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Ritterkreuzträger Dr. Hans Speidel
Generalmajor

Hans Speidel kam am 28. Oktober 1897 im württembergischen Metzingen als Sohn des Oberforstrats Professor Dr. Emil Speidel (1859-1938) zur Welt, den soldatischen Einschlag verkörperte in dieser Familie von schwäbischen Beamten und Forstleuten Hans Speidels Onkel, der schweizerische General Herzog (1819-1894), nach dem der spätere deutsche General den Vornamen Hans bekam.
Als im August 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, meldete sich Hans Speidel wie Hunderttausende junger Deutscher als Kriegsfreiwilliger und trat am 30. 11. 1914 nach einem Notabitur als Fahnenjunker beim Grenadierregiment König Karl (5.Württembergisches) Nr.123 ein, in dem im Jahr zuvor schon sein Bruder Helm (Wilhelm) die Offizierslaufbahn begonnen hatte.
Als Fahnenjunker-Unteroffizier war Hans Speidel im April 1915 in den Argonnen eingesetzt und machte dort ein Dreivierteljahr lang die für diesen Frontabschnitt charakteristischen Wald-, Graben- und Sappenkämpfe mit.
Im November 1915 wurde der gerade achtzehnjährige Kriegsfreiwillige zum Leutnant befördert und im weiteren Verlauf des Krieges als Zug- und Kompanieführer, als Bataillons- und Regimentsadjutant eingesetzt. Er kämpfte in Flandern, an der Somme und bei Cambrai und wurde mit beiden Eisernen Kreuzen und der Goldenen Württembergischen Militärverdienstmedaille ausgezeichnet. Zu seinen engeren Kriegskameraden gehörten u.a. der spätere Oberst, Ritterkreuzträger und Bundesminister Eberhard Wildermuth (1890-1952), Jona von Ustinow (der Vater des heute weltbekannten Schriftstellers und Schauspielers Peter Ustinow), der spätere württembergische Minister Oskar Farny und der Verleger Bechtle.
Nach Kriegsende blieb Leutnant Speidel Berufssoldat und wurde im Spätsommer als Ordonnanzoffizier beim Reichswehr-Infanterieregiment 13 eingesetzt, wo er erstmals seinem späteren Oberbefehlshaber Erwin Rommel begegnete, der dort acht Jahre lang als Chef der 14. Kompanie Dienst tat.
Bereits 1920 bestand Speidel die "Wehrkreisprüfung", der sich in der Reichswehr alle jungen Offiziere unterziehen mussten, nachdem sie bereits praktische Erfahrungen in der Truppen- und Menschenführung gewonnen hatten. Dabei ergaben sich Beurteilungsgrundlagen für die Weiterbildung der Bestqualifizierten in den "Offizierslehrgängen Berlin", die an die Stelle der Kriegsakademie getreten waren und zum Ziel hatten, Gehilfen der höheren Truppenführer und des Reichswehrministeriums (d. h. für den Generalstabsdienst) heranzubilden. Nach bestandener Wehrkreisprüfung nahm Leutnant Speidel an der Führergehilfenausbildung beim Stuttgarter Wehrkreis V teil, an dessen Spitze damals Generalleutnant Walther Reinhardt (1872-1930) stand, der letzte preußische Kriegsminister und erste Chef der Heeresleitung nach dem Krieg.
In den nächsten Jahren tat Speidel wieder bei der 7. Kompanie des IR 13 in Ludwigsburg Truppendienst, wo der Pour-le-Merite-Träger und spätere Ozeanflieger Hauptmann Hermann Köhl (1888-1938) sein Kompaniechef war.
In den Jahren 1923/24 bekam er Gelegenheit, in Berlin, Tübingen und Stuttgart Geschichte und Volkswirtschaft zu studieren, um schließlich am 14. 2.1925 mit einer militärpolitischen Arbeit "magna cum laude" (Bestnote) zum Doktor der Philosophie zu promovieren. Das war damals für einen aktiven Reichswehroffizier etwas ganz Besonderes und unterstreicht die hohe geistige Qualifikation des späteren Generals. Bald darauf - am 01.04.1925 - wurde Dr. Speidel nach fast zehnjähriger Leutnantszeit zum Oberleutnant befördert.
