Albrecht
Brandi wurde am 20.06.1914 in Dortmund/Westfalen geboren und trat 1935 in die
Kriegsmarine ein, wurde Fähnrich zur See und diente als Wachoffizier auf dem
Minensuchboot M-125, das vom späteren Ritterkreuzträger Richard Zapp
kommandiert wurde. Bei Kriegsausbruch diente Leutnant z. S. Brandi als I. WO auf
M-1, sein Kommandant war Kapitänleutnant Bartels, später ebenfalls mit
dem Ritterkreuz ausgezeichnet.
In den Jahren 1939 - 1941 fuhr das Boot in der Ost- und Nordsee sowie vor
Norwegen U-Jagd- und Sicherungseinsätze. Von Mai 1940 bis April 1941 führte
Oberleutnant z. S. (20.05.40) Brandi M-1 als Kommandant, um danach zur
U-Boot-Ausbildungsflottille versetzt zu werden. Für seine Verdienste hatte er
bereits das Eiserne Kreuz 2. Klasse erhalten.
Nach seiner Versetzung zur U-Boot-Waffe fuhr er im Sommer 1941 als sgn.
Kommandanten-Schüler eine Feindfahrt auf U-552 unter Erich Topp! Der
spätere Schwerterträger und U-Boot-Offizier der erste Stunde war Brandi ein
guter Lehrmeister.
Nach beendeter Ausbildung übernahm Oberleutnant zur See Brandi im April 1942
mit U-617 (VIIC) sein erstes Kommando. Zu dieser Zeit waren die
goldenen Zeiten der U-Boot-Waffe schon vorbei; der Gegner besaß bereits
wirkungsvolle Ortungsgeräte und kontrollierte fast den gesamten Atlantik durch
die allgegenwärtigen Langstrecken-Seeaufklärer. Das Heranpirschen an die
schwergesicherten Geleitzüge wurde von Tag zu Tag schwieriger.
Im August 1942 aus Kiel ausgelaufen, patrouillierte U-617 befehlsgemäß
in der Straße von Island. Bereits hier machte sich die britische
Flugzeugüberwachung durch mehrere Alarmtauchgänge bemerkbar. Am 07.09.42
konnte Brandi mit dem kleinen Dampfer Thor II (300 BRT) seinen ersten
Erfolg melden. Zwei Wochen später entdeckte U-617 einen kleinen
Geleitzug und versenkte in einem Lehrbuchangriff die Athelsultan (8.800
BRT), Tennessee (2.300 BRT) und Roumanie (3.600 BRT)! Bis zur
Rückkehr in den Heimathafen St. Nazaire konnte noch ein weiteres Handelsschiff
torpediert werden.
In den 18 Monaten, in denen Kapitänleutnant (01.10.42) Albrecht Brandi das
Boot führte, kristallisierten sich seine hervorragenden Führungseigenschaften
heraus. Er verstand es nicht nur, die schwierigsten Situationen genau zu
analysieren und zu meistern, sondern auch seine innere Ruhe auf die Besatzung
zu übertragen. Dies war während einer langen und brenzligen
Wasserbombenverfolgung das absolut Wichtigste auf einem Unterseeboot.
Anfang
November 1942 erhielt Brandi über Funk Befehl, in den äußerst gefährlichen
Einsatzraum Mittelmeer zu verlegen, in dem die britische Marine
unangefochtener Herr war. Das Passieren der berüchtigten Meerenge von
Gibraltar gehörte aufgrund der massiven britischen Präsenz zu den seetaktisch
schwierigsten Einsätzen, die einem U-Boot zugewiesen werden konnten – doch
Brandi führte U-617 unentdeckt durch den "Trichter"!
Durch das relativ kleine und seichte Seegebiet war im Mittelmeer die Gefahr,
entdeckt und versenkt zu werden, um ein vielfaches größer als im Atlantik.
