Geboren wurde Korbinian
Viechter am 27. November 1914 in Großhöhenrain. Nach Besuch der Volksschule
ergriff er den Beruf eines Maurers. Mit Wiedereinführung der Allgemeinen
Wehrpflicht 1934 mußte er diese Tätigkeit jedoch für 1 ½ Jahre unterbrechen.
Am 3. April 1934 rückte er beim Grenadier-Regiment 19 ein, dieses Regiment
gehörte zur 7. Infanterie-Division und lag in München. Bereits in dieser Zeit
zeigten sich seine menschlichen Eigenschaften, die ihn auf seinem späteren
militärischen Weg auszeichnen sollten. Korbinian war stets bereit sich für
seine Kameraden einzusetzen und gegen Ungerechtigkeiten anzukämpfen, auch
scheute er nicht davor zurück, sich dabei mit Vorgesetzten
auseinanderzusetzen. Letzteres führte jedoch dazu, daß er im Oktober 1935 mit
Ende seiner Wehrdienstzeit als einfacher Schütze entlassen wurde.
Korbinian Viechter kehrte
in seinen erlernten Beruf zurück. Doch vor der Kulisse des drohenden Krieges
mußte er Ende August 1939 erneut von seiner Familie Abschied nehmen. Im Raum
Rosenheim - Bad Aibling wurde die 212. Infanterie-Division aufgestellt.
Korbinian Viechter kam zur 4. Kompanie / Infanterie-Regiment 320. Mit dieser
Einheit erlebte er den Jahreswechsel 1939/1940 als Grenzsicherung am Westwall.
Schnell erkannte sein Bataillonskommandeur seine Fähigkeiten und schickte ihn
auf einen Unteroffizierslehrgang. Am 1. Januar 1940 wurde Korbinian Viechter
zum Unteroffizier befördert und zum Gruppenführer eines Granatwerfertrupps
ernannt.
Im Frankreichfeldzug des
Jahres 1940 mußte er zum ersten Mal die ihm anvertrauten Soldaten im Einsatz
führen. Korbinian sammelte erste Kampferfahrungen, erlitt seine erste
Verwundung und wurde am 9. Juli 1940 mit dem EK II ausgezeichnet.
Nach Ende des Krieges im
Westen verblieb die 212. Infanterie-Division zuerst als Besatzungstruppe in
Frankreich und kehrte danach in die Heimat zurück. Innerhalb des Bataillons
wurde nun ein ganzer Granatwerfer-Zug aufgestellt, als Zugführer wurde
Unteroffizier Viechter ernannt. Er sorgte in den kommenden Monaten für eine
gründliche Ausbildung der noch jungen Soldaten. Seine Position als Zugführer
wurde mit der Beförderung zum Feldwebel am 1. März 1941 gefestigt.
Am 21. Juni 1941 begann der
Krieg gegen Rußland. Im Oktober 1941 wurde die 212. Infanterie-Division, bis
zu dieser Zeit in der Heimat verblieben, ebenfalls an die Front in Marsch
gesetzt. Es folgten schwere Kämpfe im Raum Leningrad und in der Zeit des
Jahreswechsel 1941/42 am Wolchow. Mehrfach konnte Korbinian Viechter mit
seinen Granatwerfern schwierige Situationen bereinigen. Für diesen Einsatz
wurde er am 8. Mai 1942 mit dem EK I und am 22. Mai mit dem
Infanterie-Sturmabzeichen ausgezeichnet, wenige Tage darauf erfolgte auch die
Beförderung zum Oberfeldwebel.
Am 6. Juni 1942 wurde er
während eines Gefechtes verwundet, ein Lazarettaufenthalt in der Heimat war
die Folge. Korbinian kam zur Ausheilung nach Ingolstadt. Im August 1942
erhielt er eine neue Aufgabe. Er bekam eine Kommandierung auf den
Truppenübungsplatz Hohenfels. Dort sollte er als erfahrener Rußlandkämpfer als
Leiter einer Waldkampfbahn die Ausbildung junger Soldaten unterstützen. Im
November 1942 nach Ingolstadt zurückgekehrt fand er dort Verwendung als
Ausbilder von Offiziersbewerbern.