Das Jahr 1929 brachte Dr. Speidel ein Kommando zum Reichswehrministerium nach Berlin, hier absolvierte er das dritte Jahr seiner Generalstabsausbildung, sein Taktiklehrer war Major i. G. (im Generalstab) Hans Reinhardt, der spätere Generaloberst und Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte (1891-1963), Kriegsgeschichte lehrte der spätere Generalfeldmarschall und damalige Major i. G. Walter Model (1891 bis 1945), den Abschluss des Lehrgangs bildete für Oberleutnant Dr. Speidel eine längere Frankreichreise zu Sprachstudien, am 1.10.1930 wurde ihm eine Generalstabsstelle in der Abteilung "Fremde Heere West" des Truppenamtes (vergleichbar mit dem früheren Generalstab) übertragen, Chef dieses wichtigen Amtes - und damit inoffizieller Generalstabschef der Reichswehr - war damals Generalleutnant Wilhelm Adam, Speidel beschäftigte sich auch mit militärwissenschaftlichen Arbeiten, so z. B. mit dem Buch "Au fil de l'Apee" des französischen Majors de Gaulle, bei dem es um die Bedeutung der modernen Panzerwaffe ging, am 1. 2.1932 im Alter von fast fünfunddreißig Jahren wurde Dr. Speidel zum Hauptmann befördert, im September 1932 war er bei den Reichswehr-Herbstübungen an der Oder dem sowjetischen Marschall Tuchatschewski (1893-1937) als Begleiter zugeteilt worden, der als Siebenundzwanzigjähriger die Rote Armee erfolgreich gegen Polen kommandiert hatte und 1937 mit Tausenden anderer Offiziere dem Stalinschen Terror zum Opfer gefallen war.
1933 machte Dr. Speidel bei der Verkehrsfliegerschule Braunschweig eine Ausbildung als Flugzeugbeobachter mit, ehe er am 1. 10. 1933 als Gehilfe des deutschen Militärattaches nach Paris versetzt wurde, dort lernte er u. a. den österreichischen Militärattache Oberst Dr. jur. Lothar Rendulic (1887-1971) kennen, der seine soldatische Laufbahn als Generaloberst der deutschen Wehrmacht und Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Süd in Österreich beendete, 1935/36 war für Speidel wieder einmal ein Truppenkommando als Kompaniechef und Bataillonsführer im Infanterieregiment 56 in Ulm und damit die Beförderung zum Major fällig, danach kehrte er als Major i. G. nach Berlin zurück und übernahm unter dem nunmehrigen Generalstabschef, General der Artillerie Beck, die Leitung der Abteilung "Fremde Heere West", aus dieser Dienstfunktion ergab sich u.a., daß er in der Zeit vom 16. bis 20. 6.1937 seinen Chef bei einem Parisbesuch begleitete und dort an Gesprächen mit dem Generalinspekteur des französischen Heeres und späteren Oberkommandieren im Jahre 1940, General Maurice Gamelin (1872-1958), und Marschall Philippe Petain, dem Sieger vor Verdun im Jahre 1916, teilnahm.
Am 10. 10.1937 wurde Dr. Speidel als 1.Generalstabsoffizier (la) zur 33. Division nach Mannheim versetzt, im Juli 1938 unternahm er eine Spanienreise, die als Vorbereitung für den Einsatz als Militärattache in Madrid ab 1. 9.1939 gedacht war, dazu kam es nicht, denn inzwischen brach der Zweite Weltkrieg aus, und Dr. Speidel erhielt am 6. 10. 1939 eine Mob.-(Mobilmachungs-)Verwendung als 1. Generalstabsoffizier beim IX. Korps unter seinem ehemaligen Ludwigsburger Bataillonskommandeur, General der Infanterie Hermann Geyer (1882-1946), im Stab der Heeresgruppe B unter Generaloberst von Bock nahm er an den Angriffsoperationen gegen die französische Hauptstadt Paris teil und wurde dann am 14. 6. 1940 als Oberstleutnant Generalstabschef des Militärbefehlshabers Paris, General der Artillerie Alfred von Vollard-Bockelberg, das brachte es mit sich, daß er im Sommer 1940 auch Hitler und dessen Gefolge beim Parisbesuch begleitete, anschließend wurde er Chef des Stabes beim Militärbefehlshaber Frankreich, General der Infanterie Streccius (gestorben am 26. 10.1944 bei einem Luftangriff auf Hannover), am 1. 1. 1941 wurde Dr. Speidel Oberst, in dieser Zeit begegnete er seinem Landsmann und Freund, dem Pour-le-Merite-Ritter und Dichter Ernst Jünger wieder, der als Kompaniechef bei der Wathtruppe Dienst tat.
