|


Ritterkreuzträger Achim Wunderlich
Major, Füsiliere

   

Achim Wunderlich wurde am 17.7.1912 in
Weißenthurm geboren und trat am 01.04.1935 als Offiziersanwärter in die
Nachrichten-Abteilung 9 in Hofgeismar ein. Als Leutnant gehörte er dann der
Nachrichten-Abteilung 49 in Hofgeismar und der Nachrichten-Abteilung 66 in Wien
an.
Bei Kriegsbeginn war Wunderlich Oberleutnant und Adjutant in der
Nachrichten-Abteilung 66 und erhielt im Frankreichfelszug das Eiserne Kreuz II.
Klasse.
Im Russlandfeldzug Kompaniechef, erhält er im Südabschnitt im Herbst 1941 das
Eiserne Kreuz I. Klasse.
Gegen Ende des Jahres 1942 erkrankt er schwer und wird in die Heimat
zurückgeführt. So konnte er dem Untergang seiner Einheit in Stalingrad entgehen.
Nach seiner Genesung meldet er sich erneut zur Infanterie und kommt in den
Nordabschnitt der Ostfront, wo er als Major das Kommando über das
Füsilierregiment 205 übernimmt. Hier erhält er am 31.12.1944 das Ritterkreuz.
Wie ich mein Ritterkreuz erwarb:
"Der November 1944 neigte sich seinem Ende zu und der von uns
erwartete russische Großangriff hatte nicht stattgefunden. Dafür litten wir aber
unter starkem feindlichen Artillerie-Beschuss. Weit hinter den russischen
Linien, hörten wir ab und an Artillerie-Feuer und wussten durch
Gefangenen-Aussagen, daß der “Iwan“ sich auf einen Großangriff
vorbereitete.
Mein Divisions-Füsilier-Bataillon 205 wurde einige Kilometer hinter unserer
Unterkunft zum Ausbau einer Auffangstellung eingesetzt, für den Fall, daß der
Feind durchbrechen sollte. Jeden Morgen marschierten meine Männer mit
Schanzgerät nach rückwärts zur Arbeit und kamen abends zurück. Das kleine
zerstörte Dorf in dem der Rest meines Bataillons untergebracht war, lag weit
hinter der Stellung des Sicherungs-Bataillons und wir hielten uns für gut
gesichert. Dieses ca. 800 Mann starke Bataillon mit ihrem Kommandeur war gerade
aus Frankreich zu uns an die Front gekommen und verfügte über wenig
Kampferfahrung. Dieses sollten meine Männer und ich bald merken!
Ich ließ ein altes Steinhaus zu einem splittersicherem Offiziers-Kasino
ausbauen, um dort abends gemütlich etwas zu essen und Karten zu spielen. Am
20.November 1944 feierten wir die Beförderung meines Ordonnanzoffiziers Lösche
zum Oberleutnant.
Am 23.November 44 marschierten meine Kompanien wieder um 7.oo Uhr nach hinten
zum Stellungsbau. Ich machte mit dem zurückgebliebenen Stabspersonal (
Schreiber, Fernmelder und Sanitäter ) Ausbildung in der Gas-Abwehr. Um 8.oo Uhr
setzte plötzlich starkes feindliches Trommelfeuer auf die Front und
Hintergelände ein. Meine Männer und ich sprangen blitzartig mit “Feldmütze
und Gasmaske“ ausgerüstet in die umliegenden Splittergräben. Über zwei
Stunden tobte dieses Inferno der heulenden Granateinschläge um uns herum. Die
alten Kameraden werden wissen, wenn ich Inferno schreibe, was dieses 1944 an der
Ostfront bedeutete! Wir wurden nur so mit Dreck und Staub überschüttet, hatten
aber Gottlob kaum Verluste. Dann verlegte der Gegner sein Feuer ins weitere
Hintergelände und startete seinen Großangriff auf breiter Front. Das vor uns
eingesetzte Sicherungsbataillon wurde sofort überrannt und fast völlig
aufgerieben. Einige teilweise schwer Verwundete Kameraden und auch der
Kommandeur kamen bei uns vorbei. In voller Flucht riefen sie uns schon von
weitem zu: Der Iwan ist durch, rette sich wer kann Und tatsächlich, hinter ihnen
erschienen schon die ersten Russen im Angriffslauf.
Was tun .....???
Meine Soldaten sind rückwärts beim Schanzen ohne schwere Waffen und Munition.
Unser ganzes Gepäck liegt bei uns in der Reservestellung. Wenn der Russe jetzt
weiter durchbricht, können sie ihn nicht aufhalten und die Verluste wären hoch!
