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Ritterkreuzträger Philipp Freiherr von Boeselager
Oberstleutnant, Kavallerie

                                                      

Philipp Freiherr von Boeselager wurde am 06.09.1917 in Heimerzheim im Kreis Rheinbach, als viertes von insgesamt acht Kindern, geboren und gehörte einer bedeutenden rheinisch-katholisch geprägten Soldatenfamilie an. Drei seiner Brüder fielen im 2. Weltkrieg, einer davon war der 114. Schwerterträger Georg Freiherr von Boeselager.
Im Jahre 1936 legte er sein Abitur am Aloisiuskolleg des Jesuitenordens in Bad Godesberg ab und wollte zunächst Jura studieren und dann zum Auswärtigen Amt gehen. Sein Großvater meinte jedoch, das er als Diplomat unter den Nazis lügen müsse und lieber zur Wehrmacht gehen sollte. So trat er 1936 dem Kavallerie-Regiment 15 in Paderborn bei und besucht die Kriegsschulen in Dresden und Döberitz, bis er 1938 als Leutnant zu seinem Regiment zurückkehrte.
Im Polen-Feldzug Zugführer in der Aufklärungs-Abteilung 186, nimmt er am West-Feldzug teil und wird am 10. Dezember 1941 vor Moskau an den Beinen schwer verwundet. Für sechs Monate in einem Lazarett, wurde er dann als Ordonnanzoffizier dem Generalfeldmarschall von Kluge zugeteilt, wo er erstmalig erfuhr was hinter den Linien der kämpfenden Wehrmacht geschah. Durch seine Dienststellung war er im März 1943 an einem Attentatsversuch auf Hitler beteiligt, nachdem er bereits 1942 zum Widerstand Kontakt aufnahm.  Im Stabe Kluges geriet anlässlich des Geburtstages von Kluges erstmalig mit dem 1. Generalstabsoffizier Henning von Tresckow aneinander. Kluge hatte von Hitler Bezugsscheine für Baumaterial und 250.000 Reichmark geschenkt bekommen und von Kluge, selbst eingeweiht in die Verschwörerpläne,  war sich unsicher warum. Von Boeselager beriet sich mit Tresckow, der ihm nach einem heftigen Streit offenbarte, das von kluge unabhängig bleiben müsse, da er im Kampf gegen Hitler gebraucht werde. Allein dieser Satz hätte beiden den Kopf gekostet. Von diesem Tag an, gehörte von Boeselager zum innersten Kreis der Verschwörer. Im gleichen Jahr entschied er sich zusammen mit 5 weiteren Kameraden dazu, Hitler und Himmler, anlässlich einer Rede vor Offizieren der Heeresgruppe Mitte in Smolensk zu erschießen. Himmler sagte jedoch kurzfristig ab und von Kluge verbot daraufhin dieses Unternehmen und Philipp beugte sich. Von Kluge rechnete ansonsten mit einem Bürgerkrieg zwischen Wehrmacht und Waffen-SS. In seinem Regiment hatte er einst eine heerestechnische Versuchsanstalt aufgebaut, wodurch er verschiedene Sprengstoffe besorgen konnte. Aus diesen traf er eine Auswahl von zwei Sprengstoffen, die Hitler auf einem Rückflug von der Ostfront, als Likörflaschen getarnt in die Luft jagen sollten. Das Attentat scheiterte jedoch, da die Zünder durch den russischen Winter einfroren und nicht auslösten. Ein Helfer konnte die Bomben gerade noch vor der Entdeckung aus dem Flugzeug entfernen.
