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330. Eichenlaubträger Dr. Ing. Karl-Friedrich Brill
Fregattenkapitän der Reserve, Minenflotte

06.04.194206.04.1942

Karl-Friedrich Brill wurde am 18.07.1898 in Stolzenau an der Weser Weser geboren. Er trat dann, 17jährig, im Jahre 1915 als Freiwilliger der Kaiserlichen Marine bei und nahm u.a. als Bootsmann an Bord der "THÜRINGEN" an der berühmten Skagerrak-Schlacht teil. Später wechselte er dann auf den Minenkreuzer "BREMSE". Weitere Dienststellenbesetzungen für den 1. Weltkrieg sind bisher unklar. Zumindest wurde er dabei mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet und zum Leutnant zur See befördert.
Mit Ende des Krieges, trat er der Marinebrigade Erhardt und der Marinebrigade von Löwenfeld bei, scheidet dann jedoch aus dem Dienst aus und widmet sich dem Studium der Ingenieurwissenschaften bzw. Maschinenbau. Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums arbeitete er zunächst als Entwickler und schließlich als Industrieller. Außerdem nahm er 1935 an verschiedenen Übungen der Marine teil.
Nach Machtübernahme Hitlers trat auch brill der Kriegsmarine bei und übernahm dort am 05.08.1939 das Kommando über das Minenschiff "ROLAND". Mit diesem steht Brill zunächst bis Ende 1939 im Einsatz, um anschließend ab dem 01.01.1940 das Kommando über das Minenschiff "COBRA" zu übernehmen. Mit der "COBRA" unternimmt Brill zahlreiche erfolgreiche Minenunternehmungen zunächst während des Norwegen-Unternehmens. Die größeren Erfolge erzielte er jedoch mit Beginn des Feldzuges gegen die Sowjetunion und damit im Kampf gegen die sowjetische Kriegsflotte im Finnischen Meerbusen. Dabei legte Brill zusammen mit weiteren Schiffseinheiten der Kriegsmarine die äußerst erfolgreiche "Juminda-Sperre". Als Führer dieser Minensperrgruppe "Cobra", dessen Führung er vom 01.06.1941 bis zum01.10.1941 übernahm, hatte Brill damit die für den Gegner folgenschwerste Minensperre der Seekriegsgeschichte gelegt.  Während der so genannten "Minenschlacht um Reval" wurden durch diese Sperre mehr als 130.000 BRT gegnerischen Schiffsraumes, darunter mindestens 15 sowjetische Kriegsschiffe, die aus dem Haben von Reval zu fliehen versuchten, versenkt. Brill erhielt dafür zunächst das Deutsche Kreuz in Gold und nur vier Wochen später, am 27.12.1941, als Korvettenkapitän der Reserve und Kommandant des Minenschiffes "COBRA" das Ritterkreuz.
Am 01.09.1942 übernimmt Brill den Posten des Kommandanten des Minenschiffes "BRUMMER" im Kanalraum und in der Biskaya, bzw. ab dem 22.07.1943 auf dem Minenschiff "BRANDENBURG". Hier folgen nun erfolgreiche Minenunternehmungen im Mittelmeer.
Nachdem am 08.09.1943 die Waffenstillstandserklärung zwischen Italien und den Alliierten bekannt gegeben wurde, hatte Dr. Ing. Brill am 25.09.1943 den Befehl erhalten, dass im Hafen von La Spezia liegende italienische Hilfskriegsschiff F 8, die ehemalige "ELBANO GASPERI" für den Einsatz unter deutscher Flagge herzurichten. Zuvor war es im Zuge der Aktion "Achse" im Hafen von Portoferraio entsprechend vereinnahmt worden. Zusammen mit dem Chef der 3. Geleitflottille, Korvettenkapitän Kramer, begutachtete Bill das Schiff, wobei einige Überholungsaufgaben zum Zweck der Indienststellung nach oben gemeldet worden. Den noch auf dem Schiff verbliebenen 15 italienischen Soldaten, darunter der Wachoffizier, erhielten Bedenkzeit auf deutscher Seite weiterzukämpfen.  Dabei hatte die 3. Geleitflottille bereits die zukünftige deutsche Besatzung zusammengestellt. Diese stammte vom versenkten Geleitboot "SG 10", dem in Reparatur liegenden Geleitboot "SG 13", dem ebenfalls versenkten Geleitboot "SG 10" und dem versenkten Minenschiff "BRANDENBURG". Am 27.09.1943 nahmen somit mehr als 70 Marineangehörige den Dienst unter dem vorläufigen Kommando Brills auf. Drei Tage später erfolgte die Umbenennung des Schiffes in Anlehnung an die erfolgreiche Juminda-Sperre Brills in "JUMINDA".
