Ludwig Schütte wurde am 23.05.1912 in Bremen geboren und
absolvierte nach dem Abitur am 15.03.1931, eine Lehre bei
der Firma Kulenkampff in Bremen. Vom 15.06.1933 bis zum 30.09.1933 schloss
sich der Arbeitsdienst in Rotenburg an, wonach er nach einer kurzen
Arbeitsstelle bei der väterlichen Firma Schütte & Bünemann, am 04.04.1934 als Fahnenjunker dem
Infanterie-Regiment 16 in Oldenburg beitrat.
Nach der Beförderung zum Fahnenjunker-Gefreiten und zum
Fahnenjunker-Unteroffizier wird er vom Januar bis Oktober 1935 an die
Kriegsschule Dresden kommandiert.
Mit der Beförderung zum Leutnant beim Infanterie-Regiment
69 in Hamburg, am 01.04.1936, wird er von dort als Adjutant des Ersatz-Bataillons zum
Infanterie-Regiment 90 versetzt.
Am 01.04.1939 wird er zum Oberleutnant befördert und während des
Polenfeldzuges zur Ausbildung des Arbeitsdienstes nach Rotenburg/Wümme
versetzt.
Ab Januar 1940 ist er, als Adjutant des III. Bataillons des
Infanterie-Regiments 469, am Westwall nördlich Aachen, im Raum
Herzogenrath/Merkstein, eingesetzt und wird im März 1940 Kompaniechef der 11.
Kompanie.
Mit Beginn der Kampfhandlungen gegen Frankreich stößt Schüttes Division über
Holland-Belgien-Valenciennes nach Frankreich vor. Während des Vormarsches
erstürmt seine Kompanie u.a. das Fort Marchovelette bei Namur.
Die Kapitulation Frankreichs erlebt Ludwig Schütte am 24.06.1940 in Semur bei
Dijon. Für seine erfolgreichen Kämpfe in Frankreich erhielt Schütte beide
Eisernen Kreuze.
Von Juli bis Oktober 1940 wird er als Stadtkommandant von Lemvik/Dänemark
eingesetzt und übernimmt weiterhin den Küstenschutz an der Nordsee im
betreffenden Raum. Es folgt die Versetzung auf den Truppenübungsplatz
Bergen-Hohne zur Aufstellung der 131. Infanterie-Division, wo er die 2.
Kompanie übernimmt.
Im April 1941 wird die Division an die polnisch-sowjetische Grenze, an den Bug,
verlegt und nimmt so am Einmarsch in die Sowjetunion teil. Nach schnellem
Vormarsch nimmt die Härte der Kämpfe ab Oktober zu. Trotz der gut
ausgebildeten und ausgerüsteten sibirischen Gegner, geht es über Alexin,
zwischen Kaluga und Tula bis südwestlich nach Serpuchow, nahe Moskau, wo am 06.12.1941 der
Vormarsch zum Stehen kommt und der Rückmarsch bis in die Gegend Roslawl
angetreten werden musste.
Am 01.03.1942 zum Hauptmann befördert, folgten schwere Wochen im
Stellungskrieg.
Im Sommer 1942 wird das Füsilier-Bataillon nach Rshew verlegt und nimmt dort
an der Erstürmung einer wichtigen Höhe teil. Dafür wird er am 26.12.1942 mit
dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet, nach bis dahin 7
Tapferkeitstaten.
Er wird dann zum Kommandeur des Divisions-Füsilier-Bataillons 131 ernannt und
erhielt als Major und Kommandeur des Divisions-Füsilier-Bataillons 131, der
131. Infanterie-Division, am 23.02.1944 das Ritterkreuz für das Halten des
Brückenkopfes Nowiki an der Luchessa gegen überlegene gegnerische Kräfte.
Ludwig Schütte legte dabei besonderen Wert darauf, daß er diese Auszeichnung nur
stellvertretend für seine Soldaten erhielt.
Ende Februar 1944 wird das Bataillon mittels Zug nach Kowel verlegt, um dort
an der Entsetzung einer Waffen-SS-Division teilzunehmen. Dabei bricht sich
Schütte ein Bein und wird nach Schwerin ins Lazarett gebracht.
Am 13.05.1944 heiratet er, nach seiner Genesung, während eines Bombenangriffes auf Bremen.
