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542. Eichenlaubträger Carl Hilpert
Generaloberst

"Das Gros unserer Heeresgruppe in Kurland, die unter dem Kommando von General der Infanterie Hilpert monatelang stark überlegenen Panzer- und Infanterieformationen Widerstand geleistet hat und in sechs großen Schlachten tapfer standhielt, hat sich unsterblichen Ruhm errungen. Sie hat jede vorzeitige Kapitulation abgelehnt. In tadelloser Ordnung haben die weiter nach Westen fliegenden Flugzeuge Verwundete und Familienväter weggeschafft. Die Offiziere und Stäbe sind bei ihren Truppen geblieben. Um Mitternacht wurden, entsprechend den von uns angenommenen Bedingungen, die Feindseligkeiten und jede Bewegung eingestellt."

so heißt es im zweiten Absatz des letzten Berichtes des Oberkommandos der Wehrmacht vom 9. Mai 1945, zu den Offizieren, die das schwere Los jahrelanger Kriegsgefangenschaft mit ihren Soldaten teilten, gehörten der letzte Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Kurland, Generaloberst Carl Hilpert, und sein Stabschef, Generalleutnant Friedrich Foertsch, Foertsch kehrte im Oktober 1955 nach fast elfjähriger Gefangenschaft in die Heimat zurück, trat 1956 in die Bundeswehr ein und war von 1961 bis 1963 ihr 2. Generalinspekteur, Generaloberst Hilpert aber blieb die Heimkehr versagt, er starb am 1. 2. 1947 nach fast einjähriger qualvoller Haft in den Moskauer Gefängnissen Butyrskaja und Lubljanka, im Grab Nr. 43 auf dem Friedhof von Krassnogorsk bei Moskau fand er seine letzte Ruhestätte, auf dem gleichen Friedhof befindet sich auch das Grab des bereits 1944 verstorbenen, bei Stalingrad in Gefangenschaft geratenen Generalobersten Walter Heitz, von den 211 toten Deutschen die in Krassnogorsk bestattet wurden, sind 9% Offiziere, 23% Unteroffiziere, 66% Mannschaften und 20% Internierte (Zivilpersonen)

Carl Hilpert wurde am 12. September 1888 in Nürnberg als Sohn eines Ingenieurs geboren, seine militärische Laufbahn begann im Frühjahr 1907 als Fahnenjunker im königlich-bayerischen 14. Infanterieregiment "Hartmann", in dessen 10. Kompanie wurde, er am 26. 5. 1909 zum Leutnant befördert, im August 1914 zog er als Oberleutnant und Bataillonsadjutant in den 1. Weltkrieg und rückte am 18. 8. 1916 zum Hauptmann auf.

Nach dem Krieg wurde Hauptmann Hilpert in die Reichswehr der Weimarer Republik übernommen, die Rangliste des Jahres 1912 weist ihn als Kompaniechef im 21. (Bayerischen) Infanterieregiment aus, später gehörte er dem in seiner Geburtsstadt Nürnberg stationierten Regimentsstab als Adjutant an, seine Generalstabslaufbahn führte ihn dann nach Stuttgart, München und Nürnberg, der Stab der 55. Division in Stuttgart war 1927 Hilperts Wirkungskreis, wo zusammen mit ihm die Majore Ruoff (1883 bis 1967), der es im II. Weltkrieg ebenfalls zum Generaloberst bringen sollte, und Kitzinger (1886 bis 1962), zuletzt General der Flieger und Oberbefehlshaber des Festungsbereiches West, Dienst taten.

Wie es damals in der kleinen Reichswehr üblich war, blieb Hilpert über zehn Jahre lang Hauptmann, ehe er sich die "Majorsraupen" auf seinen Uniformrock heften konnte, nachher ging es dann, im Zuge der deutschen Wiederaufrüstung, mit den Beförderungen um so schneller, am 1. 10. 1933 wurde Hilpert bereits zum Oberstleutnant befördert und trat dann am 1. 9. 1935 in Tübingen für zwei Jahre an die Spitze des neu aufgestellten Infanterieregiments 35, in dieser Funktion wurde er am 1. 10. 1935 Oberst, danach tat er ab 1. 10. 1937 wieder Stabsdienst als Chef des Generalstabes beim IX. AK (Armeekorps) in Kassel, hier erhielt er am 1. 4.1939 seine Beförderung zum Generalmajor.

Auch im II. Weltkrieg bewährte sich Hilpert zunächst als Generalstäbler und Stabschef, als kluger, gewissenhafter Berater seiner Befehlshaber, als wohlwollender Vorgesetzter seiner Mitarbeiter, vom IX. AK wechselte er am 30. 9. 1939 als Stabschef zur Armeeabteilung A, deren Truppen am Westwall in Bereitschaft gegen Frankreich standen, sein Befehlshaber war der damalige Chef der Heeresleitung, Generaloberst Freiherr von Hammerstein-Equord.