Doch während mehrerer Kontakte mit den stark bewachten Malta-Geleitzügen
verstand es der Kommandant, die am wichtigsten erscheinenden Handelsschiffe
präzise herauszuschießen und zu entkommen. Auch schwergesicherte Ziele
schreckten Brandi nicht ab - so operierte
U-617 im Jänner 1943
einmal, wenn auch erfolglos, auf einen großen britischen Einzelfahrer, der von
fünf(!!) Zerstörern eskortiert wurde! Im November hatte Brandi einen Angriff
auf das schnellfahrende, schwergesicherte Schlachtschiff Rodney (38.000
BRT) gewagt, jedoch nur einen leichten Torpedotreffer anbringen können.
Einmal hatte sich U-617 nach längerer Verfolgung eines schnellen
britischen Einzelfahrers endlich in günstige Schussposition gebracht, als der
Kommandant wenige Sekunden vor Abfeuern eines Dreierfächers in dem
12.000-Tonner gerade noch rechtzeitig ein Lazarettschiff erkannte und den
Angriff natürlich sofort abbrach!
Am 21. Jänner 1943 erhielt Brandi für seine Erfolge zusammen mit Ulrich Heyse
(U-128) als 80. Angehöriger der deutschen U-Boot-Waffe das Ritterkreuz
zum Eisernen Kreuz verliehen. Bereits drei Monate später folgte nach mehreren
Erfolgen gegen Handels- und Kriegsschiffe (einige von der Royal Navy
bestritten) als 19. U-Boot-Kommandant das Eichenlaub zum Ritterkreuz für eine
U-Boot-Kommandanten. Wenige Tage zuvor war auch Großadmiral Dönitz,
Befehlshaber der U-Boote, mit dem Eichenlaub ausgezeichnet worden.
Auf einer weiteren Fahrt konnte Brandi durch zwei Torpedovolltreffer den
britischen Kreuzer Uganda (8.000 BRT) versenken! In den kommenden
Monaten wurden diese schwierigen Angriffe zu seinem Markenzeichen. Während
andere Kommandanten bei einem Kriegsschiff schnellstens auf Tiefe gingen und
abdrehten, suchte Brandi die gefährlichen Gegner und griff sie mit
meisterlicher Sicherheit an. Hierbei war er auch mehrmals in den gefährlichen
Gewässern vor Gibraltar erfolgreich, u.a. wurde der britische Minenkreuzer
Welshman (2.600 BRT) versenkt. Das Schiff zählte zu den wichtigsten
Einheiten der Royal Navy im gesamten Mittelmeer!
Aufgrund seiner großen Erfahrung in der Bekämpfung von Kriegsschiffen erhielt
Albrecht Brandi im Sommer 1943 einen gefährlichen Sonderauftrag: der deutsche
Abwehrdienst hatte in Erfahrung gebracht, dass ein großer britischer
Kriegsschiffverband, zu dem auch zwei Flugzeugträger und drei Kreuzer
gehörten, östlich von Gibraltar ein Manöver abhalten würde. Brandi sollte mit
seinem Boot gegen diesen Verband operieren!
Bereits wenige Tage später sah Brandi den Flugzeugträger Illustrious
(23.000 BRT) im Fadenkreuz seines Seerohrs, kam aber aufgrund des
Zick-Zack-Kurses nicht in Schussposition. Durch die hohe Marschgeschwindigkeit
des Gegners schließlich abgehängt, griff Brandi zwei britische Zerstörer an,
die dem Verband als Nachzügler folgten. Vier Torpedos - vier Treffer - zwei
bestätigte Versenkungen!
Auf der Rückfahrt von diesem Unternehmen erwischte es U-617 jedoch
selber.
Durch Fliegerbomben schwer beschädigt, war Brandi in der Nähe der spanischen
Küste zur Aufgabe des Bootes gezwungen, nachdem die tapfere Flakbedienung
einen der Angreifer abgeschossen hatte.
Während seine Besatzung in Spanien interniert wurde, schleusten deutsche
Agenten den wertvollen Kapitän auf Initiative von Admiral Dönitz nach
Deutschland zurück!