Am 30.09.1943 erfolgte der erste Einsatzbefehl zu einem Minenunternehmen bei Bastia/Korsika. Die italienischen Soldaten hatten um Entlassung ersucht, womit die neue Besatzung die Hände voll zu tun hatten das Schiff einsatzbereit zu machen. Das Oberkommando machte Druck, da die Ausschiffung der deutschen Truppen von Korsika auf die Insel Elba, bzw. auf das ital. Festland in vollem Gange war und mit einem Nachrücken des Gegners jederzeit gerechnet werden musste.
Nachdem am 04.10.1943 die letzten deutschen Truppen Korsika verließen, stiess der Gegner unmittelbar nach. Damit musste die Ausrüstung und Bewaffnung der "JUMINDA" vorzeitig beendet werden. Dadurch standen der Besatzung nur vier MG-13, mm und zwei alte ital. 76 mm-Kanonen zur Verfügung. Nachdem auch die Kohlebunker gefüllt wurden, wurden am 04.10.1943 62 ital. Minen vom Typ P.150/1938 C.R. an Bord verladen.
Von zwei Räumbooten geleitet begann das Schiff am 04.10.1943 gegen 12.00 Uhr seinen ersten Einsatz. Nach einem Ruderschaden und der langsamen Geschwindigkeit, was auf den schlechten Zustand des Schiffes zurückzuführen war, begann Brill am nächsten Tag die ersten Minen auszulegen. Da jedoch mehrere Minen von allein im Wasser explodierten brach brill das Unternehmen ab und versuchte am nächsten tag im Hafen von La Spezia die Ursache zu klären. Die Lösungsvorschläge führten letztlich dazu, das vorzeitige Explosionen bei der am 08.10.1943 begonnen Unternehmung "Dennoch" nicht mehr eintraten. Neben Brill befand sich auch Kapitänleutnant Wilhelm von Stosch an Bord, der das Schiff als erfahrener Minenexperte übernehmen sollte. Brill hingegen war vorgesehen als Kommandant des Minenschiffes "NIEDERSACHSEN". Da sich diese jedoch noch in Reparatur befand verblieb Brill vorerst auf "JUMINDA".
Am 11.10.1943 schloss sich eine Minenunternehmung vor der Tibermündung an, die ebenfalls erfolgreich beendet werden konnte. Am 16.10.1943 lief das Schiff zur Unternehmung "Motte" aus. Dabei sollten vor Gaeta Minen verlegt werden. Sollte dies die Lage nicht zulassen, sollte die Sperre an der Tibermündung erweitert werden. Nachdem ein begleitendes Räumboot das Schiff unglücklich rammte und ein Sturm die Minen aus der Verankerung riss, hatte die Besatzung schwerste Arbeit zu verrichten, um das Werfen der Minen vor Terracina zu ermöglichen. Auf dem Rückweg wurde der Verband durch zwei britische Flugzeuge angegriffen. Dabei wurde der Bootsmannsmaat Urbanczyk (seemännische Nr. 1) schwer verwundet, woraufhin er einige Tage später im Lazarett verstarb.
