Georg Freiherr von Boeselager wurde am
25.08.1915 in Kassel/Hessen geboren. Er entstammt einer traditionsreichen
Soldatenfamilie. Er und seine 3 Brüder wurden später Offiziere. Nur einer
überlebte den Krieg.
Georg erhielt zunächst eine schulische Ausbildung am von Jesuiten geführten
Aloisius-Kolleg in Bad Godesberg.
Schon von Kindesbeinen an, darauf erzogen einmal Kavallerieoffizier zur
werden, überrascht es nicht, dass er sich einen Namen als erfolgreicher
Turnierreiter machte. Gut auf das Soldatenleben vorbereitet trat er am
01.04.1934, nach dem Abitur, als Fahnenjunker ins Kavallerie-Regiment 15 in
Paderborn ein. Seiner Ausbildung folgte 01.04.1936 die Beförderung zum
Leutnant. Danach war er als Schwadronsführer eingesetzt. Von Boeselager galt
als ein begeisterter Kavallerist mit Leib und Seele, sowie als
leidenschaftlicher Renn- und Turnierreiter.
Mit Beginn des 2. Weltkrieges, bzw. der Allgemeinen Mobilmachung, wurden
die verschiedenen Kavallerie-Regimenter zu Aufklärungs-Abteilungen umbenannt
bzw. zum Aufbau dieser verwandt. So entstand aus dem Kavallerie-Regiment 15,
die Aufklärungs-Abteilung 6 der 6. Infanterie-Division, mit der von Boeselager
am Polen-Feldzug teilnahm. Boeselager wurde als Ordonnanzoffizier im Stab der
Abteilung eingesetzt, sowie als Führer berittener Stosstrupp, wofür er dann
bereits hier das Eiserne Kreuz II. Klasse erhielt.
Am 07.12.1939 zum Chef der 1. Schwadron der Abteilung ernannt, zeichnete er
sich im Westfeldzug erneut aus. Zunächst war die Abteilung zur Sicherung
beiderseits des Blies-Tales eingesetzt und kam dann im Rückwärtigen Raum an
der Nahe und im Hunsrück zum Einsatz. Am 12.05.1940 begann dann der Vormarsch
durch Luxemburg und Belgien nach Frankreich. Es folgten Kämpfe an der Somme
und der Seine, bis von Boeselager am 09.06.1940 den Befehl erhielt, die für
den weiteren Vormarsch wichtige Seine-Brücke bei Les Andeleys zu sichern. Als
diese jedoch zerstört aufgefunden wurde, fasste von Boeselager den
selbstständigen Entschluss mit einem Leutnant und 12 Mann die Seine auf dem
Rücken der Pferde zu durchschwimmen und an der anderen Uferseite, unter
feindlichem Beschuss, einen Brückenkopf zu errichten. Die Nichtschwimmer der
Schwadron gaben Feuerschutz, oder setzten weitere Soldaten über. Unbeeindruckt
vom Abwehrfeuer des Gegners wurde er offensiv und eroberte das Dorf Villers,
weitete den Brückenkopf so aus und sicherte diesen gegen alle gegnerischen
Angriffe. Dabei zersprengte er eine gegnerische Batterie und nahm eine weitere
bespannte Artillerie-Kolonne gefangen.
Eine Woche später nahm er bei Marchainville mit einem Flankenstoss seiner
Schwadron eine feindliche Batterie, die den Vormarsch der Vorausabteilung
erheblich einschränkte und sicherte so das weitere Vorgehen der gesamten
Division. Dafür wird er mit dem Eisernen kreuz I. Klasse ausgezeichnet und am
22.06.1940 im Wehrmachtsbericht genannt:
"In den Kämpfen der letzten tage
haben sich durch unerschrockenen Einsatz in kühnen Einzeltaten besonders
hervorgetan: der Oberst und Kommandeur einer Schützen-Brigade Neumann-Silkow,
der Oberleutnant und Chef einer Reiterschwadron Freiherr von Boeselager,, der
Leutnant Michael in einem Reiter-Regiment und der Leutnant Meier in einer
Panzerjäger-Abteilung."
Für die Leistungen als Chef der
Schwadron und die erfolgreichen Vorstöße trugen in erheblichen Masse zu den
Erfolgen der Division und des Korps bei und so wurde Freiherr von Boeselager
am 18.01.1941 als Chef der 1. (reit.) Schwadron der Aufklärungs-Abteilung 6
mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.
