Friedrich Hoßbach wurde am
21.11.1894 im westfälischen Unna als Sohn des Realschullehrers (nach anderen
Quellen des Gymnasiallehrers) Heinrich Hoßbach und seiner Frau Anna geboren
und war somit wie andere große Offiziere, wie bspw. Scharnhorst, Gneisenau,
Moltke oder sein späterer Vorgesetzter Ludwig Beck, kein gebürtiger Preuße.
Im Jahre 1905 trat er auf Wunsch des Vaters, zehnjährig, in das Kadettenkorps
Oranienstein ein, wo er bis zur Obertertia blieb. Er absolvierte 1910/11 die
Untersekunda im Kadettenkorps Karlsruhe und die Obersekunda 1911/12 in der
Hauptkadettenanstalt Groß-Lichterfelde bei Berlin, sowie 1912/13 die Unter-
und Oberprima in der Prinzenschule Klein-Glienicke bei Potsdam, wo er u.a.
Mitschüler des Prinzen Leopold von Preußen war.
Diese neun Jahre Kadettenschule förderten bei Hoßbach die Aneignung
preußischer Wesensarten, wie penible Pünktlichkeit, ein außerordentliches Maß
an Pflichtgefühl, verbundne mit Anspruchslosigkeit und spartanischer Härte
gegen sich selbst, eine strenge Hygiene in Verbundenheit mit tiefer
Religiosität. So erklärt sich schon hier das spätere Einsetzen, zusammen mit
dem Großadmiral Raeder, für die Wehrmachtsseelsorge, was beide in den Augen
der NS-Ideologen nicht gerade positiv erscheinen ließ.
Bereits in der Kadettenzeit bestach Hoßbach durch den drang zum Schrieben, so
widmete er sich den alltäglichen Aufgaben eines Kadetten, wovon der heutige
umfangreiche Nachlass Hoßbachs noch heute zeugt. Bereits zu jener zeit zeigte
sich sein Interesse an der deutschen, insbesondere preußischen Dichtung und
Philosophie. Dabei ist es wichtig zu erwähnen, daß gerade diese
Kadettenausbildung zum unbedingten gehorsam erzog, was sich später in Bezug
auf Hitler rächen sollte.
Am 29.10.1913 trat Hoßbach, achtzehnjährig, als Portepeefähnrich dem 2.
Kurhessischen Infanterie-Regiment Nr. 82 in Göttingen bei, wo er am 19.06.1914
zum Leutnant befördert wurde. Bei Ausbruch des 1. Weltkrieges zog Hoßbach mit
seinem Regiment, dem er bis zu sein Lebensende treu blieb, in den Kampf, der
ihn ausschließlich an die Ostfront führte. Vom Regiment aus wurde er am 16.
September 1916 als Adjutant zum Infanterie-Regiment 419 versetzt und
schließlich am 01. März 1918 als Ordonnanzoffizier zum XVIII. Armeekorps. Mit
Ende des 1. Weltkrieges mit beiden Eisernen Kreuzen ausgezeichnet, hatte
Hoßbach einen Eindruck von der Weite des russischen Raumes bekommen und hatte
die Eigenarten des russischen Soldaten kennen gelernt.
Im Jahre 1918 kehrte er als Oberleutnant und Bataillonsführer in die Heimat
zurück und wurde dann wieder als Kompanieführer im Infanterie-Regiment 82
eingesetzt. Am 18. Februar 1919 übernimmt er die 9. Kompanie und wechselt im
März 1919 zum Hessisch-Thüringisch-Waldeckchen Freikorps, bzw. am 01.10. in
das I. Bataillon des Reichswehr-Infanterie-Regiments 20. Seit dem 01. Januar
1921 war im Stab eines Bataillons des Infanterie-Regiments 17 (ab 01.02.1922
Infanterie-Regiment 17) tätig. Dort wird er schließlich am 01.01.1921 als
Adjutant des II. Bataillons des Infanterie-Regiments 17 in Braunschweig in die
Reichswehr übernommen.
