Heinrich Alfred Hermann Walther von
Brauchitsch wird am 04.10.1881 in Berlin als Sohn des Generals Bernhard
von Brauchitsch und dessen Frau Charlotte (geb. von Gordon) geboren.
Am 22.03.1900 wird er aus der Selekta der Hauptkadettenanstalt
Groß-Lichterfelde als Leutnant der 9. Kompanie des Garde-Grenadier-Regiments "Königin
Elisabeth" Nr. 3 in Berlin-Charlottenburg zugeteilt und mit Wirkung vom
01.12.1900 zum 3. Garde-Feld-Artillerie-Regiment nach Berlin bzw. Beeskow
kommandiert, wohin er dann ab dem 18.05.1901 versetzt wird.
Vom 10.02. bis zum 31.05.1903 zum II. Lehrkursus der
Feldartillerie-Schießschule, sowie vom 01.05. bis zum 13.05.1905 zur
Gewehrfabrik Spandau kommandiert, bis er dann am 05.02.1906 zum Adjutanten der
II. Abteilung und zum Gerichts-Offizier im 3. Garde-Feld-Artillerie-Regiment
ernannt wird.
Ab dem 13.04.1909 Regiments-Adjutant, nimmt von Brauchitsch vom 16.06. bis zum
30.06.1911 an der Generalstabsreise des Garde-Korps teil und wird mit Wirkung
vom 01.04.1912 für ein Jahr der Dienstleistung zum großen Generalstab
kommandiert. Mit Wirkung vom 01.04.1913 wird diese Kommandierung um ein
weiteres Jahr verlängert. Nach diesem Jahr erfolgte dann am 22.03.1914 unter
Belassung beim großen Generalstab die Versetzung in den Generalstab der Armee.
Mit Beginn des 1. Weltkrieges wird er mit Wirkung vom 01.08.1914, am
02.08.1914, in den Generalstab des XVI. Armeekorps in Metz, für die Dauer der
mob-Verwendung, versetzt. Mit dem Korps nimmt er an den Kämpfen im
Othain-Abschnitt teil. Es folgen Schlachten um die Maas-Übergänge, bei
Varennes-Montfoucon, Verfolgungskämpfe westlich Verdun und durch die Argonnen,
die Schlacht bei Vaubecourt-Fleury, die Schlacht bei Varennes und
Stellungskämpfe im Argonnen-Wald. Dort wird er am 17.10.1915 zum Ia der 34.
Infanterie-Division ernannt, die zunächst im Argonner Wald zum Einsatz kommt.
Es folgen Einsätze in der Schlacht um Verdun und dabei hauptsächlich bei den
Kämpfen um das Zwischenwerk Thiaumont. Nach anschließenden Stellungskämpfen,
folgen die Kämpfe um Donaumont und ab dem 03.11.1915 Stellungskämpfe in den
Vogesen und im Argonnen-Wald.
Am 10.03.1917 beginnen für von Brauchitsch die Kämpfe an der Aisne, bei denen
er am 19.03.1917 unter Weitergewährung der Feldbesoldung zu den Offizieren der
Armee versetzt wird und der Heeresgruppe "Deutscher Kronprinz" zur
besonderen Verwendung zugeteilt wird. Am 27.03.1917 erfolgte dann die
Versetzung zu den Generalstabs-Offizieren des Oberbaustabes 7.
Fünf Monate später, am 23.08.1917 ist er den Ia der 11. Infanterie-Division,
mit der er nach der Teilnahme an der Doppelschlacht an der Aisne-Champagne, an
den Stellungskämpfen am Chemin des Dames, ab dem 24.08. an den
Stellungskämpfen zwischen Maas und Mosel teilnimmt. Nach weiteren
Stellungskämpfen in der Champagne und in Flandern, wird er als Ia am
19.02.1918 in den Generalstab der 1. Garde-Reserve-Division, unter
gleichzeitiger Kommandierung zum 28. Führerkursus nach Sedan, versetzt. Mit
der Division folgen zunächst Kämpfe im Raum Artois, dann die Große
Schlacht um Frankreich, die Schlacht bei Armentiers und Stellungskämpfe in
franz. Flandern.
Vom 20.06. bis zum 22.06.1918 Teilnehmer des 4. Unterkurses auf der
Heeresminenwerferschule in Valenciennes, erhält er vom 02.07. bis zum
04.07.1918 eine Kommandierung zum 81. Lehrgang bei der Heeresgasschule in
Berlin.
