Am 8. Oktober 1884
wird Walter von Reichenau in Karlsruhe als Sohn eines preußischen
Generalleutnants geboren.
Nach dem Abitur 1903, tritt er in das preußische Heer ein und wird 1904
Leutnant des 1. Garde-Feldartillerie-Regiments.
1911 erfolgt die Versetzung zur Ausbildung an die Kriegsakademie.
Während des 1. Weltkrieges ist Reichenau Generalstabsoffizier und wird 1919 in
die Reichswehr übernommen. Er heiratet Alexandrine Gräfin von Maltzan und
steigt damit in die höchsten Kreise der altadligen schlesischen Aristokratie
auf.
1924 wird er zum Major und 1929 zum Oberstleutnant befördert, wird Chef des
Stabs der Nachrichteninspektion im Reichswehrministerium.
Von 1930-1933 ist Reichenau Stabschef im ostpreußischen Wehrkreis I. Sein
Onkel, der Präsident des "Vereins für das Volkstum im Ausland" ist,
macht ihn mit Adolf Hitler bekannt.
Am 1. Februar 1933 wird Reichenau Leiter des Ministeramts im
Reichswehrministerium und persönlicher Berater des Reichswehr- und späteren
Kriegsministers Werner von Blomberg. Durch ihn kommt Reichenau in Kontakt mit
weiteren führenden Nationalsozialisten.
Am 13. Februar 1934, bei der Umstrukturierung der Reichswehr zur Wehrmacht
erhält Reichenau den Posten des Chefs des Wehrmachtsamts.
Am 30. Juni befürwortet Reichenau die
Monopolstellung der Wehrmacht als einzigen "Waffenträgers der Nation".
Er wirkt an der Ermordung Ernst Röhms mit.
Ab 1935 engagiert sich Reichenau für eine schnelle Einbindung des Militärs in
das NS-Regime. Er wird als der "Politische General" bezeichnet.
Reichenau
wird als Generalleutnant zum Kommandierenden General des VII.
Artilleriekommandos in München ernannt. Seinen Posten als Chef des
Wehrmachtsamts übernimmt Wilhelm Keitel.1936 wird Reichenau zum General der
Artillerie befördert.
Am 28.Februar 1938, im Zusammenhang mit der
Blomberg-Fritsch-Krise, wird von Reichenau Oberbefehlshaber der Heeresgruppe 4
in Leipzig und Nachfolger von Walther von Brauchitsch.
Als einziger General der Wehrmacht besitzt Reichenau eine politisch bedeutsame
Führungsposition.
Während der Besetzung des Sudetenlands 1938/39 ist Reichenau Oberbefehlshaber
der 10. Armee.
Bei Ausbruch des 2.Weltkrieges hat Reichenau das Kommando über die 10. Armee.
Am 30.09.1939 erhält er als General der Artillerie und Oberbefehlshaber der
10.Armee das Ritterkreuz.
Während des Überfalls auf Polen stoßen seine Truppen von
Oberschlesien aus nach Norden vor und sind an den Kesselschlachten bei Radom
und Warschau beteiligt.
Im Frankreichfeldzug 1940 befehligt Reichenau als Generaloberst die 6. Armee,
führt sie durch die Niederlande und erzwingt die Kapitulation Belgiens.
Am 19. Juli 1940 wird er Generalfeldmarschall.
Im Sommer des Jahres 1941 werden Reichenaus Einheiten an die
Ostfront verlegt und dringen unter seiner Führung bis Kiev und
Charkow vor. Am 10. Oktober ruft er im "Reichenau-Befehl" seine
Soldaten zur Unterstützung von Hitlers "Weltanschauungskrieg" und zur "gerechten
Sühne am jüdischen Untermenschentum" auf.
Am 3. Dezember übernimmt Reichenau als Nachfolger Gerd von Rundstedts die
Leitung der Heeresgruppe Süd in Rußland. Am 31.Dezember 1941 gibt Reichenau
die Führung der 6. Armee an Friedrich Paulus ab.
Am 17. Januar 1942 stirbt Walter von Reichenau an einem Schlaganfall nach
einer Flugzeugbruchlandung in Poltawa (Rußland).