Alfred Müller wurde am 23.11.1915 in
Kaltensondheim, Krs. Kitzingen/Unterfranken geboren und trat am 01.04.1935 als
Offiziersanwärter dem Artillerie-Regiment München bei. Dort am 01.10.1936 in
die 3. Batterie des Artillerie-Regiments (mot.) 74 versetzt, wird Müller am
01.04.1938 zum Adjutanten der I. Abteilung des Artillerie-Regiments (mot.) 74
bestimmt. Im Mai 1938 ist er dort Ordonnanz-Offizier und wird schließlich am
01.10.1938 zum Adjutanten des gesamten Regiments ernannt. mit dem Regiment
nimmt er im Rahmen der
2. Panzer-Division am Polen-Feldzug teil und wird am 15.02.1940 in das
Artillerie-Lehr-Regiment (mot.) nach Jüterbog versetzt, um am 01.05.1940 den
Posten des Chefs der Sturmgeschütz-Batterie 666 zu übernehmen. Die Aufstellung
erfolgte in Zinna und die weitere Ausbildung sowie entsprechende Übungen
erfolgten bei Ostende und Dünkirchen.
Am 08.10.1940 wird er zur Luftwaffe kommandiert und nimmt so an Verladeübungen
von Sturmgeschützen in den Lastensegler "Gigant", im Zuge der geplanten
Operation "Seelöwe", teil.
Am 05.11.1941 wird er in die Führer-Reserve, unter gleichzeitiger
Kommandierung als Hörsaalleiter für Offiziere in der III. Abteilung des
Artillerie-Lehr-Regiments (mot.) 2, versetzt, wo er dann am 07.06.1942 die 8.
Batterie übernimmt.
Nach Blitzaufstellung der Sturmgeschütz-Lehr-Batterie 901 aus eben dieser 8.
Batterie, verlegt Müller an die Ostfront, zur Teilnahme an dem Entsatzangriff
auf Stalingrad unter Generaloberst
Hermann Hoth. Von Döberitz im Blitztransport wurde das neu aufgestellte
Infanterie-Lehr-Regiment 901, mit der Sturmgeschütz-Lehr-Batterie 901, im
Dezember 1942 in den großen Donbogen verlegt. Dort bestand die Batterie am
31.12.1942 im Verbund mit dem II. Bataillon des Regiments bei Starobjelsk
zunächst schwere Winterkämpfe.
Am 20.01.1943 im Raum Jewssug, 20 Kilometer ostwärts Starobjelsk, als
Nachhutführer, mit seiner Batterie und der 7. Kompanie, im Einsatz, wurden am
21.01.1943 bei Baidowka ein T-34 und ein T-64 abgeschossen. Bei dem
anschließenden Gegenangriff der Kampfgruppe Müller, konnte ein weiterer T-34
abgeschossen und eine Infanteriekompanie zerschlagen werden. Am 23.01.1943
meldete Müller einen gegnerischen Angriff aus Saporoshez nach Westen,
woraufhin er aus eigenem Entschluss zum Gegenangriff antrat. Müller, stets von
vorn führend befreite sich aus der Umklammerung und entsetzte selbstständig
weitere eingeschlossene Kampfgruppen. Am 06.02.1943 brachte Müller mit seiner
Batterie und infanteristisch eingesetzten Meldern und Schreibern einen
gegnerischen Vorstoß auf die Ortschaft Toschkowka in Richtung Rollbahn zum
Stehen. Die Sturmgeschütze hielten dabei den Gegner derart unter Feuer, bis
die Infanterie in Sicherheit war. Dafür erhielt er am 20.02.1943, als
Hauptmann und Chef der Sturmgeschütz-Lehr-Batterie 901 das Ritterkreuz.
Mit Abschluss der Kämpfe übernimmt Müller am 28.03.1943 das Kommando über die
Sturmgeschütz-Brigade 191 "Büffel", mit der er zunächst im Raum
Noworossisk eingesetzt wurde und dann , nach einer Auffrischung auf der Krim,
an allen Kubanschlachten bis zur Räumung des Kuban-Brückenkopfes teilnahm. In
einer Tagesmeldung des AOK 17 heisst es dazu:
"Die Sturmgeschütz-Brigade 191, unter Führung von
Hauptmann Müller, hatte an der erfolgreichen Abwehr des weit überlegenen
Feindes in den letzten Tagen entscheidenden Anteil. Sie griff in Abwehr und
Gegenstößen mit größter Tatkraft ein, insbesondere vernichtete sie im
Kuban-Brückenkopf 95 Panzer, dabei auch mehrere 12-cm-Sturmhaubitzen. Nennung
im Wehrmachtsbericht beantragt."
Die Brigade, zur Deckung der Räumung des Brückenkopfes
eingesetzt, sah dann Einsätze an der Perekop- und Kertsch-Front. Sie stoppte
die Angriffe des Gegners aus den Brückenköpfen Eltingen und Bulganak, bis sich
die 17. Armee entschloss den Brückenkopf Eltingen zu beseitigen. Dazu standen
dem V. Armee-Korps die 6. rum. Kavallerie-Division, Teile der 98.
