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Ritterkreuzträger Carl-Heinrich von Stülpnagel
General der Infanterie

In der Uckermark, dem nördlichsten Teil von Brandenburg, waren einige der bekanntesten Familien des brandenburg-preußischen Adels als Gutsbesitzer ansässig, deren Namen jahrhundertelang in der deutschen Wehrgeschichte immer wieder eine beachtliche Rolle spielten. Als Beispiele wären die Arnims, die Holtzendorffs und die Stülpnagels zu nennen.
So ergab es sich, daß von dem weitverzweigten, zum uckermärkischen Uradel zählenden Geschlecht derer von Stülpnagel (bereits 1321 zum ersten Mal urkundlich erwähnt) allein in den Jahren zwischen 1920 und 1945 nicht weniger als fünf mehr oder weniger eng verwandte Angehörige einer Generation es bis zum General brachten - davon vier bis zum General der Infanterie, einem Dienstgrad, der dem heutigen sogenannten "Drei-Sterne-General" der Bundeswehr entspricht.
Der älteste dieser Generale namens Stülpnagel ist Edwin von Stülpnagel (1876-1933), der sich im I. Weltkrieg als Generalstabsoffizier von Divisionen und Korps und zuletzt in der Obersten Heeresleitung so hervortat, daß ihm für seine Verdienste der höchste preußische Kriegsorden für Offiziere, der Pour le Merite, verliehen wurde. Seinen Dienst in der Reichswehr beendete er 1931 als Befehlshaber im Wehrkreis IV (Dresden).
Edwins jüngerer Bruder Otto von Stülpnagel (1878-1948) begann gleich ihm seine soldatische Laufbahn im Berliner 2. Garde-Regiment zu Fuß, war in der Reichswehr zuletzt als Generalleutnant Inspekteur der Verkehrstruppen tätig. Bis er 1935 in die wiederentstandene Luftwaffe übernommen und als General der Flieger zum ersten Kommandeur der Luftkriegsakademie ernannt wurde. 1940 kehrte er als General der Infanterie zum Heer zurück, um erster Militärbefehlshaber in Frankreich zu werden, bis ihn sein Vetter Carl-Heinrich in dieser Position ablöste. Er beendete sein Leben am 6. 2. 1948 in einem Pariser Gefängnis durch Freitod.
Carl-Heinrich von Stülpnagel (1886-1944), Sohn und Enkel preußischer Generale, starb ebenfalls keines natürlichen Todes, er wurde am 30. 8. 1944 als aktiver Teilnehmer der Verschwörung gegen Hitler hingerichtet.
Das Kriegsende überlebte General der Infanterie Joachim von Stülpnagel (1880 bis 1968), ein Angehöriger der Grünberger Linie der Stülpnagels, der den Ersten Weltkrieg als Leiter der Operationsabteilung in der Obersten Heeresleitung unter Hindenburg und Groener beendete und in der Reichswehr einer der engsten Mitarbeiter des Generals von Seeckt war. Zuletzt war er Kommandeur der 3. Division und Befehlshaber im Wehrkreis III (Berlin) und nach seiner Pensionierung am 31. 12. 1931 Mitglied der Verlagsleitung der "Berliner Börsenzeitung". Nach dem 20. Juli 1944 wurde der als "politisch unzuverlässig" geltende General verhaftet und nach der Hinrichtung seines Vetters Carl-Heinrich mehrere Monate lang in KZ-Haft festgehalten.
In die Wehrmachtshaftanstalt Küstrin eingesperrt wurde damals der fünfte und jüngste General mit Namen Stülpnagel, der Generalmajor Siegfried von Stülpnagel (geboren 1891), ein jüngerer Bruder Joachims, der seine soldatische Laufbahn - wie Hindenburg Vater und Sohn, der spätere Generalfeldmarschall und Hindenburg-Neffe von Manstein, der Generaloberst und Chef der Heeresleitung von Hammerstein-Equordt und Hitlers Vorgänger als Reichskanzler, General Kurt von Schleicher - im 3. Garde-Regiment zu Fuß begonnen hatte.
Der am 02. Januar 1886 als Sohn des preußischen Generalleutnants Carl-Friedrich von Stülpnagel in Berlin geborene spätere General der Infanterie Carl-Heinrich von Stülpnagel wuchs im hessischen Frankfurt auf. Zu seinen Vorfahren mütterlicherseits gehörte der im deutsch-französischen Krieg von 1870/71 als Führer einer Heeresabteilung bekannt gewordene bayerische General Ludwig Freiherr von und zu der Tann-Rathsamhausen (1815-1881).