Im März 1942 wurde Dr. Speidel als Chef des Stabes seines heimischen V. Armeekorps an die Ostfront versetzt, auf der Anreise traf er sich mit seinem ehemaligen Chef, Generaloberst Beck, dem er sich zeitlebens persönlich und in seiner Grundeinstellung verbunden fühlte, im Führerhauptquartier Rastenburg wurde er in seine neuen Aufgaben durch den Generalstabschef, Generaloberst Halder, eingewiesen und begegnete dort seinen alten Lehrgangskameraden Heusinger, Matzky und Ziwhlberg, seine Einsätze führten ihn über den Don, durch die Kosakensteppe bis in den Kaukasus.
Vom 20. Oktober 1942 bis 1. Januar 1943 erfüllte Dr. Speidel als Generalmajor einen Sonderauftrag als Chef des Stabes bei der 8. italienischen Armee unter Generaloberst Gariboldi (t 1944), der die Aufgabe zugedacht war, während der Winterkrise 1943 den sowjetischen Vormarsch zwischen Kamensk, Millerowo und dem Don-Knie aufzuhalten, als Generalleutnant wurde Dr. Speidel Chef des Stabes der 8. Armee unter General der Infanterie Otto Wöhler, in dieser Funktion wurde er für seine Leistungen am 1.4.1944 mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet, zu dieser Zeit kam es auch zu ersten Kontakten mit der militärischen Widerstandsbewegung gegen Hitler, als die Generale Stieff und von Treskow General Wöhler und dessen Stabschef über die einschlägigen Planungen und Attentatsversuche unterrichteten.
Am 14. 4. 1944 ging Generalleutnant Dr. Speidel als Chef des Stabes der Heeresgruppe B nach Frankreich, sein ehemaliger Regimentskamerad, Generalfeldmarschall Erwin Rommel, hatte ihn hierfür persönlich angefordert, zuvor hatte ihn Hitler selbst auf dem Obersalzberg in die Lage auf dem westlichen Kriegsschauplatz eingewiesen, unterschiedliche Beurteilungen über die Invasionsschwerpunkte, der Ausfall Rommels durch Verwundung und die unaufhaltsamen Fortschritte der alliierten Invasion führten dazu, Speidels Maßnahmen bis in die Gegenwart harter Kritik (z. B. durch den Engländer David Irving) auszusetzen, man sollte aber bei all diesen Diskussionen nicht die hoffnungslose Überlegenheit der Alliierten zu Wasser, zu Lande und in der Luft aus den Augen verlieren und die Gebundenheit der deutschen Befehlshaber an der Invasionsfront an die frontfernen Entscheidungen aus dem Führerhauptquartier, hinzu kamen der dreimalige Wechsel im Oberkommando West während der Monate Juni bis September 1944 (von Rundstedt, Kluge, Model) und die auch auf das höhere deutsche Offizierskorps im Westen ausstrahlenden Ereignisse um den 20. Juli 1944 (Attentat auf Hitler und Putschversuch der militärischen Widerstandsbewegung), dieser Bewegung stand auch Generalleutnant Dr. Speidel als ehemaliger enger Mitarbeiter des Generalobersten Beck nahe und es hat darüber gewiss auch unter vier Augen so manches offene Gespräch zwischen Generalfeldmarschall Rommel und seinem Stabschef gegeben, andere Gespräche über die Situation Deutschlands nach Hitler führte Generalleutnant Dr. Speidel am 27. 5. 1944 während eines Urlaubs in Freudenstadt mit dem ehemaligen Reichsaußenminister Freiherr von Neurath (1873-1956) und dem Stuttgarter Oberbürgermeister Dr. Karl Ströhn (1890 bis 1963).
