Startseite - Kontakt - Forum - Gästebuch - Buchhinweis - Geschichte des EK - Impressum

__________________________
Die Biographien unterliegen dem Urheberrecht.
Jegliche Weiterverbreitung ohne Zustimmung des Autors ist untersagt

Ritterkreuzträger Robert Borchardt
Major, Aufklärungstruppe

Als Ende August 1941  in deutschen Zeitungen gemeldet wurde, daß dem damaligen Hauptmann Robert Borchardt, Kompaniechef einer auf dem nordafrikanischen Kriegsschauplatz eingesetzten Panzerspähkompanie, das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen worden sei, ging aus dem Text nicht hervor, daß es sich bei dem hochdekorierten Offizier um einen Mann handelte, der nach den im "Dritten Reich" gültigen Bestimmungen eigentlich in der deutschen Wehrmacht unerwünscht war.
Besagter Hauptmann Robert Borchardt, der noch vor der Hitlerzeit als Offiziersanwärter in die Reichwehr eingetreten war, gehörte schließlich zu jenen Soldaten, die auf Grund der Nürnberger Rassengesetze von 1935 für unwürdig befunden wurden, eine deutsche Uniform zu tragen: Er war nämlich Halbjude.
Seine damaligen Vorgesetzten sorgten allerdings dafür, das der derartig ausgestoßener Offizier nicht ins Ungewisse fiel, sie sorgten dafür, das Borchardt seine in China bei der dort für die Regierung des Marschalls Tschiangkaitscheks arbeitenden Militärmission unter Führung der Generale Wetzel, von Seeckt und Falkenhausen erworbenen soldatischen Kenntnisse und Fähigkeiten angemessen einsetzen konnte. Diese Tätigkeit endete im Herbst 1938 nachdem das Deutsche Reich inzwischen einen Pakt mit Japan geschlossen hatte - die Achse Berlin-Rom-Tokio - und damit die Tätigkeit einer größeren Gruppe deutscher Offiziere für den Japan-Gegner Tschiangkaitschek nicht mehr in die politische Landschaft passte. Somit wurde auch der Ex-Oberleutnant Borchardt, dessen Vater, im Jahre 1938 im KL Dachau, übrigens inzwischen nach England emigriert war, nach Deutschland zurückgerufen. Mit dem Vater floh auch die Schwester nach England. Roberts Bruder, Ernst, erhielt eine "Deutschblütigkeitserklärung", mit der er von Hitler somit quasi zum "Ehren-Arier" ernannt wurde. Als Leutnant beging Ernst später schwer verwundet Selbstmord. Der Onkel der beiden Brüder Rudolf Borchardt war Dichter und ein enger Freund Hugo von Hoffmannsthal. Er kämpfte vier Jahre im 1. Weltkrieg und war "mit Stolz Ostpreuße". Zwei Brüder des Borchardt-Großvaters dienten im Krieg 1870-71 und zwei weitere Familienmitglieder kämpften in den Befreiungskriegen 1813-15; einer von ihnen fiel bei Leipzig.
Als Zivilist hat er dann noch einige Zeit in der kriegswissenschaftlichen Abteilung des Generalstabes an einem Bericht über seine China-Erfahrungen gearbeitet, anschließend war er für die deutsche Abwehr (Admiral Canaris) im Ausland tätig.
Nach Ausbruch des II. Weltkrieges machte es Oberst Oster (1887 - 1945) - damals als Abteilungschef einer der engsten Mitarbeiter des Admirals Canaris (1887 - 1945) - möglich, daß Borchardt Ende 1939 als Hauptmann reaktiviert wurde.
