Fritz-Hubert Gräser wurde am 3.
November 1888 in Frankfurt an der Oder als Sohn des preußischen Hauptmanns
Ernst Gräser, der im Ersten Weltkrieg zuletzt Generalleutnant und Kommandeur
der 41. Infanteriedivision war, geboren.
Der Soldatensohn kam schon als Junge in das Kadettenhaus Potsdam und beendete
dann seine schulische Ausbildung auf der Hauptkadettenanstalt
Groß-Lichterfelde. Nach dem Abitur kehrte er am 28. 2. 1907 als
achtzehnjähriger Portepeefähnrich in seine Geburtsstadt zurück, um hier in das
Grenadierregiment "Prinz Carl von Preußen" (2. Brandenburgisches) Nr.
12 einzutreten.
Mit der für Abiturienten üblichen Vorpatentierung (auf den 22. 6. 1906) wurde
er am 27. 1. 1908 (Kaisergeburtstag) zum Leutnant befördert.
Als Adjutant des Füsilierbataillons seines Regiments ging er im August 1914 an
die Westfront. Inzwischen gehörte den 12er-Grenadieren auch sein jüngerer
Bruder Fritz-Dietrich als Leutnant in der 4. Kompanie an, er fiel bereits bei
der ersten Feindbegegnung im August 1914 bei Tertre/Belgien.
Leutnant Fritz-Hubert Gräser machte während der ersten Kriegsjahre fast alle
großen Schlachten an der Westfront sowie eine Reihe von Gefechten im Osten
mit, als erster Soldat des Grenadierregiments 12 erhielt er kurz nach
Kriegsausbruch das Eiserne Kreuz II. Klasse (EK II), dem schon im Oktober 1914
das EK I folgte.
Als beim Vormarsch zur Marne der Angriff seiner Truppe stockte, ergriff
Leutnant Gräser die Bataillonsfahne, galoppierte seinen Soldaten auf einem
Schimmel voran und führte sie zum weiteren erfolgreichen Angriff gegen das
Dorf Bellot. Im Dezember 1914 wurde er zum Oberleutnant befördert und als
Kompanieführer in der Champagneschlacht durch Kopfschuss schwer verwundet,
nach seiner Genesung und der Beförderung zum Hauptmann machte er im Stab der
Heeresgruppe Mackensen eine Generalstabsausbildung mit, wobei der Chef des
Stabes, der damalige Oberst Hans von Seeckt, für ihn ein idealer Lehrmeister
war. Als Seeckt - nunmehr schon als Generalmajor - auf dem östlichen
Kriegsschauplatz Generalstabschef der österreichischen Erzherzöge Karl
(späterer österreichischer Kaiser) und Joseph wurde, nahm er den von ihm sehr
geschätzten jungen Hauptmann Gräser mit, der dann insgesamt fast zwei Jahre
lang unter Seeckt Dienst tat.
In den letzten Kriegsmonaten war er 1. Generalstabsoffizier (Ia) der 1.
Reservedivision. Nach Kriegsende wirkte Gräser 1919 noch einmal unter Seeckt
im Generalstab des Armeeoberkommandos Grenzschutz-Nord, 1920 nahm er seinen
Abschied und bewirtschaftete in den nächsten zwölf Jahren das Gut Hubertushof
bei Reppen, daneben war er auch im Grenzschutz tätig.
Am 1. 10. 1933 wurde er als E (Ergänzungs)-Offizier Bezirkskommandeur in
Frankfurt/Oder und bereits 1934 als Major beim Frankfurter IR 8 reaktiviert,
das u.a. die Tradition seines Stammregiments weiterführte. Er wurde dann
Kommandeur des I. Bataillons des "Infanterieregiments Crossen", aus dem
am 1. 10. 1935 das MG-Bataillon 8 entstand, hier avancierte Gräser am 1. 4.
1936 zum Oberstleutnant und zweieinhalb Jahre später - inzwischen
fünfzigjährig - zum Obersten.
Bei der Mobilmachung 1939 wurde er Kommandeur des zur 3. Infanteriedivision
gehörenden IR 29, an dessen Spitze er bis zum 01.07.1941 stand, mit ihm nahm
er am Polenfeldzug und im Sommer 1940 an der Offensive gegen Frankreich teil.
Schon am 19.07.1940 wurde Gräser das im September 1939 neu gestiftete
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen, nachdem er bei schweren Kämpfen an
der Aisne gegen einen zahlenmäßig und befestigungstechnisch überlegenen Gegner
trotz schwersten Artilleriefeuers sein Regiment durch rücksichtslosen Einsatz
seiner Person in der vordersten Linie vorwärts gerissen hatte. Mehrere
krisenhafte Situationen konnten dadurch überwunden, Gegenangriffe
französischer Panzer abgeschlagen und das deutsche Angriffsziel schließlich
erreicht werden.
Beim Kampf gegen die Sowjetunion wurde Oberst Gräser am 11.08. 1941 vor
Leningrad schwer verwundet, sein rechtes Knie wurde zertrümmert und das linke
Bein musste amputiert werden, dennoch meldete sich der am 1. 10.1941 zum
Generalmajor beförderte und mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnete
Offizier nach seiner Genesung wieder zum Fronteinsatz.
Am 1. 3. 1943 wurde er zum Generalleutnant befördert und zum Kommandeur der 3.
Panzergrenadierdivision ernannt, die nach Stalingrad anstelle der dort
zugrunde gegangenen 3. Infanteriedivision (mot.) neu aufgestellt wurde.
Gräsers Division wurde in Italien eingesetzt, sie kämpfte dort am Volturno bei
Salerno, am Monte Cassino und bei Nettuno, für die Verhinderung eines
gegnerischen Durchstoßes auf Rom wurde Gräser am 26.6.1944 als 517. Soldaten
der Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen.
Nachdem er im schlesischen Hirschberg 1944 an einem Lehrgang für
Kommandierende Generale teilgenommen hatte, wurde er wieder an die Ostfront
versetzt, hier übernahm er im Sommer 1944 die Führung des im Raum Tarnopol
eingesetzten XXIV. (24.) Panzerkorps.
Anschließend wurde er Kommandierender General des 48. Panzerkorps und am 1. 9.
1944 zum General der Panzertruppe befördert, drei Wochen später wurde er mit
der Führung der 4. Panzerarmee betraut, diese befand sich damals im
Brückenkopf Baranowitschi, aus eigenem Entschluss nahm er seine Armee nach
einem sowjetischen Durchbruch, der zu ihrer Einkesselung hätte führen können,
zurück und baute an der Oder eine neue Widerstandsfront im Rahmen der
Heeresgruppe Schörner auf.
Noch am 8. 5. 1945 wurden die Leistungen des Generals der Panzertruppe
Fritz-Hubert Gräser und seiner Armee durch die Verleihung der 154. Schwerter
zum Ritterkreuz offiziell anerkannt. Der beinamputierte General mit dem
Goldenen Verwundetenabzeichen stand bis zur Kapitulation im aktiven
Fronteinsatz, er geriet in amerikanische Gefangenschaft, aus der er erst im
August 1947 entlassen wurde.
Zu den Gefallenen des Zweiten Weltkrieges gehörten auch Gräsers Sohn Dietrich
und sein Schwiegersohn, Oberstleutnant i. G. von Derschau.
General a. D. Gräser lebte zunächst in Reit im Winkl, ehe er nach Göttingen
übersiedelte, dort starb er am 4. Oktober 1960 im 72. Lebensjahr und wurde am
07. 10. 1960 mit militärischen Ehren zu Grabe getragen.