Erich Otto Ludwig
Buschenhagen wurde am 08.12.1895 in
Straßburg, als Sohn eines Intendantur- und Baurates, geboren und meldete sich am
09.03.1918 als Fahnenjunker beim Telegraphen-Bataillon 3. Mit Ausbruch des 1.
Weltkrieges gehörte er ab dem 03.08.1914 zur Fernsprech-Abteilung beim VIII.
Reserve-Korps. Ab dem 01.11.1914 Führer des Fernsprech-Zuges bei der 16.
Reserve-Division, wird Buschenhagen am 15.01.1915 zur schweren Funk-Station 13
beim AOK 13 versetzt und erhält vom 01.03. bis zum 08.03.1915 eine Kommandierung
zur Kraftwagen-Funkstation des Großen Hauptquartiers. Direkt anschließend wird
er zur Telegraphen-Ersatz-Inspektion Berlin, in die dortige
Kraftfahr-Technische-Abteilung kommandiert, um ab dem 01.06.1915 als
Reserve-Offizier der schweren Funk-Station 33 beim XXXX. Reserve-Korps zugeteilt
zu werden.
Die Führung dieser Funk-Station übernimmt er am 27.01.1916 und wird am
08.06.1916 in die Entzifferungs-Sammelstelle der Kraftwagen-Funkstation des
Großen Hauptquartiers kommandiert.
Ab dem 26.10.1916 Führer der Funker-Abteilung 20, übernimmt Buschenhagen ab dem
14.12.1916 den Posten des Funk-Telegraphen-Offiziers der Gruppe B beim
Garde-Reserve-Korps und ist ab dem 15.02.1917 Adjutant des
Armee-Funker-Kommandeurs 1. Bereits am 10.03.1917 wird er zur besonderen
Verwendung dem Armee-Funker-Kommandeur 7 zugeteilt und ist ab dem 22.03.1917
Kommandeur der Divisions-Funker-Abteilung 91. Ab dem 15.11.1917 übernimmt er
weiterhin die Führung der Festungs-Funker-Station Charleville und erhält ab dem
28.11.1917 eine Kommandierung zum Chef des Nachrichtenwesens (A). Ab dem
03.12.1917 ist er deutscher Verbindungs-Offizier des Chefs des Nachrichtenwesens
beim k.u.k. Heeresgruppenkommando Feldmarschall Konrad Freiherr von Hölzendorff
und wechselt am 20.07.1918 in gleicher Dienststellung zum Heeresgruppenkommando
Erzherzog Joseph. Von dort wechselt er am 30.10.1918 in den Stab des Chefs des
Nachrichtenwesens. Kurze Zeit später erfolgte ab dem 20.11.1918 die Ernennung
zum Leiter der Chiffrier-Abteilung an der Dolmetscher-Schule Berlin und am
10.03.1919 die zum Führer der Auswertungs-Abteilung der Obersten Heeresleitung.
Am 01.10.1919 wird er in den Etat der Nachrichten-Schule übernommen und zur
Dienstleistung zum Reichswehrministerium (T1) als Leiter der Chiffrierstelle
kommandiert.
Mit dem 16.05.1920 wird er in die Nachrichten-Abteilung 4 versetzt und mit
Wirkung vom 01.04.1920 zur Dienstleistung zum Reichswehr-Ministerium (T1)
kommandiert. Am 27.09.1920 erfolgte dann mit Wirkung vom 01.10.1920 die
Versetzung in die Nachrichten-Abteilung 3 und gleichzeitiger Kommandierung als
Leiter der Chiffrierstelle zum Reichswehr-Ministerium (T1). Am 30.09.1920 wird
er dort der Statistischen Abteilung des Ministeriums und ab dem 10.09.1921, mit
Wirkung vom 01.10.1921, dem 14. Reiter-Regiment wirtschaftlich zugeteilt, wo er
u.a. in den Eskadronen 2, 3 und 4 (Garnisonen Schleswig und Parchim in
Mecklenburg) seinen Dienst versah.
Am 15.09.1921, wird er mit Wirkung vom 01.10.1921, unter Beibehalt seiner
bisherigen Uniform zur Heeres-Friedenskommission nach Berlin kommandiert, wobei
er dienstlich nach wie vor in der Chiffrierstelle des Reichswehr-Ministeriums
(T3) verbleibt.
