Wolfgang Hans Heiner Paul von Bostell wurde am 25.02.1917 in Heiningen bei
Wolfenbüttel geboren und trat am 01.10.1935 der 2. Batterie des
Artillerie-Regiments 48 in Schwein/Mecklenburg bei, wo er am 01.10.1936 in die
2. Kompanie der Panzer-Abwehr-Abteilung 12 wechselte. Später, am 03.10.1937 in
die 3. Kompanie gewechselt, nimmt er am Polen- und West-Feldzug teil und wird am
16.11.1940 zum Zugführer in der 2. Kompanie seiner Abteilung ernannt.
Mit Beginn des Ost-Feldzuges im Nordabschnitt im Einsatz wird er am 22.07.1941
im Zuge einer Erkundung schwer verwundet und nach seiner Ausheilung am
21.09.1941 der Genesungs-Kompanie der Panzer-Jäger-Ersatz-Abteilung 2 in kolberg
zugeteilt. Dort übernimmt er am 08.01.1942 den Posten eines Zugführers in der 3.
Kompanie und kommt schließlich am 31.01.1942 als Zugführer in die 2. Kompanie
der Panzer-Jäger-Abteilung 12 und damit im Kessel von Demjansk zum Einsatz.
Am 23.04.1942 erneut schwer verwundet und ab dem 10.05.1942 wieder bei der
Genesenden-Kompanie der Panzer-Jäger-Ersatz-Abteilung 2, übernimmt er dort am
21.10.1942 den Posten eines Zugführers in der 3. Kompanie und wechselt am
26.10.1942 als Zugführer in die 1. Kompanie der Panzer-Jäger-Abteilung 23 an die
Wolchowfront.
Nach einem knappen Jahr schwerster Kämpfe, wird er vom 06.08. bis zum 23.11.1943
zum Fahnenjunker-Lehrgang 4 der 9. Inspektion (Panzer-Jäger) auf den
Truppenübungsplatz Wischau, sowie vom 07.12.1943 bis zum 03.03.1944 zum 2.
Oberfähnrichs-Lehrgang der Panzertruppe der II. Lehrgruppe zur 10. Inspektion
nach Groß Glienicke bei Berlin kommandiert.
Am 04.03.1944 erhält er eine weitere Kommandierung an die Sturmgeschützschule
nach Mielau in Polen, von wo aus er am 02.04.1944 als Zugführer in die 2.
Kompanie der Panzer-Jäger-(Sturmgeschütz)Abteilung 1023 der 23.
Infanterie-Division wechselt. Die 23. Infanterie-Division bestritt im Kampfraum
Modohn/Lettland schwere Kämpfe. So rollte Leutnant von Bostell am 11.08.1944
nach vorn, um die schwer ringenden Grenadiere in der vordersten Linie zu
unterstützen. Kurz vor Eintreffen am Einsatzort,
kam ihm der Divisionskommandeur
Generalleutnant Hans Schirmer
mit der Waffe in der Hand entgegen, wobei er drei sowjetische Gefangene vor sich
hertrieb. Der General hatte zusammen mit einer handvoll Grenadiere einen
Gegenstoß geführt und ordnete nun weitere Einsätze für von Bostells
Sturmgeschütz an. Ein Gefreiter markierte mit der Leuchtpistole verdeckt
stehende gegnerische Panzer, von denen sechs abgeschossen wurden. Weiterhin
wurde ein Pak-Geschütz zum Schweigen gebracht. Dadurch wurde beim Gegner eine
Panik ausgelöst und vier Panzer rollten eilig zurück. Von Bostell selbst fuhr
erst bei Dunkelwerden zurück, dabei fuhr sich das Geschütz in einem Sumpfloch
fest, wodurch die Besatzung erst gegen 03.00 Uhr nachts zur Ruhe kam.
Am frühen Morgen des 12.08.1944 griff der Gegner erneut an. Von Bostell umfuhr
einen Hügel und rollte plötzlich zwischen die sich gerade erhebenden und
vorgehenden sowjetischen Schützen, die nun zum Angriff auf die verbliebenen 30
deutschen Grenadiere antraten. Da sich das Sturmgeschütz gegen die deutschen
Linien wandte, glaubten die sowjetischen Soldaten es hier mit einem eigenen
Geschütz zu tun zu haben und winkten dem Kommandanten zu, der kaltblütig
zurückwinkte. In diesem Augenblick überholten zwei T-34 das Geschütz. Von
Bostell ließ diese bis auf 20 Meter herankommen und eröffnete dann das Feuer.
Schnell zerplatzen die beiden Panzer und hinterließen in den ihnen folgenden
Schützengruppen große Lücken. Der Ladeschütze feuerte mit dem MG aus dem offenen
Turm und der Fahrer feuerte mit der MPi durch den Sehschlitz auf die Angreifer.