Die Wehrkreisprüfung legte Hoßbach am 22. März 1923 ab und begann daraufhin
seine Ausbildung als Führergehilfe am 01.10.1923 in Münster bei der 6.
Division.
Geführt wurde er ab dem 01. April 1924 bei der 8. (MG)/17.Infanterie-Regiment
und seit dem 01.10.1924 bei der 4. Eskadron des 19. (Pr.) Reiter-Regiments in
Münster.
Am 01. Oktober 1925 erfolgte die Versetzung zum II. (Pr.) Bataillon des 17.
Infanterie-Regimentes, in dem er die 7. Kompanie übernahm. Es folgte eine
Beförderung zum Hauptmann im Stab des Ausbildungs- (Pr.) Bataillon in Celle.
Am 01. Oktober 1927 begann der "R"-Lehrgang für Führergehilfen im
Reichswehrministerium, während dieser Zeit wurde Hoßbach in der
Heeres-Statistischen-Abteilung (T3) geführt. Mit dieser
Führergehilfen-Ausbildung umging die Reichswehr die verbotene
Generalstabsausbildung des Versailler Vertrages. Einer seiner dortigen
Ausbilder war der Oberstleutnant Hans Georg Reinhardt, zusammen mit Hoßbach
sollte er 1944/45 Ostpreußen verteidigen.
Mit Ende der Ausbildung erhielt Hoßbach eine Verwendung im Heerespersonalamt,
dabei begleitete er im September/Oktober 1930 den Inspekteur der Infanterie
General Ritter von Prager beim Besuch der ungarischen Honveds nach Budapest.
Am 01.10.1931 übernahm Hoßbach den Posten des Chefs der 5. Kompanie im
Infanterie-Regiment 17. Als Ausbilder bestach er durch harte Maßnahmen, frei
nach dem Grundsatz „Schweiß spart Blut“. Nach zweieinhalb Jahren kehrte
Hoßbach ins Heerespersonalamt zurück und übernahm dort, als Major, die
Abteilung P3. Am 01.07.1933 wird er als Führerstabsoffizier zum Aufbau
des Reichsluftfahrtministeriums nach Berlin abkommandiert.
Nach dem Tode Hindenburgs am 02.08.1934 erhielt Hoßbach als Bearbeiter der
Generalstabspersonalien vom Chef des Heerespersonalamtes General von Schwedler
damit beauftragt, einen geeigneten Generalstabsoffizier als Adjutanten beim
Führer vorzuschlagen. Als Hoßbach am nächsten tage geeignete Kandidaten
vorstellen wollte, eröffnete von Schwedler, daß bereits ein Kandidat gefunden
wurde – Hoßbach selbst. Dieser sah sich selbst als nicht geeignet für diesen
Posten an, doch Reichskriegsminister vom Blomberg und der Chef der Obersten
Heeresleitung Freiherr von Fritsch, sowie der Chef des Truppenamtes Beck,
sahen in ihm den geeigneten und besten Mittelsmann zwischen Wehrmacht und
Hitler.
Hitler war mit Hoßbach einverstanden, so dass dieser am 04.08.1934 seinen
Dienst antrat. Mit einhergehender Funktion als Heeresadjutant verfolgte
Hoßbach stets das Ziel das Heer als größten Teil der Wehrmacht zu wahren.
Dabei arbeitete er mit anderen Adjutanten der Luftwaffe, Schwabedissen, der
Marine von Puttkamer und der Partei, Brückner, stets loyal zusammen.