Wieder an der Front wird er als Ia am 06.08.1918 in den Generalstab des
Garde-Reserve-Korps versetzt und steht nach der Demobilmachung des
Generalkommandos des Garde-Reserve-Korps zur Verfügung des Chefs des
Generalstabes. Zuvor hatte er noch in Flandern gekämpft, stand vor der Front
bei Jeperen-La Basse im Einsatz, war Teilnehmer an Nachhutkämpfen an der Yser
und Lys und stand in der Antwerpen-Maas-Stellung im Kampf, bis ab dem
13.11.1918 die Räumung des besetzten Gebietes und der Marsch zurück in die
Heimat erfolgte.
Am 03.01.1919 in den Generalstab des VI. Armee-Korps versetzt, wird er mit
Wirkung vom 26.01.1919 zu den Offizieren der Armee versetzt und dem
Generalkommando des III. Armee-Korps zur Verwendung zur Verfügung gestellt,
bis mit Wirkung vom 15.03.1919 die Versetzung in das 3.
Garde-Feld-Artillerie-Regiment erfolgte. Von dort kommt von Brauchitsch mit
Wirkung vom 01.04.1919 in den Generalstab der Armee und wird gleichzeitig dem
Generalstab der 34. Infanterie-Division zugeteilt. Von dort dann am 24.05.1919
in den Generalstab des Auflösungsstabes 62 versetzt, kommt er am 28.09.1919
als Generalstabs-Offizier zum Wehrkreis-Kommando II nach Stettin, wo er ab dem
16.05.1920 dem Generalstab angehört.
Daraufhin mit Wirkung vom 01.10.1920 als Major i.G. in den Generalstab des
Artillerie-Führers II versetzt, übernimmt er mit Wirkung vom 01.10.1921 die
Führung der 2. Batterie, bestehend aus leichten Feld-Haubitzen 16, des
Artillerie-Regiments 2, dem späteren 2. (Preuß.) Artillerie-Regiments, bis er
mit Wirkung vom 01.11.1922 in das Reichswehr-Ministerium versetzt wird. Dort
wird er ab dem 16.10.1922 der Abteilung T3 zugeteilt und in eine
Referentenstelle eingereiht. Mit Wirkung vom 15.02.1923 trat er dann in die
T4-Abteilung über und wird vom 20.06. bis zum 01.07.1923 auf eine Lehrerreise
kommandiert. Dem schließt sich vom 12.07. bis zum 18.07.1923 eine
Nachrichten-Übung an und vom 19.06. bis zum 01.07.1924 eine Luftschutzreise.
Vom 04.06. bis zum 18.06.1925 Teilnehmer einer Chef-Übungsreise, vom 14.07.
bis zum 25.07.1925 an einer Lehrer-Übungsreise, wird er mit Wirkung vom
01.10.1925 in das 6. (Preuß.) Artillerie-Regiment versetzt und wird dort mit
Wirkung vom 01.12.1925 Kommandeur der II. Abteilung des Regiments in Minden in
Westfalen.
Nach einem Lehrgang im Artillerie-Vermessungs-Dienst vom 24.10. bis zum
30.10.1926, folgt vom 30.04. bis zum 11.05.1927 eine Führerreise und vom
18.07. bis zum 04.08.1927 eine Kommandierung zu einem Infanterie-Lehrgang in
Döberitz.
Mit Wirkung vom 01.11.1927 dann Chef des Stabes der 6. Division, ist er mit
Wirkung vom 17.09. bis zum 29.09.1928 Leiter der Wehrkreis-Übungsreise des
Wehrkreises VI.
Mit Wirkung vom 15.01.1930 im Zuge eines Versetzungskommandos zum
Reichswehr-Ministerium kommandiert, wird er dort am 23.12.1929 als
stellvertretender Leiter der Heeres-Ausbildungs-Abteilung (T4) zugeteilt. Mit
Wirkung vom 01.02.1930 ist er dann Abteilungsleiter T4. Im Jahre 1931 reist
er in die Sowjetunion, wo er die Kooperation der Roten Armee mit der
Reichswehr unterstützt.
Mit Wirkung vom 01.03.1932 zum Inspekteur der Artillerie ernannt, übernimmt er
mit Wirkung vom 01.03.1933 das Kommando über die 1. (Infanterie-) Division und
ist Befehlshaber im Wehrkreis I, bis er am 21.06.1935 zum Kommandierenden
General des I. Armee-Korps und zum Befehlshaber im Wehrkreis I ernannt wird.
