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354. Eichenlaubträger Alfred Müller
Oberstleutnant, Sturmgeschütztruppe

14.09.194216.06.1941

Alfred Müller wurde am 23.11.1915 in Kaltensondheim, Krs. Kitzingen/Unterfranken geboren und trat am 01.04.1935 als Offiziersanwärter dem Artillerie-Regiment München bei. Dort am 01.10.1936 in die 3. Batterie des Artillerie-Regiments (mot.) 74 versetzt, wird Müller am 01.04.1938 zum Adjutanten der I. Abteilung des Artillerie-Regiments (mot.) 74 bestimmt. Im Mai 1938 ist er dort Ordonnanz-Offizier und wird schließlich am 01.10.1938 zum Adjutanten des gesamten Regiments ernannt. mit dem Regiment nimmt er im Rahmen der 2. Panzer-Division am Polen-Feldzug teil und wird am 15.02.1940 in das Artillerie-Lehr-Regiment (mot.) nach Jüterbog versetzt, um am 01.05.1940 den Posten des Chefs der Sturmgeschütz-Batterie 666 zu übernehmen. Die Aufstellung erfolgte in Zinna und die weitere Ausbildung sowie entsprechende Übungen erfolgten bei Ostende und Dünkirchen.
Am 08.10.1940 wird er zur Luftwaffe kommandiert und nimmt so an Verladeübungen von Sturmgeschützen in den Lastensegler "Gigant", im Zuge der geplanten Operation "Seelöwe", teil.
Am 05.11.1941 wird er in die Führer-Reserve, unter gleichzeitiger Kommandierung als Hörsaalleiter für Offiziere in der III. Abteilung des Artillerie-Lehr-Regiments (mot.) 2, versetzt, wo er dann am 07.06.1942 die 8. Batterie übernimmt.
Nach Blitzaufstellung der Sturmgeschütz-Lehr-Batterie 901 aus eben dieser 8. Batterie, verlegt Müller an die Ostfront, zur Teilnahme an dem Entsatzangriff auf Stalingrad unter Generaloberst Hermann Hoth. Von Döberitz im Blitztransport wurde das neu aufgestellte Infanterie-Lehr-Regiment 901, mit der Sturmgeschütz-Lehr-Batterie 901, im Dezember 1942 in den großen Donbogen verlegt. Dort bestand die Batterie am 31.12.1942 im Verbund mit dem II. Bataillon des Regiments bei Starobjelsk zunächst schwere Winterkämpfe.
Am 20.01.1943 im Raum Jewssug, 20 Kilometer ostwärts Starobjelsk, als Nachhutführer, mit seiner Batterie und der 7. Kompanie, im Einsatz, wurden am 21.01.1943 bei Baidowka ein T-34 und ein T-64 abgeschossen. Bei dem anschließenden Gegenangriff der Kampfgruppe Müller, konnte ein weiterer T-34 abgeschossen und eine Infanteriekompanie zerschlagen werden. Am 23.01.1943 meldete Müller einen gegnerischen Angriff aus Saporoshez nach Westen, woraufhin er aus eigenem Entschluss zum Gegenangriff antrat. Müller, stets von vorn führend befreite sich aus der Umklammerung und entsetzte selbstständig weitere eingeschlossene Kampfgruppen. Am 06.02.1943 brachte Müller mit seiner Batterie und infanteristisch eingesetzten Meldern und Schreibern einen gegnerischen Vorstoß auf die Ortschaft Toschkowka in Richtung Rollbahn zum Stehen. Die Sturmgeschütze hielten dabei den Gegner derart unter Feuer, bis die Infanterie in Sicherheit war. Dafür erhielt er am 20.02.1943, als Hauptmann und Chef der Sturmgeschütz-Lehr-Batterie 901 das Ritterkreuz.
Mit Abschluss der Kämpfe übernimmt Müller am 28.03.1943 das Kommando über die Sturmgeschütz-Brigade 191 "Büffel", mit der er zunächst im Raum Noworossisk eingesetzt wurde und dann , nach einer Auffrischung auf der Krim, an allen Kubanschlachten bis zur Räumung des Kuban-Brückenkopfes teilnahm. In einer Tagesmeldung des AOK 17 heisst es dazu:

"Die Sturmgeschütz-Brigade 191, unter Führung von Hauptmann Müller, hatte an der erfolgreichen Abwehr des weit überlegenen Feindes in den letzten Tagen entscheidenden Anteil. Sie griff in Abwehr und Gegenstößen mit größter Tatkraft ein, insbesondere vernichtete sie im Kuban-Brückenkopf 95 Panzer, dabei auch mehrere 12-cm-Sturmhaubitzen. Nennung im Wehrmachtsbericht beantragt."