Am 01.07.1935 erhielt Hoßbach, mittlerweile Oberstleutnant, auch die Funktion
des Chefs der Zentralabteilung im Generalstab des Heeres hinzu und damit u.a.
die Verantwortung für die Auswahl und Verwendung der Generalstabsoffiziere
des Heeres in Krieg und Frieden. Damit war er auch dem Oberbefehlshaber des
Heeres und dem Chef des Generalstabes unterstellt und somit kein persönlicher
und ständiger Adjutant Hitlers mehr. Von Blomberg legte Hoßbach nahe beim
Führer für mehr preußische Ordnung und Pünktlichkeit zu sorgen, da dieser kaum
einen geregelten Tagesablauf nachging. Durch seine Nähe zum Führer und Dank
seiner persönlichen Auffassungsgabe, avancierte Hoßbach zum authentischsten
und besten Psychoanalytiker der Person Hitlers.
„Er
war nicht der erste Diener seines Volkes, sondern er machte das Volk zu seinem
Diener […] Im Charakter Hitlers, in dem das gute mit dem Bösen rang, behielt
das letztere die Oberhand.
Wohl klangen die Worte Tradition, Geschichte oft aus Hitlers Munde, und doch
brach er auf allen gebieten mit der Überlieferung. In der Tiefe seines Wesens
war er mit der Geschichte Deutschlands nicht verwachsen. Hinweise auf Preußen
waren ihm fast unangenehm. Von der Schlichtheit, Aufrichtigkeit,
Gerechtigkeit, von der wortlosen, selbstverständlichen Pflichterfüllung wahren
Preußentums trennte ihn eine Welt […]“
Am 05.11.1937 kam es zu der
Besprechung die Hoßbachs Namen für immer in die Geschichtsbücher des 20.
Jahrhunderts bringen sollte. Hitler rief den Reichskriegsminister von
Blomberg, den Reichsau0ßeninster von Neurath und die drei Oberbefehlshaber der
Wehrmachtsteile zu sich in die Reichkanzlei zusammen. Bei dieser Besprechung
eröffnete Hitler den Anwesenden seinen unabänderlichen Entschluss Deutschlands
Raumnot in absehbarer Zeit zu überwinden. Er führte aus sich Österreich und
die Tschechoslowakei einzuverleiben und nicht länger als bis 1943/45 mit der
Anwendung militärischer Gewalt zu warten. In der anschließenden Aussprache
erwiderten von Blomberg, von Neurath und Fritsch Bedenken ob dieser Planungen.
Damit erkannte Hitler, daß er mit diesen Männern keinen Krieg werde führen
können. Schon bald wurden sie abgesetzt bzw. in den Freitod (Fritsch)
gezwungen. Oberst Hoßbach machte sic dabei vor den Augen aller entsprechende
Notizen und fertigte am 10.11.1937 auf eigenen Entschluss eine Niederschrift
an, die er mehrmals Hitler zur Unterschrift vorlegte, der es aber ablehnte
diese zu unterschreiben. Auf Anwesung Hitlers verblieb die Niederschrift dann
zunächst im Besitz des Reichskriegsministers von Blomberg. Hoßbach informierte
den Chef des Generalstabes Beck über die Pläne Hitlers der darüber ebenso
entsetzt war wie die anderen Bedenkenträger. Ganze vier Monate später befand
sich keiner mehr diese Männer auf seiner bisherigen Dienststellung.
Im Zuge der Fritsch-Krise wurde Hoßbach am 25.01.1938 gegen 02.15 Uhr in die
Reichskanzlei gerufen, wo ihn Hitler darüber informierte nach von Blomberg nun
auch den Freiherrn von Fritsch aufgrund vorgeworfener Verfehlungen nach §175
StGB. Auf das heftigste Drängen Hoßbachs war Hitler bereit von Fritsch
überhaupt am 27.01.1938 anzuhören. Gegen den befehl Hitlers setzte Hoßbach am
25.01. morgens von Fritsch über die Anschuldigungen in Kenntnis, der sich in
Gegenwart Hoßbachs wie erwartet völlig rein wusch. Hoßbach wurde daraufhin
erneut in der Reichskanzlei vorstellig. Dabei nahm er in Kauf, daß er dadurch
beim Führer den Ungehorsams und als "persona ingrata" bezichtigt werden
würde, nahm er dabei billigend auf seine Schultern.
