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388. Eichenlaubträger Robert Martinek
General der Artillerie

Im Zusammenhang mit dem Untergang der deutschen Heeresgruppe Mitte im Sommer 1944, einem "Über-Stalingrad", bei dem von 38 eingesetzten Divisionen 28 zerschlagen wurden und Gesamtverluste zwischen 350.000 und 400.000 verwundeten, gefallenen und vermissten Soldaten zu beklagen waren, erlitt auch die Generalität der deutschen Wehrmacht ihren bislang größten Aderlass während des II. Weltkrieges, von insgesamt im Mittelabschnitt als Korps- und Divisionsführer eingesetzten 47 Generalen gerieten nicht weniger als 21 in sowjetische Kriegsgefangenschaft, weitere sieben fielen im Kampfe, zwei gaben sich selbst den Tod, und ein General blieb vermisst, bezeichnend für dieses Geschehen ist folgende Verlautbarung im deutschen Wehrmachtsbericht vom 3. Juli 1944:

"In den schweren Abwehrkämpfen fanden die Kommandierenden Generale, General der Artillerie Martinek und General der Artillerie Pfeiffer sowie Generalleutnant Schünemann, an der Spitze ihrer Korps kämpfend, getreu ihrem Fahneneid den Heldentod.",

dabei verlor das XXXIX. (39.) Panzerkorps mit den Generalen Martinek und Schünemann kurz hintereinander den Kommandierenden General und dessen mit der Führung des Korps betrauten Nachfolger.
Mit dem Eichenlaubträger General der Artillerie Robert Martinek verlor das deutsche Heer einen während 37 soldatischer Dienstjahre nacheinander in drei Armeen hochbewährten Offizier, aus der Armee des kaiserlichen Österreichs kam er über das Bundesheer der ersten österreichischen Republik schließlich ab 1938 ins deutsche Reichsheer, im II. Weltkrieg galt er als "der bedeutendste Artillerist der Wehrmacht".
Geboren wurde der spätere General Robert Martinek am 02.02.1889 im mährischen Städtchen Gratzen/Bezirk Köpfitz als Sohn eines Braumeisters, nach Besuch der Wiener Artillerie-Kadettenanstalt ab 1903 trat der junge Mährendeutsche am 18.08.1907 als Fähnrich in die k. u. k. (kaiserlich und königlich) Armee ein, am 01.10.1910 wurde er als Leutnant zum k. u. k. Feldhaubitzen-Regiment 8 "ausgemustert" und am 01.08.1914 zum Oberleutnant befördert.
Im 1. Weltkrieg zeichnete sich Oberleutnant Martinek an der russischen und italienischen Front durch Unerschrockenheit, Tapferkeit und Führungsqualitäten immer wieder aus, dafür erhielt er nicht weniger als dreimal die Silberne Tapferkeitsmedaille ("Signum Laudis") mit Kriegsdekoration und Schwertern, zweimal das Militärverdienstkreuz 3. Klasse und schließlich auch noch den Orden der Eisernen Krone 3. Klasse mit Kriegsdekoration und Schwertern, überdies wurde er 1917 als Achtundzwanzigjähriger außer der Reihe zum Hauptmann befördert.
Nach Kriegsende wurde Hauptmann Martinek ins erste österreichische Bundesheer übernommen und bereits 1921 - mit 32 Jahren - zum Major befördert, in den folgenden Jahren machte er sich in mehrfacher Weise um das österreichische Artilleriewesen verdient, zu seinen bedeutendsten Erfindungen gehörte das "Kapselschießen" für Geschütze, womit teure Granatmunition gespart wurde, über Osterreich hinaus bekannt wurde die "Zielspinne", das "Artillerie-Gleichrichter-System Martinek", das allgemein im österreichischen Bundesheer eingeführt wurde und der Artillerie ein noch genaueres Schießen ermöglichte, nach Beförderung zum Oberstleutnant wurde Martinek am 04.11.1930 Kommandant der Artilleriefachschule und vier Jahre später als Oberst Kommandant der Artillerieschießschule, ihren Höhepunkt erreichte seine heimische Karriere am 01.10.1937 mit der Ernennung zum Artillerie-Inspekteur des österreichischen Bundesheeres.