Infanterie-Division und die Sturmgeschütz-Brigade 191 zur Verfügung. Vom 04.
bis zum 11.12.1943 erfolgte dann die Zerschlagung des gefährlichen
Brückenkopfes. Gewürdigt wurde insbesondere die Unterstützung der
Sturmgeschütze, indem Müller, als Hauptmann und Kommandeur der
Sturmgeschütz-Brigade 191, am 15.12.1943 das 354. Eichenlaub zum Ritterkreuz
verliehen wurde. In den folgenden Endkämpfen bis hin in den Raum Sewastopol
bewährte sich die Brigade hervorragend.. Dabei sorgte Müller dafür, das noch
möglichst vielen Verwundeten die Rettung über das Schwarze Meer gelang, wobei
er selbst am 12.05.1944, als einer der letzten deutschen Soldaten, an Bord
eines Marinefahrzeugs ging. In einem Fernschreiben des AOK 17 an die
Heeresgruppe Südukraine heißt es dazu:
"Die Sturmgeschütz-Brigade 191 hat in den Kämpfen
auf der Krim vom 10.04. bis zum 13.05.1944 unter der hervorragenden Führung
ihres Kommandeurs, Eichenlaubträger Major Müller, insgesamt 137 Panzer, 48
Pak- und Flak-Geschütze sowie eine große Anzahl sonstiger Waffen und
Kraftfahrzeuge vernichtet. Die schon seit den Abwehrkämpfen im
Kuban-Brückenkopf besonders bewährte Brigade hat damit am 12.05.1944 ihren
445. Panzer abgeschossen. und erneut ihre hervorragende Tapferkeit und
Einsatzfreudigkeit unter Beweis gestellt. Nennung in Presse und Rundfunk wird
beantragt."
Nach der Evakuierung der Krim wieder einsetzbar, wird
Müller am 01.07.1944 zum Kommandeur des Taktischen Lehrstabes der
Sturmgeschützschule Burg, bzw. am 01.08.1944 zum Kommandeur der Schule
ernannt.
Im Zuge der Endkämpfe in Deutschland bildete Müller am 10.04.1945 aus den
einsatzfähigen Teilen der Sturmgeschütz-Ersatz- und Ausbildungs-Abteilung 700
und der Sturmgeschützschule Burg die "Kampfgruppe Burg". Diese führt er
an die Elbe nördlich Magdeburg. Der dortige Kampfkommandant befahl daraufhin
den Einsatz der Kampfgruppe gegen den US-Brückenkopf Westerhusen-Schönebeck.
Der Angriff begann am 14.04.1945 und führte zur Beseitigung des Brückenkopfes.
Der anschließend angesetzte Angriff auf den US-Brückenkopf Braby hingegen,
brachte nicht den erdachten Erfolg.
Am 24.04.1945 wird die Kampfgruppe zur Infanterie-Division "Ferdinand von
Schill" erweitert, wobei Müller die Führung übernahm. Zur Division gehörte
die Sturmgeschütz-Brigade "Schill", ehemals Lehr-Brigade III, unter dem
Kommandeur Major Nebel. Weiterhin gehörten zwei weitere Regimenter zur
Division, die bei der 12. Armee allerdings als Brigade bezeichnet wurde. Die
Division kommt fortan ostwärts Belzig gegen sowjetische Einheiten zum Einsatz.
So begann am 28.04.1945 der Angriff durch den Lehniner Forst und am 29.04.1945
der Ausbruch der Korpsgruppe Reymann aus Potsdam. Teile der Division "Schill"
stießen weiterhin am 30.04.1945 am Westufer des Schwielow-Sees bis Petzow vor
und nahmen noch Teile der Besatzung Potsdams auf. Der Ausbruch der letzten
Kräfte des Korps erfolgte am 01.05.1945, wobei die Sturmgeschütze des Majors
Nebel und die Grenadiere der Division "Schill" ein letztes mal ihre
Feuerkraft unter Beweis stellen konnten. Reymann und Müller reichten sich die
Hand, nachdem über 20 gegnerische Panzer, brennend auf dem Schlachtfeld
zurückblieben. Im L-aufe des nachmittags ging dann die Division in Richtung
Genthin zurück. Die dabei eingesetzte Nachhut aus Pionieren und Sturmgeschütze
sicherte das geordnete Zurückgehen der gesamten Division.
Am 04.05.1945 erreichten die ersten Sturmgeschütze die Elbe zwischen Jerichow
und Ferchland. Während die Kapitulationsurkunden unterschrieben wurden,
sprengte die Sturmgeschütz-Brigade ihre letzten 15 Geschütze. Am 07.05.1945
gingen die letzten Teile der Division "Schill" im Brückenkopf Ferchland
über die Elbe. Entgegen der Kapitulationsbedingungen lieferten die Amerikaner
ab dem 08.05.1945 dann allerdings die in Gefangenschaft geratenen
Sturmgeschütz-Soldaten an die Sowjetunion aus. Major Nebel konnte bei
Frankfurt/Oder nach Westdeutschland entkommen. Da Müller nicht mehr erfuhr,
das er mglw. zum Oberst ernannt wurde, wurde er nach kurzer Zeit entlassen.
Die mögliche Beförderung zum Oberst erfolgte wohl mit dem 15.05.1945 laut
Stellenbesetzungsliste des OKW-PA. Als Dienststellung wurde dabei das Kommando
über die Division "Ferdinand von Schill" angegeben. Die Eingabe zum
Oberst erfolgte durch General Wenck.
Nach dem Krieg trat er am 01.02.1956 der Bundeswehr bei und übernahm zunächst
das Kommando über die Kampfgruppe B3, bzw. 1962 über die Panzer-Brigade 33. Im
Jahre 1965 wechselt er als Kommandeur zur Panzer-Lehr-Brigade und wird 1970
zum Kommandeur der Kampftruppenschule II/III ernannt. Am
31.03.1975 geht Müller als Brigadegeneral in den Ruhestand.
Alfred Müller starb am 02.07.1997 in Münster/Westfalen.