Im Zuge dieser Auseinandersetzung und der Zerstörung des gegenseitigen
Vertrauensverhältnisses bat Hoßbach um seine Ablösung als Wehrmachtsadjutant.
Damit verlor das Heer DEN Vertreter von Autonomie und Tradition an höchster
Stelle. Ein Mann der der Suggestivkraft Hitlers zu widerstehen vermochte. Die
Nachfolge trat Oberst Rudolf Schmundt an, ein Idealist mit Sinn für
Kameradschaft, gleichzeitig aber ein glühender Verehrer Hitlers. Ihm folgte
General Wilhelm Burgdorf.
Hoßbach übernahm dann ab dem 15. September 1938 das Kommando über das neu
aufgestellte Infanterie-Regiment 82 in Göttingen, wobei er selbst noch die
Weichen zu dieser Aufstellung gestellt hatte. Die damaligen Soldaten des
Regiments waren sich später aber einig darüber, daß Hoßbach den Geist des
Regiments prägte.
Im Rahmen der Allgemeinen Mobilmachung verließ Hoßbach sein Regiment und
übernahm am 26.08.1939 den Posten des Chefs des Stabes im XXX. Armee-Korps an
der holländischen Grenze. Genau einen Monat später nahm er am 26.09.1939 an
der Trauerfeier für den gefallenen Generaloberst Freiherr von Fritsch in
Berlin teil. Testamentarisch hatte dieser veranlasst einen silbernen
Schlachtenteller an Hoßbach zu übergeben "weil er mir in schwerster Stunde
die Treue gehalten hat". Anschließend verlegte das XXX. Armee-Korps ins
Saarland und wurde dort dem AOK 1 unter Generaloberst von Witzleben
unterstellt. Zu seinem Kommandierenden General Otto Hartmann fand er hingegen
nie wirklich ein Verhältnis. Anlässlich eines Vorfalls zwischen Hartmann und
Hoßbach, ließ von Witzleben, dankbar für die gezeigte Courage gegenüber Beck
und Fritsch, den Kommandierenden General versetzen, da er Hoßbach unbedingt
halten wollte. Hitler wurde darauf aufmerksam und ließ seinen ehemaligen
Adjutanten aus den Generalstab zurück an die Front versetzen. Dort übernahm er
am 01.12.1939 erneut das Kommando über das Infanterie-Regiment 82, zwar ein
Aufderstelletreten seiner Karriere, aber für Hoßbach ein Segen.
Am 10.05.1940 führte er sein Regiment in den West-Feldzug, wo es in der
Frühphase an der holländisch-belgischen grenze entscheidend in die Kämpfe
eingriff. In der 2. Phase, der eigentlichen Schlacht um Frankreich, ab dem
05.06.1940, bewährte sich das Regiment unter der Führung Hoßbachs erneut.
Dabei gelang ihm ein Husarenstück. Vom Operationsplan leicht abweichend, stieß
eine Vorausabteilung des Regiments bis an den Kanal vor, wo sich in einer Buch
französische und britische Kräfte einschifften. Mit einer Pak unter der
persönlichen Führung Hoßbachs wurde ein Transporter seeuntüchtig geschossen,
wodurch ca. 4.000 Gegner gefangen genommen werden konnten.
Heinrich von Stülpnagel Kommandierender General des übergeordneten II.
Armee-Korps besuchte in diesen Tagen mehrfach Oberst Hoßbach, wobei sich im
Nachlass Hoßbachs mehrere Hinweise auf eine tiefe Verehrung für von Stülpnagel
finden lassen. Erst am 07.10.1940 erheilt Hoßbach, als Oberst und Kommandeur
des IR 82, für seine bedeutenden Erfolge im West-Feldzug das Ritterkreuz, wozu
er bereits im Juni 1940 eingereicht worden war.