Der junge Stülpnagel, dessen Tonfall zeitlebens den hessischen Anklang nicht verlor, folgte der soldatischen Familientradition, indem er nach dem Abitur an einem Frankfurter Gymnasium und einem kurzen Studienaufenthalt in Genf am 1. Oktober 1904 als Fahnenjunker beim Leibgarde-Infanterieregiment (l. Großherzoglich Hessisches) Nr. 115 in Darmstadt eintrat. Hier wurde er am 27. 1. 1906, dem Geburtstag Kaiser Wilhelms II. - mit Vorpatentierung auf den 21. 7. 1904 -, zum Leutnant befördert.
Während des Kommandos zur Kriegsakademie erfolgte am 19. 7. 1913 seine Beförderung zum Oberleutnant, als solcher zog er im August 1914 mit seinem Regiment in den Ersten Weltkrieg. In vier Kriegsjahren bewährte er sich gleichermaßen als Truppenführer - z.B. als Bataillonskommandeur vor Verdun - wie im Generalstabsdienst. Der 32jährige Hauptmann (seit 27. 1. 1915) trug bei Kriegsende 1918 neben dem Verwundetenabzeichen nicht weniger als acht deutsche, bulgarische und österreichische Kriegsauszeichnungen, darunter das Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern - eine damals ziemlich seltene Auszeichnung, die etwa dem Deutschen Kreuz in Gold des II. Weltkrieges entsprach und als Vorstufe zum Pour le M6rite galt.
Der hochqualifizierte Offizier wurde in die Reichswehr übernommen und stieg dort im üblichen Wechsel zwischen Truppen- und Stabsdienst schon vor dem II. Weltkrieg als Oberquartiermeister II bis in die Spitze des deutschen Generalstabes auf.
1923 gehörte er dem Stab des Infanterieführers VI in Hannover an, 1924 wurde er Chef der 5. Kompanie des 3. (Preußischen) Infanterieregiments in Deutsch-Eylau/Ostpreußen und erhielt am 1. 4. 1925 im gleichen Regiment die Beförderung zum Major.
Das folgende Jahr 1926 brachte ihm eine Versetzung in die Berliner Kommandozentrale der Reichswehr, wo er in der Heeres-Organisationsabteilung (T 2) des Truppenamtes (= Generalstab) Dienst tat. Zugleich mit ihm wirkte dort eine ganze Reihe weiterer Offiziere, denen Karrieren in der Wehrmacht bevorstanden. Da gab es die Majore Wilhelm Keitel (später Generalfeldmarschall und Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, 1882-1946) und Hans von Obstfelder (1886-1976), der schließlich - ebenso wie Stülpnagel - als General der Infanterie eine Armee führte. Dazu kamen die seinerzeitigen Hauptleute Walther Graeßner (1891 bis 1943; zuletzt General der Infanterie und Kommandierender General eines Armeekorps), Georg von Sodenstern (18891955; zuletzt General der Infanterie und Armee-Oberbefehlshaber), der spätere Luftwaffen-Generalfeldmarschall Hugo Sperrle (1885 bis 1953) sowie Walter Warlimont (geboren 1894; bei Kriegsende als General der Artillerie stellvertretender Chef des Wehrmacht-Führungsstabes).
Anschließend kehrte Major von Stülpnagel wieder in die Provinz zurück. In Westfalens Hauptstadt Münster gehörte er dem Stab der 6. Division (Wehrkreiskommando VI) an, wo der spätere Luftwaffengeneral Edmund Wachenfeld (1878-1958) als Oberst und Chef des Stabes sein unmittelbarer Vorgesetzter war. Unter den jüngsten Offizieren dieses Stabes wäre der seinerzeitige Kurt Zeitzler (1895-1963) besonders erwähnenswert, der 1944 Nachfolger des Generalobersten Franz Halder (1884-1972) als Chef des Heeres-Generalstabes wurde.
Nach der Beförderung zum Oberstleutnant (l. 2. 1930) wurde Stülpnagel im folgenden Jahr Kommandeur des II. Bataillons des IR 5 in Neuruppin, es folgten eine Verwendung im Stab des 7. (Preußischen) Reiterregiments in Breslau und die Beförderung zum Oberst (l. 12. 193 2).
