Als der ehemalige General der Panzertruppe
Smilo Freiherr von Lüttwitz am 1. Juni 1957 in Koblenz den Befehl über das
damals noch in Aufstellung begriffene III. Korps der jungen Bundeswehr
übernahm, in der normalerweise die Altersgrenze für Generale bei 60 Jahren
liegt, stand er bereits im 62. Lebensjahr und tat dann noch bis nach dem 65.
Geburtstag Dienst, innerhalb der ersten Generalsgeneration der Bundeswehr war
er nicht nur einer der ältesten reaktivierten Generale, sondern auch einer der
wenigen, die nicht aus dem Generalstabsdienst hervorgegangen waren, sondern -
abgesehen von zeitweiliger Verwendung in der höheren Adjutantur - stets als
Truppenführer ("Troupiers") eingesetzt waren, im übrigen war er der
einzige deutsche Armeeführer des II. Weltkrieges, der in der Bundeswehr noch
einmal eine Generalsuniform anziehen durfte.
Diese Tatsachen kennzeichnen das Besondere des Werdeganges dieses
hochdekorierten Soldaten, der am 9. 5. 1945 noch einer der letzten Empfänger
des Eichenlaubes mit Schwertern zum Ritterkreuz gewesen war, von ihm sagte
1975 der seinerzeitige Inspekteur des Heeres, der um fast ein
Vierteljahrhundert jüngere Generalleutnant Horst Hildebrandt in seiner
Grabrede:
"Wir erweisen die letzte Ehre einem
Offizier, der uns als Soldat und Truppenführer stets gültiges Beispiel war
und bleiben wird, der aus der Truppe kam und stets für sie da war. Wir
erweisen die letzte Ehre einem Edelmann, für den das selbstlose Dienen
Ausdruck der persönlichen Ehre und der inneren Freiheit war."
Geboren wurde dieses Leitbild deutschen
Soldatentums, dessen Dienstzeit in der Armee des vor über 60 Jahren
untergegangenen kaiserlichen Deutschlands begann und über Reichswehr und
Wehrmacht des II. Weltkrieges bis in die Bundeswehr reichte, am 23. Dezember
1895 in Straßburg, der Hauptstadt des damaligen Reichslandes Elsaß-Lothringen,
als Offizierssohn, der Soldatendienst war in dieser schlesischen Adelsfamilie
schon seit langem Tradition, einer der Vorfahren, der Generalmajor Georg
Wilhelm von Lüttwitz, zeichnete sich bereits am 28. Juni 1675 in der
brandenburgischen Armee des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm (1620 - 1688)
unter Generalfeldmarschall Georg Freiherr von Derfflinger (1606 - 1695)
während der Schlacht bei Fehrbellin durch
persönliche Tapferkeit aus, der Vater des späteren Bundeswehr-Generalleutnants
verdiente sich im I. Weltkrieg als Divisionskommandeur, Kommandierender
General und Generalstabschef der Heeresgruppe Deutscher Kronprinz u.a. den
Pour le merite mit Eichenlaub, übrigens waren im Laufe der Zeiten noch drei
weitere Angehörige der Lüttwitz-Familie Ritter des Pour le m6rite, der
höchsten preußischen Kriegsauszeichnung für Offiziere, in der Rangliste des
preußischen Offizierskorps von 1913 ist der Name von Lüttwitz insgesamt
sechsmal vertreten, dazu gehörten Smilos Vater Walter
von Lüttwitz als Generalmajor und Oberquartiermeister im Generalstab
des Heeres und sein älterer Bruder als Leutnant in der 3. Kompanie des
Garde-Schützenbataillons in Berlin-Lichterfelde, General der Infanterie Walter
Freiherr von Lüttwitz (1859 bis 1943) wirkte nach dem Krieg 1914 bis 1918 als
Oberbefehlshaber des Gruppenkommandos I (Berlin) noch am Aufbau der Reichswehr
mit, bis er sich durch seine politisch unkluge, eideswidrige und für die
Stabilisierung der jungen Reichswehr gefährliche Beteiligung am reaktionären
Kapp-Putsch selbst ins berufliche Abseits katapultierte.
Sohn Smilo begann nach dem Abitur an einem humanistischen Gymnasium seine
soldatische Laufbahn am 3. August 1914 als Fahnenjunker im
Leib-Dragonerregiment (2. Großherzoglich Hessisches) Nr. 24 in Darmstadt,
einem sehr feudalen Regiment, dessen nomineller Chef ("Inhaber") der
mit einer hessischen Prinzessin verheiratete Zar, "Seine Majestät der
Kaiser von Rußland, Nikolaus II. ", war und in dessen 28köpfigem
Offizierskorps es im Jahre 1913 nur zwei Bürgerliche gab - den
Regimentskommandeur und einen Oberleutnant, in den Reihen dieses Regiments
wurde der junge Lüttwitz bereits im Laufe des Jahres 1915 bei Infanterie- und
Reitergefechten gegen die Russen in Litauen dreimal verwundet, am 18. 6. 1915
wurde er - mit Vorpatentierung auf den 10. 8.1914 - zum Leutnant befördert.
Nach dem Soldatentod seines Bruders als Chef einer Jägerkompanie (1916) fand
Leutnant von Lüttwitz zunächst für zwei Jahre im Osten und Westen als
Ordonnanzoffizier in Korpskommandos und im Stab der "Heeresgruppe Kronprinz"
als Gehilfe seines Vaters Verwendung, im Frühjahr 1918 kehrte er als
Regimentsadjutant zu den Darmstädter Dragonern zurück, mit denen er an der
vorübergehenden Besetzung der Ukraine und Südrusslands sowie an Gefechten mit
bolschewistischen Truppen teilnahm, bei Kriegsende besaß er außer dem
silbernen Verwundetenabzeichen und beiden Eisernen Kreuzen (I. und II. Klasse)
noch drei weitere deutsche und österreichische Orden.
Bereits 1919 wurde er - wie sein Vater - in die Reichswehr der Weimarer
Republik übernommen und diente dort bis 1934 in den Reiterregimentern 7
(Breslau) und 6 (Pasewalk) als Zugführer, Regimentsadjutant und
Schwadronschef, die Beteiligung seines Vaters am Kapp-Putsch missbilligte er
ebenso entschieden wie sein Schwager, Major Kurt Freiherr von
Hammerstein-Equord, der spätere Generaloberst und Chef der Heeresleitung, was
Vater und Sohn jahrelang einander entfremdete, erst zehn Jahre nach seiner
Beförderung zum Leutnant avancierte Smilo Freiherr von Lüttwitz am 1. 4. 1925
in der 1. Eskadron des 6. (Preußischen) Reiterregiments in Pasewalk zum
Oberleutnant, weitere fünf Jahre brauchte er bis zum Rittmeister und
Schwadronschef, diese Beförderungsdaten lassen erkennen, daß der vielzitierte
aktuelle Beförderungsstau in der Bundeswehr noch eine verhältnismäßig harmlose
Erscheinung ist im Vergleich mit den Karrierechancen in der Reichswehr.
Als Rittmeister wurde Lüttwitz 2. Adjutant (II b) beim "Kommando der
Kraftfahrkampftruppen" und trat damit in engen dienstlichen und
persönlichen Kontakt zu den "Vätern" der neuen deutschen Panzerwaffe
Oswald Lutz (1876 bis 1944) und Heinz Guderian, im Jahre 1935 erhielt er als
Major das Kommando über die Panzeraufklärungsabteilung 5 in Kornwestheim bei
Stuttgart und nahm damit aktiven Anteil an der Überführung der
traditionsreichen Reiterregimenter in die moderne Panzerwaffe.
In den Jahren 1938 bis 1940 tat Major Freiherr von Lüttwitz wieder als
IIa-Offizier (heute G 1) bei der Heeresgruppe 4 in Leipzig und beim XV. AK in
Jena Adjutantendienst, seine Vorgesetzten, zu denen er in einem persönlichen
Vertrauensverhältnis stand, hatten schon damals den Eindruck, daß der
hochqualifizierte Offizier über besondere Begabung in der Menschenführung
verfügte, mit dem Nationalsozialismus konnte er sich - ebenso wie sein
inzwischen zwangspensionierter Schwager Hammerstein - innerlich nie
befreunden, ohne deshalb zum aktiven Widerständler zu werden.
Im Stab des XV, AK nahm der am 1. 1. 1939 zum Oberstleutnant beförderte,
mittlerweile 44jährige Offizier am Polenfeldzug teil, am 6. 5. 1940 - kurz vor
Beginn der Kämpfe im Westen - wurde er zum Kommandeur des aus der Kavallerie
hervorgegangenen Meininger Schützenregiments 12 ernannt, an dessen Spitze
machte er harte Angriffsgefechte gegen britische Truppen bis in den Raum Lille
mit, hatte sich dann mit den französischen Verteidigern an der Somme, Aisne
und Loire auseinanderzusetzen, bis schließlich bei Lyon das zur 4.
Panzerdivision gehörende Regiment die Waffenstillstandsnachricht vom 22. 6.
1940 erreichte.
Die Jahreswende 1940/41 brachte Lüttwitz die seiner Dienststellung als
Regimentskommandeur entsprechende Beförderung zum Oberst, etwa ein Jahr hatte
er Zeit, seine Truppe für die alle bisherigen Einsätze übertreffenden
Anforderungen bei dem am 22. Juni 1941 anlaufenden Angriff gegen die
Sowjetunion vorzubereiten, wieder stand das Regiment vom ersten Kampftag an in
härtestem Einsatz, im Rahmen der 4. PD gehörte es zu der von Generaloberst
Guderian geführten Panzergruppe 2, der späteren 2. Panzerarmee und nahm an den
Angriffsoperationen von Brest über die Beresina, den Dnjepr und die Desna,
über Orel bis in den Raum Tula teil, die Macht des plötzlich hereinbrechenden
russischen Winters und die verstärkten kämpferischen Aktivitäten eilends
herangeführter frischer Divisionen der Roten Armee setzten dem deutschen
Vormarsch schließlich ein Ende und zwangen das Schützenregiment 12, unter
vorher kaum vorstellbaren Schwierigkeiten auf eine sogenannte, aber keineswegs
vorbereitete "Winterstellung" ostwärts von Orel zurückzugehen, um dort
den Gegner aufzuhalten, sein damaliger Kommandierender General, Geyr von
Schweppenburg (1886 - 1974) würdigte den Oberst Freiherrn von Lüttwitz als "Muster
eines Regimentskommandeurs", der immer dort zu finden gewesen sei, "wo
es am schwersten ist", und der allen helfe, auch eine Verwundung bei Tula
und das Erfrieren zweier Zehen waren für ihn kein zwingender Grund, seine
Truppe zu verlassen, in Anerkennung seiner außergewöhnlichen Leistungen wurde
ihm am 14. 1. 1942 das Ritterkreuz verliehen - für einen in erster Linie auf
seiner persönlichen Tapferkeit beruhenden Abwehrerfolg im mittleren Abschnitt
der Ostfront.
Nachdem er am 1. 3. 1942 für ein paar Wochen die 4. Schützenbrigade übernommen
hatte, wurde er am 1. 4. 1942 mit der Führung der in Belgien stationierten 23.
ID betraut, die er zur 26. Panzerdivision umzubilden, auszurüsten und
auszubilden hatte, ihr Kommandeur blieb er vom 14. 7. 1942 bis 10. 7. 1944, es
behagte ihm aber nicht, im friedlichen Westen zu sitzen, während seine alte
Truppe im Osten immer noch schwerste Kämpfe durchzustehen hatte und er bewarb
sich deshalb mehrfach erfolglos um Rückversetzung an die Ostfront.
Am 1. 9. 1942 wurde Oberst von Lüttwitz zum Generalmajor befördert, etwa ein
Jahr später ging er mit seiner 26. PD wieder an die Front, aber nicht in
Richtung Osten, sondern auf den neuen Kriegsschauplatz Italien, wo seine
Verbände zunächst die Aufgabe hatten, an der kalabrischen Küste den erwarteten
Landungen der Amerikaner entgegenzutreten, tatsächlich landeten die US-Truppen
am 3. 9. 1943 bei Reggio und bald darauf auch bei Salerno, wiederum bewährte
sich der erfahrene "'Troupier" seit 1. 10. 1943 Generalleutnant - auch
als Divisionskommandeur, indem er sich stets im Schwerpunkt der Kämpfe
aufhielt und seine Truppen von vorn führte, nachdem er sich mit einem Panzer,
einem Volkswagen, einer Beiwagenmaschine oder gar mit dem Solokrad an Ort und
Stelle selbst den erforderlichen Überblick verschafft hatte, als persönlich
tapferer, überlegt und überlegen führender Abwehrkämpfer, der seine Soldaten
durch menschlichen Zuspruch und ausgewogene Anweisungen immer wieder positiv
motivierte, Anfang Dezember 1943 versuchten die Amerikaner im Ostabschnitt der
Süditalienfront, mit starken Kräften den Durchbruch nach Norden zu erreichen,
wobei es ihnen gelang, den linken Nachbarn der Lüttwitz-Division
zurückzudrängen, da dadurch die linke Flanke der 26. PD gegnerischer Bedrohung
ausgesetzt war, verlängerte ihr Kommandeur aus eigenem Entschluss seinen
Divisionsabschnitt nach Osten, führte selbst eine Panzeraufklärungsabteilung
in den Kampf und warf den Feind aus einer vorübergehend von ihm besetzten
wichtigen Ortschaft, damit schloss er unter Einbringung zahlreicher Gefangener
und erheblicher Beute an Waffen und Gerät eine gefährliche Lücke in der
deutschen Front, was zu einer offiziellen Erwähnung im Wehrmachtsbericht vom
9. 12. 1943 führte und ihm am 16. 3. 1944 die Verleihung des 426.Eichenlaubs
zum Ritterkreuz eintrug.
Auch an den weiteren, sich angesichts der stetig wachsenden gegnerischen
Übermacht an Menschen und Material immer mehr nach Norden verschiebenden
Kämpfe in Italien hatte die 26. Panzerdivision maßgeblichen Anteil, sie war
beim Kampf gegen den amerikanischen Brückenkopf bei Salerno ebenso eingesetzt
wie bei der Verteidigung nördlich des Volturno und am Sangro, bei der
versuchten Abwehr der alliierten Landungsstreitkräfte bei Anzio und Nettuno
sowie den Rückzugskämpfen und Gegenangriffen südlich und nördlich der
italienischen Hauptstadt, im Februar 1944 wurde Generalleutnant Freiherr von
Lüttwitz durch Bombensplitter im Gesicht verletzt und befand sich zeitweilig
in der Gefahr des Erblindens, nach dieser fünften Verwundung, deretwegen er
sich nur relativ kurz im Lazarett aufhielt, erhielt er das Goldene
Verwundetenabzeichen, es folgte am 4. 7. 1944 die Verleihung des Eichenlaubs
mit Schwertern zum Ritterkreuz und schließlich die Beförderung zum General der
Panzertruppe, damit hatte er den gleichen soldatischen Rang erreicht wie sein
Vater im I. Weltkrieg gut 25 Jahre zuvor.
Am 24. Juli 1944 kehrte General von Lüttwitz als Kommandierender General des
XLVI. Panzerkorps an die Ostfront zurück, er übernahm es - fast eingekesselt
von überlegenen Verbänden der Roten Armee - in der Gegend von Lemberg
(Galizien) und führte es in stetigem Wechsel von Angriff und Abwehr rund 300
Kilometer bis in eine Verteidigungsstellung an der Weichsel beiderseits
Warschaus zurück, den rangmäßigen Höhepunkt seines Soldatenlebens erreichte
er, als ihn Anfang September 1944 der damalige Oberbefehlshaber der
Heeresgruppe Mitte, Generaloberst Georg Hans Reinhard, mit der Führung der 9.
Armee beauftragte, zu der auch sein bisheriges Korps gehörte, diese neue
Aufgabe konnte Lüttwitz keine weiteren militärischen Lorbeeren bescheren, die
am 12. Januar 1945 mit elffacher Überlegenheit an Infanterie, siebenfacher
Überlegenheit an Panzern und zwanzigfacher Überlegenheit an Artillerie
losgebrochene, alles niederwalzende sowjetische Offensive am
Baranow-Brückenkopf rollte auch über die vorderen Stellungen der 9. Armee
unwiderstehlich hinweg und führte schließlich - abgesehen von riesigen
Geländegewinnen, die durchaus dem Blitzkriegtempo der Panzergruppen Guderians
und Hoths im Sommer/Herbst 1941 entsprachen- zur völligen Zerschlagung der
Heeresgruppe Mitte, die 350.000 bis 400.000 Menschenverluste an Toten,
Verwundeten und Vermissten zu beklagen hatte, dabei hatte General von Lüttwitz
sowohl das Führerhauptquartier als auch seinen neuen
Heeresgruppen-Oberbefehlshaber, Generaloberst Schörner, bereits Wochen vorher
nachdrücklich auf die drohenden Gefahren aufmerksam gemacht, auch gegenüber
dem Posener NS-Gauleiter Arthur Greiser (1897 - 1946), der ihn am 17. 1, 1945
in Hitlers Auftrag besuchte, hielt er nicht mit seiner illusionslosen
Auffassung zurück, was ihm den Vorwurf Greisers einbrachte, er habe noch nie
von einem deutschen General eine derartig pessimistische Beurteilung der
Kriegslage gehört, als Hitler und Schörner von diesem "Defätismus"
erfuhren, wurde Lüttwitz am 20. 1. 1945 seines Postens als Führer der 9. Armee
enthoben, wozu auch der Vorwurf des Ungehorsams beigetragen haben mochte, weil
er es abgelehnt hatte, zwei ihm telefonisch übermittelte Befehle Schörners
auszuführen, da er sie für unsinnig und unmenschlich hielt, mit zwei ihm
unterstellten Generalen musste er auch noch vor dem in Torgau
zusammengetretenen Reichskriegsgericht erscheinen, er konnte jedoch anhand des
vorgelegten Kriegstagebuches der 9. Armee die Schuldlosigkeit der beiden
angeklagten Generale und die Unsachlichkeit der vorgebrachten Anklagepunkte
nachweisen, worauf die beiden Kameraden freigesprochen und er selbst wieder
umgehend zum Kommandierenden General eines in Mitteldeutschland eingesetzten
Korps (85. AK) ernannt wurde.
Es waren Monate schwerster seelischer Belastungen für den hochdekorierten,
fünfmal verwundeten General der Panzertruppe, Smilo Freiherr von Lüttwitz -,
nicht nur wegen des Unheils an der Front und der Zitierung vor das
Reichskriegsgericht, er musste auch mit dem Soldatentod seines zwanzigjährigen
einzigen Sohnes Smilo innerlich fertig werden, der am 23. 8. 1944 nach
Genesung von schwerer Verwundung als Leutnant und Führer eines Panzerspähzuges
bei Mitau (Lettland) gefallen war, darüber hinaus machte er sich Sorgen um
seine Schwester, die Witwe des Generalobersten Freiherr von Hammerstein, deren
Söhne wegen Beteiligung an der Verschwörung des 20. Juli 1944 von der Gestapo
gesucht wurden und die sich nun als Sippenhäftling selbst in den Händen der
Geheimen Staatspolizei befand.
Bei Kriegsende geriet Lüttwitz für zwei Jahre in amerikanische Gefangenschaft
und arbeitete danach vorübergehend in einer unter der Leitung des einstigen
Generalstabschefs, Generaloberst Franz Halder, stehenden deutschen
Offiziersgruppe mit, die sich in Neustadt bei Marburg mit
kriegsgeschichtlichen Arbeiten für die "Historical Division" der
US-Armee befasste, anschließend kümmerte sich der ehemalige General fünf Jahre
lang um die Verwaltung der Evangelischen Akademie in Schloss Friedland bei
Siegen, bis er 1954 die Hauptgeschäftsführung der Johanniter-Unfallhilfe in
Bonn übernahm, die er aus bescheidenen Anfängen zu ihrer heutigen Bedeutung
entwickelte, als der seinerzeitige Bundesverteidigungsminister Strauß ihn
aufforderte, sich der Bundeswehr als Generalleutnant und Korpskommandeur zur
Verfügung zu stellen, folgte der bereits im 62. Lebensjahr stehende Offizier
diesem Ruf nicht aus militärischem Ehrgeiz, sondern - wie Strauß später
berichtete weil er glaubte "daß wir wieder mitmachen müssen, wenn man uns
ruft".
Er leistete dann als Generalleutnant eine Dienstgradbezeichnung, die seinem
früheren Rang als General der Panzertruppe entspricht - noch drei Jahre lang
einen wichtigen Beitrag zum Aufbau der Bundeswehr, wobei er sich wiederum als
pflichtbewusster Truppenführer, fürsorglicher Vorgesetzter und als Mann mit
Zivilcourage gegenüber Höherrangigen erwies "Mut vor Königsthronen"
rühmte General Heusinger, der damalige Generalinspekteur, dem 1960 endgültig
ins Zivilleben überwechselnden Bundeswehr-Generalleutnant Smilo Freiherr von
Lüttwitz in seiner Abschiedsrede nach, seine Nachkriegsverdienste fanden
äußerliche offizielle Anerkennung durch die Verleihung des Großen
Bundesverdienstkreuzes mit Stern und der höchsten Friedensauszeichnung der
USA, des Ordens" Legion of Merit ".
Die Pensionierung bedeutete für den 65jährigen Exgeneral keinen Übergang zum
Nichtstun, vielmehr übernahm er nach seinem Ausscheiden aus der Bundeswehr
erneut die Leitung der Johanniter-Unfallhilfe und 1953 auch noch den Vorsitz
der Gesellschaft für Wehrkunde, er starb am 19. Mai 1975 - fast achtzigjährig
- in Koblenz-Oberwerth und wurde mit militärischen Ehren beigesetzt.