Ritterkreuzträger
Gerhard Giesen
Oberst, Grenadiere




Gerhard Giesen wurde am 29. Januar 1890 in Zülshagen/Pommern geboren.
Am Ersten Weltkrieg nimmt er als Offizier teil und erhält beide Eisernen
Kreuze von 1914 sowie den Hausorden von Hohenzollern. Nach dem Krieg scheidet
er aus dem Heer aus und lebt in Rummelsburg/Pommern. Er arbeitet als Rektor
einer Mittelschule und macht sich auf dem Gebiet der Heimatforschung einen
Namen.
Vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nimmt er an Reserveübungen teil und ist im
Stab des III. Bataillons des Grenzwacht-Regiments 32 tätig. Sein Dienstgrad
ist Hauptmann der Reserve und vermutlich ist er auch die Zeit des
Polenfeldzugs über bei diesem Truppenteil. Er erhält später die
Erkennungsmarke "- 24 - Stab I./IR 303", was darauf schließen lässt,
dass er mit Aufstellung des IR 303 am 1. Dezember 1939 zu diesem versetzt
wurde. Das Regiment wurde auf dem Truppenübungsplatz Groß-Born aufgestellt und
der 162. ID zugewiesen. Der Divisionskommandeur war der spätere
Generalleutnant Hermann Franke.
Am 23. September 1939 erhält er die Spange zum EK II von 1914, am 4. Oktober
1939 die zum EK I und später noch das Infanteriesturmabzeichen in Silber.
Im Juni 1940 kommt die Division noch im Rahmen der 16. Armee in Lothringen zum
Einsatz, nachdem sie zuvor nur Reserve des OKH gewesen war. Am 30. Oktober
1940 wird das I./IR 303 zur Aufstellung des IR 676 der 332.
Infanterie-Division abgegeben. Giesen wird Kommandeur des I./IR 676 und die
Division wird nach ihrer kompletten Aufstellung im Juni 1941 nach Frankreich
verlegt, wo sie ab Juli an der Kanalküste liegt. Giesen ist inzwischen Major.
Ab April 1943 ist die Division bei der Heeresgruppe Süd im Raum Charkow im
Einsatz. Als Oberstleutnant wird er Kommandeur des GR 676 und erhält in dieser
Stellung am 1. Dezember 1943 das Deutsche Kreuz in Gold. Nach der
Wiederaufstellung der 50. ID im Juni 1944 übernimmt er das GR 123. Nachdem der
Divisionskommandeur
Generalmajor von Pfuhlstein die Division verlassen hatte, übernimmt
Giesen stellvertretenderweise für kurze Zeit die Führung der 50. ID.
Am 26. Juli 1944 wird nahe des Regimentsabschnitts des GR 123 westlich
Sokolowy bei Bialystok die beherrschende Höhe 189 fluchtartig vom
Kampf-Sturm-Bataillon 134 geräumt. Die Reste gehen zurück und treffen auf den
Gefechtsstand des GR 123. Giesen lässt sie antreten, mustert jeden einzelnen
und hielt ihnen dann in wenigen Worten vor:
„Das Blut derjenigen, die da oben gefallen sind, weil du und du und du
sie verlassen hast, kommt auf dein und dein und dein Haupt!“
Anschließend sorgte er für ihre Verpflegung, Munitionierung und eine
belebende Zigarette und trat dann persönlich mit ihnen zum Gegenstoß auf die
Höhe 189 an. Diese wurde zurückerobert und gegen jeden weiteren Ansturm
gehalten. Für diesen Einsatz erhält Oberst Giesen am 5. November 1944 die
Ehrenblattspange des Deutschen Heeres verliehen.
Am 5. Februar 1945 erzielen die Sowjets einen Einbruch im Bereich des GR 123
bei Gut Loschen ostwärts Preußisch-Eylau. Giesen fasst die Regimentsreserve
und ein paar Sturmgeschütze zusammen und führt persönlich den Gegenstoß, der
auch erfolgreich ist, jedoch mit einem hohen Preis erzielt wird, denn der
Kommandeur fällt. Posthum wird ihm am 11. März 1945 das Ritterkreuz des
Eisernen Kreuzes verliehen.