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136. Schwerterträger Gotthard Heinrici
Generaloberst

Der gebürtige Ostpreuße trat bereits 1905 ins deutsche Heer ein und wurde nach mehrjähriger Ausbildung zum Leutnant befördert. Sein Vater, seines Zeichens evangelischer Superintendent, war über die Karriererichtung seines Sohnes sicherlich nicht glücklich.

Während des Ersten Weltkrieges diente Heinrici als Kompaniekommandeur im Infanterieregiment 95 an der Ostfront, ehe er 1916 als Adjutant der 3. Infanteriebrigade die Schlacht von Verdun erlebte. Nach einer schweren Verwundung als Träger des Eisernen Kreuzes 1. Klasse zwecks Generalstabsausbildung nach Deutschland versetzt, wurde Hauptmann Heinrici 1918 zum Stabschef der 203. Infanteriedivision im Westen ernannt. Für seine Verdienste erhielt er hier den Hohenzollernorden mit Schwertern verliehen.

1920 in die Reichswehr übernommen, diente Major Heinrici, u.a. zusammen mit den späteren Schwerterträgern Rommel und Blaskowitz, als Bataillonskommandeur im Infanterieregiment 13, ehe er 1932 den Stab des Gruppenkommandos Berlin übernahm. Ein Jahr darauf als Oberst bereits Abteilungsleiter im Reichswehrministerium, folgte 1937 die Beförderung zum Generalmajor sowie die gleichzeitige Berufung zum Leiter dieses Ministeriums! Bei Kriegsausbruch kommandierte Heinrici als Generalleutnant die 16. Infanteriedivision.

Während den ersten Kriegsmonaten mit seiner Division am Westwall in Bereitstellung gehalten, wurde der am 20. April 1940 zum General der Infanterie beförderte Ostpreuße einen Monat vor Beginn des Westfeldzuges zum Kommandeur des XII. Armeekorps ernannt.

 Im Krieg gegen Frankreich führte er sein Infanteriekorps im Verband der 1. Armee (von Witzleben) gegen die Nordflanke der stark befestigten Maginotlinie. Die vor allem in der zweiten Phase des Frankreichfeldzugs stattfindenden Gefechte hatten die erfolgreiche Einnahme von Metz und Straßburg sowie die Einkesselung der 2. französischen Heeresgruppe zur Folge.

Nach der französischen Kapitulation auf dem Kontinent (22.06.40) übernahm Heinrici das XXXXIII. Armeekorps und begab sich für die geplante Operation "Seelöwe" (Landung in England) an der Kanalküste in Bereitstellung. Nach Aufgabe der Invasionspläne verblieb das Korps als Küstenschutz in Frankreich, ehe der Verlegungsbefehl nach Osten erging.

Ab Juni 1941 nahm General Heinrici mit seinen Divisionen unter dem Oberbefehl der Heeresgruppe Mitte (GFM von Bock) an den Offensiven gegen die 4., 10. und 13. sowjetische Armee teil. Wie schon in Frankreich war der spätere Schwerterträger Oberst i.G. Schulz der Chef seines Stabes.

Nach äußerst erfolgreichen Kämpfen in den Kesselschlachten von Bialystok, Baranovici und Minsk stieß das vier Divisionen umfassende Korps mit der 4. Armee (von Kluge) entlang der sogenannten "Moskauer Rollbahn" vor und kämpfte in den Frontabschnitten Orscha, Mogilew, Smolensk, Gomel, Kiew, Wjasma und Bryansk. Für seine Verdienste in der Korpsführung erhielt Heinrici am 18. September das Ritterkreuz verliehen.

Im Winter 1941/42 erlitt Heinricis Korps bei klimatisch untragbaren Bedingungen im Zentrum der Moskau-Front schwere Verluste. So brach durch den überraschend frühen Winterbeginn die deutsche Versorgung teilweise zusammen, gleichzeitig warfen die Sowjets im Winterkrieg erfahrene und kampferprobte Divisionen aus Sibirien an die Front.

Am 20. Jänner 1942 wurde General der Infanterie Heinrici als Nachfolger von GFM von Kluge neuer Oberbefehlshaber der 4. Armee, die meist Hand in Hand mit der "Panzergruppe Hoepner" operierte. Die nächsten Monate kämpfte die Armee westlich von Moskau und konnte zusammen mit der 9. Armee (Model) den Frontbogen Rshew-Wjasma erfolgreich halten.

Als Oberbefehlshaber der 4. Armee unterstrich Heinrici seine alttraditionelle, preußische Offiziershaltung und weigerte sich z.B. den sgn. Kommissarbefehl in seinem Befehlsbereich anzuwenden. Weiters duldete er keinerlei Übergriffe gegen Kriegsgefangene oder russische Zivilisten - sieben deutsche Soldaten ließ er wegen solcher Tötungsdelikte zum Tode verurteilen.

 Während sich 1942 der Hauptteil der offensiven Operationen auf den Südabschnitt der Russlandfront konzentrierte, sahen sich die Verbände der Heeresgruppe Mitte mehreren sowjetischen Gegenoffensiven ausgesetzt, die aber durch geschickte Defensivtaktiken meist mit nur kleinen Geländeverlusten abgefangen werden konnten. In Anerkennung seiner Stabsleistungen wurde Heinrici am 1. Jänner 1943 im Alter von 58 Jahren zum Generaloberst befördert. Der Frontbogen von Rshew-Wjasma musste erst im März aufgegeben werden.

