Ritterkreuzträger
Eberhard Thunert
Generalleutnant, Panzertruppe








Eberhard Thunert wurde am 23.11.1899 in Kulmsee bei Kulm in Westpreußen
als Sohn des Schulleiters Franz Thunert geboren und trat am 02.03.1918 als Fahnenjunker dem
8. (Pomm.) Infanterie-Regiment "von der Marwitz" Nr. 16 bei, wo er im
Ersatz-Bataillon in Thorn ausgebildet wurde. Von dort wechselt er am 07.06.1918
an die Front und erhält bei Monchy-Bapaume seine Feuertaufe. Anschließend zog
sich das Regiment auf die Siegfried-Stellung zurück. wo Thunert an den
Abwehrkämpfen teilnahm, die schließlich zum Rückzug auf die Hermann-Stellung
führten. Am 12.11.1918 kehrt das Regiment schlussendlich in die Garnison Thorn
zurück.
Nach Ende des Krieges wird Thunert am 27.03.1919 der 5. Kompanie des
Infanterie-Regiments 73 zugeteilt und kommt am 11.02.1920 in die 7. Kompanie des
Infanterie-Regiments 17.
Nach der Beförderung zum Leutnant, wird er in die 5. Kompanie des
Infanterie-Regiments 6 versetzt. Von dort erhält er vom 05.01. bis zum
15.05.1925 eine Kommandierung zu einem Nachrichten-Lehrgang, sowie zwei
Kommandierungen zu verschiedenen Einheiten, zur Aneignung von Spezialwissen. Am
02.06.1926 heiratete er Frau Wenka A. Ohlsen, die ihm insgesamt drei Kinder
gebar.
Nach der Beförderung zum Oberleutnant folgte ein Lehrgang für Fahrzeuge und
Ausrüstung und ein Schieß-Kurs vom 16.09. bis zum 19.10.1929. Dem schloss sich
vom 17.11.1920 bis zum 15.03.1931 ein KV-Lehrgang und schließlich eine
Wehrkreisprüfung an. Damit wurde er für eine Generalstabsausbildung angenommen,
womit er am 01.10.1933 die Kriegsakademie für zwei Jahre besuchte. Mit Ende der
Ausbildung kommt Thunert als Ib zur 12. Infanterie-Division in Schwerin und
wechselt dann am 12.10.1937 als Chef der 5. Kompanie zum Infanterie-Regiment 1
nach Königsberg. Zwar verblieb er nur kurz in einem Truppenkommando, doch
entwickelte er hier beste Fähigkeiten in der Truppenführung, bis er am
24.11.1938 als Ia in den Generalstab der 5. Panzer-Division wechselte. Andere
Quellen geben für die Versetzung als Ia den 10.11.1938 an.
Mit der 5. Panzer-Division nimmt er ab dem 01.09.1939 bis zum 27.09.1939 am Polen-Feldzug
teil und anschließend am West-Feldzug. Nach Ende der Kampfhandlungen im Westen
wird er am 20.09.1940 zum Ia beim XIV. Panzer-Korps unter Gustav von Wietersheim
ernannt, das zu dieser Zeit als Besatzungstruppe in Frankreich weilte. Zwischen
dem 18.01. und dem 01.03.1941 gehörte das Korps zur Lehrtruppe in Rumänien und
anschließend bis zum 07.04.1941 in Bulgarien. Das Korps gehörte dann während des
Balkan-Feldzuges zur Panzergruppe 1.
Nach der Kapitulation Jugoslawiens verlegte das Korps nach Kattowitz in
Oberschlesien und nimmt von dort an den Kämpfen der Heeresgruppe Süd gegen die
Sowjetunion teil. In den nächsten Monaten stößt das Korps über Lemberg, Tarnopol,
Shitomir, Kirovograd auf Novo-Moskovsk vor und muss im Dezember 1941 hinter den
Mius zurückgehen, um dort Abwehrstellungen zu beziehen. Am 06.10.1942 übernimmt
Thunert den Posten des Chefs des Generalstabes des Korps. Im Zuge der
Sommeroffensive greift das Korps dann entlang des Don in Richtung Stalingrad an,
kämpft erfolgreich im großen Don-Bogen. Am 21.08.1942 greifen die 76. und die
295. Infanterie-Division über den Don an, errichten Brückenköpfe und schufen so
die Vorraussetzungen für den Angriff auf Stalingrad. Die Koordination und die
Kontrolle über diesen Angriff erforderten höchste Erfahrung und beste
Fähigkeiten, die Thunert bot und bestätigte. Ganze zwei Tage später bricht das
Korps aus den Brückenköpfen aus und stößt auf die Wolga vor. Gegen 18.35 Uhr
erreichte die 16. Panzer-Division die Wolga. Zwei nachgeführte Mot-Division
kamen dabei jedoch zu spät zum Einsatz (drei Division wurden über zwei
Ponton-Brücken geführt), womit ein schneller Erfolg leider ausblieb. Dies sollte
sich später auf traurige Art rächen. Die 16. Panzer-Division wurde an der Wolga
zeitweise eingeschlossen. Zu dieser Zeit verlor das Korps täglich bis zu 500
Mann. Damit wurde von Wietersheim bei Paulus vorstellig. Er könne ausrechnen
wann sein letzter Mann fiel und es könne so nicht weiter gehen. Paulus antwortet
nur: "Befehligen Sie die 6. Armee, oder ich?".
