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Ritterkreuzträger Kurt Nöbel
Wachtmeister, Aufklärertruppe

   
Zu Zeiten der deutschen Wehrmacht des
Zweiten Weltkrieges hieß es immer wieder einmal, daß die »alten
Obergefreiten« das »Rückgrat der Armee« bildeten. Sie ließen sich
durch nichts erschüttern und wussten auch in schwierigen Lagen, wo`s langging,
selbst wenn kein Offizier oder Unteroffizier mehr da war, um den richtigen
Befehl zu geben. Unter den 255 Ritterkreuzträgern aus dem Mannschaftsstand (=
3,5 % aller Ritterkreuzträger) befanden sich immerhin 145 Obergefreite. Einer
von ihnen war der gebürtige Chemnitzer Kurt Nöbel,
der am 3. Februar 2000 nach langer schwerer
Krankheit im sächsischen Voigsdorf 83jährig gestorben ist.
Geboren wurde Kurt
Nöbel während des 1. Weltkrieges am 15. Februar
1917 in Chemnitz, der drittgrößten Stadt des damaligen Königreiches Sachsen.
Nachdem er bereits in Friedenszeiten zur Wehrmacht eingezogen worden war und
noch eine gründliche soldatische Ausbildung mitbekommen hatte, nahm er an den
Feldzügen in Polen (1939), Frankreich (1940) und Rußland (ab 1941) teil.
Die große Stunde höchster soldatischer Bewährung kam für den inzwischen
26jährigen fronterfahrenen Obergefreiten und Gruppenführer in der 1.
(reitenden) Schwadron der bayerischen Aufklärungsabteilung 7 am 18. Oktober 1943.
Am mittleren Dnjepr war damals der Roten Armee der Sowjetunion ein Einbruch in
die deutschen Stellungen gelungen, deshalb sollten Münchener Grenadiere -
unterstützt von der Aufklärungsabteilung 7 - zu einem Gegenangriff antreten.
Die Aufklärungsabteilung hatte das Unternehmen dadurch zu unterstützen, daß
sie durch einen Stoßtrupp den feindbesetzten Graben vor den eigenen Stellungen
aufrollte, um eine Flankenbedrohung des deutschen Gegenstoßes auszuschalten.
Mit der Führung dieses Stoßtrupps wurde der
in vier Kriegsjahren schon mehrfach bewährte Obergefreite Nöbel betraut. Er
nahm zu diesem Einsatz nur zwei Kameraden mit, die ihm weitere Handgranaten
nachreichen sollten, während die übrigen Männer seiner Gruppe ihm Feuerschutz
zu geben hatten. Als Einzelkämpfer setzte der Obergefreite mit mehreren
Handgranatenwürfen die sowjetische Grabenbesatzung nach und nach außer
Gefecht. Die Überlebenden wurden von dem entschlossenen Deutschen von einem
Abschnitt zum anderen zurückgetrieben und beim Versuch, das dabei verlorene
Terrain wiederzugewinnen, immer erneut abgewiesen.
So brachte
Nöbel mehrere hundert Meter des zuvor vom Gegner besetzten Grabenstückes in
deutschen Besitz und sorgte dafür, daß der Gegenstoß der Münchener Grenadiere
von sowjetischem Flankenfeuer verschont blieb. Mehrere
Dutzend Feindtote wurden in dem von ihm wiedergewonnenen 300-Meter-Grabenstück
später aufgefunden.
Darauf traten die Rotarmisten ihrerseits mit
erheblichen Kräften zu einem Gegenangriff an. Nöbel sah die Erfüllung seines
ursprünglichen Auftrages erneut gefährdet. Im Alleingang kämpfte er zwei
feindliche Pak-Bedienungen nieder und drang - völlig auf sich gestellt - etwa
1000 Meter in das gegnerische Grabensystem ein. Erst als immer mehr Rotarmisten mit lautem »Urrä«-Geschrei
auf ihn eindrangen, musste er sich zurückziehen. Er tat es aber nur Schritt
für Schritt, leistete stets von neuem Widerstand mit gezielten
Handgranatenwürfen und führte den Angreifern weitere schwere Verluste zu. Inzwischen hatten die
Münchener Grenadiere Zeit gehabt, ihren Gegenstoß erfolgreich durchzuführen
und sich zur Verteidigung einzurichten.
Für diesen tapferen, entscheidenden Einsatz
als Einzelkämpfer schlug sein Schwadronchef, Oberleutnant Hatzfeld, den Obergefreiten
Kurt Nöbel für die Auszeichnung mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes vor
und veranlasste seine Beförderung zum Unteroffizier.
Das ihm am 30. November 1943 als Obergefreiten, verliehene Ritterkreuz bekam
er als Verwundeter im Lazarett ausgehändigt.
Am 15.12.44
erhielt er auch noch die Ehrenblattspange des Heeres, er beendete den Krieg,
indem er insgesamt fünfmal verwundet worden war, wofür er das
Verwundetenabzeichen in Gold trug, als Wachtmeister.
Nach der deutschen Wiedervereinigung fand der einstige Frontsoldat aus Sachsen
Anschluss an die Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger (0dR).
Begleitet von seiner Frau nahm der Schwerkriegsversehrte im Rollstuhl noch an
0dR-Jahrestreffen teil.
Nach dem plötzlichen Tod seiner Frau, mit der er noch goldene Hochzeit hatte
feiern können, verschlechterte sich sein eigener Gesundheitszustand zusehends.
Am 7. Februar 2000 wurde er in seiner Heimatgemeinde
Voigsdorf unter großer Anteilnahme zur letzten Ruhe geleitet.
EHRE SEINEM ANDENKEN - GOTT GEBE IHM DIE LETZTE RUHE
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