Da zeigten sich zwei Sowjet-Panzer am Waldrand die sofort abgeschossen wurden.
Wenige Minuten später schwieg auch das nächste Pak-Geschütz. Dabei versagte die
Lenkung und das eigene Geschütz konnte nur nach nach rechts manövrieren. Der
Kommandant erspähte einen weiteren Panzer der durch das offene Tor einer Scheune
fuhr, als eine Hülse die Kanone verklemmte. Schnell wurde repariert und auch
dieser Panzer wurde ein Strich auf von Bostells Abschusskonto. Kurze Zeit später
setzte der Motor aus und zwei Mann mussten aussteigen und ihn per Hand neu
starten. Von Bostell ging wieder zum Angriff vor und riss nun auch die 30
eigenen Grenadiere vor. IN nur zwei Tagen hatte von Bostell 11 Panzer
abgeschossen, wofür die Besatzung am 14.08.1944 im Wehrmachtsbericht genannt
wurde:
"Leutnant von Bostell in einer
Sturmgeschütz-Abteilung hat sich bei der Bekämpfung feindlicher Panzer im Raum
von Kodohn besonders ausgezeichnet."
Der Richtschütze Guse wurde wegen Tapferkeit zum
Unteroffizier befördert, der Fahrer, Gefreiter Sievert, und der Ladeschütze,
Gefreiter Pirsch, mit dem EK I bzw. II ausgezeichnet. Leutnant von Bostell
erhielt dafür am 02.09.1944 für insgesamt 20 Panzerabschüsse das Ritterkreuz.
Kurze Zeit später wird von Bostell am 22.08.1944 wiederum schwer verwundet und
in ein Lazarett verlegt. Dort wird ihm am24.09.1944durch den Chefarzt des
Reservelazaretts Quedlinburg das Ritterkreuz ausgehändigt.
Wieder genesen kommt von Bostell am 05.01.1945 als Zugführer in die 2. Kompanie
der Panzer-Jäger-Abteilung 205, wo er am 10.04.1945 zum Führer der 2. Kompanie
ernannt wird. So hatte er sich bei der 5. Kurlandschlacht im Kampfraum südwärts
Libau und in der 6. Kurlandschlacht im Kampfraum südwestlich Frauenburg
besonders ausgezeichnet. Allein im Zeitraum vom 03. bis zum 08.03.1945 fuhr er
mit seinem Sturmgeschütz im Abschnitt Dedzini, südostwärts Libau, 17 Gegenstöße
und trug so dazu bei, das die eigenen Linien gehalten wurden. Dabei vernichtete
er einen Panzer und zwei Pak-Geschütze. Außerdem wurde er hierbei zum 10. !!!
mal verwundet.
Er bewährte sich erneut besonders am 26.03.1945. An diesem Tag gelang es dem
Gegner in Kurland im Kampfraum südostwärts Schrunden auf schmaler Front
durchzubrechen. Um diesen schlauchartigen Einbruch zu bereinigen, wurde die 205.
Infanterie-Division von südostwärts Libau herausgelöst und dem I. Armee-Korps
unterstellt, um den Einbruch zu bereinigen.
Am Morgen des 26.03.1945 trat die Kampfgruppe Berg mit der
Panzer-Jäger-Abteilung 205 zum Angriff an. Ziel war es den Schlauch in Höhe der
von Westen nach Osten verlaufenden HKL zu durchstoßen, um so die gegnerischen
Kräfte einzuschließen. Der Zug des Leutnants von Bostell wurde von Nordosten aus
angesetzt und hatte den Auftrag die feindliche HKL zu durchstoßen und südlich
des Schneisenkreuzes eine Abschirmfront nach Norden aufzubauen. Der 2. Zug hatte
den Auftrag erhalten von Kupini aus auf das Schneisen-T vorzudringen, dieses zu
nehmen und dort eine Abschirmfront nach Süden gegen Dsintari aufzubauen.
Zwischen beiden Keilen stieß eigene Infanterie gegen 05.00 Uhr zum Angriff vor.
Im Zuge des Vorbereitungsfeuers der Artillerie, stieß von Bostell mit seinen 3
Panzerjägern vor, durchstieß die gegnerische HKL und erreichte bereits um 05.00
Uhr das befohlene Einsatzziel. Da jedoch der 2. Zug unmittelbar nach
Angriffsbeginn auf ein Minenfeld traf, drohte die Gefahr das gesamte Unternehmen
abblasen zu müssen. Von Bostell über Funk in Kenntnis der Lage gesetzt,
entschloss sich daher mit zwei Panzerjägern erneut zum Angriff überzugehen und
die Schneise vom Schneisen-Kreuz bis zum Schneisen-T zu durchstoßen und unter
allen Umständen in Besitz zu nehmen.