Ab Beginn des Feldzuges gegen die Sowjetunion, wobei Hoßbach stets eine
ablehnende Haltung einnahm, wurde er fortan nur noch an der Ostfront
eingesetzt.
Im Winter 1941 erreichte nur sein Regiment bei -35°das befohlene Angriffsziel
im Raum Tula-Moskau, bis er vom 21.01. bis zum 28.02.1942 die Führung der
31. Infanterie-Division übernahm.
Kurze Zeit später zum Generalmajor befördert, übernimmt er dann das Kommando
über die 82. Infanterie-Division, nachdem er für ca. einen Monat in die
Führer-Reserve versetzt worden war. Am 06.07.1942 fällt er jedoch aufgrund
eines Lungendurchschusses für längere Zeit aus.
Wieder genesen übernimmt er vom 16.05. bis zum 02.08.1943 erneut das Kommando
über die 31. Infanterie-Division, mit der am Unternehmen Zitadelle im Raum
Orel-Kursk teilnahm. Zuvor hatte Hoßbach gewarnt die Offensive
anzutreten, dennoch startete diese am 05.07.1943. Die Folge der Schlacht war
das Verlieren der Initiative an der Ostfront.
Anfang August übernimmt Hoßbach die Führung des LVI. Panzerkorps. Hier kommt
er intensiv mit dem Verschwörerkreis des 20. Juli in Kontakt, kann sich aber
nicht zu einer Teilnahme durchringen, da er wie er selbst schrieb er keine
Hoffnung habe, das im Zuge der Beck-Fritsch-Krise aus dieser
Soldatengeneration ein Retter ersteigen solle.
Für die Abwehrerfolge des Korps wird er am 11.09.1943 ins Führerhauptquartier
befohlen, wo ihm, als Generalleutnant und Führer des LVI. Panzerkorps, das
Eichenlaub zum Ritterkreuz ausgehändigt wird. Anlässlich der Verleihung
gewährte Hitler jedem Träger dieser Auszeichnung einen Wunsch. Entgegen
mancher die sich ein Rittergut wünschten, bat Hoßbach angeblich um 30.000
Brotbeutel, Feldflaschen und Kochgeschirre. verblüfft fragte Hitler warum sich
Hoßbach dieses erbat. Dieser antwortete, daß jeder Soldat seinen Korps
entsprechend ausgerüstet sein sollte, wenn er in Gefangenschaft geriet. Hitler
brach das Gespräch daraufhin sofort ab.
Im März/April 1944 trug Hoßbach mit seinem Korps entscheidend dazu bei, den
Kessel von Kowel zu öffnen und die dort eingekreisten deutschen Truppen zu
befreien. Er wurde daraufhin vom Chef des Generalstabes für die Schwerter
vorgeschlagen, was aber abgelehnt wurde.
Am 19.07.1944, einen Tag vor dem Attentat auf Hitler, traf Hoßbach zum letzten
Mal mit Hitler zusammen. Dieser beauftragte ihn mit der Führung der
4. Armee und der Wiederinbesitznahme des Waldgebietes ostwärts Augustowo,
dabei bestand bereits für Ostpreußen selbst größte Gefahr. Zusammen mit seinen
Stabschefs, Oberst i.G. Erich Dethleffsen und interimistisch Heinz Gaedcke,
versuchte Hoßbach seine Armee auf die kommenden Kämpfe vorzubereiten. Er
setzte auf Nachbarhilfe, ließ damit die Grenzen zwischen den Einheiten
verschwinden und konnte sich schließlich im Oktober 1944 in der 1.