Nach mehren urlauben wird er mit Wirkung vom 12.03.1937 zum Oberbefehlshaber
der Gruppe 4 in Leipzig ernannt und übernimmt am 04.02.1938 den Oberbefehl des
Heeres. Als solcher steht er ab dem 25.02.1938 den Reichsministern im Range
nach gleich und nimmt mit Anordnung des Führers an den Sitzungen des
Reichskabinetts teil. 1938 nach der Blomberg-Affäre und den Rücktritten
von Blomberg und Werner Freiherr von Fritsch wird Brauchitsch Oberbefehlshaber
des Heers. Als Voraussetzung dafür hat er finanzielle Unterstützung von Hitler
erhalten, da Brauchitsch nach der Scheidung, am 08.04.1938, von seiner Frau
Elisabeth von Karstedt, dieser keinen
ausreichenden Unterhalt zahlen kann.
Es erfolgte dann die Heirat, am
23.09.1938,
mit Charlotte Rüffer.
Mit seiner ersten Frau hatte von
Brauchitsch drei Kinder.
Kurze Zeit später ist er direkt an der Organisation der Angliederung
Österreichs und des Sudetenlandes beteiligt. Zuvor hatte er am 11.08.1938 im
Auftrag des Führers das Artillerie-Regiment 12 an den zuvor entlassenen
Generaloberst Frhr. von Fritsch übergeben, der dann im Polen-Feldzug mglw.
freiwillig aus dem Leben schied. In der Sudetenkrise teilt er die Bedenken von Generalstabschef Ludwig Beck,
kann sich jedoch nicht zu einer direkten Unterstützung für dessen Opposition
gegen Hitlers Kriegspläne entschließen.
Im März 1939 ist er an der Besetzung der Rest-Tschechei beteiligt und ist am
25.04.1939 in der Nähe von Bielefeld das Infanterie-Regiment 18 an den
Generaloberst von Rundstedt.
Nach Ende des Polen-Feldzuges feiert er am 22.03.1940 sein 40jähriges
Dienstjubiläum und ist dann an der Planung und Durchführung des West-, sowie
Ost-Feldzuges beteiligt. Für das erfolgreiche Abschließen des Polen-Feldzuges
erhält er als Generaloberst und Oberbefehlshaber des Heeres am 30.09.1939 als
einer der ersten das Ritterkreuz.
Von 1939-1941 leitet Brauchitsch die militärischen Operationen des Heers in
Polen, Frankreich und Rußland. Da ihm die strategischen und politischen
Entscheidungen Hitlers widerstreben und er sich auch nicht zum Widerstand
entschließen kann, bittet er mehrfach vergeblich um seinen Abschied. Doch erst
am 19.12.1941 wird er beurlaubt und erleidet im Januar 1942 einen Herzinfarkt,
was am 19.01.1942 durch eine Presseinformation bestätigt wird.
Ab dem 03.02.1942 steht er mit Wirkung vom 20.12.1941 zur Verfügung des
Obersten Befehlshabers der Wehrmacht, wobei eine Wiederverwendung nicht mehr
vorgesehen ist. Hitler macht von Brauchitsch für das Scheitern des Feldzuges
in der Sowjetunion verantwortlich. Er entlässt Brauchitsch als Kommandeur des
Heers und übernimmt selbst den Oberbefehl über das Heer.
Von 1942 bis 1945 lebt er auf dem Jagdschlösschen Tři Trubky im
Truppenübungsplatz Brody im Mittelböhmisches Waldgebirge.
Das Attentat vom 20. Juli verurteilt Brauchitsch in einem Artikel im "Völkischen
Beobachter". Später setzt er sich für einige der Verhafteten bei Hitler
persönlich ein.
In einem Fernschreiben vom 08.04.1945 an die Wehrkreis-Kommandeure wird
berichtet, daß sich der Generalfeldmarschall von Brauchitsch (zuletzt in
Altengrabow) an einen sicheren Ort begeben hat. Dort, auf dem Gut Rachut bei
Malente in Holstein, wird er am im August 1945 in britische Gefangenschaft
überstellt und dann nach England gebracht. Von dort kehrt er am 15.10.1947 in
das Lager Eselsheide bei Hamburg nach Deutschland zurück. Aufgrund einer
Erkrankung zunächst wieder nach England gebracht, wird er ab Juli 1948 im
Lazarett Munsterlager, im dortigen Lazarett der General-Knochenhauer-Kaserne
behandelt. Zuvor sagte er als Zeuge in den Kriegsverbrecherprozessen der Jahre
1945/46 aus.
Walther von Brauchitsch verstarb, kurz vor der Eröffnung seines Prozesses vor
dem Militärtribunal am 18.10.1948 im britischen 94. Mi8litär-Lazarett in
Hamburg-Barnbeck infolge einer Thrombose.