Vom 15.12. bis zum 16.12.1921 nimmt er an einer Horchübung bei der 4. (Sächs.)
Nachrichten-Abteilung teil und erhält am 05.09.1925, mit Wirkung vom 11.10.1925,
ein Versetzungskommando zur 3. (Preuß.) Nachrichten-Abteilung, dabei wird am
10.10.1925 sein Kommando beim Reichswehr-Ministerium aufgehoben.
Vom 11.10. bis zum 12.12.1925 erhält er eine Kommandierung an die
Artillerie-Schule und wird am 18.01.1926, mit Wirkung vom 01.02.1926, als
Hauptmann in die 2. (Preuß.) Nachrichten-Abteilung versetzt. Dort wird er am
01.02.1926 zum Chef der 2. Kompanie in Stettin ernannt. Als solcher nimmt er vom
08.06. bis zum 21.06.1927 an einer Wehrkreis-Übungsreise teil und wird am
10.09.1928 mit Wirkung vom 01.10.1928 als Referent in das Reichswehr-Ministerium
(T4) versetzt. Er erhält dort 1928/29 einen R-Lehrgang und hat mit Wirkung vom
01.10.1929 die Uniform der Führungsstab-Offiziere zu tragen.
Am 01.12.1932 erfolgte nach der erfolgreichen Absolvierung der Führergehilfen-(Generalstabs-)
Ausbildung mit 37 Jahren die Beförderung zum Major und die Versetzung als Ia in
den Stab der 1. Division nach Königsberg. Dort war er dem Divisionskommandeur
Generalmajor von Brauchitsch (1881-1948), dem späteren Generalfeldmarschall und
Oberbefehlshaber des Heeres, unterstellt. Chef des Stabes war Oberst Erich Hoepner (1886-1944),
der spätere Generaloberst und Panzerbefehlshaber, er wurde am 8. 8. 1944
wegen aktiver Teilnahme am Widerstand gegen Hitler
und sein Regime zum Tode verurteilt und in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Am
01.06.1934 erfolgte dann ein Versetzungs-Kommando zurück zum
Reichswehr-Ministerium (T4). Die Versetzung dorthin erfolgte dann mit Wirkung
vom 01.08.1934, wo er als Referent, bzw. später als Gruppenleiter eingesetzt
wurde. Dies auch während der Umbenennung in Reichskriegs-Ministerium am
21.05.1935 bzw. in die 4. Abteilung des Generalstabs des Heeres am 01.07.1935.
Laut der Stellenbesetzung übernahm er am 06.10.1936 den Posten des Kommandeurs
der Nachrichtentruppen III und wird am 12.10.1937 in den Stab des
Infanterie-Regiments 67 versetzt.
Ab dem 16.02.1938 ist er dann mit Wirkung vom 01.03.1938 Kommandeur des
Infanterie-Regiments 5 (mot.) in Stettin.
In der Kaserne des I. Bataillons in Stettin-Kreckow erwartete das Regiment an
einem Wintermorgen in offenem Viereck seinen neuen Kommandeur, an dem es anschließend unter den Klängen
des Parademarsches vorbeidefilierte.
Oberst Buschenhagen
war stolz auf dieses von guten Traditionen geprägte Regiment, das er
allerdings wieder abgeben musste, als es achtzehn Monate später - im August 1939 - mobilmachte, politische und
militärische Turbulenzen (Einmarsch ins Sudetenland und in die
Rest-Tschechoslowakei, zahlreiche Alarmübungen und wiederholte Personalabgaben
für Neuaufstellungen) ließen eine ruhige Friedensausbildung beim IR 5 kaum
noch zu, dennoch prägte Oberst Buschenhagen in
jenen eineinhalb Jahren den Leistungsstand und die Einsatzfähigkeit seines
Regiments.
Am 10.08.1939 wird er zum Chef des Generalstabes beim XXI. Armee-Korps ernannt,
an dessen Spitze General der Infanterie (später Generaloberst) Nikolaus von Falkenhorst (1885-1968)
stand. In dieser Dienststellung nimmt er am Polen-Feldzug teil und übernimmt
bzw. behält diesen Posten auch nach der Umbenennung des Korps in Armee-Gruppe
XXI am 01.04.1940, im Zuge des Unternehmens gegen Norwegen. Für seinen Einsatz
in Norwegen muss Buschenhagen zweimal zum Ritterkreuz vorgeschlagen worden sein.
