Walter Kuntze wurde am 23.02.1883 in Pritzerbe bei
Rathenow geboren und trat am 24.03.1902 der Armee bei. Er gehörte dort zunächst
der 5. Pionier-Bataillon in Glogau an und wurde anschließend vom 01.10.1905 bis
zum 15.06.1907 an die Artillerie- und Ingenieurschule, bzw. an die
Militärtechnische Akademie nach Berlin kommandiert. Mit Ende der dortigen Kurse
kommt Kuntze am 15.06.1907 in das 16. Pionier-Bataillon nach Metz. Dort erhält
er vom 22.07. bis zum 25.08.1908 eine Kommandierung an die
Infanterie-Schießschule.
Ab dem 01.10.1908 im Infanterie-Regiment 17, wird er am 17.05.1910 in das 9.
Pionier-Bataillon nach Hamburg-Harburg versetzt. Dort besucht er vom 01.10.1911
bis Juli 1914 die Kriegsakademie in Berlin. Zwischenzeitlich erfolgte dabei am
13.09.1912 die Versetzung in das 26. Pionier-Bataillon nach Graudenz, wo er mit
Beginn des 1. Weltkrieges am 01.08.1914 den Posten des Chefs der 2.
Feld-Kompanie übernahm.
Als solcher wird er im November 1914 verwundet und in einem Lazarett behandelt.
Wieder genesen kommt er im Mai 1917 zum AOK 4 und übernimmt kurze Zeit später
den Posten des Ia im Stab der 4. Kavallerie-Division.
Im September 1918 wird er Ia im Stab des Infanterie-Regiments 89 und am
01.10.1919 Referent in der Abteilung "Fremde Heere" im
Reichswehrministerium.
Am 01.11.1923 erfolgte die Versetzung als Kompaniechef in das Pionier-Bataillon
3 nach Küstrin und ab dem 01.10.1925 der Dienst im Stab des Gruppenkommandos I
und Ia im Stab der Kommandantur Küstrin.
Am 01.05.1928 übernimmt Kuntze das Kommando über das Pionier-Bataillon 1 in
Königsberg und findet ab dem 01.03.1930 als Chef des Stabes bei der Inspektion
der Pioniere und Festungen eine Verwendung. Es folgt dann ab dem 01.10.1932 die
Ernennung zum Höheren Pionieroffizier 1, bis er am 15.05.1935 zunächst mit der
Führung der
6. Infanterie-Division beauftragt wird, um schließlich ab dem 15.09.1935
auch das Kommando über die Division zu übernehmen.
Kuntze verlässt die Division am 04.02.1938 und übernimmt den Posten des Chefs
des Führungsstabes "Kaiserslautern".
Vom 01.10.1938 bis zum 26.08.1939 ist er Kommandierender General des
Generalkommandos der Grenztruppe "Saarpfalz" und übernimmt im Rahmen der
Allgemeinen Mobilmachung anschließend das daraus gebildete Generalkommando "Saarpfalz".
Nach Ende des Feldzuges gegen polen, an dem er nicht teilnahm, wird Kuntze am
17.09.1939 zum Kommandierenden General des XXIV., bzw. am 15.02.1940 des neuen
XXXXII. Armee-Korps ernannt. Mit diesem Korps nimmt er an den Kämpfen am Chemin
des Dames teil und übernimmt die Sicherung der Kanalküste. Dort sollte das von
Kuntze kommandierte Korps die 3. Welle der 176. Armee im Unternehmen "Seelöwe"
übernehmen.
Ende Juni 1944 verlegt das Korps in den bereich der Heeresgruppe Mitte an die
Ostfront und kommt ab August 1941 vor Leningrad zum Einsatz. Für die dortigen
erfolgreichen Angriffskämpfe erhält er am 18.10.1941 als General der Pioniere
und Kommandierender General des XXXXII. Armee-Korps das Ritterkreuz. Kurz darauf
wird er am 24.10.1941 in die Führer-Reserve versetzt und am 29.10.1941 mit der
Führung der 12. Armee auf dem Balkan beauftragt. Dabei übernimmt er vom
29.10.1941 bis zum 03.07.1942 zugleich den Posten des Befehlshabers "Südost".
Vom 08.08. bis zum 15.09.1942 in der Führer-Reserve, übernimmt er am 15.09.1942
den Posten des Chefs des Ausbildungswesens im Ersatzheer. Als einer von vier
Amtschefs des Ersatzheeres kommt Kuntze auch in Berührung mit den Verschwörern
des 20. Juli. Gegen 18.00 Uhr hatte Generaloberst Fromm die Generale Specht,
Kuntze und Strecker zu einer Besprechung geladen. Nach längerem Warten wurden
diese endlich zu ihm durchgelassen, trafen dabei aber auf Hoepner, Beck und
Olbricht. Diese informierten die drei über den angeblichen Tod Hitlers und baten
um Aktivierung ihrer Truppen zur Unterstützung der neuen Regierung. Specht und
Kuntze lehnten dieses jedoch ab und wurden zusammen mit Fromm der Bewachung
übergeben. Auf Hinweis Fromms verließen beide durch einen unbeachteten
Nebeneingang den Raum, um von außen die Aufständischen zu bekämpfen.
Im Zuge der Endkämpfe in Deutschland übernimmt Kuntze am 15.03.1945 den Posten
des Kommandierenden General des stellvertretenden Generalkommandos des III.
Armee-Korps und gleichzeitig des Befehlshabers im Wehrkreis III.
Kuntze gerät am 02.05.1945 in englische und anschließend in amerikanische
Kriegsgefangenschaft. Dort wird er wegen Kriegsverbrechen im "Südost-Prozess"
zu lebenslanger Haft in Landsberg verurteilt. Kuntze war wegen seiner
Verantwortung für Geiselerschiessungen und die Verschleppung von Juden in die
Konzentrationslager vor ihrer Ermordung angeklagt worden.
Aufgrund seiner schweren Krankheit wurde er am 10.02.1953 vorzeitig aus der Haft
entlassen.
Walter Kuntze verstarb am 01.04.1960 in Detmold.