Diedrich Bruns wurde am 17.03.1897 auf dem Hof Potenburg bei Tossens im
Kreis Oldenburg als Sohn eines Landwirts geboren, besuchte zunächst die
Volksschule in Tossens, anschließend die Vor- und Hauptschule in Oldenburg,
sowie die Oberrealschule, die er mit der Sekunda abschloß und trat am 14.08.1914 als
Kriegsfreiwilliger der Ersatz-Abteilung des Ostfriesischen
Feldartillerie-Regiments Nr. 62 in Oldenburg bei. Von dort kommt er zur leichten Munitionskolonne des Regiments und
wird aufgrund seiner freiwilligen Meldung zur Infanterie zum Unteroffizier
befördert. Damit wechselt er im herbst 1914 zum Oldenburgischen
Infanterie-Regiment 91 in die Nähe von Reims, wo er u.a. auch eine
Unterweisung am MG bei der MG-Kompanie bekommt.
Im Winter 1914 kommt Bruns zum Ersatz-Bataillon 91 des Regiments und erhält dort
eine Kommandierung zum 1. Offizier-Lehrgang des Krieges in Döberitz.
Anschließend wird er zur neu aufgestellten MG-Scharfschützen-Kompanie nach
Lüttich versetzt, um von dort als Zugführer seiner MG-Kompanie des
Landwehr-Infanterie-Regiments 52, in eine Stellung bei Nayon, zugeteilt zu werden. Ab Mitte 1916 wechselt
er dann als Kompanie-Chef in die MG-Scharfschützen-Abteilung 18 an die
Ostfront. Kurze Zeit später erfolgte dann wiederum die Verlegung an die
Westfront. Für die anschließenden schweren Kämpfe bei Roi in Frankreich erhält
er kurz darauf das Eiserne Kreuz I. Klasse.
Bei Ende des 1. Weltkrieges in Flandern, wird er als Leutnant am 17.01.1919 aus dem Heeresdienst
entlassen. Bruns nimmt für 2 1/2 Semester ein Studium der Landwirtschaft in
Leipzig auf, kehrt aber aufgrund der hohen Inflation auf den väterlichen Hof
Potenburg zurück, den er als Bauer übernahm.
Nach mehreren Reserveübungen bei der Wehrmacht, nimmt er als Oberleutnant der
Reserve und Führer der 4. Kompanie des Infanterie-Regiments 16, der
22. Infanterie-Division, am Sudeten-Einmarsch teil und wird im Dezember
1938 als Oberleutnant der Reserve in die Wehrmacht übernommen. Er übernimmt
dabei dann den Posten des Chefs der 4. Kompanie, wobei er jedoch in der Stellenbesetzung des Regiments vom 03.01.1939 nicht auftaucht.
Stattdessen wird als Chef der 4. MG-Kompanie Hauptmann Maas genannt wird.
Möglicherweise erfolgte die Ernennung zum Kompaniechef erst nach dem
03.01.1939. Dennoch erlebt Bruns damit die Umstellung des Regiments auf ein
Luftlande-Regiment.
Bruns nimmt am Polen-Feldzug teil und erlebt an der Bzura seine Feuertaufe.
Mit Ende der Kämpfe erfolgte die Verlegung des Regiments nach Hauenstein in
die Pfalz und am 06.11.1939 in das Winterquartier nach Mecklenburg.
Im Frühjahr 1940 wird es erneut verladen und das Gütersloh, zur weiteren
Luftlande-Ausbildung, verlegt. Die Division sollte im rahmen des Westfeldzuges
eine Schlüsselposition übernehmen. In Gütersloh erhält das Regiment am
09.05.1940 den endgültigen Einsatzbefehl für den Raum Rotterdam, wobei Bruns
mit seiner Kompanie den Auftrag erhält auf dem Flugplatz Waalhafen zu landen.
Bruns besetzte weiterhin die Strasse nach Dordrecht und eine 650 Meter langer
Hubbrücke über die alte Maas. Bruns trug damit wesentlich bei der Besetzung
Hollands bei und erhielt als Anerkennung die Spange zum Eisernen Kreuz II.
Klasse.
Im Frühjahr 1941 wird das Regiment aus dem Raum Antwerpen in die Magdeburger
Börde verlegt und kurz darauf in den Raum der rumänischen Ölfelder nach
Ploesti, um dort die wichtige Förderung des Öl zu sichern. Am 14.06.1941
erfolgte dann die Verlegung an die rumänisch-sowjetische Grenze im Raum
Stefanesti, für den am 22.06.1941 beginnenden Ostfeldzug. Am 01.07.1941 nimmt
das Regiment die Kämpfe und den Vormarsch auf. Dort wird Bruns am 12.07.1939 am
Dnjestr verwundet und in das Lazarett Dorna-Vatra verlegt.
Mit Meldung vom 28.08.1941 befindet er sich, genesen, dann als Hauptmann beim Stab des
Infanterie-Regiments 16 in Berislaw am Dnjepr. Bruns nimmt damit am Vormarsch
zum Mius und an den Kämpfen zum Übergang auf die Krim bei Perekop teil. Laut Meldung vom 01.10.1941 wird
er mit der Führung des II.
Bataillons im Infanterie-Regiment 65 betraut und damit an dieses Regiment "verliehen".