Im April 1943 überredete
ihn sein alter Bataillonskommandeur, doch selbst die Laufbahn eines Offiziers
einzuschlagen. So kam Korbinian Viechter zu einem Offizierslehrgang nach
Wiener Neustadt. Am Ende dieses Lehrgangs wurde er am 1. August 1943 zum
Leutnant der Reserve befördert. Dem folgte eine erneute Verwendung an der
Ostfront. Korbinian Viechter kam zur 167. Infanterie-Division und sollte dort
im Grenadier-Regiment 315 als Kompanieführer die 8. Kompanie übernehmen. Die
Kämpfe im Südabschnitt des Jahres 1943 erforderten auch von ihm höchsten
Einsatz. Als Ende November 1943 den Sowjets ein Durchbruch durch die Linien
der Division gelang, konnte er einen Teil seiner Leute erfolgreich zu den
eigenen Linien zurückführen. Dabei wurde er erneut verwundet. Es folgte
wiederum ein Lazarettaufenthalt und eine kurzzeitige Rückkehr in die Heimat.
Nach erneuter Ausheilung
kam Korbinian Viechter im Februar 1944 erst zur Führerreserve Süd und erhielt
wenig später die Kommandierung zur 46. Infanterie-Division. Hier übernahm er
als Kompanieführer die 4. Kompanie im Grenadier-Regiment 42. Die Fronten im
Osten gingen immer weiter zurück und die Kampfstärken der deutschen Einheiten
schmolzen dahin. Nach der Rückführung der Division aus Rumänien drohte in den
Karpaten Ende September 1944 die Einschließung durch nachdrängende russische
Verbände. Leutnant Viechter erhielt den Auftrag, mit einer schnell
zusammengestellten Einheit eine wichtige Anmarschstraße zu sperren und so der
Division den Rückzug zu ermöglichen. Diese Aufgabe glich einem
Himmelfahrtskommando. Doch ihm gelang die Durchführung, ohne einen eigenen
Mann zu verlieren. Für diese große soldatische Leistung wurde Korbinian
Viechter am 20. Oktober 1944 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes
ausgezeichnet. Weiterhin erfolgte die Beförderung zum Oberleutnant der
Reserve.
Bei den anschließenden
Kämpfen wurde er erneut verwundet. Wiederum kam es zu einem kurzen Aufenthalt
in der Heimat. Ende Oktober 1944 kehrte Korbinian Viechter erneut an die Front
zurück und übernahm als Kompaniechef die 13. Kompanie im Grenadier-Regiment
42. Es folgten die schweren Rückzugskämpfe des Jahres 1945 in Ungarn und in
der Slowakei. Korbinian Viechter selbst wurde noch am 28. April 1945, wenige
Tage vor Ende des Krieges, erneut schwer verwundet. Es war dies seine 9.
Verwundung. Davon zeugten sowohl das Verwundetenabzeichen in Gold als auch die
Nahkampfspange in Silber.
Aufgrund seiner Verwundung
völlig hilflos geriet er wie viele seiner Kameraden in russische
Gefangenschaft. Nach der Ausheilung seiner Wunden kam er im September 1945
erneut nach Rußland, in ein Gefangenenlager im Kaukasus. Auch hier setzte er
sich stets für seine ihm anvertrauten Männer ein. In einer Auseinandersetzung
mit russischen Wachposten erhielt er im Dezember 1945 eine lebensgefährliche
Kopfverletzung. Nur das Können eines russischen Arztes rettete ihm das Leben
und die schützende Hand eines jungen NKWD-Offiziers bewartete ihn vor einer
Verurteilung. Es folgten jedoch noch 4 weitere schwere Jahre in
Kriegsgefangenschaft. Nur der Gedanke an die Heimat und an die Familie ließen
ihn diese Zeit überstehen. Erst mit Beginn des Jahres 1950 kehrte Korbinian
Viechter in seinen Heimatort zurück.