Nach der Verlegung nach Ostpreußen im März 1941, nahm er ab dem 22.06.1941 am
Feldzug gegen die Sowjetunion im Rahmen der 6. Infanterie-Division teil. Am
30.07.1941 erhielt er den Befehl mit seiner Schwadron gegen eine sowjetische
Einheit aufzuklären, die in der Flanke der Division die Düna überschritten
hatte und sich zu einer Bedrohung ausweitete. Von Boeselager griff sofort an
und schlug den Gegner über die Düna zurück. Bei diesem Angriff jedoch wurde
sein ältester Bruder Tonio Freiherr von Boeselager, als Zugführer in seiner
Schwadron, schwer verwundet. Wenige Tage später, am 05.08.1941, verstarb er im
Feldlazarett (mot.) 26 bei Welish, wo er noch heute begraben liegt.
Georg von Boeselager führte seine Schwadron in den ersten fünf Wochen des
Feldzuges über 800 Kilometer bis an den Schtschutschij-See und bewies immer wieder, dass er ein ausgezeichneter und tapferer
Offizier war, u.a. bei den Kämpfen zum Durchbruch durch die Grenzbefestigungen
ostwärts Goldap, beim Njemen-Übergang bei Prienai, beim Durchbruch durch die
Stalin-Linie bei Polozk, beim Vormarsch auf Mjesha, in der Schlacht bei
Wjasma, beim Durchbruch durch den Ossotnja-Sumpf, bei der Eroberung von
Ssytschewka, bei den Kämpfen um Bukowo-Subzow-Staritza, bei Bjeloi und bei
Moskau. Für diese Aneinanderreihung außergewöhnlicher Gefechtserfolge wurde
von Boeselager von der Division zum Eichenlaub vorgeschlagen.
Im November 1941 zum Führer der gesamten Abteilung ernannt, nimmt er am
Vormarsch über die Wolga, sowie an den folgenden schweren Abwehrkämpfen im
Raum Rshew teil. Dort wird er dann am 31.12.1941, als Rittmeister und Chef der
1. Schwadron der Aufklärungs-Abteilung 6 mit dem 53. Eichenlaub ausgezeichnet.
Kurz darauf wurde
er abkommandiert und ab dem 18.01.1942 als Taktiklehrer an der „Schule für Schnelle Truppen“
in Potsdam-Krampnitz eingesetzt. Eine Versetzung zur Panzertruppe lehnte er mehrfach ab.
Aus tiefster Überzeugung knüpfte er während dieser Zeit in Deutschland
erstmals Kontakte mit dem Militärischen Widerstand, die er auch später nicht
abreißen ließ.
Da ihm der Dienst hinter der Front
nicht behagte, erbat er eine Kommandierung als Taktiklehrer zum Stab des "Ausbildungsleiters
für Kavallerie in Rumänien", wo er in Hermannstadt und an der
Kavallerieschule Targoviste die Probleme und die Zukunftsgedanken der
rumänischen Kavallerie kennen lernte. Doch ihn zog es zurück auf ein
Kampfkommando, wo er seine Vorstellungen von einer Modernisierung der
Kavallerie verwirklichen wollte. Angedacht hatte er eine Verwendung als eine
Art berittene Infanterie mit hoher Mobilität.
Im Zuge seines Weihnachtsurlaubs, den er zum Teil bei seiner Schwadron
verbrachte, besuchte er seinen Bruder Philipp, der als Ordonnanzoffizier beim
Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte, von Kluge, seinen Dienst versah.
Dabei erhielt er Gelegenheit seine Idee über die Kavallerie direkt bei von
Kluge vortragen zu dürfen. Georg von Boeselager überzeugte von Kluge und
wenig später, am 12.02.1943, wurde er mit der Aufstellung des „Reiterverbandes
Boeselager“,
einem eigenständigen Kavallerieverband, beauftragt. Von Boeselager erhielt
hier nunmehr die Gelegenheit seine Vorstellungen direkt umzusetzen. Sein Bruder Philipp
erhielt das Kommando über die I. Abteilung.
Als sich zu Beginn des Jahres 1943 die Möglichkeit ergab, Hitler bei einem
Frontbesuch zu töten, meldeten sich sowohl Georg, als auch Philipp von
Boeselager, freiwillig zur Ausführung des Attentats bei dem Hitler erschossen
werden sollte. Generalfeldmarschall von Kluge verbot diese Aktion. Deshalb
wurde entschieden eine Bombe ins Flugzeug zu schmuggeln. Das Attentat
misslang.
Bereits Ende Februar war die erforderliche Sollstärke von 28 Offizieren, 160
Unteroffizieren, 920 Mann und 1.123 Pferden erreicht. Den Heeresgruppen Nord und Süd
empfahl er, ebenfalls derartige Verbände aufzubauen, die dies dann auch
durchführten, was zum Entstehen der Kavallerie-Regiment "Nord" und "Süd"
führte. Ende März 1943 wurde der "Reiterverband Boeselager" zum
Kavallerie-Regiment "Mitte" erweitert, das dann ab Mitte Mai 1943 im
Raum Staiki im Einsatz gegen Partisanen stand. Doch von Boeselager stand auch
den anderen beiden Kavallerie-Regimentern mit Rat und Tat zur Seite.