Nach Auflösung der Armeeabteilung A war Generalmajor Hilpert vorübergehend im Stab des Grenzabschnitts Süd-Krakau (ab 25.10.1939) tätig, ehe er im Februar 1940 als Chef des Generalstabes der im Westen eingesetzten 1. Armee unter Generaloberst von Witzleben wurde (1944 als Generalfeldmarschall hingerichtet), der Marschallstab bezeigte am 19. 7.1940 Hitlers Dank an Witzleben für die erfolgreiche Führung der 1. Armee während des "Blitzkrieges" im Westen, sein Stabschef Hilpert wurde am 1. 10. 1940 zum Generalleutnant befördert und folgte am 26.10.1940 seinem bisherigen OB, der den Befehl über die Heeresgruppe D übernahm, als Chef des Stabes

Das Jahr 1942 brachte Generalleutnant Hilpert die Versetzung als Führer des LIV. (54.) AK an die Ostfront (22. 6. bis 25. 7 1942), dann übernahm er das XXII. AK, nachdem er am 1. 9.1942 zum General der Infanterie befördert worden war und im Januar 1943 mit seinem zur "Korpsgruppe Hilpert" verstärkten Korps schwere Abwehrkämpfe an den Ssinjawinohöhen vor Leningrad bestanden hatte, bewährte er sich im Sommer 1943 erneut bei der Abwehr weit überlegener sowjetischer Kräfte zwischen Wolchow und Schlüsselburg als Kommandierender General des XXXXIV. (44.) AK, dies fand am 22.8.1943 seine Anerkennung durch die Verleihung des Ritterkreuzes.

Hilperts persönlicher Einsatz und seine auch in fast aussichtslosen Situationen nicht versagende Führungskunst sicherten ihm das Vertrauen der unterstellten Kommandeure und Soldaten, dennoch wurde er auf Veranlassung des Oberbefehlshabers der 9. Armee, des Generalobersten Model eines Tages abgelöst und übernahm am 1. 4. 1944 den Befehl über das 1. Korps, dieses führte er im Sommer 1944 bei Polozk aus gefährlicher Feindumklammerung durch unwegsames Gelände zurück, dafür wurde ihm am 8.8.1944 das 542. Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen.

Es warteten auf diesen persönlich bescheidenen, fürsorglichen Truppenführer, der stets klare Befehle zu geben wusste, aber noch größere Aufgaben, nachdem er von September 1944 bis Anfang März 1945 die 16. Armee geführt hatte, wurde ihm schließlich für die letzten Kriegsmonate der Oberbefehl über die Heeresgruppe Kurland - die ehemalige Heeresgruppe Nord - übertragen, die Generalobersten Schörner, von Vietinghoff-Scheel und Rendulic waren in den vorausgegangenen sechs Kurlandschlachten hier seine Vorgänger gewesen, ganz auf sich gestellt, ohne Landverbindung mit der Heimat, fesselten im Baltikum die deutschen Kurlandkämpfer unter Hilperts Führung bis zuletzt als vorgeschobenes Bollwerk der deutschen Wehrmacht überlegene Feindkräfte, Carl Hilpert wurde noch am 1. Mai 1945 zum Generaloberst befördert, am 7. Mai erließ er seinen letzten Befehl an die Heeresgruppen Kurland, er lautete:

"An alle! Marschall Goworod hat zugestimmt, daß Waffenruhe bereits am 8. Mai, 14.00 Uhr, beginnt. Truppen sofort unterrichten! Weiße Flaggen in Stellung zeigen! Oberbefehlshaber erwartet loyale Durchführung, da davon weiteres Schicksal aller Kurland-Kämpfer entscheidend abhängt."

 und tatsächlich genossen die deutschen Kurland-Kämpfer in der ersten Zeit der Kriegsgefangenschaft eine gewisse Sonderbehandlung, von der aber im Laufe der Zeit nichts mehr übrig blieb, während der nächsten Jahre versickerten sie in den zahlreichen Lagern des weiten sowjetischen Imperiums und schon gar nicht war es ihnen beschieden, eher als ihre Kameraden heimzukehren, ihr Oberbefehlshaber bemühte sich auch in Gefangenschaft noch - wenn auch vergeblich - für seine Truppen, er verlor seine Würde nicht, sondern wirkte auch in der Gefangenschaft als Vorbild, diese Konsequenz führte ihn schließlich ab April 1946 in die sowjetischen Gefängnisse, aus denen es für ihn keine Befreiung mehr gab, sicherlich hat ihm auch seine tiefe Religiosität geholfen, mit seinem schweren Schicksal fertig zu werden, dazu kam ein reger Geist, der ihn im Unterstand des I. Weltkrieges Arabisch und im Lager der Sowjetunion Russisch hatte lernen lassen, sein ältester Sohn war ihm bereits 1943 als Hauptmann und Bataillonsführer im Tode vorangegangen.

EHRE SEINEM ANDENKEN - GOTT GEBE IHM DIE LETZTE RUHE

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