Der gebürtige
Ostpreuße trat bereits 1905 ins deutsche Heer ein und wurde nach mehrjähriger
Ausbildung zum Leutnant befördert. Sein Vater, seines Zeichens evangelischer
Superintendent, war über die Karriererichtung seines Sohnes sicherlich nicht
glücklich.
Während des
Ersten Weltkrieges diente Heinrici als Kompaniekommandeur im
Infanterieregiment 95 an der Ostfront, ehe er 1916 als Adjutant der 3.
Infanteriebrigade die Schlacht von Verdun erlebte. Nach einer schweren
Verwundung als Träger des Eisernen Kreuzes 1. Klasse zwecks
Generalstabsausbildung nach Deutschland versetzt, wurde Hauptmann Heinrici
1918 zum Stabschef der 203. Infanteriedivision im Westen ernannt. Für seine
Verdienste erhielt er hier den Hohenzollernorden mit Schwertern verliehen.
1920 in die
Reichswehr übernommen, diente Major Heinrici, u.a. zusammen mit den späteren
Schwerterträgern Rommel und Blaskowitz, als Bataillonskommandeur im
Infanterieregiment 13, ehe er 1932 den Stab des Gruppenkommandos Berlin
übernahm. Ein Jahr darauf als Oberst bereits Abteilungsleiter im
Reichswehrministerium, folgte 1937 die Beförderung zum Generalmajor sowie die
gleichzeitige Berufung zum Leiter dieses Ministeriums! Bei Kriegsausbruch
kommandierte Heinrici als Generalleutnant die 16. Infanteriedivision.
Während den
ersten Kriegsmonaten mit seiner Division am Westwall in Bereitstellung
gehalten, wurde der am 20. April 1940 zum General der Infanterie beförderte
Ostpreuße einen Monat vor Beginn des Westfeldzuges zum Kommandeur des XII.
Armeekorps ernannt.
Im Krieg
gegen Frankreich führte er sein Infanteriekorps im Verband der 1. Armee (von
Witzleben) gegen die Nordflanke der stark befestigten Maginotlinie. Die vor
allem in der zweiten Phase des Frankreichfeldzugs stattfindenden Gefechte
hatten die erfolgreiche Einnahme von Metz und Straßburg sowie die Einkesselung
der 2. französischen Heeresgruppe zur Folge.
Nach der
französischen Kapitulation auf dem Kontinent (22.06.40) übernahm Heinrici das
XXXXIII. Armeekorps und begab sich für die geplante Operation "Seelöwe"
(Landung in England) an der Kanalküste in Bereitstellung. Nach Aufgabe der
Invasionspläne verblieb das Korps als Küstenschutz in Frankreich, ehe der
Verlegungsbefehl nach Osten erging.
Ab Juni 1941
nahm General Heinrici mit seinen Divisionen unter dem Oberbefehl der
Heeresgruppe Mitte (GFM von Bock) an den Offensiven gegen die 4., 10. und 13.
sowjetische Armee teil. Wie schon in Frankreich war der spätere
Schwerterträger Oberst i.G. Schulz der Chef seines Stabes.
Nach äußerst
erfolgreichen Kämpfen in den Kesselschlachten von Bialystok, Baranovici und
Minsk stieß das vier Divisionen umfassende Korps mit der 4. Armee (von Kluge)
entlang der sogenannten "Moskauer Rollbahn" vor und kämpfte in den
Frontabschnitten Orscha, Mogilew, Smolensk, Gomel, Kiew, Wjasma und Bryansk.
Für seine Verdienste in der Korpsführung erhielt Heinrici am 18. September das
Ritterkreuz verliehen.
Im Winter
1941/42 erlitt Heinricis Korps bei klimatisch untragbaren Bedingungen im
Zentrum der Moskau-Front schwere Verluste. So brach durch den überraschend
frühen Winterbeginn die deutsche Versorgung teilweise zusammen, gleichzeitig
warfen die Sowjets im Winterkrieg erfahrene und kampferprobte Divisionen aus
Sibirien an die Front.
Am 20. Jänner
1942 wurde General der Infanterie Heinrici als Nachfolger von GFM von Kluge
neuer Oberbefehlshaber der 4. Armee, die meist Hand in Hand mit der
"Panzergruppe Hoepner" operierte. Die nächsten Monate kämpfte die Armee
westlich von Moskau und konnte zusammen mit der 9. Armee (Model) den
Frontbogen Rshew-Wjasma erfolgreich halten.
Als
Oberbefehlshaber der 4. Armee unterstrich Heinrici seine alttraditionelle,
preußische Offiziershaltung und weigerte sich z.B. den sgn. Kommissarbefehl in
seinem Befehlsbereich anzuwenden. Weiters duldete er keinerlei Übergriffe
gegen Kriegsgefangene oder russische Zivilisten - sieben deutsche Soldaten
ließ er wegen solcher Tötungsdelikte zum Tode verurteilen.
Während sich
1942 der Hauptteil der offensiven Operationen auf den Südabschnitt der
Russlandfront konzentrierte, sahen sich die Verbände der Heeresgruppe Mitte
mehreren sowjetischen Gegenoffensiven ausgesetzt, die aber durch geschickte
Defensivtaktiken meist mit nur kleinen Geländeverlusten abgefangen werden
konnten. In Anerkennung seiner Stabsleistungen wurde Heinrici am 1. Jänner
1943 im Alter von 58 Jahren zum Generaloberst befördert. Der Frontbogen von
Rshew-Wjasma musste erst im März aufgegeben werden.