Nach der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht und der damit verbundenen wesentlichen Erhöhung der Heeresstärke folgten die nächsten Beförderungen des Obersten von Stülpnagel ziemlich schnell aufeinander.
In dem nun offiziell wieder in Generalstab des Heeres umbenannten Truppenamt des Hunderttausend-Mann-Heeres der Reichswehr wurde Stülpnagel, der am 1. 10. 1935 mit der Beförderung zum Generalmajor in die Generalität aufrückte, zu einem der wichtigsten Mitarbeiter des Generalstabschefs Beck, dem er auch in seiner politischen Einstellung gegenüber dem Nationalsozialismus sehr nahe stand.
Schon zwei Jahre später avancierte er zum Generalleutnant und wurde am 1. 3. 1938 zum Oberquartiermeister (OQ) II im Generalstab des Heeres ernannt, diese Funktion behielt er auch bei, nachdem am 1.11.1938 General der Artillerie Franz Halder an die Stelle des auf eigenen Wunsch abgelösten Generalobersten Beck getreten war.
Bereits 1938 gehörte Stülpnagel - neben Beck, Halder, Hoeppner und Canaris - zu jener Generalsgruppe einer frühen Anti-Hitler-Verschwörung, die mit dem Gedanken spielte, Hoepners 1. leichte Division von Thüringen nach Berlin marschieren und Hitler bei der Rückkehr vom Nürnberger Reichsparteitag festsetzen zu lassen. Aber die Ankündigung eines Besuches des britischen Premierministers Neville Chamberlain (1869-1940) bei Hitler auf dem Obersalzberg für den 15. 9. 1938, das Münchener Vier-Mächte-Abkommen vom 29./30. 9. 1938 und der sich daraus ergebende friedliche Anschluss des Sudetenlandes an das Deutsche Reich entzogen den konspirativen Plänen der Verschwörer die politische, moralische und psychologische Grundlage.
Nach dem schnellen deutschen Sieg in Polen, der abermals die vorherigen militärischen Bedenken eindrucksvoll widerlegte und Hitlers Vorstellungen recht gab, war Stülpnagel einer jener Generale der Zossener Heereszentrale, die immer wieder vor der Aussichtslosigkeit eines deutschen Angriffskrieges im Westen warnten.
Im Herbst 1939 brachte er - nun schon als Oberquartiermeister I und General der Infanterie - seine Auffassung in einer eigenen Denkschrift zum Ausdruck. Im engeren Kreise um Brauchitsch und Halder vertrat er sogar die Meinung, man solle Hitler wegen der Weiterführung des Krieges überhaupt nicht mehr befragen und sein Regime notfalls unter bewaffnetem Druck beseitigen, zu so weitgehenden Konsequenzen konnten sich jedoch Brauchitsch und Halder nicht entschließen und der Ausgang des Westfeldzuges gab wiederum dem militärischen Laien Hitler und nicht den Fachleuten mit Generalstabsschulung recht.
Am 30. 5. 1940 übernahm General von Stülpnagel vorübergehend den Befehl über das II. Armeekorps, bis er am 21. 6. 1940 zum Vorsitzenden der in Wiesbaden etablierten Waffenstillstandskommission für Frankreich berufen wurde, da er nicht nur militärisch, sondern auch politisch besser versiert war als die meisten anderen Generale.
Sein Nachfolger als Oberquartiermeister I wurde nunmehr Generalmajor Friedrich Paulus, der spätere Oberbefehlshaber der im Januar 1943 untergegangenen Stalingrad-Armee. Ihm fiel damit vor allem die Aufgabe zu, die Aufmarschpläne für das gegen die Sowjetunion gerichtete "Unternehmen-Barbarossa" zu bearbeiten.
Weil Stülpnagel jedoch als zu "franzosenfreundlich" und nicht hart genug bei der Durchsetzung der deutschen Interessen galt, wurde er schon ein halbes Jahr später vom Vorsitz der Waffenstillstandskommission entbunden und zum Oberbefehlshaber der inzwischen neu aufgestellten 17. Armee bestimmt, die er während der ersten Monate des Russlandkrieges bis zum 25. 11. 1941 mit beachtlichem Erfolg führte. Ihre 14 Infanteriedivisionen gehörten zur Heeresgruppe Süd unter Generalfeldmarschall von Rundstedt, der die Eroberung der Ukraine als operatives Ziel gesetzt war. Stülpnagels Truppen mussten zunächst die sowjetischen Bunkerlinien vor Lemberg und Przemysl überwinden, ehe sie Ende Oktober 1941 schließlich den Donez südlich Charkow erreichten.
