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Ritterkreuzträger Heinrich Kodré
Oberst, Infanterie

 
Heinrich Kodré wurde als
Sohn des Abteilungsvorstandes der „Ferdinands-Nordbahn“ Dr. jur.
Richard Kodré und der Französin Hinriette Crochet am 8. August 1899 in Wien
geboren. Nach der Volksschule besuchte er das „Akademische Gymnasium“ in Wien,
später das Gymnasium in Olmütz. Nachdem er die Militäroberrealschule in
Mährisch-Weißkrichen besucht hatte, wechselte er im Herbst 1917 an die
Infanterieabteilung der Theresianischen Militärakademie in der Wiener
Neustadt, wobei er außerdienstlich die Gymnasialstudien fortsetzte und im
Sommer 1918 die Matura ablegte.
Im Frühjahr 1919 trat er in ein Freikorps ein, kämpfte mit diesem im Baltikum
und wurde im Sommer 1920 als Fahnenjunker-Vicefeldwebel entlassen. Er begann
ein Jurastudium in Graz und beendete dieses im April 1924, worauf er in das
Österreichische Bundesheer eintrat. Nach der Absolvierung des 2. und 3.
Jahrgangs der Offiziersschule in Enns wurde er im August 1927 im Alter von 28
Jahren(!) zum Fähnrich ernannt und zum Jägerbataillon 1 versetzt. Am 1. April
1928 erfolgte die Beförderung zum Leutnant. Nach seinem Eintritt in die NSDAP
1935 wurde er bereits 1936 in die „Operativen Kurse“ der „Höheren
Offizierskurse“ im Bundesheer aufgenommen. Nach dem deutschen Einmarsch in
Österreich wurde er zu einem bayrischen Infanterieregiment versetzt und am 1.
Juni 1938 als Hauptmann in die Wehrmacht übernommen und beendete am 1. Juli
die Generalstabsausbildung an der Kriegsakademie in Berlin.
Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs tat er Dienst als Quartiermeister beim
Kommando der Grenztruppen Eifel und wurde hier im April 1940 in den
Generalstab übernommen. Später war er an der Organisation des Unternehmens „Seelöwe“,
die Invasion Englands, beteiligt. Sodann wurde er zur „Erprobung im
Truppendienst“ bereits zum Major befördert Kompaniechef der 2./IR 123. In
dieser Funktion nahm er auch am Griechenlandfeldzug teil und übernahm hier
aber nach dem Ausfall des Kommandeurs des I./IR 123 Major Utsch das Bataillon.
Hierbei war Kodré als Führer des Bataillons, zudem noch die 9./IR 123 stieß,
am Durchbruch durch die Befestigungen und die Eroberung der Höhe 510
beteiligt. Oberleutnant Leukefeld mit der 1./IR 123 und Oberleutnant Rast mit
der der Division unterstellten 3./GebPiBtl. 85 hatten die ihnen zugeteilten
Aufgaben indes selbstständig zu lösen und so konnte unter der hervorragenden
Führung der Offiziere die „Feste Hellas“ genommen werden. Kodré und
Rast erhielten am 14. Mai 1941 das Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz, die
Oberleutnante Leukefeld und Rast wurden am 15. Mai im Wehrmachtsbericht
genannt. In späteren Befragungen zum Griechenlandfeldzug erwähnt er jedoch die
Verleihung des RK nicht und beruft sich lediglich auf den Umstand, dass er „beim
Durchbruch durch die Metaxas-Linie erfolgreich führte“. In der 50. ID
wurde in der nachfolgenden Zeit auch lediglich die erfolgreiche Erstürmung der
Bunkeranlagen der Höhe 510 durch die 1./123 unter ihrem Chef Oberleutnant
Leukefeld hervorgehoben, eine massive Beteiligung Kodré’s daran jedoch stets
verneint. Vielmehr schien sich auch hier die von Kodré selbst vertretene
Meinung zur Verleihung des Ritterkreuzes durchgesetzt zu haben. Derweil muss
erwähnt werden, dass Oberleutnant Leukefeld selbst einen Teil der sperrenden
Bunker mit geballten Ladungen außer Gefecht setzte, was durch zahlreiche
Zeugen belegt ist. Im anschließenden Russlandfeldzug ist er als
Bataillonskommandeur im IR 123 eingesetzt und wird am 12. Juli 1941 in
Bessarabien schwer verwundet. In der am 2. September 1941 ausgestellten
Regimentsbeurteilung zu seiner Person werden seine Leistungen als BtlKdr.
gelobt und eine Verwendung im Generalstab vorgeschlagen.
Nach Genesung von seiner in Bessarabien erhaltenen Verwundung wird er am 15.