Es folgten nun die Kämpfe an den Toren Sewastopols. Nachdem beim
Infanterie-Regiment 16 jedoch mindestens zwei Bataillonskommandeure
ausgefallen waren, wird er am 22.10.1941 zum Infanterie-Regiment 6
zurückversetzt und zum Kommandeur des II. Bataillons ernannt. Bei den
Winterkämpfen um die Festung Sewastopol zeichnet sich Bruns im Dezember 1941
im besonderen Masse aus und wird aufgrund seiner mitreißenden, persönlichen
Tapferkeit und seinem entschlossenen Handeln mit dem Deutschen Kreuz in Gold
ausgezeichnet.
Bei den 2. Kämpfen zur Eroberung der Festung Sewastopol, die am 06./07.06.1942
begannen, gewann Bruns mit seinen Soldaten in schweren und harten Kämpfen die
Höhenstellungen im Nordabschnitt der Festungsfront. Anschließend drang sein
Bataillon bis an die Severnaja-Bucht vor. Im feindlichen Feuer überquerte er
diese mit Sturmbooten und stürmte am Südufer aus eigenem Entschluss die
Denkmalshöhe. Dabei wird er am 29.06.1942
beim Sturm auf diese Höhe durch einen sowjetischen Scharfschützen am
linken Unterschenkel durch einen Schussbruch schwer verwundet. Auf dem
Verbandsplatz wurde das Bein in Gips gelegt und Bruns selbst mit dem
Lazarettzug über Krakau nach Gera in Thüringen gebracht. Dort erhielt er die
Nachricht, daß ihm aufgrund seines heldenhaften Einsatzes als Major der
Reserve und Kommandeur des II. Bataillons im Infanterie-Regiment 16, am
09.08.1942, das Ritterkreuz verliehen wurde. Ein anderes Dokument nennt als
Verleihungsgrund folgendes. Bruns hatte nach der Wegnahme des
Panzerberges vor Sewastopol selbstständig entschieden über den Panzergraben
weiter vorzustoßen und die überhöhenden, sichernden Feldstellungen anzugreifen
und zu nehmen. Dieser Entschluss war entscheidend für den weiteren Angriff des
gesamten Regiments. Bruns schuf damit die Vorraussetzungen für die Eroberung
der diesen Abschnitt beherrschenden Werke "Stalin" und "Wolga".
Da diese für die gesamte Festung von entscheidender Bedeutung waren, griff
Bruns in die Gesamtstrategie zur Eroberung der Festung Sewastopol erfolgreich
ein. Der Übergang über die Severnaja-Bucht im schweren Abwehrfeuer ist jedoch
derart achtenswert und eindeutig die mutigere Leistung, womit anzunehmen ist,
das er dafür die Auszeichnung erhielt. Diese erhielt er im Lazarett in Gera.
Während seiner 1 1/4 jährigen Genesung u.a. in den Lazaretten Gera, Varel und
Berlin-Dahlem wird er wirtschaftlich dem Infanterie-Ersatz-Bataillon
16 zugeteilt und nimmt u.a. an einem Lehrgang für Regimentskommandeure an der
Infanterieschule Döberitz teil.
Am 06.11.1943 übernimmt Bruns das Kommando über das
Infanterie-Ersatz-Bataillon 16 in Oldenburg und begibt sich Anfang Mai 1944
zunächst auf eine Kur nach Bad Gastein. Wieder im Dienst wird er ab dem
01.06.1944 mit dem Kommando über das Grenadier-Regiment 16 auf Kreta betraut,
wobei er dieses Kommando ab August antritt. Gerade rechtzeitig zum Abmarsch
von der Insel. Ab dem 10.09.1944 wird das Regiment zum Schutz der
zurückgehenden deutschen Truppen auf dem Balkan eingesetzt. Der Rückzug führte
Bruns dabei über Griechenland, Mazedonien und Jugoslawien bis zur deutschen
Grenze bei Agram. Dabei überstand das Regiment schwere Kämpfe gegen
Partisanen, Bulgaren und Jugoslawen.
Damit ist er auch zugegen als einer seiner Söhne, Leutnant Dieter Bruns, am
05.12.1944 bei Bielo Polje in Montenegro durch eigenes Pakfeuer den Tod fand.
Sein 2. Sohn fiel 1945 im Kampf gegen englische Truppen.
Nach der Kapitulation der deutschen Truppen, versuchte Bruns seine Soldaten in
die Heimat zurückzuführen, gerät dabei aber am 14.05.1945 bei Cilli in
jugoslawische Gefangenschaft. Zusammen mit einem Leutnant gelingt es ihm
jedoch seinen Bewachern zu entkommen und Kärnten zu erreichen. Am 01.07,.1945
traf er dann über einen abenteuerlichen Weg auf seinem Hof bei Tossens an.
Bis zum 12.11.1963 arbeitete er dann weiterhin als Landwirt und daneben
Sektionsleiter der Sektion Oldenburg-Ostfriedland in der Ordensgemeinschaft
der Ritterkreuzträger.
Diedrich Bruns verstarb am 29.10.1988 im Alter von 91 Jahren in Oldenburg. Die
Beisetzung auf dem Stadtfriedhof erfolgte mit militärischen Ehren.
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