Im Jahre 1943 wechselte er als Kommandeur der I. Abteilung zum Kavallerie-Regiment "Mitte", das unter dem Kommando seines Bruders stand. Beide Brüder waren aktiv im Widerstand beteiligt, wussten von dem Attentat vom 20.07.1944, Philipp besorgte den Sprengstoff, und ritten zwei Tage vorher mit ca. 1.200 Reitern nach Warschau, um dort nach Berlin zu fliegen, das Regierungsviertel zu besetzen und Himmler und Goebbels gefangen zu nehmen. Das Regiment war damit die einzige Grosseinheit der Wehrmacht, die den Verschwörern uneingeschränkt zur Verfügung stand. Als die Nachricht vom Scheitern des Attentats eintraf ließen die Brüder kehrtmachen und erreichten wieder den Unterbringungsraum. Keiner der eingesetzten Reiter verriet die Aktion, ebenso wie die verhafteten Verschwörer die die Brüder nicht verrieten. Beide überlebten das Attentat weil andere schwiegen. Sein Bruder Georg jedoch lebte nur kurze Zeit länger, da er am 27.08.1944 bei Lomza am Bug fiel. Ironie der Geschichte war es, das er am Tag des Attentats als Major und Kommandeur der I. Abteilung des Kavallerie-Regiments "Mitte" mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet wurde. Einer Auszeichnung der Hitler zustimmen musste. Die Fachliteratur gibt für die Verleihung den 20.07.1944 an. Von Boeselager selbst ist jedoch der Meinung das Ritterkreuz am 27.07.1944 erhalten zu haben. So sagt er selbst: "
Am 20. Juli hatten wir wichtiges zu tun, als von Hitler Auszeichnungen zu erhalten.". Es ist daher anzunehmen, das die Aushändigung des Ritterkreuzes mglw. am 27.07.1944 erfolgte.
Ab dem Tag des Attentats rechnete er täglich mit einer Festnahme und hatte für diesen Fall immer eine Zyankalikapsel dabei. Dafür hatte er stets den obersten Knopf seiner Uniform geöffnet. Erst am 08.05.1945 warf er die Kapsel in einen Fluss.
Nach dem Krieg heiratete er 1948 Rosa Maria Gräfin von Westphalen zu Fürstenberg, die ihn vier Kinder schenkte und studierte Volkswirtschaft. Umgezogen auf die Burg Kreuzberg in Altenahr, gehörte Philipp von Boeselager, zuletzt als Oberstleutnant der Reserve, ab dem 27.07.1954 zum Personalgutachterausschuss, der über die Einsetzung von ehemaligen Wehrmachtsoffizieren in die Bundeswehr entschied. Außerdem war er Mitglied der CDU, wobei er das Parteibuch später aus Enttäuschung wieder zurückgab. Ebenfalls nimmt er an Wehrübungen im Panzerbataillon 143 in Koblenz, in der NATO-Heeresgruppe Mitte und beim Bundesnachrichtendienst teil.
Im Januar 2004 wurde er zum Offizier in der Französischen Ehrenlegion ernannt und ist seit dem 15.06.2005 Ehrenbürger des Landkreises Ahrweiler. Weiterhin ist er Ehrenmitglied der Rheinischen Ritterschaft und Rheinischer Ritterhauptmann a.D.. Außerdem gehört der dem Malteser Ritterorden, den berufsständischen Vereinigungen der Forstwirtschaft und anderer öffentlicher Verbände an. Er ist Ehrenvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände und Ehrenmitglied der Studentenverbindung K.D.St.V. Ripuaria Bonn.
Er war der letzte noch lebende Angehörige des Widerstandskreises um Tresckow und Stauffenberg. Philipp von Boeselager gilt heute als christlicher Patriot. Von Boeselager macht nie einen Hehl daraus, das er den Feldzug gegen Polen und Frankreich als richtig ansah, da er zum damaligen Zeitpunkt die jeweiligen Verstrickungen (Sender Gleiwitz) nicht kannte.
Philipp Freiherr von Boeselager verstarb in der Nacht zum 01.05.2008 in Kreuzberg an der Ahr.

Beförderungen

 

Auszeichnungen

Leutnant 01.09.1938 Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes

20.07.1944

Oberleutnant ??? Eisernes Kreuz II. Klasse ???
Hauptmann ??? Eisernes Kreuz I. Klasse ???
Major ??? Ehrenblattspange 05.01.1944
Oberstleutnant ??? Verwundetenabzeichen in Schwarz ???
Oberstleutnant d. R. Anerkennungsurkunde 27.11.1943

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