Im Jahre 1941 wurde Borchhardt dann wegen seiner internationalen Erfahrungen dem Sonderverband 288 unter Oberst Menton als Adjutant zugeteilt. Die als "Geheime Kommandosache" aufgestellter Verband war dazu bestimmt, bei einem gelungenen deutschen Vorstoß bis nach Persien hinaus das Ölgebiet am Golf für Deutschland zu sichern und vielleicht bis nach Indien hinein zu wirken. Es handelte sich um eine Truppe ausgesuchter Einheiten aus allen Waffengattungen des Heeres wie Infanterie, Gebirgsjäger, Panzerjäger, Pioniere, Sturmgeschütze, Artillerie und Flak in Brigadestärke, auch eine Kompanie "Brandenburger", der Spezialtruppe der Abwehr, ein Dolmetscherzug mit Kennern einschlägiger asiatischer Sprachen und Spezialisten für die Ölförderung gehörten dazu.
Aus den hochfliegenden deutschen Asienplänen wurde bekanntlich nichts, deshalb wurde der nun freie Sonderverband 228 - ohne Dolmetscherzug und Erdölexperten - nach Nordafrika zu Rommels deutschem Afrika-Korps (DAK) in Marsch gesetzt, wo er sich hervorragend bewährte.
Im Laufe des Feldzuges übernahm Hauptmann Borchardt eine Panzerspähkompanie der Aufklärungsabteilung (mot.) 341 und wurde in dieser Funktion am 23.August 1941 mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.
Nach der Beförderung zum Major wurde er am 28. Oktober 1942 als Regimentsführer bei El Alamein schwer verwundet und geriet in britische Gefangenschaft, die ihn in  britische und kanadische Lager führte. Nach fast vier Jahren, während denen seinen britischen Verhörern auch bekannt wurde, daß sein Vater schon lange als Emigrant in England lebte, wurde er in die Heimat entlassen.
Hier wandte er sich dem Journalismus zu und arbeitete einige Jahre als Redakteur bei der "Süddeutschen Zeitung". 1954 wechselte er in den diplomatischen Dienst als Pressereferent bei der deutschen Botschaft in Washington.
Schließlich durfte er sich im Auswärtigen Amt Vortragender Legationsrat 1. Klasse nennen.
Eine letzte berufliche Veränderung ergab sich für Robert Borchardt, nachdem ein alter Kamerad aus den Zeiten gemeinsamer Taktik-Ausbildungen der Infanterieschule Dresden, Generalleutnant Gerhard Wessel (geb. 1913), die Nachfolge von Generalleutnant Reinhard Gehlen (1902 - 1979) als Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND) angetreten hatte. Dies zog auch ein Revirement auf den nachgeordneten Positionen in Pullach nach sich, dabei hatte Wessel den auslanderfahrenen Legationsrat Borchardt als Leiter der Auswertung ins Auge gefasst. Er erreichte es bei Staatssekretär Duckwitz vom Auswärtigen Amt, daß Borchardt ab 01. Oktober 1970 für den BND freigegeben wurde, wo er zunächst zum Ministerialdirigenten avancierte.
Im Frühjahr 1973 wurde Borchardt als Ministerialdirektor vorzeitig pensioniert.
Er starb am 10.03.1985 in Pullach b. München im 73. Lebensjahr. Ein in mehrfacher Hinsicht außergewöhnliches aber doch zugleich zeittypisches Leben war damit zu Ende gegangen. Borchardt gilt als einer der bekanntesten jüdischen Soldaten in Hitlers Wehrmacht. Für Major Robert Borchardt war sein Fronteinsatz Liebe zu Deutschland: „Ich diente, weil ich beweisen wollte, daß Hitlers Rassen-Nonsens falsch war. Ich wollte beweisen, daß Menschen jüdischer Abstammung tatsächlich tapfere und mutige Soldaten waren”.

Beförderungen

 

Auszeichnungen

Leutnant ??? Eisernes Kreuz II. Klasse ???
Oberleutnant ??? Eisernes Kreuz I. Klasse ???
Hauptmann ??? Ehrenblattspange 22.07.1941
Major ??? Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 23.08.1941

EHRE SEINEM ANDENKEN - GOTT GEBE IHM DIE LETZTE RUHE

Nedstat Basic - Free web site statistics

Buchhinweise: