehrere Kilometer breite
Nordfront auf, schwächt die gegnerische Angriffskraft und hält den Stoss in den
Rücken der 11. Panzer-Division auf. Dafür wird er durch den Führer der 11.
Panzer-Division, Wend von Wietersheim, zum Ritterkreuz vorgeschlagen. Auch der
Kommandierende General des XXXXVIII. Panzer-Korps, General der Panzertruppe von
Knobelsdorff, befürwortete diesen Vorschlag wärmstens, nachdem Boelsen bereits
am 20.07.1943 erfolglos zum Ritterkreuz vorgeschlagen worden war. Boelsen hatte
anstatt des Ritterkreuzes die Ehrenblattspange erhalten für eine Tat vom 11. und
12.07.1943 bei Kotschetowka.
Der Oberbefehlshaber der 4. Panzer-Armee, Generaloberst Hoth, befürwortete den
Vorschlag ebenso wie der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd,
Generalfeldmarschall von Manstein, und der Chef des Heerespersonalamtes,
Generalleutnant Schmundt. Daraufhin erhielt Boelsen am 17.09.1943 als Oberst und
Kommandeur des Panzer-Grenadier-Regiments 111 das Ritterkreuz.
Am 07.11.1943 in die Führer-Reserve versetzt, nimmt er vom 16.11. bis zum
21.12.1943 am 8. Divisions-Führer-Kurz-Lehrgang in Döberitz teil. Von der
Führerreserve des Wehrkreises XI wechselt Boelsen vom 05.03. bis zum 20.03.1944
in den des OKH im Bereich der Heeresgruppe C und wird am 30.03.1944, mit Wirkung
vom 01.03.1944, mit der stellvertretenden Führung der 26. Panzer-Division
beauftragt. Dagegen führte er ab vom 05.03. bis zum 20.03.1944 zunächst die 29.
Panzer-Grenadier-Division und dann ab dem 11.04. bis zum 07.05.1944 die 26.
Panzer-Division.
Am 14.05.1944 wird er mit der stellvertretenden Führung der 114. Jäger-Division
beauftragt. Am 19.07.1944 übernimmt er dann abermals die Führung der 26.
Panzer-Division, wobei er zwischenzeitlich am 02.08.1944 aufgrund wiederholter
Bombenschädigung um acht Tage Urlaub bittet. Bis zum 26.08.1944 Führer der
Division, übernimmt er am 10.09.1944 das Kommando über die 18.
Panzer-Grenadier-Division und wird mit Wirkung vom 04.02.1945 erneut in die
Führer-Reserve versetzt, wo er im März 1945 die Führung des
Küstenverteidigungsabschnitts Friesland, der ehemaligen Division zbV. 172,
übernimmt. Als Führer dieses Kommandos gerät er am 29.03.1945 in Gefangenschaft,
aus der er am 30.06.1947 entlassen wird.
Dr. Dr. Hans Boelsen verstarb am 24.10.1960 in Frankfurt/Main.