Während des Unternehmens "Zitadelle" bei Orel im Einsatz, wurde sein
regiment im Juli 1943 alarmiert und in den Raum Brjansk verlegt und dort an
der Strasse Orel-Brjansk in den Kampf gegen sowjetische Einheiten geworfen.
Während des Fronteinsatzes hielt Boeselager trotzdem zum Widerstand Kontakt,
v.a. durch den Generalstabschef der Heeresgruppe Mitte Generalmajor Henning
von Tresckow, einem hochrangigen Mitglied des Militärischen Widerstandes (er
beging nach dem fehlgeschlagenen Attentat vom 20.07.1944 Selbstmord). Bei
diesen schweren Abwehrkämpfen verlor das Regiment über 300 Mann, konnte sich
aber eggen 3 sowjetische Divisionen behaupten und diese schwer anschlagen. Im
August 1943 wurde das Regiment aus der Front gezogen, in den bisherigen
Unterbringungsraum verlegt und die Aufstellung abgeschlossen.
Im September 1943 stand das Regiment dann nördlich von Gorki im Einsatz und im
Oktober in Abwehrkämpfen um die "Panther"-Stellung. Am Vormittag des
23.10.1943 wies das Regiment drei Angriffe ab, wobei der Bruder Philipp
verwundet wurde. Am Abend des gleichen Tages griff der Gegner mit
Artillerieunterstützung erneut gegen die Linien des Regiments an. Dabei wurde
nun Georg durch einen Steckschuss im Oberschenkel zum ersten Mal in vier
Jahren Krieg verwundet. Als das Regiment am Abend des 25.10.1943 aus der Front
gezogen wurde, betrug die Stärke noch ganze 4 Offiziere und 47 Mann.
Zusammen mit seinem Bruder im Lazarett in Minsk, eine Überführung in ein
Heimatlazarett lehnte er strikt ab, ließ er sich noch nicht gesundet, zu
seinem Regiment bringen und leitete von dort die Neuaufstellung des Regiments.
Kurz vor Weihnachten war seine Wunde dann so geheilt, das er auf Krücken gehen
konnte und nun hoffte das Kommando über sein Regiment wieder übernehmen zu
können. Doch brach die Wunde wieder auf und er erlitt im Lazarett eine
Lungenentzündung. Erst auf befehl des Generalfeldmarschalls Ernst Busch, ließ
er sich in ein Heimatlazarett verlegen. Dort kam er zusammen mit seinem Bruder
in das Reserve-Lazarett Münstereifel, wo er dann schon nach einigen Wochen
begann zu laufen und unbedingt wieder an die Front zurück wollte.
Obwohl noch nicht wieder genesen, kehrte Boeselager im Frühjahr 1944 an die Front zurück und
traf am 25.04.1944 wieder bei seinem Regiment ein. Ende Mia 1944 erfolgte der
befehl zur Bildung der
3. Kavallerie-Brigade aus dem Kavallerie-Regiment "Mitte". Die
Aufstellung sollte von Boeselager übernehmen und das Kommando dann an Oberst
Freiherr von Wolff übergeben. Zwar nicht ganz damit einverstanden, beugte er
sich dem Befehl und begab sich Ende Juni 1944 auf einen vierwöchigen
Erholungsurlaub, wo er zum letzten Mal das Elternhaus auf Burg Heimersheim
besuchte. Am 17.07.1944 übernimmt er dann doch das Kommando über die 3.
Kavallerie-Brigade, nachdem von Wolff bei einer Schiessübung am 27.06.1944
schwer verletzt wurde und am Tag danach verstarb.
Vom Widerstand erfuhr er vom geplanten Anschlag auf
Hitler durch Stauffenberg. Um den Widerstand zu unterstützen verlegte Boeselager einen Großteil seiner Brigade weit ins Hinterland, um auf Befehl
sofort auf Berlin vorzurücken und das Regierungsviertel zu besetzen. Dieser
Befehl blieb aus und nachdem Generalmajor von Tresckow ihn über den Fehlschlag
informiert hatte, bevor er Selbstmord beging, führte Boeselager seine Truppen
wieder an die Front, ohne dass dies bemerkt worden wäre.
Sowohl er als auch sein Bruder Philipp (er erhielt ausgerechnet am 20.07.1944
das Ritterkreuz verliehen) wurden in keinster Weise mit dem Widerstand in
Verbindung gebracht und entgingen den „Säuberungsaktionen“ der Geheimen
Staatspolizei (Gestapo).