Beide Vorschläge wurden abgelehnt. Auf seiner Karteikarte findet sich lediglich
der Hinweise auf "Ritterkreuz verliehen am 09.05.1940", wobei "verliehen"
nachträglich durchgestrichen wurde.
Buschenhagens Anteil an der Durchführung des für
die deutsche Wehrmacht so erfolgreichen Norwegen-Einsatzes (Unternehmen "Weserübung")
war eine generalstäblerische Meisterleistung, die bei Fachleuten international
Anerkennung gefunden hat. Über sein Wirken dabei gibt er als Zeuge in Nürnberg
nach Krieg Auskunft.
Am 19.12.1940 übernimmt Buschenhagen den Posten des Chef des Generalstabes beim
Armee-Oberkommando Norwegen. Dieses war am 01.03.1940 aus dem Armee-Korps XXI
gebildet worden. Zusätzlich übernimmt er vom 15.06.1941 bis zum 15.01.1942 den
Posten des Chefs des Generalstabes der Befehlsstelle Finnland.
In der ersten Hälfte des Jahres 1941 spielte Oberst
Buschenhagen eine wichtige Rolle bei den, das Unternehmen "Barbarossa"
(Krieg gegen die Sowjetunion), vorbereitenden geheimen Besprechungen mit
maßgeblichen Persönlichkeiten der finnischen Armee.
Zusammen mit Oberst i.G. Kinzel vom OKH (Oberkommando des Heeres) führte
er im Auftrag des OKW (Oberkommando der Wehrmacht) vom
3. bis 5. Juni 1941 in Helsinki ausführliche Gespräche mit Vertretern des
finnischen Generalstabes.
Am
13. Juni 1941, nachdem deutsche Truppen bereits aus dem Reichsgebiet
und aus Norwegen nach Finnland verlegt worden waren, trafen Oberst Buschenhagen und General der Infanterie Dr. Waldemar Erfurth (1879 bis 1971), der als
Chef des Verbindungsstabes Nord vorgesehen war, erneut in der finnischen
Hauptstadt ein, um Einzelheiten der Zusammenarbeit zwischen den beiderseitigen
Streitkräften beim Angriff auf die Sowjetunion zu koordinieren.
Möglicherweise erkrankt, wird er mit Wirkung vom 15.05.1942, bis zur
Wiederherstellung der Gesundheit, in die Führer-Reserve versetzt. So wird er
dann am 15.07.1942, mit Wirkung vom 18.06.1942 zum Kommandeur der
15. Infanterie-Division ernannt.
Seine Division, zu der u.a. die Infanterie-Regimenter 81, 88 und 106 sowie das
Artillerie-Regiment 15 gehörten, war inzwischen von La Rochelle (Frankreich) in
siebzig Eisenbahnzügen an die Ostfront verlegt worden, dort hatte die Division
nördlich Kriwoi Rog bald harte Abwehrkämpfe zu bestehen. Am 30.09.1943 gibt er
die Division bis zum 02.10.1943 zeitweise ab, da er mit der vorübergehenden
Führung des LII. Armee-Korps beauftragt wurde. Außerdem übernimmt er vom 16.10.
bis zum 28.10.1943 die Führung der in Gruppe Buschenhagen umbenannten Division.
Am 15.10.1943 gelang des Gegner am linken Flügel der 1. Panzer-Armee der
operative Durchbruch in Richtung Pjatchatki. Als Führer der Gruppe Buschenhagen,
bestehend aus der
9. Panzer-Division, der SS-Kavallerie-Division und dem Grenadier-Regiment
88 der 15. Infanterie-Division, gelang es ihm den betreffenden Frontabschnitt
zu
stabilisieren. Dafür erhielt er als Generalleutnant und Kommandeur der 15.
Infanterie-Division am 05.12.1943 das Ritterkreuz.