Die Brigade, zur Deckung der Räumung des Brückenkopfes eingesetzt, sah dann Einsätze an der Perekop- und Kertsch-Front. Sie stoppte die Angriffe des Gegners aus den Brückenköpfen Eltingen und Bulganak, bis sich die 17. Armee entschloss den Brückenkopf Eltingen zu beseitigen. Dazu standen dem V. Armee-Korps die 6. rum. Kavallerie-Division, Teile der 98. Infanterie-Division und die Sturmgeschütz-Brigade 191 zur Verfügung. Vom 04. bis zum 11.12.1943 erfolgte dann die Zerschlagung des gefährlichen Brückenkopfes. Gewürdigt wurde insbesondere die Unterstützung der Sturmgeschütze, indem Müller, als Hauptmann und Kommandeur der Sturmgeschütz-Brigade 191, am 15.12.1943 das 354. Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen wurde. In den folgenden Endkämpfen bis hin in den Raum Sewastopol bewährte sich die Brigade hervorragend.. Dabei sorgte Müller dafür, das noch möglichst vielen Verwundeten die Rettung über das Schwarze Meer gelang, wobei er selbst am 12.05.1944, als einer der letzten deutschen Soldaten, an Bord eines Marinefahrzeugs ging. In einem Fernschreiben des AOK 17 an die Heeresgruppe Südukraine heißt es dazu:

"Die Sturmgeschütz-Brigade 191 hat in den Kämpfen auf der Krim vom 10.04. bis zum 13.05.1944 unter der hervorragenden Führung ihres Kommandeurs, Eichenlaubträger Major Müller, insgesamt 137 Panzer, 48 Pak- und Flak-Geschütze sowie eine große Anzahl sonstiger Waffen und Kraftfahrzeuge vernichtet. Die schon seit den Abwehrkämpfen im Kuban-Brückenkopf besonders bewährte Brigade hat damit am 12.05.1944 ihren 445. Panzer abgeschossen. und erneut ihre hervorragende Tapferkeit und Einsatzfreudigkeit unter Beweis gestellt. Nennung in Presse und Rundfunk wird beantragt."