Im Sommer 1943
trat die Rote Armee mit mehr als 30 Schützen- und Panzerdivisionen nördlich
von Orel zur Gegenoffensive nach der Operation "Zitadelle" an, bis Oktober
musste sich die Heeresgruppe Mitte auf die Linie Orscha-Witebesk zurückziehen.
Hierbei kamen Heinricis Divisionen u.a. im Pripjetgebiet, bei Rogatschew sowie
während der Abwehrschlacht von Bychoff zum Einsatz. Am 24. November 1943 wurde
Heinrici in Anerkennung seiner wiederholten Verdienste an der Spitze der 4.
Armee als 333. Soldat der Wehrmacht mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz
ausgezeichnet.
Als er durch
hervorragende Abwehrmaßnahmen bei Orscha umfassende Flankenangriffe zweier
sowjetischer Armeen abwehrte, wurde Heinrici im Mai 1944 erstmals für die
Schwerterverleihung eingereicht, jedoch vom OKW zurückgestellt.
Im Sommer 1944
wurde die 4. Armee im Verband der Heeresgruppe Mitte in schwerste Abwehr- und
Rückzugsschlachten gegen überlegene sowjetische Stoßarmeen verwickelt. Wie
alle Großverbände der Heeresgruppe (Busch, Model) erlitt Heinricis Armee große
Verluste, konnte jedoch auch in den nächsten Monaten der Vernichtung entgehen.
Nach andauernden Abwehrschlachten und Absetzbewegungen wurde Generaloberst
Heinrici am 17. August 1944 als Nachfolger von Schwerterträger Hans-Georg
Reinhardt zum neuen Oberbefehlshaber der 1. Panzerarmee ernannt.
Zusammen mit
der 1. ungarischen Armee bildete dieser Großverband die sgn. "Armeegruppe
Heinrici".
Es folgten
schwere Abwehrschlachten in Ostpreußen, Polen und der Slowakai. Im Frühjahr
1945 wurde die Armee nach Küstrien abgedrängt, die sowjetische Endoffensive
gegen Berlin stand unmittelbar bevor. Am 3. März 1945 wurde Heinrici für die
zähen Defensivaktionen seiner Truppen in Ostpreußen und Polen mit den
Schwertern zum Ritterkreuz mit Eichenlaub ausgezeichnet, wenig später folgte
die Ernennung zum Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Weichsel!
Heinrici stand
hier mit einer Handvoll abgekämpfter Divisionen und ohne nennenswerte
Luftunterstützung über drei Millionen Rotarmisten mit unvorstellbaren
Materialmassen gegenüber!
Um die
bevorstehende Offensive der Sowjets direkt abfangen zu können, fehlten
Heinrici die Möglichkeiten. Also nahm er seine Truppen in der Nacht vor dem
(richtig) angenommenen Angriffsbeginn eigenmächtig zurück und gab die
vordersten Frontstellungen auf. Als am Morgen des 16.04.45 über 20.000(!)
russische Geschütze aller Kaliber diese Stellungen mit mörderischem
Trommelfeuer belegten, verloren die deutschen Truppen keinen Mann - die
nachfolgenden sowjetischen Infanterieverbände stießen ins Leere und gerieten
entlang der neu aufgebauten Verteidigungsstellungen auf den Seelower Höhen in
verlustreiches Abwehrfeuer! Erst nach drei Tagen konnten sie Heinricis Truppen
von den Höhen vertreiben und die Offensive gegen Berlin beginnen. Wenig später
brach die Rote Armee bei Eberswalde bzw. Fürstenwalde durch die Linien der
sich tapfer wehrenden 9. Armee und begann mit der Einkesselung der
Reichshauptstadt. Die Angriffskeile trafen sich westlich von Berlin - im
Kessel standen etwa 100.000 Mann unter Schwerterträger General der Artillerie
Weidling.
Südöstlich der
Hauptstadt wurden weiters große Teile der geschlagenen 9. Armee im Kessel von
Halbe zusammengedrängt - aus diesem konnte im Gegensatz zu Berlin wenigstens
ein Teil wieder ausbrechen.
Am 29. April
1945 wurde Generaloberst Heinrici nach einer schweren Auseinandersetzung mit
GFM Keitel (OKW) über den Sinn weiterer Kampfhandlungen um Berlin seines
Postens enthoben! Eine telegraphische Anweisung durch Martin Bormann, den
hochdekorierten Offizier vor ein Kriegsgericht zu stellen(!), wurde durch das
neue Staatsoberhaupt Großadmiral Dönitz ignoriert - da drohte Bormann sogar
mit einer Verhaftung durch die Gestapo! Als Stütze in diesen schwierigen Tagen
erwies sich der Heinrici unterstellte Befehlshaber der 3. Panzerarmee,
Brillantenträger Hasso von Manteuffel. Dieser veranlasste sogar, dass einige
ihm loyale Bewaffnete Heinrici rund um die Uhr absicherten!
Generaloberst
Heinrici ergab sich am 8. Mai 1945 britischen Truppen und wurde nach drei
Jahren aus der Kriegsgefangenschaft entlassen.
Der Generaloberst a.D. verschied 1971 und
wurde mit militärischen Ehren beigesetzt.