Am 04.02.1944, mit Wirkung vom 20.11.1943 übernimmt, er anstelle des erkrankten
Generalleutnants von Scheele, erneut die Führung des LII. Armee-Korps und wird
am 20.02.1944, mit Wirkung vom 01.01.1944 zum Kommandierenden General des Korps
ernannt. Am 12.05.1944 war
im Wehrmachtsbericht über die General Buschenhagen
unterstehenden Verbände folgendes zu lesen und zu hören:
"Bei
der gestern gemeldeten Zerschlagung des feindlichen Brückenkopfes am Dnjestr haben die unter Führung des
Generals der Infanterie Buschenhagen stehenden Truppen sieben feindliche
Schützendivisionen sowie Teile einer Artillerie- und Flak-Division
zerschlagen. Außer Tausenden von Gefallenen verloren die Bolschewisten
2600 Gefangene, über 600 Geschütze und Granatwerfer, 334 Maschinengewehre
sowie zahlreiche andere Waffen und Kriegsmaterial."
dafür wurde
dem Kommandierenden General am 04.07.1944 das 521. Eichenlaub zum Ritterkreuz
verliehen.
Im Tätigkeitsbericht des Chefs des Heerespersonalamtes (HPA) ist anschließend
unter dem Datum des 17.8.1944 vermerkt:
"Der
Führer verlangte ein Herausziehen von
Generalen, die die volle Eignung zur Führung einer Armee haben. Es kommen
dafür in Betracht:
General der Panzergruppe von
Knobelsdorff
General der Infanterie Buschenhagen
General der Artillerie Ziegler
Die Herauslösung
wird eingeleitet."
Damit erfolgte
am 20.08.1944 die Heruaslösung aus der
Ostfront, zur Verwendung als Armeeführer.
Mit Meldung vom 04.09.1944 wird Buschenhagen
bei der Heeresgruppe Süd als vermisst gemeldet und wird daneben aber am
10.09.1944 durch den Chef des Heerespersonalamtes weiterhin zum Armeeführer
vorgeschlagen.
Am 11.11.1944 berichtet ein Leutnant Herschmann, von der 14. Kompanie des Grenadier-Regiments
212, von den Erlebnissen zusammen mit Buschenhagen.
Teile einer später von Buschenhagen geführten Kampfgruppe
wurden bei Vutcani, ca. 25 Kilometer südwestlich Husi, erneut eingekesselt.
Dabei gelang es der
Gruppe am 29.09.1944, den Durchbruch nach Westen zu erzielen. Etwa an diesem
Tag stieß auch der Kommandierende General des LII. Armee-Korps Buschenhagen
zur Kampfgruppe und übernahmderen Führung. Im Raumn 25-30 Kilometer
nordnordwestlich von Barlad wurde die Kampfgruppe erneut eingekesselt, woraufhin
Buschenhagen
eine begeisternde Rede vor seinen Soldaten hielt. Es gelang ihm die Truppe
aufzurichten. Dennoch erreichten nur Teile den Sereth, wo sie zwischen Sereth
und Trotusul erneut eingekesselt wurden. Auch der Rückkämpfer Oberleutnant
Baron von der Korps-Nachrichten-Abteilung 444, war vom 28.09.1944 bis zum 12.
oder 13.10.1944 mit dem General zusammen. Auf Buschenhagen persönlich traf
er am 30.08.1944 beim Sturm über den Pruth-Sumpf. Der General war in körperlich
guter Verfassung. Am Tag der Trennung voneinander bestand die Gruppe noch aus
ca. 30 Mann, wobei Baron als Ordonnanz-Offizier des Generals eingesetzt wurde.
Da das Gelände schlecht war, musste sich die Gruppe weiter aufteilen. Dabei
trennte sich Baron von Buschenhagen kurz vor Turgul-Conas, zwischen Adjud und
Gymes-Paß.
Buschenhagen geriet dabei am 12.10.1944
in Moldawien in sowjetische Gefangenschaft. Dort wird er u.a. in das Lager
Nr. 48 und 27 verlegt, kommt in die berüchtigte Butyrka in Msokau und
in das Gefängnis
Nr. 1 in Swerdlowsk.
Am 22.06.1950 wird er zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt
und schliesslich am 08.10.1955 entlassen.
Das
schwere Schicksal der Kriegsgefangenschaft traf übrigens
auch seinen Bruder, den Generalintendanten und Chef der Wehrkreisverwaltung
XX, Dr. Walther Buschenhagen, der bereits 1948 heimkehren durfte.
Erich Buschenhagen ist am 13.09.1994 in Kronberg/Taunus verstorben.