Als im März 1938 das österreichische Bundesheer in die deutsche Wehrmacht überführt wurde, bestand seine durch Martinek wesentlich mitgeprägte Artillerie aus elf Regimentern mit 51 leichten und 18 schweren Batterien, Oberst Martinek wurde am 1. 8. 1938 zum "Arko" (Artilleriekommandeur) 35 ernannt.
Zu Anfang des II. Weltkrieges fand er im Polen- und Westfeldzug ebenfalls als "Arko" 18 bzw. 7 Verwendung, auch im Kampf gegen die Sowjetunion bewährte sich Martinek, der am 01.06.1941 mit 52 Jahren Generalmajor geworden war, zunächst als Artillerieführer z. B. an der Leningrad-Front.
Generaloberst Guderian würdigte ihn in seinen Erinnerungen mit der Feststellung, daß "die artilleristischen Aufgaben dem erstklassigen Fachmann, dem österreichischen General Martinek übertragen" wurden "der diese zur vollsten Zufriedenheit löste", bei der Auflösung eines sowjetischen Kessels vor Leningrad brachte er die darin eingeschlossenen Reste mehrerer Divisionen und Brigaden der Roten Armee mit einem Trommelfeuer aus 611 Geschützen zur Kapitulation, wobei innerhalb kurzer Zeit mehr als 60 000 Granaten verfeuert wurden, am 26.12.1941 wurde ihm, der inzwischen die Führung der 267. Infanterie-Division übernommen hatte, das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen.
Nachdem er vorübergehend als Kommandeur der 7. Gebirgs-Division eingesetzt war, bekam er im Jahre 1942 Gelegenheit zu seiner größten Bewährung, indem er ab 07.06.1942 als "Harko z. b. V." (Höherer Artillerie-Kommandeur zur besonderen Verwendung) an der Bezwingung Sewastopols, der damals stärksten Festung der Welt, beteiligt war, hier war er für die Artillerie des XXX. (30.) AK an der Südfront zuständig, insgesamt standen schließlich im Norden und Süden der Festung für die Eroberung Sewastopols rund 1300 Geschütze der Kaliber 8,8 bis 80 cm zur Verfügung, sogar ein aus dem Wiener Heeresmuseum geholter österreichischer 30,5-cm-Mörser des 1. Weltkrieges kam noch einmal zum Einsatz, Generalmajor Martinek begnügte sich nicht damit, den Artillerieeinsatz von einem irgendwo rückwärts gelegenen Gefechtsstand aus vorzubereiten und zu leiten, sondern begab sich selbst zur Geländeerkundung nach vorn, war fast täglich von früh bis spät - oft sich im Feindfeuer hinwerfend, kriechend und robbend - unterwegs, um Generaloberst von Manstein, dem Oberbefehlshaber der 11. Armee und General Fretter-Pico, dem Kommandierenden General des XXX. AK, daraufhin fundierte Vorschläge für den Artillerieeinsatz und den dafür erforderlichen Stellungsbau zu unterbreiten, als es um die Einnahme des Forts Kap Violent ging und die deutschen Angreifer mit gezieltem Gewehr- und MG-Feuer überschüttet wurden, riss Generalleutnant Martinek selbst die Führung an sich, er unterstellte sich zwei Sturmgeschütze und gab dem VB (vorgeschobener Beobachter) einer 21-cm-Mörserbatterie Anweisung, sich von der Küste her an das Fort heranzuschießen, dann stürmte der mittelgroße, weißhaarige General mit seiner Kampfgruppe durch die sich ergebende Fortbesatzung, erkletterte die Fortdecke und hisste dort eigenhändig die mitgebrachte deutsche Fahne.