Ostpreußenschlacht nördlich der Rominter Heide behaupten. Dabei gelang am
03.11.1944 sogar die Rückeroberung Goldaps. Die Bevölkerung Ostpreußens hatte
es letztlich also Hoßbach selbst zu verdanken das Weihnachtsfest 1944 noch in
der eigenen Heimat verbringen zu können. Im rahmen des 20.07.1944 setzte er
sich für zahlreiche seiner Offizierskollegen vehement ein. Dabei bspw. für den
Generalleutnant Heistermann von Ziehlberg, den er als vortrefflichen,
hochbewährten Kommandeur der 28. Jäger-Division sehr schätzte.
Die Ardennenoffensive Hitlers hatte der Ostfront wichtige Reserven entzogen,
womit für Hoßbach der drohende Untergang immer näher kam. Es folgten
schwere Auseinandersetzung mit dem Gauleiter Ostpreußens Erich Koch. Da bei
der 4. Armee Mangel an Stiefeln und Wollsocken herrschte, sollten die
Parteigenossen ihre Stiefel abgeben. Doch Koch eilte zu Hitler und Bormann und
beklagte Hoßbachs Defaitismus und parteischädigender Umtriebe. Letztlich
erhielt er jedoch nur Schnürschuhe die für den Ostfeldzug völlig ungeeignet
waren.
In den Morgenstunden des 13.01.1945 traten dann neun sowjetische Armeen zum
Angriff auf Ostpreußen an. Zuvor war es der 4. Armee in Zusammenarbeit mit der
Kriegsmarine gelungen zehntausende Familien über See zu evakuieren, gegen den
Willen des Gauleiters.
Am 26.01.1945 brach die 2. Armee, die den Anschluss der 4. Armee nach Süden
hielt, zusammen, womit Ostpreußen erneut vom Reich getrennt wurde. Dabei
fasste Hoßbach, wie auch sein vorgesetzter Reinhardt den Entschluss entgegen
des Haltebefehls Hitlers nach Westen durchzubrechen, damit aber Ostpreußen
aufzugeben. Ein spürbar schwerer Entschluss. Am 28.01.1945 wurden beide
abgelöst.
Hoßbach kam im Februar 1945 zurück nach Göttingen, wo er als angesehene
Persönlichkeit Mittelpunkt freiheitlicher kreise wurde. Den örtlichen
Parteidienststellen blieb dies jedoch nicht verborgen, wobei der Kreisleiter
der Stadt noch am 03.04.1945, kurz vor Eintreffen der Amerikaner, ein
Rollkommando zusammenstellte um Hoßbach zu entführen. Dieser, vorgewarnt,
verteidigte sich auf seinem Balkon mit Pistolen, woraufhin sich das Kommando
zurückzog. Im Zuge seiner Verbindungen zum General der Infanterie Hitzfeld,
wurde Göttingen zur Offenen Stadt erklärt und blieb so von schweren
Kampfhandlungen verschont.
Schon bald nach Kriegsende wurde Hoßbach mit seiner Niederschrift vom
10.11.1937 konfrontiert. Ohne das er es wusste beauftragte der Beauftragte der
Militärischen Geschichtsschreibung Generalmajor Scherff einen Mitarbeiter mit
der Durchsicht des Archivs des Oberbefehlshabers des Heeres in Liegnitz 1943.
Dabei fiel dem Mitarbeiter die Hoßbach-Niederschrift in die Hände. Er fertigte
eine Zweitschrift an. Während des Krieges ging die Erstschrift jedoch verloren
und die Zweitschrift geriet im Herbst 1945 in die Hände der englischen
Militärregierung. Damit wurde Hoßbach vom 13. bis zum 15.03.1946 in Nürnberg
über die Echtheit des Protokolls vernommen. Er verbat sich den Begriff "Protokoll"
erklärte aber das es sich hiermit um Großen und Ganzen um die Wiedergabe
seiner Erstschrift handeln.
Friedrich Hoßbach starb am 10. September 1980 in Göttingen und wurde am 17.
September beigesetzt. Als es kurz nach der Trauerfeier heftig zu regnen
begann, sagte ein alter 82er "Jetzt ist er oben".