März 1942 Ia der 305. ID, welche aus der Bretagne kommend ab Mitte 1942 im
Verband der 6. Armee über Charkow nach Stalingrad vorstößt. Durch eine
Erkrankung des Divisionskommandeurs führt er
hier stellvertretend die Division in Stalingrad, wird drei weitere Male
verwundet, erhält jedoch am 15. Dezember 1942 von seinem Kommandierenden
General eine schlechte Beurteilung, wobei ihm fast die Generalstabsfähigkeit
abgesprochen wird. Am 21. November 1942 wird er aus Stalingrad ausgeflogen und
am 26. Februar 1943 Stabschef des stellvertretenden Generalkommando des XVII.
AK in Wien. Die Führung der 305. ID wird zunächst von Oberst. i. G. Steinmetz
und später durch den vormaligen Kommandeur des AR 150 Oberst Czimatis
übernommen.
Am 20. April 1943 erfolgt seine bevorzugte Beförderung zum Oberst i. G., was
jedoch in auffälligem Gegensatz zu der Beurteilung vom 15. Dezember 1942
steht.
Am 20. Juli 1944 ist er als Stabschef des Wehrkreises XVII in Wien die
Schlüsselfigur bei der Auslösung des „Walküre“-Befehls im dortigen Wehrkreis,
da er trotz der unbefugten Unterzeichnung des fernschriftlichen Befehls durch
den sich bereits in Pension befindenden General Witzleben in massiver
Kompetenzüberschreitung den Befehl auslöste ohne auf das Eintreffen des
Wehrkreis-Kommandeurs General von Esebeck zu warten. Erklärt werden kann dies
nur durch die Zugehörigkeit beider (Kodré und von Esebeck) zum Widerstand, da
auch von Esebeck nach seinem Eintreffen den ordnungswidrig unterzeichneten
Befehl nicht zurücknahm. Weiterhin deuten zahlreiche Gespräche von Kodré mit
den Verschwörern Oberstleutnant Bernhardis, Oberst Graf Maronga-Redwitz und
Generalmajor Lahousen-Vivremont auf eine aktive Beteiligung an den
Geschehnissen vom 20. Juli 1944. Dieses konnte Kodré jedoch zunächst auch vor
der Gestapo verschleiern, wurde trotzdem in Einzelhaft genommen und in ein
Lager nach Fürstenberg in Mecklenburg verbracht. Vor Gericht wurde er aus
Mangel an Beweisen freigesprochen, auf freien Fuß gesetzt und in die „Führerreserve“
versetzt. Die intelligente Verfahrensweise der Verschwörer, sich nach dem
Attentat auf eine bloße Durchführung von Befehlen zu berufen, rettete ihm
schließlich das Leben. Anfang November 1944 wurde er jedoch abermals verhaftet
und Anfang Januar 1945 ins Wiener Polizeigefangenenhaus in Einzelhaft
genommen. Am 31. Januar 1945 wurde er aus der Wehrmacht ausgeschlossen.
Anschließend wird er als politischer Häftling in das Konzentrationslager
Mauthausen gebracht, erhält hier jedoch Mitte April 1945 den Status eines „Ehrenhäftlings“,
da sich auch für die Wachmannschaften nun die unabwendbare Niederlage
abzeichnete und man sich offensichtlich mit bestimmten Häftlingen gut stellen
wollte. Er erhält seine Zivilkleidung sowie die Personalpapiere zurück, konnte
sich innerhalb des Lagers frei bewegen und erhielt bessere Verpflegung. Am 5.
Mai 1945 übernahm er das Kommando über die aus Häftlingen gebildeten
Sicherungskräften zum Schutz des Lagers. In dieser Stellung, welche er bis zum
6. Mai um 3.30 Uhr behielt, ließ er gleichfalls die Mauthausener
Eisenbahnbrücke sichern und übergab dann das Kommando an einen sowjetischen
Kommandeur. Am 15. Mai 1945 wird Kodré aus dem KZ Mauthausen entlassen.
Kurz
vor der Neuaufstellung des österreichischen Bundesheeres veröffentlichte er im
Herbst 1955 eine Artikelserie in der er über die nach seiner Meinung
fehlerhafte Personalpolitik bei der Neuaufstellung schrieb. Eine Übernahme ins
neue Bundesheer erfolgte nicht. 1958 wurde er Zivilschutzreferent des
Innenministeriums und ging in dieser Position 1964 auch in Pension. Heinrich
Kodré starb am 22. Mai 1977 in Linz/Österreich.
EHRE
SEINEM ANDENKEN - GOTT GEBE IHM DIE LETZTE RUHE
Buchhinweise:
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