Gegen 05.10 Uhr trat er mit 10 Sturminfanteristen, als Nahsicherung der
Geschütze, zum weiteren Angriff an. Der Gegner versuchte immer wieder den
Angriff aufzuhalten und baute unter künstlichem Nebel im Schneisen-T eine
Pakfront aus sieben bis acht Pak auf, die die Schneise entlang schießend, dem
weiteren Vordringen von Bostells Einhalt zu gebieten. Dieser jedoch griff
unbeirrt an, durchfuhr den Nebel und schoss ein Infanterie-Geschütze und fünf
Pak aus einer Entfernung von nicht mehr als 200 Metern zusammen. Dabei
vernichtete er in einer Stunde schwerster Kämpfe sämtliche Widerstandsnester des
gut ausgebauten Stellungssystems und brachte so das Schneisen-T in deutsche
Hand. Dabei erbeutete bzw. vernichtete er 4 sMG, 6 lMG, 12 MPi, 1 Funkgerät und
Fernsprechapparate. Vier Gefangene wurden eingebracht. Als sich der Gegner
aufgrund des Druckes in das Bunkerdorf nordostwärts des Schneisen-T´s zurückzog,
schoss von Bostell die Bunker mit seinen Granaten zusammen. Gegen 07.00 Uhr
erreichte dann auch der 2. Zug das Schneisen-T und von Bostell fuhr nun nach
Norden in Richtung auf das Schneisen-Kreuz, wobei sein Sturmgeschütz von einer
12,2-cm-Pak abgeschossen wurde. Sein Geschütz noch rückwärts in den Wald
fahrend, wo es dann bewegungsunfähig liegen blieb, nahm von Bostell den Gegner
weiter unter Feuer. Nachdem der Gegner weitestgehend in Deckung gehalten wurde,
stieg von Bostell in das 2. Geschütz um und erreichte so das Schneisen-Kreuz.
Dort hatte der Gegner aber mittlerweile ein Pak-Nest aufgebaut, das von Bostell
nun anging, dabei geriet er aber in ein Minenfeld, wodurch sein Geschütz durch
Minentreffer ausfiel. Dennoch schoss das zur Sicherung eingesetzte 3. Geschütz
die Pak ab und vernichtete zwei Pak. Eine dritte wurde erbeutet. Von Bostell
stieg nun in das 3. Geschütz um und stieß weiter auf das Schneisen kreuz vor,
wobei er mehrere Widerstandsnester des Gegners vernichtete. Dabei fiel auch das
3. Geschütz durch Artillerietreffer aus.
Inzwischen traf aber ein Verstärkungszug der Sturmgeschütz-Brigade 912 ein,
dessen Führung von Bostell übernahm und baute im Schneisen-Kreuz eine
Abwehrfront nach Norden auf, die sämtlichen Gegenangriffen standhielt. Dabei
zeichnete er sich gegen 15.00 Uhr erneut besonders aus, als er mit seinen
Sturmgeschützen weiter nördlich eine gegnerische Infanterie-Bereitstellung, die
zusammen mit aus der Richtung Dsintari angreifenden Einheiten, gegen das
Schneisen-T antreten sollte. Er fügte dadurch dem Gegner schwere Verluste zu, so
daß dieser gezwungen war die Angriffe einzustellen. Noch bis 24.00 Uhr stand von
Bostell mit seinen Geschützen zur Sicherung in der Stellung und fuhr dann
zurück. Von Bostell hatte so entscheidenden Anteil an der Aufreißung der
gegnerischen Front auf einer breite von 800 Metern und die im Schlauch
befindlichen Regimenter zu vernichten. Am nächsten Tag gelang es zwar einer
kleinen Teilgruppe auszubrechen, jedoch fiel der Großteil aus. Im verlauf der
Gefechte vernichtete bzw. erbeutete von Bostell 40 MG, 1 sIG, 8 Pak und 20 MPi.
Auf dem Schlachtfeld blieben 450 gefallene Gegner zurück.
Von Bostell erheilt dafür am 30.04.1945, als Leutnant und Führer der 2. Kompanie
der Panzer-Jäger-Abteilung 205, für 28 Panzerabschüsse das Eichenlaub zum
Ritterkreuz. Im Zuge neuester Forschungen erfolgte die
Verleihung des Eichenlaubs jedoch ohne Nennung der Nummer. Die bisher durch die
Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger festgelegte Nummer 859 entspricht nicht
den tatsächlichen Verleihungsbestimmungen des 3. Reiches, sondern wurde
unauthorisiert erst in der Nachkriegszeit festgelegt. Um jedoch Verwechslungen
auszuschließen ist es sicherlich ratsam, diese Nummer dennoch, mit Vermerk zu
verwenden.
Von Bostell geriet am 08.05.1945 in sowjetische Gefangenschaft, aus der er am
08.10.1953 entlassen wurde.
Wolfgang von Bostell verstarb am 10.05.1991 in Hamburg.