Auch befinden sich keine weiteren Kampftruppen im Hintergelände und dem Feind
steht der Weg nach Frauenburg offen. Das ging mir gegen den Strich und ich faste
einen kurzen Entschluss.
Ich sammelte, mein sich schon nach rückwärts absetzendes Stabspersonal (etwa 20
Mann)‚ teilte zwei Gruppen ein - eine unter meiner Führung, die andere unter
Oberleutnant Lösche - und machte mit lautem Hurra und geschwungenem Karabiner
einen Gegenangriff gegen die herankommenden Russen.
Diese stutzten - in Unkenntnis unserer geringen Anzahl - und zögerten mit der
Weiterführung ihres Angriffs. Einige verkrümelten sich bereits nach hinten. Also
weiter auf sie mit Gebrüll und gut gezielten Karabinerschüssen, feuerte ich
meine Männer an. Es gelang uns die Russen zu verblüffen und sie zurückzuschlagen
und die schon überrannte erste Auffangstellung wieder zu gewinnen. Mein tapferer
Oberleutnant Lösche war gleich beim Angriff an der Spitze seiner Gruppe durch
Kopfschuss gefallen. Ich konnte mit meinen paar Leuten die Stellung so lange
halten, bis die von mir sofort durch einen Melder herbeibeorderten Kompanien vom
rückwärtigen Stellungsbau eintrafen und die Abwehrstellung besetzen konnten.
Mein Füsilier-Bataillon hatte damit zunächst den gefährlichen feindlichen
Durchbruch durch die Armee-Front verhindert!
Aber der Russe dachte nicht daran, mich und meine Männer zur Ruhe kommen zu
lassen. Fast pausenlos griff er uns an und wir konnten ihn nur unter großer
Anstrengung abwehren. Nach einer schlaflosen und unruhigen Nacht erfolgte in der
Frühe ein erneuter feindlicher Großangriff, dieses Mal mit Panzerunterstützung.
Ich mobilisierte die letzten Kräfte meiner Männer und wir gingen mit
Panzerfäusten einer 7,5 cm Pak und zwei Sturmgeschützen, welche die Division mir
auf meinen Hilferuf geschickt hatten, den Feind an. Unter großen Verlusten
konnten wir unsere Stellung halten. Die Besatzungen unserer Sturmgeschütze
verstanden ihr Handwerk und schossen in kürzester Zeit drei T 34 der Russen ab.
Der Rest suchte sein Heil in der Flucht und setzten sich nach hinten ab. Nach
zwei Tagen und zwei Nächten hatte diese Odyssee für mich und meine tapferen
Männer ein Ende.
Ich bekam für diesen von mir geleiteten Einsatz am 31.12.1944 das
Ritterkreuz verliehen, das mir Generalleutnant Horst von Mellenthin, mein
ehemaliger Divisionskommandeur und inzwischen Führer eines Armeekorps, am 8.
Januar 1945 vor der Front eines Ehrenzuges meines Füsilier-Bataillons feierlich
überreichte. Anschließend begossen wir mein Ritterkreuz in einer kleinen Feier
mit Sekt beim Divisions-Stab.
Bei Kriegsende nahm er an einem Regimentsführer-Lehrgang teil und
arbeitete nach kurzer Kriegsgefangenschaft im elterlichen
Landwirtschaftsbetrieb.
Bereits im Dezember 1955 trat er der neuen Bundeswehr bei und übernahm dort von
Januar bis Mai 1956 den Posten eines Kompaniechefs einer Lehrkompanie in
Andernach. Dem folgte der Posten eines Infanterie-Fachlehrers an der Fm-Schule
in Sonthofen, im Stab des III. Korps und als Kompaniechef der Stabskompanie des
III. Korps in Koblenz.
Anfang 1960 erfolgte die von ihm gewünschte Versetzung zur Fernmeldetruppe, wo
er das Kommando über das Fernmeldebataillon 5 in Koblenz übernahm. Es folgte die
Beförderung zum Oberstleutnant und am 30.06.1968 die Pensionierung.
|
Beförderungen |
|
Auszeichnungen |
|
Feldwebel |
04.09.1941 (lt. Meldung) |
|
Eisernes Kreuz II. Klasse |
??? |
|
Leutnant der Reserve |
10.12.1941 -3400- m. Wirk. v. 01.10.1941 (RDA v. 01.09.1941(1271)) |
|
Eisernes Kreuz I. Klasse |
??? |
|
Oberleutnant der Reserve |
31.10.1943 - 2200- m. Wirk. v. 01.08.1943 (RDA v. 01.08.1943) |
|
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes |
14.10.1943 |

Buchhinweise:
|