Am 21. 8. 1941 war dem Oberbefehlshaber der 17. Armee bereits das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen worden.
Die herbstliche Schlammperiode stoppte im Abschnitt der 17. Armee ebenso wie an der ganzen Ostfront zunächst die weiteren deutschen Angriffsoperationen. Hitlers Enttäuschung darüber, daß sich im Kampf gegen die Sowjetunion die Blitzsiege in Polen, im Westen und auf dem Balkan nicht wiederholten und die auf den russischen Winter völlig unzureichend vorbereiteten deutschen Truppen empfindliche Verluste und sogar Rückschläge hinnehmen mussten, kostete auch Stülpnagel am 25. 11. 1941 sein Kommando über die 17. Armee. Wie er wurden damals auch die Generalfeldmarschälle von Brauchitsch und von Rundstedt sowie die Generalobersten Guderian und Hoepner abgelöst und darüber hinaus zahlreiche Kommandierende Generale und Divisionskommandeure in die Heimat zurückbeordert.
Am 13.2.1942 löste General Carl-Heinrich von Stülpnagel in Paris seinen Vetter, den früheren General der Flieger und nunmehrigen General der Infanterie Otto von Stülpnagel, als Militärbefehlshaber Frankreich ab. Hier wirkte er nun fast zweieinhalb Jahre als souveräne, auch von vielen Franzosen geschätzte Persönlichkeit an der Spitze eines ihm treu ergebenen Stabes bis zum 20. 7. 1944.
Zu diesem Stab gehörte u. a. der berühmte Schriftsteller und mit dem Pour le Merite ausgezeichnete Stoßtruppführer des I. Weltkrieges Hauptmann d.R. Ernst Jünger (geboren 1895). Hier in Paris entstand in den Jahren 1943/44 Ernst Jüngers Friedensmanifest, das im Hinblick auf eine damals erwartete politische Krise in Deutschland und allen von der deutschen Wehrmacht besetzten Ländern in Massenauflage verbreitet werden sollte. Diese "Friedensschrift" war als Aufruf an die Völker Europas - vor allem an die europäische Jugend - zum Frieden und zur Versöhnung gedacht, als eine Absage an Nationalismus und Rassendünkel, als ein Bekenntnis zu den Idealen menschlicher Freiheit, Toleranz und sozialer Gerechtigkeit. Das Verfassen und Diskutieren einer solchen Schrift oder gar ihre Verbreitung waren unter den damaligen Verhältnissen bereits strafwürdiger Hochverrat - ebenso wie die vielen konspirativen Gespräche im stülpnagelschen Stab, die auf einen von Militärs getragenen, gewaltsamen politischen Wandel in Deutschland - eben den "Aufstand der Generale" - hinausliefen. Teilnehmer an diesen Gesprächen waren u. a. der mit Ernst Jünger befreundete Chef des Stabes beim Militärbefehlshaber Frankreich, Oberst Dr. Speidel - der spätere Rommel-Stabschef (ab 1944) und nachmalige NATO-Oberbefehlshaber Europa-Mitte -, sein Nachfolger Oberst i.G. Hans-Otfried von Linstow, der Oberquartiermeister West Oberst i.G. Eberhard Finckh sowie der Oberstleutnant d. R. Cäsar Freiherr von Hofacker, ein Schwager des Hitler-Attentäters Graf Stauffenberg und Sohn eines württembergischen Generals, unter dessen Kommando Rommel im I. Weltkrieg gekämpft hatte.
So war unter Stülpnagel Paris - neben Berlin und Wien - eines der wichtigsten Zentren des militärischen Widerstandes gegen Hitler und vorübergehend sogar das erfolgreichste. Hier gelang es nämlich am Abend des 20. Juli 1944 Stoßtrupps des Pariser Wachregiments, insgesamt 1200 Angehörige des Sicherheitsdienstes der SS (SD) und der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) mit dem Höheren SS- und Polizeiführer Frankreich, SS-Gruppenführer Karl Oberg und dem obersten SD-Führer von Paris, SS-Standartenführer Dr. Knochen, an der Spitze zu überrumpeln und eine halbe Nacht lang festzusetzen.