Nachdem die Festung Sewastopol am 07.02.1942 vollständig von deutschen Truppen eingenommen war und der nunmehrige Generalfeldmarschall von Manstein neue Aufgaben an der Leningrad-Front übernahm, begleitete ihn Martinek dorthin als "Harko z.b.V.", am 01.12.1942 wurde er mit der Führung des XXXIX. Panzerkorps betraut, unter gleichzeitiger Beförderung zum Generalleutnant, auch in dieser Funktion zeigte er, daß er mehr war als nur ein ,hervorragender Artillerist", denn bereits einen Monat später, am 01.01.1943, erfolgte seine nächste Beförderung zum General der Artillerie und die offizielle Ernennung zum Kommandierenden General des XXXIX. Panzerkorps, am 21.03.1943 wurde er mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet, namentliche Erwähnung fand General Martinek im Wehrmachtsbericht vom 24.10.1943, in dem man u.a. lesen konnte: "An den Abwehrerfolgen im mittleren Frontabschnitt haben das XXXIX. Panzerkorps unter Führung des Generals der Artillerie Martinek und die rheinisch-westfälische 253. Infanterie-Division unter Führung des Generalleutnants Becker besonderen Anteil.", am 10.02.1944 wurde General Martinek als 388. Angehörigem der deutschen Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen, außerdem bedachte ihn der rumänische König mit dem Großkreuz des Ordens der Krone von Rumänien mit Schwertern.
Als im Sommer 1944 die Großoffensive zahlenmäßig und materiell weit überlegener sowjetischer Kräfte gegen die deutsche Heeresgruppe Mitte losbrach, standen auch Martineks Divisionen von vornherein auf verlorenem Posten, geschlossene Aktionen größerer Verbände - oder was davon übriggeblieben war - waren praktisch nicht mehr möglich, zumal der Gegner sich inzwischen auch die Luftüberlegenheit gesichert hatte, im Verlauf des 28..07.1944 flogen sowjetische Schlachtflieger einen Angriff auf die deutschen Stellungen an der Beresina, am 28. November 1812 Schicksalsfluss für Napoleons "Große Armee", dabei wurde auch Martineks Gefechtsstand getroffen, zwar hatte er - zusammen mit den Offizieren seines Stabes und seinem Kraftfahrer - versucht, vor den fallenden Bomben in Deckung zu gehen, jedoch traf ihn ein Bombensplitter in die Stirn und löschte sein Leben aus - das Leben eines tapferen Mannes, über den bei den ihm unterstellten Soldaten zu hören war: "Bei Martinek fühlen wir uns geborgen!", seine Ordonnanzoffiziere brachten ihren toten General noch über die halbzerstörte Beresinabrücke in ein Haus und beerdigten ihn am 30.96.1944 auf dem Soldatenfriedhof von Tscherwen.
Inzwischen gibt es dort weder das Grab noch einen Stein als Erinnerung an den General der Artillerie Robert Martinek, doch ehrte am 28.06.1963 das wiedererstandene österreichische Bundesheer das Andenken an diesen hervorragenden Vertreter altösterreichischen und deutschen Soldatentums, indem der 1940 erbauten Artilleriekaserne in Baden bei Wien der Name Martinek-Kaserne verliehen wurde. Eine schlichte Tafel mit dem Kasernennamen und den Lebensdaten des Generals rühmt ihn als hervorragenden Artilleristen.

Beförderungen

 

Auszeichnungen

Fähnrich ??? Dienstauszeichnung IV. Klasse 02.10.1936
Leutnant 01.10.1910 Eisernes Kreuz II. Klasse 31.10.1939
Oberleutnant 01.08.1914 Eisernes Kreuz I. Klasse 27.05.1940
Hauptmann 00.00.1917 Infanterie-Sturmabzeichen in Silber 01.07.1940
Major 00.00.1921 Deutsches Kreuz in Gold 16.02.1942
Oberstleutnant 04.11.1930 Medaille Winterschlacht im Osten 29.07.1942
Oberst ??? Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 04.09.1942
Generalmajor 01.06.1941 700. Eichenlaub zum Ritterkreuz 14.01.1945 p.m.
Generalleutnant 01.12.1942
General der Artillerie 01.01.1943

EHRE SEINEM ANDENKEN - GOTT GEBE IHM DIE LETZTE RUHE

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