Am 27.08.1942 griff der Gegner die Stellungen des Panzer-Korps an, dabei warf
ein Flugzeug eine Bombe in einem Bunker des Hauptquartiers. Neun Offiziere und
23 Unteroffiziere und Mannschaften wurden getötet. Thunert und von Wietersheim
wurden dabei nur leicht verwundet.
Am 30.08.1942 ging das Korps zum Angriff auf Stalingrad über und erreichte die
Vororte Rynok und Spartakovka. Am 15.09.1942 wurde von Wietersheim aufgrund
seiner Äußerungen über die Sinnlosigkeit die Stadt Stalingrad zu nehmen
abgelöst. Die Nachfolge trat General Hube an. Zuvor stießen am 18.09.1942 einige
russische Panzer durch die Linien der 60. ID (mot.), hinter der sich das
Hauptquartier des Korps befand. Schnell rafften die Soldaten persönliches Gut
und Dokumente zusammen und verließen fluchtartig den Befehlsstand. Die Panzer
wussten nicht wer ihnen da durch die Lappen ging und schossen einige Granaten
hinterher. Kurz darauf kehrten die deutschen Soldaten wieder zurück.
Dem Korps gelang es jedoch nie Rynok und Spartakovka zu nehmen und so hielt es
die Positionen die es erreicht hatte, auch nach der Einkesselung der 6. Armee.
Schwere Abwehrkämpfe hatte das Korps dabei nicht zu bestehen, dennoch gab es
Angriffe und Gegenangriffe, wobei das Korps sämtliche mobilen Teile an andere
Korps abgeben musste.
Anfang des Jahres 1943 erhielt Thunert den Befehl ausgeflogen zu werden,
zusammen mit dem Kriegstagebuch des Korps und persönlicher Aufzeichnungen
verließ er am 13.01.1943 den Kessel Stalingrad. Der Befehl kam von der
Heeresgruppe Don, damit Thunert außerhalb des Kessels Nachschubprobleme lösen
sollte. Das Oberkommando des Heeres verbot ihm gleichzeitig in den Kessel
zurückzukehren. Zusammen mit ihm im Flugzeug befand sich der 01 der 6. Armee,
Hauptmann
Winrich Behr. Er nahm das Kriegstagebuch der 6. Armee mit sich und hatte den
Auftrag bei Hitler die Situation in Stalingrad zu erklären.
Ausgeflogen wird Thunert zunächst in die Führer-Reserve versetzt und für seine
Tatkraft in Stalingrad mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet. Am
10.02.1943 wird er erneut zum Chef des Stabes des im Raum Dnjepropetrwosk neu
aufgestellten XIV. Panzer-Korps ernannt, bevor es über Frankreich nach Italien
verlegt wurde.
Am 20.07.1943 bis zum 10.08.1943 erneut in die Führer-Reserve versetzt, übernahm
er dann den Posten des Chefs des Generalstabes des LVIII. Reserve-Panzer-Korps
im Raum Rambouillet/Frankreich unter dem General der Panzertruppe Walter Krüger.
Nachdem Thunert vom 12.02. bis zum 18.03.1944 wieder der Führer-Reserve
überstellt wurde, kehrt er als Chef des Stabes zum Korps zurück, mit dem
er am 20.03.1944 nach Ungarn verlegt wird und am Unternehmen "Margarete"
teilnimmt. Am 08.04.1944 kehrt es dann wieder nach Frankreich zurück.
Nach der Invasion der Alliierten am 06.06.1944 wird das Korps zunächst gegen
Partisanen im Raum Toulouse eingesetzt. Sechs Tage später wird Thunert zum
Kommandeur des Panzergrenadier-Regiments 394 der 3. Panzer-Division ernannt, die
an der Ostfront kämpfte. Mit seinem Regiment nimmt Thunert im Rahmen der
Division an den Kämpfen im Baranow-Brückenkopf teil, wird aber am 25.08.1944
wieder in die Reserve versetzt, um schließlich am 02.11.1944 mit der Führung der
1. Panzer-Division beauftragt zu werden. Er übernimmt damit die Nachfolge
des Oberst Grosskreutz. Dieser war Kommandeur des Artillerie-Regiments der
Division und hatte während des Lazarett-Aufenthalts des Kommandeurs,
Generalleutnant Werner Marcks, die Führung der Division übernommen. Nach dessen
Wiederherstellung kehrte er jedoch nicht zur Division zurück und übernahm
stattdessen das Kommando über die
21. Panzer-Division.
Am 01.01.1945 übernahm Thunert dann offiziell das Kommando der 1.
Panzer-Division und wird zugleich zum Generalmajor befördert. Mit seiner
Division kämpfe er in Budapest und in Ost-Österreich. Zusammen mit weiteren
Truppen am Plattensee eingekesselt, brach Thunert mit seiner Division aus. Dafür
erhielt er am 01.02.1945, als Generalmajor und Kommandeur der 1.
Panzer-Division, das Ritterkreuz. Durch die Rettung der Division bewahrte er
seine Soldaten vor der russischen Gefangenschaft und ergab sich, mit nur ca.
5.000 Mann, am 08.05.1945 amerikanischen Truppen in Österreich. Dort kommt er
dann in das POW-Camp Mauerkirchen.
Für seine Untergebenen erschien er sympathisch und human. Er hatte nicht nur den
trieb eines Generalstabsoffiziers, sondern auch den eines lebhaften
Feldkommandeurs. Er wurde von seinen Soldaten geachtet und war immer bei ihnen.
Er war ein guter Kommandeur und stets Beispiel für seine Kameraden.
Eberhard Thunert verstarb am 04.05.1964 in Wuppertal an einer kurzen aber
schweren Krankheit. Beigesetzt wurde er mit militärischen Ehren.