Nach der Evakuierung der Krim wieder einsetzbar, wird Müller am 01.07.1944 zum Kommandeur des Taktischen Lehrstabes der Sturmgeschützschule Burg, bzw. am 01.08.1944 zum Kommandeur der Schule ernannt.
Im Zuge der Endkämpfe in Deutschland bildete Müller am 10.04.1945 aus den einsatzfähigen Teilen der Sturmgeschütz-Ersatz- und Ausbildungs-Abteilung 700 und der Sturmgeschützschule Burg die "Kampfgruppe Burg". Diese führt er an die Elbe nördlich Magdeburg. Der dortige Kampfkommandant befahl daraufhin den Einsatz der Kampfgruppe gegen den US-Brückenkopf Westerhusen-Schönebeck. Der Angriff begann am 14.04.1945 und führte zur Beseitigung des Brückenkopfes. Der anschließend angesetzte Angriff auf den US-Brückenkopf Braby hingegen, brachte nicht den erdachten Erfolg.
Am 24.04.1945 wird die Kampfgruppe zur Infanterie-Division "Ferdinand von Schill" erweitert, wobei Müller die Führung übernahm. Zur Division gehörte die Sturmgeschütz-Brigade "Schill", ehemals Lehr-Brigade III, unter dem Kommandeur Major Nebel. Weiterhin gehörten zwei weitere Regimenter zur Division, die bei der 12. Armee allerdings als Brigade bezeichnet wurde. Die Division kommt fortan ostwärts Belzig gegen sowjetische Einheiten zum Einsatz. So begann am 28.04.1945 der Angriff durch den Lehniner Forst und am 29.04.1945 der Ausbruch der Korpsgruppe Reymann aus Potsdam. Teile der Division "Schill" stießen weiterhin am 30.04.1945 am Westufer des Schwielow-Sees bis Petzow vor und nahmen noch Teile der Besatzung Potsdams auf. Der Ausbruch der letzten Kräfte des Korps erfolgte am 01.05.1945, wobei die Sturmgeschütze des Majors Nebel und die Grenadiere der Division "Schill" ein letztes mal ihre Feuerkraft unter Beweis stellen konnten. Reymann und Müller reichten sich die Hand, nachdem über 20 gegnerische Panzer, brennend auf dem Schlachtfeld zurückblieben. Im L-aufe des nachmittags ging dann die Division in Richtung Genthin zurück. Die dabei eingesetzte Nachhut aus Pionieren und Sturmgeschütze sicherte das geordnete Zurückgehen der gesamten Division.
Am 04.05.1945 erreichten die ersten Sturmgeschütze die Elbe zwischen Jerichow und Ferchland. Während die Kapitulationsurkunden unterschrieben wurden, sprengte die Sturmgeschütz-Brigade ihre letzten 15 Geschütze. Am 07.05.1945 gingen die letzten Teile der Division "Schill" im Brückenkopf Ferchland über die Elbe. Entgegen der Kapitulationsbedingungen lieferten die Amerikaner ab dem 08.05.1945 dann allerdings die in Gefangenschaft geratenen Sturmgeschütz-Soldaten an die Sowjetunion aus. Major Nebel konnte bei Frankfurt/Oder nach Westdeutschland entkommen. Da Müller nicht mehr erfuhr, das er mglw. zum Oberst ernannt wurde, wurde er nach kurzer Zeit entlassen. Die mögliche Beförderung zum Oberst erfolgte wohl mit dem 15.05.1945 laut Stellenbesetzungsliste des OKW-PA. Als Dienststellung wurde dabei das Kommando über die Division "Ferdinand von Schill" angegeben. Die Eingabe zum Oberst erfolgte durch General Wenck.
Nach dem Krieg trat er am 01.02.1956 der Bundeswehr bei und übernahm zunächst das Kommando über die Kampfgruppe B3, bzw. 1962 über die Panzer-Brigade 33. Im Jahre 1965 wechselt er als Kommandeur zur Panzer-Lehr-Brigade und wird 1970 zum Kommandeur der Kampftruppenschule II/III ernannt. Am 31.03.1975 geht Müller als Brigadegeneral in den Ruhestand.
Alfred Müller starb am 02.07.1997 in Münster/Westfalen.

Beförderungen

 

Auszeichnungen

Leutnant 20.04.1937 m. Wirk. v. 01.04.1937 (RDA v. 01.04.1937(922)) Eisernes Kreuz II. Klasse 11.10.1939
Oberleutnant 31.08.1939 m. Wirk. v. 01.09.1939 (RDA v. 01.09.1939(284)) Eisernes Kreuz I. Klasse 25.07.1941
Hauptmann 20.04.1942 m. Wirk. v. 01.04.1942 (RDA v. 01.04.1942(601)) Allgemeines Sturmabzeichen 29.08.1941
Major 26.12.1943 m. Wirk. v. 01.12.1943 (RDA v. 01.11.1943(16)) Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 20.02.1943
Oberstleutnant 01.04.1945 Verwundetenabzeichen in Schwarz 07.06.1943
Oberst 15.05.1945 lt. Stellenbesetzung OKW-PA 354. Eichenlaub zum Ritterkreuz 15.12.1943
Oberst (Bw) 20.07.1961 Kubanschild 01.12.1944
Brigadegeneral (Bw) 17.04.1969 m. Wirk. v. 01.04.1969 Rum. Orden Michael der Tapfere 28.01.1944
Bundesverdienstkreuz I. Klasse 22.02.1973

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