Karl Radermacher wurde am 12.12.1922 in
Aachen als Sohn eines Eisverkäufers geboren. Nach einer Lehre als Elektriker
und Monteur und der Mitgliedschaft in der Hitlerjugend, wurde er im März 1942
eingezogen. Nach einer kurzen Grundausbildung, u.a. am LMG und sMG, kam
Radermacher im Sommer 1942 an die Ostfront. Als späterer Ritterkreuzträger als
Granatwerfertruppführer, muss hier angemerkt werden, daß Radermacher selbst
nie Granatwerferschütze war.
Die ersten Einsätze seinen Grenadier-Regiments 45 innerhalb der 21.
Infanterie-Division, brachten für den unerfahrenen Radermacher an der
Leningrad-Front die Feuertaufe. Unerfahren wie er war, war er auf die Hilfe
der "alten" Landser angewiesen, die ihm das nötige "Rüstzeug"
mit auf den Wag gaben. Zunächst wurde er in den harten Graben- und
Bunkerkämpfen, sowie auf Stoßtrupp, als MG-Schütze 2 und später als MG-Schütze
1 und später als Gruppenführer eingesetzt. Im Zuge der immer härter werdenden
Kämpfe wurden die schweren Kompanien, ehemals MG-Kompanien, in Trupps
aufgeteilt und getrennt voneinander bei verschiedenen Kompanien eingesetzt. So
verdiente sich Radermacher im Oktober 1942 bei der 6. Kompanie des Regiments
das Eiserne Kreuz II. Klasse und das Infanterie-Sturmabzeichen in Silber.
Mit seiner Gruppe übernahm er dann die Sicherung eines Granatwerferzuges, der
"Fuß-Artillerie" des Regiments. Dabei leicht verwundet, kehrt er nach
einem kurzen Lazarett-Aufenthalt zur Kompanie zurück und erlebt so die Aufgabe
der Leningradfront mit den anschließenden Rückzugskämpfen. Dabei wurde er
erneut verwundet, kann aber nach kurzer Zeit wieder zur Truppe stoßen. Dort
wird er zeitweise als Bataillonsmelder verwendet und überbrachte den Kompanie-
und Zugführern mitten im Gefecht wichtige Meldungen. Dafür erhielt er im
Februar 1944 das Eiserne Kreuz I. Klasse, wobei er bereits die Nahkampfspange
in Silber trug.
Im Frühsommer 1944 lag das Regiment in einer festen Stellung und erwartete
jeden Moment die sich ankündigende gegnerische Großoffensive. Ständige
Stoßtrupps, Scheinattacken und andauerndes Abklopfen der Front, sollten die
deutschen Soldaten nicht zur Ruhe kommen lassen und den Schwachpunkt der Front
herausfinden. Nachdem es dem Gegner dabei gelang an der Flanke des II.
Bataillons einzusickern, kam es zum Kampf Mann gegen Mann. Radermacher lag
dabei mit seiner Gruppe mitten im Abschnitt und führte den Widerstand, nachdem
sämtliche Offiziere und Feldwebel ausgefallen waren. Als sicher Gegner nach
schweren Verlusten zurückzog, raffte Radermacher einige seiner Kameraden
zusammen und führte einen Gegenstoß. Obwohl dieser im Niemandsland selbst
durch das gegnerische Abwehrfeuer stark dezimiert wurde, fügte er dem Gegner
dennoch weitere schwere Verluste zu. Dadurch brachte Radermacher der schwer
ringenden Front spürbare Entlastung. Dafür wurde er zum Ritterkreuz
vorgeschlagen, was er als einer der rangniedrigsten der deutschen Wehrmacht am
04.05.1944, als Gefreiter und Granatwerfertruppführer, verliehen bekam.
Einige Zeit später zum Unteroffizier befördert, konnte er bereits über 40
Nahkampftage für sich verbuchen. Der mit der Verleihung des Ritterkreuzes
einhergehende Tapferkeitsurlaub in die Heimat, brachte Radermacher die
bevorzugte Beförderung zum Feldwebel, womit er zum Führer des 2. Zuges der 6.
Kompanie aufstieg.
In der Folge nahm der stets bescheidene Radermacher an den Kämpfen im Baltikum
und an den ersten Kurlandschlachten teil. Dabei traf die Nachricht von der
Verleihung der Nahkampfspange in Gold beim Regiment ein. Mit dieser Verleihung
wurde Radermacher, als anerkannter Nahkampfspezialist nach dem Führer-Befehl,
aus der Front gezogen, zum Fahnenjunker-Feldwebel ernannt und zur
Offiziersausbildung an die Kriegsschule Potsdam versetzt. Die Goldene
Nahkampfspange wurde ihm zwei Monate später persönlich verliehen. Zusammen mit
82 weiteren verdienten Soldaten des Heeres und der Waffen-SS, erhielt er die
Auszeichnung am 12.12.1944 im Rathaus von Ulm vom Reichsführer SS persönlich
überreicht. Dies war übrigens die größte Übergabezeremonie dieser
Tapferkeitsauszeichnung. Weiterhin erhielt er mit der Übergabe der
Auszeichnung Kenntnis von der Beförderung zum Leutnant. Zusammen mit der
Verleihung der Nahkampfspange konnte der Beliehene auch zum Deutschen kreuz in
Gold eingereicht werden.
Obwohl die Verleihungs-Bestimmungen eindeutig waren, kam Radermacher im
Frühjahr 1945 im Rahmen einer Alarmkampfgruppe der Kriegsschule Potsdam an die
Oderfront bei Frankfurt/Oder, wo er noch einmal verwundet wurde.
Karl Radermacher machte sich nach dem Krieg als Lebensmittelhändler
selbstständig, wechselte dann nach 25 Jahren in das Dienstverhältnis eines
Bankangestellten über und ging 1987 wohlverdient in den Ruhestand.