Im August 1944 stand Boeselager mit seiner Brigade dann in schweren Kämpfen
nördlich der Pripjet-Sümpfe und im Narew-Bug-Abschnitt, wo sie sämtliche
Durchbruchsversuche des Gegners verhinderte. Gegen Monatsende lagen die 3. und
4. Kavallerie-Brigade im Raum Czervon-Lomza im Narew-Brückenkopf.
Am 27.08.1944 sollte die Brigade südlich Stylagi-Zaluski feindliche
Bereitstellungen im Angriff zerschlagen. Noch immer unter Schmerzen stehend
führte er diesen Angriff mit einer unterstellten Panzer-Einheit selbst durch.
Dabei fiel Georg von Boeselager bei einem Angriff auf Bereitstellungen
des Gegners beim Dorf Lady Many, südlich Stylagi-Zaluski, bei Lomza im
Generalgouvernement. Er war mit seinem Schützenpanzerwagen an der HKL
entlanggefahren, um den Angriff am rechten Flügel in Schwung zu bringen. Als
der Wagen nun über eine Höhe mit Ziel der 7. Schwadron fuhr, prasselte
MG-Feuer gegen die linke Bordwand, wobei er tödlich verwundet wurde. Seine
Brigade ging zum Angriff über und führte den Angriff in seinem Sinne durch,
was den Gegners erhebliche Verluste beibrachte. Gegen Abend waren beide Seiten
schwer angeschlagen. Dabei meldete der Wehrmachtsbericht am 01.09.1944:
"[...] in den schweren
Abwehrkämpfen am Bug und Narew hat sich die 3. Kavallerie-Brigade durch
unermüdlichen Angriffsschwung und Härte ausgezeichnet. An ihrer Spitze fand
der bereits 1942 mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz ausgezeichnete 28jährige
Brigade-Kommandeur Oberstleutnant Georg Freiherr von boeselager den Heldentod."
Posthum wurde ihm am 28.11.1944, in
Anerkennung seiner großen militärischen und taktischen Erfolge, die 114. Schwerter zum Ritterkreuz mit
Eichenlaub verliehen und die Beförderung zum Obersten ausgesprochen.
Der Widerstandskämpfer Georg Freiherr von Boeselager starb zwei Tage nach
seinem 29. Geburtstag, als einer von drei Brüdern die im Krieg bleiben.
Der spätere Ritterkreuzträger Leutnant
Georg Bose war bei dem letzten
Angriff von Boeselagers dabei. Gegen 03.00 Uhr wurde dieser geweckt um beim
Brigade-Gefechtsstand befehle für einen Angriff entgegenzunehmen., der um
05.00 Uhr starten sollte. Dazu wurde als Unterstützung eine Kompanie "Tiger"
und drei Sturmgeschütze, unter Bose, genehmigt. Doch die drei Sturmgeschütze
waren aufgrund eines vorherigen Schadens noch nicht repariert. Gegen 05.00 Uhr
meldete Bose dem Regimentskommandeur Oberstleutnant Wilke die
Nicht-Bereitschaft der Sturmgeschütze, der dann verlangte das die Besatzungen
eben mit dem MG vorgehen sollten. Bose lehnte natürlich dankend ab und berief
sich letztlich auf den Führerbefehl, wonach Sturmgeschütze nicht sinnlos
eingesetzt werden dürften. Wilke drohte mit Kriegsgericht und Bose ging von
dannen. Der Angriff, ungeplant und ohne Aufklärung, erfolgte gegen 05.00 Uhr
und endete mit schweren Verlusten für die Reiter und die "Tiger". Von
Boeselager saß dabei auf seinem Schützenpanzerwagen ungeschützt und wollte
seine Reiter anfeuern, als er von einer MG-Garbe regelrecht durchsiebt wurde.
Bose fragt sich nun zu recht warum bei den Reitern, nach dem krieg fast alle
Widerständler, solche Befehle zu solchen Angriffen gegeben wurden, die den Tod
von so vielen aufrichtigen Männern zur Folge hatten. Andererseits ist es auch
möglich, daß er den Tod suchte, war er doch im Attentat des 20.07.1944
verstrickt. Doch fragt sich Bose dann, wieso der Regimentskommandeur Wilke die
Sturmgeschütze verheizen wollte, sollte doch das sinnlose Sterben an der Front
mit dem Tod Hitlers zu Ende sein.
Die Bundeswehr ehrte diesen bewährten und tapferen Mann, als Soldat und
Widerstandskämpfer, mit der "Freiherr von Boeselager"-Kaserne in
Munster, sowie einen internationalen militärischen Vielseitigkeits-Wettkampf
der Panzeraufklärungstruppe. Darüber hinaus trägt eine Schule in
Swisttal-Heimerzheim seinen Namen, die „ Georg von Boeselager-Schule -
Schule im organisatorischen Verbund Hauptschule - Realschule"