Bei solchen und ähnlichen Unterhaltungen mit hohen, in Frankreich eingesetzten Militärs ging es u. a. um Möglichkeiten einer Beendigung des Krieges im Westen und um Erwägungen, Rommel dazu zu bewegen, sich für eine Berufung zum Oberbefehlshaber der Wehrmacht und Staatsoberhaupt bereitzuhalten.
Am 18.8.1944 schied der ins Führerhauptquartier zur Rechtfertigung befohlene Generalfeldmarschall von Kluge durch Gift aus dem Leben, nachdem zwei Tage zuvor ohne Vorankündigung Generalfeldmarschall Model als Kluges Nachfolger im Westen aufgetaucht war und zugleich auch Rommels bisherige Funktionen übernommen hatte, am 4.9.1944 wurde Dr. Speidel in die "Führerreserve" versetzt und durch Generalleutnant Hans Krebs (1889-1945) abgelöst, am 6. 9. 1944 gab es noch ein letztes Wiedersehen zwischen Dr. Speidel und Generalfeldmarschall Rommel, der am 14.10.1944 zum Gifttod gezwungen wurde, schon am nächsten Morgen tauchten in aller Frühe die Häscher der Geheimen Staatspolizei um sechs Uhr bei Speidel auf und nahmen ihn als Mitwisser der Verschwörung gegen Hitler in Haft, er landete in einer Kellerzelle der Gestapozentrale in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße und musste mehrfach stundenlange Verhöre durch den Chef des Reichssicherheitshauptamtes Dr. Ernst Kaltenbrunner (1903-1946) und Gestapochef Heinrich Müller über sich ergehen lassen, aber Speidel hatte auch nicht minder prominente Fürsprecher, zu ihnen gehörte auch der Generaloberst der Waffen-SS, Sepp Dietrich.
Im sogenannten Ehrenhof waren es Generaloberst Guderian sowie die Generäle Kirchheim (1882-1973) und Kriebel, die am 4.10.1944 Dr. Speidels Ausstoßung aus der Wehrmacht und damit seine Auslieferung an die Freislersche Blutjustiz - gegen die Stimmen des Generalfeldmarschalls Keitel und des Generals Specht (1894-1953, gestorben in sowjetischer Kriegsgefangenschaft) - verhinderten, statt dessen wurden ihm zunächst die Festung Küstrin und zuletzt das Kloster Hersberg bei Immenstadt als Zwangsaufenthalt zugewiesen, hier wurde General Speidel schließlich im Frühjahr 1945 - zusammen mit dem holländischen Generalleutnant van Roell - durch französische Truppen unter General Bathouard befreit.
Später holte ihn Bundeskanzler Dr. Adenauer als seinen militärischen Berater nach Bonn, wo er 1951 in das "Amt Blank" eintrat, noch als Zivilist war er deutscher Chefdelegierter bei den Verhandlungen in einem deutschen Verteidigungsbeitrag im Rahmen der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (EVG) und später der NATO, am 12. 11. 1955 wurde Dr. Speidel dann als Generalleutnant der Bundeswehr offiziell reaktiviert, er fand zunächst Verwendung als Chef der "Abteilung Streitkräfte" im Bundesverteidigungsministerium, bis er am 1.4.1957 als Nachfolger des britischen Feldmarschalls Montgomery und der französischen Generale de Lattre, de Tassigny und Carpentier zum Oberbefehlshaber der Verbündeten Landstreitkräfte Europa-Mitte (Comlandcent) mit Sitz in Fontainebleau berufen wurde, damit unterstanden ihm auch Truppen der einstigen Kriegsgegner Deutschlands von der Schweizer bis zur dänischen Grenze, während dieses Kommandos, das von seinem Inhaber nicht nur militärische, sondern auch in besonderem Maße diplomatische und psychologische Fähigkeiten verlangte, wurde Dr. Speidel am 14. 6.1957 zum "Vier-Sterne-General" befördert, er blieb auch noch über die für Bundeswehrgenerale vorgesehene Altersgrenze von sechzig Jahren bis zum 30. 9. 1963 in diesem hohen Amt, Dr. Speidel starb am 28. 11. 1984 in Bad Honeff.

EHRE SEINEM ANDENKEN - GOTT GEBE IHM DIE LETZTE RUHE

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