Aber schließlich war der "Generalputsch" in Paris ebenso zum Scheitern verurteilt wie in Berlin, Wien und anderswo. Unter diesen Umständen hatte der damalige Oberbefehlshaber West, Generalfeldmarschall von Kluge, der an sich mit den Verschwörern sympathisierte und von ihrem Vorhaben wusste, nach dem Bekanntwerden des misslungenen Attentats auf Hitler keine Neigung mehr, sich dem Putsch anzuschließen, obwohl Stülpnagel ihn noch am Abend des 20.Juli in seinem Hauptquartier, dem Schloss von La Roche-Guyon, persönlich aufsuchte, um ihn zum offiziellen Anschluss an die Verschwörung zu bewegen. Vielmehr erklärte er Stülpnagel seines Dienstes für enthoben und riet ihm, sich Zivil anzuziehen und unterzutauchen. Das tat der General jedoch nicht, sondern traf nach seiner Rückkehr nach Paris - unter Einschaltung von Botschafter Otto Abetz (1903-1958) - mit SS-Gruppenführer Oberg noch ein Übereinkommen, das diesem und seinen Männern die Freiheit wiedergab und die spektakuläre Massenverhaftungsaktion zu einer militärischen Alarmübung der Pariser Garnison erklärte. Dieses Abkommen bewahrte andererseits immerhin viele kleine Mitverschwörer, passive Mitwisser (wie z.B. Kluges Stabschef General Blummentritt) und ahnungslose Mitläufer (z.B. die Soldaten des Pariser Wachregiments) vor der bald einsetzenden gnadenlosen Verfolgung.
Anders sah es mit den führenden Männern der Pariser Widerstandsgruppe aus, der abgesetzte Militärbefehlshaber, General von Stülpnagel, erhielt vom Oberkommando der Wehrmacht (OKW) über Generalleutnant Blumentritt (1892-1967) fernschriftlich den Befehl, sich sofort nach Berlin "zur Berichterstattung" in Marsch zu setzen. Tatsächlich trat Stülpnagel in voller Uniform seine Berlinreise im Kraftwagen an, unterwegs ließ er bei Verdun, wo er im I. Weltkrieg mit Auszeichnung gekämpft hatte, anhalten und unternahm einen Selbstmordversuch, dabei schoss er sich ein Auge aus und verletzte das zweite so schwer, daß es entfernt werden musste. Nach 14tägigem Lazarettaufenthalt wurde der blinde General in Gestapohaft nach Berlin überführt. Vor dem "Volksgerichtshof" wurde ihm dort der Prozess gemacht, der erwartungsgemäß mit dem Todesurteil endete, das am 30. August 1944 durch Erhängen an einem Fleischerhaken vollstreckt wurde. Am gleichen Tag starben auch die Obersten Finckh und von Linstow von Henkershand.
Ebenfalls wurden von Stülpnagel sämtliche Auszeichnungen seiner militärischen Karriere aberkannt. Von daher wird er nach neuesten Forschungen auch in den Listen der Ritterkreuzträger nicht als "offizieller" Träger dieser Auszeichnung ausgewiesen. Es ist dennoch so, das man Carl-Heinrich von Stülpnagel de facto ganz eindeutig als Ritterkreuzträger bezeichnen muss. De jure allerdings wohl eher nicht. Er erhielt diese Auszeichnung durch das damalige Regime, aberkannt wurde diese durch das selbige. Allerdings mischen sich hier militärische und politische Gesichtspunkte.

Beförderungen

 

Auszeichnungen

Fahnenjunker 01.10.1904 Eisernes Kreuz II. Klasse - 1. WK ???
Fähnrich 18.05.1905 Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern ???
Leutnant 27.01.1906 m. Patent v. 21.07.1904 Eisernes Kreuz I. Klasse - 1. WK ???
Oberleutnant 19.07.1913 Ehrenkreuz für Frontkämpfer ???
Hauptmann 27.01.1915 Eisernes Kreuz II. Klasse 17.09.1939
Major 01.05.1925 Eisernes Kreuz I. Klasse 14.06.1940
Oberstleutnant 01.02.1930 Kriegsverdienstkreuz I. Klasse mit Schwertern ???
Oberst 01.12.1932 Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 21.08.1941
Generalmajor 01.10.1935 Deutsches Kreuz in Silber 14.02.1944
Generalleutnant 06.10.1937
General der Infanterie 20.04.1939

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