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Ritterkreuzträger Hans-Joachim Hunger
Oberleutnant, Artillerie

Hans-Joachim Hunger wurde am 08.03.1921 in Königsberg/Ostpreußen geboren.
Im 2. Weltkrieg wurde er am 09.04.1944 als Leutnant und Bobachtungsoffizier in der schweren Artillerieabteilung 526 (mot.), welche mit 15-cm-schweren-Feldhaubitzen ausgerüstet war, das Ritterkreuz.

"Es war in der großen Märzschlacht im Kampfraum nordwestlich Newel. Schon seit Tagen war die einen weiten Raum beherrschende Höhe 173,1 der Mittelpunkt besonders heftiger Angriffe des Feindes, der hier vor allem eine vorgeschobene Beobachterstelle ausschalten wollte, deren Feuerlenkung alle seine Bewegungen blockierte.
So bereitete auch am Vormittag des 10. März ein schweres Trommelfeuer einen neuerlichen Großangriff vor. Der Beobachter, Leutnant Hunger, befand sich an diesem Morgen abgelöst bei seiner Batterie, als von Höhe 173,1 gefunkt wurde, dass der ihn vertretende Wachtmeister durch schwere Granatsplitterverwundung ausgefallen sei.
Sofort setzte Leutnant Hunger sich mit dem Hauptwachtmeister der Batterie in Marsch, unterlief in schnellen Sprüngen die dichte feindliche Feuersperre und gewann schließlich wohlbehalten die Höhe. Der Hauptwachtmeister trug, auf einer ausgerissenen Bunkertür, mit einem Mann den schwerverwundeten Kameraden unter ausweichenden Umwegen über 4 km abermals durch diese mörderische Feuerzone.
Der Leutnant übernahm die Leitung des Feuers seiner und der benachbarten Batterien, während, etwa gegen Mittag, der feindliche Beschuss verstummte. Vor den unmittelbar darauf folgenden massierten Schützenangriffen mussten die eigenen Grenadiere ihre von dem Granathagel zertrümmerten Stützpunkte dem Feind überlassen und in eine erst hinter der Höhe 173,1 liegende Auffangstellung zurückgehen. Damit war die Beobachterstelle, von der aus diese Absetzung gesichert wurde, isoliert.
Die nunmehr mitten in den feindlichen Ansturm hineinragende Höhe war noch von 10 Mann besetzt, als der Feind jetzt frontal und aus beiden Flanken mit je einem Bataillon heranflutete. Ihr Auftrag hieß: die Höhe so lange wie möglich halten, und das hieß in diesem Fall so viel wie: bis zur letzten Patrone. An Waffen gab es hier einige Karabiner und Maschinenpistolen und etliche herrenlose Handgranaten, praktisch also fast nur Nahkampfwaffen. Dazu freilich kam die dichte konzentrische Feuerglocke, die der Leutnant rings um die enge, gewundene Stützpunktanlage legte. Zugleich hatte er für den Feuerschutz seines linken Nachbarn, des später für die Behauptung dieser seiner Stellung mit dem Eichenlaub zum Ritterkreuz ausgezeichneten Hauptmann Thulke, aufzukommen.
In immer neuen Wellen trat der Feind aus einer Ausgangsstellung von 100 m Entfernung aus notdürftigen Deckungen unaufhörlich zum Angriff an; und immer wieder wurde er durch den von Leutnant Hunger gelenkten Feuerriegel niedergehalten. Und wo er einzeln oder zuweilen in kleinen Gruppen die Sperre durchbrach, geriet er in das tödliche Zielfeuer der wenigen Infanteriewaffen der Verteidigung. Immer zahlreicher wurden die Toten und Verwundeten auf den Hängen ringsum. Doch noch zahlreicher waren die Reserven, die der Feind immer wieder heranführte. So konnte er sich, teils mit der Sichtdeckung hinter seinen eigenen Toten allmählich immer näher heranschieben. Und schließlich musste der Leutnant Schießwerte durchgeben, die das Feuer seiner Batterien gleichsam um Haaresbreite vor die eigene Stellung legten, so dass endlich im Schnee- und Splitterwirbel der Einschlagsfontänen der weiter anstürmende Feind kaum noch auszumachen und oft erst im Nahkampf unschädlich zu machen war.
Im Inferno dieses Blitzens und Krachens von Feuer und Eisen hielt diese Handvoll Männer bis zum Einbruch der Dunkelheit die fast auf einen Punkt zusammengedrückte Stellung und zog damit zudem das ganze Schwergewicht des eingebrochenen Feindes auf sich; wie einst ein Winkelried die Speerspitzen aus der Phalanx des Feindes mit beiden Armen zusammenraffte und in seine Brust lenkte. Es konnte für sie kaum einen Zweifel geben, dass nach allem Ermessen mit der Dunkelheit für sie vollends das Ende kommen musste.
Mit dem einbrechenden Abend setzte der Feind noch Panzer ein, die sich klirrend und rasselnd den Hang emporwälzten, um das winzige Widerstandsnest endlich zu überfahren und niederzuwalzen. Da konnten durch Funk in letzter Minute zwei in der Nähe stehende eigene Sturmgeschütze herangezogen werden, denen es gelang, die Feindpanzer niederzukämpfen. In ihrem Gefolge brach zugleich eigene Infanterie durch und warf schließlich den abgekämpften Feind von der Höhe.
Die zehn Männer erhielten das Eiserne Kreuz erster Klasse. Die beispielhafte Haltung des Leutnants Hunger wurde mit dem Ritterkreuz gewürdigt. Der kommandierende General eines Armeekorps überreichte es dem jungen Offizier unter dem Donner einer Ehrensalve seiner Batterie."

(entnommen "Das Ritterkreuz" 3/4-2002)

Bei Kriegsende Oberleutnant und Batteriechef dieser Abteilung, ging er in russische Kriegsgefangenschaft in den Raum Stalingrad, aus der er 1949 entlassen wurde.
Heimgekehrt nach Deutschland beteiligte er sich ab dem 23.07.1956 am Aufbau der neuen Bundeswehr. Dort war er unter anderem Hörsaalleiter für Batterieführer-Lehrgänge in Idar-Oberstein, Kommandeur des Panzer-Artillerie-Bataillons in Boostedt und des Raketen-Artillerie-Bataillons 62 in Kellinghusen. Später kommt er zur Führungsakademie der Bundeswehr nach Hamburg-Blankenese.
Seine Dienstzeit bei der Bundeswehr beendete er als Oberst und Kommandeur des Artillerieregiments 6 in Kellinghusen am 31.03.1980, daneben wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz I. Klasse ausgezeichnet.

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