Im Jänner 1944 übernahm Brandi mit U-380 (VIIC) ein neues Boot, das
jedoch bereits drei Monate später im Hafen von Toulon durch Fliegerbomben
verloren ging. Sein Vorgänger als Kommandant von U-380, Kapitänleutnant
Röther, hatte sein Handwerk 1941 zufällig ebenfalls als Schüler von Erich Topp
erlernt.
Als nächstes Kommando folgte U-967 (VIIC), mit dem Fregattenkapitän
(09.05.44) Brandi von April bis Juli 1944 im Mittelmeer operierte und dabei
u.a. den 1.300-BRT-Geleitzerstörer USS Fechteler versenkte.
Aufgrund seiner außergewöhnlichen Erfolge gegen Kriegsschiffe erhielt er im
Mai nach über 130.000 BRT versenkter Gesamttonnage die Schwerter zum
Ritterkreuz mit Eichenlaub verliehen. Für den BdU zu wertvoll geworden, wurde
Fregattenkapitän Brandi im August das Landkommando über die U-Boot-Flottille
im Finnischen Meerbusen übertragen. Für die Erfolge, die er trotz der großen
technischen und zahlenmäßigen Überlegenheit der Alliierten errungen hatte,
erhielt er am 24. November 1944 als zweiter Marineoffizier die 22. Brillanten
zum Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern.
Ende 1944 übernahm Brandi auf eigenen Wunsch die Kleinkampfverbände der
Kriegsmarine. Mittels neu entwickelter Ein- und Zweimanntorpedos versuchte er,
den alliierten Schiffsverkehr im Ärmelkanal zu stören; obwohl seine hoch
motivierten Männer noch erstaunliche Erfolge melden konnten, war der Seekrieg
schon lange verloren. Revolutionäre Entwicklungen wie die Kleinst-U-Boote "Biber"
(zwei Torpedos, 50 m Tauchtiefe) oder "Seehund" gelangten
jedoch zu großer Berühmtheit.
Im Mai 1945 führte Albrecht Brandi seinen gesamten Verband in kanadische
Gefangenschaft, kurz darauf übernahm er das Kommando über das Gefangenenlager
im holländischen Ymeuiden. Die hier untergebrachten 10.000 deutschen Landser
wurden u.a. zur Entarmierung der Küstenbefestigungen eingesetzt.
Bereits im September wurde Brandi ins Zivilleben entlassen.
Nach dem Krieg
wurden die von Albrecht Brandi gemeldeten Erfolge von Seiten der britischen
Marine oft angezweifelt. Auch in vielen Werken über die deutsche Kriegsmarine
werden viel geringere Versenkungserfolge ausgewiesen.
Grund hierfür sind die teilweise unrichtig geführten Kriegstagebücher - so
führte die Royal Navy oftmals Verluste auf Treibminen zurück - bzw. die nicht
möglichen Sichtbestätigungen der Treffer durch Brandi.
Wenn man aber die strengen Richtlinien der Wehrmacht in Bezug auf
Ordensvergaben sowie die vorgeschriebenen Gefechts- und Erfolgsmeldungen
kennt, kann man von der Richtigkeit folgender Erfolge ausgehen. Demnach
versenkte Albrecht Brandi in seiner Karriere neben 20 Handelsschiffen mit
115.000 BRT auch noch drei Kreuzer (einer davon unbestätigt), zwölf
Zerstörer(!) und ein Minensuchboot. Obwohl er an die Versenkungserfolge der
Top-Kommandanten Kretschmer, Lüth, Topp, Prien oder Schepke nie herankam,
wurde er der erfolgreichste "auf Geleit" operierende U-Boot-Kapitän des
Zweiten Weltkrieges.
Nach dem Krieg nicht wieder in die Bundesmarine eingetreten, machte sich
Albrecht Brandi als Architekt selbständig.
Der Brillantenträger ist am 06.01.1966 in seiner Heimatstadt Dortmund
verstorben. Der Ehrenzug bestand aus Soldaten der Bundeswehr und ehemaligen
Kameraden seiner Crew. Die Gedenkworte wurden u.a. von seinem Marinekameraden
Fregattenkapitän Reinhard Suhren gesprochen, dabei würdigte dieser Brandi als
"Ritter ohne Furcht und Tadel"