Am 21.10.1943 begann der letzte Einsatz der "JUMINDA". Das Schiff hatte den Auftrag erhalten eine Verlängerungssperre zur Sperrlinie "Sperling" zu legen. Mit Ende dieser Unternehmung sollte das Schiff auf Werft gelegt werden und die Besatzung Heimaturlaub erhalten. Als das Schiff gegen 20.00 Uhr Piombino erreichte, erhellte ein Scheinwerfer einer dort befindlichen Marine-Artillerie-Abteilung das Schiff für mehr als drei Minuten. Nach deutscher Sicht, reichte diese Zeit aus, das Schiff für gegnerische U-Boote auszumachen. Nach alliierten Darstellungen jedoch befanden sich keine Schiffseinheiten im betreffenden Raum. Vielmehr waren am 21.10.1943 gegen 18. 00 Uhr mehrere amerikanische Schiffe des 15. Motortorpedoboot-Geschwaders zum Einsatz in den Raum zwischen den Inseln Giglio und Elba ausgelaufen. Gegen 00.23 Uhr sichteten die Amerikaner den deutschen Verband auf dem Radar. Die amerikanischen Schnellboote begannen kurze Zeit später Torpedos abzuschießen, wobei ein Grossteil der Geschosse Irrläufer wurden und die eigenen Schiffe bedrohten. Erst dem Kommandanten von PT 212 Lieutenant junior grade Sinclair, gelang es zwei Torpedos direkt auf die "JUMINDA" abzuschießen. Zum gleichen Zeitpunkt erhielt Brill die Meldung eines Torpedoüberwasserläufers, den ein anderes amerikanisches Schiff abgeschossen hatte. Brill änderte den Kurs des Schiffes, doch trafen nun die beiden von PT 212 abgeschossenen Torpedos. Schnell, war klar das die "JUMINDA" untergehen würde und Brill befahl "Alle Männer von Bord!". Diejenigen die nach Backbord absprangen retteten damit ihr Leben, die anderen wurden durch die 2. Explosion getötet. Der Rest der 79-köpfigen Besatzung im Inneren des Schiffes ging zwischen den Insel Gorgona und Giglio, 2 Seemeilen westlich San Stefano, unter.
Die heranfahrenden Räumboote sichteten schließlich 16 Schiffbrüchige und nahmen weiterhin einige Leichen auf, um den Ort der Versenkung in Richtung Porto Santo Stefano zu verlassen.
Unter den 63 Gefallenen befanden sich auch Kapitänleutnant z.V. von Stosch und Fregattenkapitän d.R. Dr.-Ing. Brill, dessen Leichnam am 24.10.1943 von einem Marinefährprahm geborgen wurde. Zunächst auf dem Friedhof der Gemeinde Orbetello unter militärischen Ehren beigesetzt, ruhen die sterblichen Überreste des nach 9.000 ausgeworfenen Minen und über 50 Einsätzen post mortem  am 18.11.1943 mit dem 330. Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes dekorierten Offiziers Brill heute auf dem Soldatenfriedhof Pomezia bei Rom.
Das Abzeichen für Minensuch- U-Boots-Jagd- und Sicherungsverbände mit Brillanten, eine absolute Rarität, welches der Admiralinspekteur der deutschen Kriegsmarine, Großadmiral Raeder, dem erfolgreichsten deutschen Sperrwaffenoffizier nicht mehr persönlich überreichen konnte, wurde Brills Witwe mit Schreiben vom 18.05.1944 übersandt. Ende August 1944 erhielt die 24. Minensuch-Flottille den Namen "Karl-Friedrich Brill".

weiterführende Informationen zur "JUMINDA" findet Sie unter: JUMINDA

Beförderungen

 

Auszeichnungen

Seekadett ??? Eisernes Kreuz II. Klasse - 1. WK 19.10.1917
Bootsmann ??? Ehrenkreuz für Frontkämpfer ???
Leutnant zur See 13.12.1917 Eisernes Kreuz II. Klasse 09.03.1940
Oberleutnant zur See 19.12.1936 (RDA v. 18.07.1928) Eisernes Kreuz I. Klasse 27.04.1940
Kapitänleutnant d.R. 18.01.1939 m. Wirk. v. 01.01.1939 (RDA v. 01.11.1938) Minensuch-Kriegsabzeichen 05.11.1940
Korvettenkapitän d.R. 01.04.1941 Finnisches Freiheitskreuz II. Klasse 01.11.1941
Fregattenkapitän d.R. 01.10.1943 Deutsches Kreuz in Gold 20.11.1941
Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes 27.12.1941
330. Eichenlaub zum Ritterkreuz 18.11.1943 p.m.
Minensuch-Kriegsabzeichen mit Brillanten 18.05.1944

EHRE SEINEM ANDENKEN - GOTT GEBE IHM DIE LETZTE RUHE

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