Im Sommer 1943 trat die Rote Armee mit mehr als 30 Schützen- und Panzerdivisionen nördlich von Orel zur Gegenoffensive nach der Operation "Zitadelle" an, bis Oktober musste sich die Heeresgruppe Mitte auf die Linie Orscha-Witebesk zurückziehen. Hierbei kamen Heinricis Divisionen u.a. im Pripjetgebiet, bei Rogatschew sowie während der Abwehrschlacht von Bychoff zum Einsatz. Am 24. November 1943 wurde Heinrici in Anerkennung seiner wiederholten Verdienste an der Spitze der 4. Armee als 333. Soldat der Wehrmacht mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz ausgezeichnet.

Als er durch hervorragende Abwehrmaßnahmen bei Orscha umfassende Flankenangriffe zweier sowjetischer Armeen abwehrte, wurde Heinrici im Mai 1944 erstmals für die Schwerterverleihung eingereicht, jedoch vom OKW zurückgestellt.

Im Sommer 1944 wurde die 4. Armee im Verband der Heeresgruppe Mitte in schwerste Abwehr- und Rückzugsschlachten gegen überlegene sowjetische Stoßarmeen verwickelt. Wie alle Großverbände der Heeresgruppe (Busch, Model) erlitt Heinricis Armee große Verluste, konnte jedoch auch in den nächsten Monaten der Vernichtung entgehen. Nach andauernden Abwehrschlachten und Absetzbewegungen wurde Generaloberst Heinrici am 17. August 1944 als Nachfolger von Schwerterträger Hans-Georg Reinhardt zum neuen Oberbefehlshaber der 1. Panzerarmee ernannt.

Zusammen mit der 1. ungarischen Armee bildete dieser Großverband die sgn. "Armeegruppe Heinrici".

Es folgten schwere Abwehrschlachten in Ostpreußen, Polen und der Slowakai. Im Frühjahr 1945 wurde die Armee nach Küstrien abgedrängt, die sowjetische Endoffensive gegen Berlin stand unmittelbar bevor. Am 3. März 1945 wurde Heinrici für die zähen Defensivaktionen seiner Truppen in Ostpreußen und Polen mit den Schwertern zum Ritterkreuz mit Eichenlaub ausgezeichnet, wenig später folgte die Ernennung zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Weichsel!

Heinrici stand hier mit einer Handvoll abgekämpfter Divisionen und ohne nennenswerte Luftunterstützung über drei Millionen Rotarmisten mit unvorstellbaren Materialmassen gegenüber!

Um die bevorstehende Offensive der Sowjets direkt abfangen zu können, fehlten Heinrici die Möglichkeiten. Also nahm er seine Truppen in der Nacht vor dem (richtig) angenommenen Angriffsbeginn eigenmächtig zurück und gab die vordersten Frontstellungen auf. Als am Morgen des 16.04.45 über 20.000(!) russische Geschütze aller Kaliber diese Stellungen mit mörderischem Trommelfeuer belegten, verloren die deutschen Truppen keinen Mann - die nachfolgenden sowjetischen Infanterieverbände stießen ins Leere und gerieten entlang der neu aufgebauten Verteidigungsstellungen auf den Seelower Höhen in verlustreiches Abwehrfeuer! Erst nach drei Tagen konnten sie Heinricis Truppen von den Höhen vertreiben und die Offensive gegen Berlin beginnen. Wenig später brach die Rote Armee bei Eberswalde bzw. Fürstenwalde durch die Linien der sich tapfer wehrenden 9. Armee und begann mit der Einkesselung der Reichshauptstadt. Die Angriffskeile trafen sich westlich von Berlin - im Kessel standen etwa 100.000 Mann unter Schwerterträger General der Artillerie Weidling.

Südöstlich der Hauptstadt wurden weiters große Teile der geschlagenen 9. Armee im Kessel von Halbe zusammengedrängt - aus diesem konnte im Gegensatz zu Berlin wenigstens ein Teil wieder ausbrechen.

Am 29. April 1945 wurde Generaloberst Heinrici nach einer schweren Auseinandersetzung mit GFM Keitel (OKW) über den Sinn weiterer Kampfhandlungen um Berlin seines Postens enthoben! Eine telegraphische Anweisung durch Martin Bormann, den hochdekorierten Offizier vor ein Kriegsgericht zu stellen(!), wurde durch das neue Staatsoberhaupt Großadmiral Dönitz ignoriert - da drohte Bormann sogar mit einer Verhaftung durch die Gestapo! Als Stütze in diesen schwierigen Tagen erwies sich der Heinrici unterstellte Befehlshaber der 3. Panzerarmee, Brillantenträger Hasso von Manteuffel. Dieser veranlasste sogar, dass einige ihm loyale Bewaffnete Heinrici rund um die Uhr absicherten!

Generaloberst Heinrici ergab sich am 8. Mai 1945 britischen Truppen und wurde nach drei Jahren aus der Kriegsgefangenschaft entlassen.

Der Generaloberst a.D. verschied 1971 und wurde mit militärischen Ehren beigesetzt.

EHRE SEINEM ANDENKEN - GOTT GEBE IHM DIE LETZTE RUHE

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QUELLE: „Mit Eichenlaub und Schwertern“ von Florian Berger, www.bergerbuch.at