Nachdem er sich beim XI. Generalkommando zurückmeldet, wird er als
Taktiklehrer an die Offiziersschule nach Metz versetzt, bittet aber schon bald
um Rückversetzung zu seiner Division. Der Divisionskommandeur General
Meyer-Buerdorf, hatte ihn währenddessen bereits als Regimentskommandeur für
das Grenadier-Regiment 432 angefordert.
Nach der Beförderung zum Oberstleutnant am 01.09.1944 übernimmt er das Kommando über das
Grenadier-Regiment 432 seiner Division.
Nach einem kurzen Fronturlaub stößt er am 15.01.1945 auf sein Regiment, das
sich im Rückzug an der poln.-russ. Grenze befindet und einen Weg durch
Ostpreußen über Goldap, Gumbinnen, Allenstein, Sensburg und Rosenberg bis zum
Kurischen Haff einschlägt. Die Soldaten wurden dabei getrieben, durch ihren
Einsatz das Leben der flüchtenden Zivilbevölkerung zu schützen.
Am 25.03.1945 gerät er in Rosenberg am
Frischen Haff bei Heiligenbeil/Ostpreußen in russische Kriegsgefangenschaft.
Nach der Sammlung der Gefangenen im April 1945 in Ragnit bei Tilsit, in einem
riesigen Trakehner-Gestüt, werden die Soldaten per Zug nach Jelabuga an der
Kama (Lager 119/4), etwa 800 km östlich von Moskau, verbracht. Schütte wird
1946 in ein Gefängnis nach Kasan gebracht, wo er zunächst 10 Monate in
Einzelhaft und dann ein halbes Jahr in Gruppenhaft verbringen muss. Nach Aussagen von
früher Heimgekehrten wurde Schütte im Gefängnis von Kasan zu 20 Jahren Zwangsarbeit
verurteilt, nachdem er zunächst eine Todesstrafe erhielt, die aber aufgrund
der Aufhebung der Todesstrafe ausgesetzt wurde.
Im Oktober 1947 wird er in einer dreiwöchigen
Fahrt nach Workuta verlegt, wo er in einer Ziegelei bzw. in einem Bergwerk
schuften musste. Lutz Schütte konnte bereits am 26.12.1945 per Postkarte
seiner Frau ein erstes Lebenszeichen schicken, die am 07.02.1946 ankam. Alle 4
- 6 Wochen kamen Karten, bis sie ab dem 07.01.1947 ausblieben. Erst
am 04.06.1949 kam über das Deutsche Rote Kreuz die Nachricht, daß er zu 25
Jahren in Russland verurteilt und abtransportiert worden war.
Erst im Jahre 1951, nach über 4 Jahren erhält seine Familie ein
Lebenszeichen von ihm aus dem Lager Stalingrad (Nr.7362), wohin er zum Aufbau
der zerstörten Häuser verlegt wurde.
Im Sommer 1953 wird er über Moskau nach Swerdlowsk verlegt und kehrt dann am 13.10.1955 aus der Gefangenschaft in die Heimat
über Herleshausen nach Bremen, als einer der
letzten deutschen Kriegsgefangenen zurück.
Der Truppenarzt der 131. ID, bzw. des GR 432 schrieb 1950 in einer eidesstattlichen
Erklärung an das Deutsche Auswärtige Amt über Ludwig Schütte:
Hauptmann bzw. Oberstleutnant Schütte zeigte sich stets aufgeschlossen
gegenüber dem geringsten Schützen im Graben, ihn kennzeichneten große Güte,
ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, ein hohes Verantwortungsgefühl. Weiterhin
hielt er sich stets an strikteste Wahrung der Rechte der Soldaten wie auch der
Zivilbevölkerung. Gegenüber den Zivilisten seines Befehlsbereiches zeigte er
sich überaus hilfsbereit. Er wahrte deren Eigentums- und Lebensrechte auch
wenn er dadurch an anderen Stellen Unverständnis hervorrief. Mit großem Eifer
und Verantwortungsbewusstsein überwachte er die ärztliche Betreuung der
Zivilpersonen, so schaffte Schütte während einer Flecktyphus-Epidemie im
Frühjahr 1943 alle erdenklichen Vorraussetzungen für die Bekämpfung der
Krankheit. In Notzeiten beteiligte er die Bevölkerung an der
Truppenverpflegung. Die Bevölkerung brachte über Schütte nur Bewunderung und
Freundlichkeit zum Ausdruck. Auch die Behandlung der Gefangenen wurde von ihm
in christlicher Art und Weise und unter Beachtung der Menschenwürde
veranlasst.
Ludwig Schütte verstarb am 13.04.1993 in Hamburg.