Hermann Büchting wurde am 14.03.1916 in Neumünster geboren
und trat im April 1935 der Kriegsmarine bei, wo er seine militärische
Grundausbildung in Stralsund erhielt. Anschließend erhält er für zwei Monate
seine Offiziersausbildung auf der "GORCH FOCK". Dann nimmt er an
einer neunmonatigen Bordausbildung auf dem Leichten Kreuzer "KARLSRUHE"
teil, wobei ihn eine Weltreise von Kiel, um das Kap der Guten Hoffnungen, in den
Fernen Osten und über den Panama-Kanal wieder zurück nach Kiel führt.
Büchting trat dann an die Marine-Akademie nach Flensburg und wird dort nach der
Offiziersausbildung im März 1937 zum Fähnrich zur See befördert. Es folgten dann
einige Spezialkurse, so unter anderem an der Torpedo- und Aufklärungsschule, bis
er schließlich zur Torpedoboots-Ausbildungs-Flottille versetzt wurde und dort
den Posten eines 2. Wachoffiziers übernahm.
Mit Ende seiner Torpedoboots-Ausbildung kommt Büchting am 01.11.1938 zur 5.
Torpedoboot-Flottille unter dem Flottillenchef Korvettenkapitän Heyke und wird
dort dem Torpedoboote "GREIF", einem der 12 neuen Boote der Kriegsmarine,
zugeteilt. Er übernimmt dort den Posten des Technischen Offiziers.
Mit Ausbruch des 2. Weltkrieges wird die Flottille zunächst in der Nordsee zu
defensiven Minenunternehmungen, Stichfahrten, Handelskrieg und Geleitaufgaben
eingesetzt. Im Zuge des Unternehmens "Weserübung" wird Büchting im Rahmen
der Flottille im April 1940 mit Sicherungs- und Geleitaufgaben betraut und kommt
anschließend im Skagerrak und in der Nordsee zu weiteren Einsätzen.
Im März 1940 wurde Büchting zu den Schnellbooten versetzt. Dort erhält Büchting
unter Friedrich Kemnade seine Ausbildung. So sechs neue Kommandanten nebst
Besatzungen auf den Schnellbooten "S 1", "S 10", "S 11", "S
12" und "S 13" ausgebildet werden. Zu den ersten drei ausgebildeten
Kommandanten gehörten Büchting, Popp und Wagner. Büchting und Popp werden
mit Teilen ihrer Besatzungen an die 1. S-Flottille unter
Heinz Birnbacher und
Wagner an die 3. S-Flottille abgegeben.
Als Kommandant auf "S 25" stößt Büchting zusammen mit "S 23" unter
Oberleutnant zur See Georg-Stuhr Christiansen, am 14.04.1940 zur 1. S-Flottille
nach dem Auslaufen in Wilhelmshaven in Bergen/Norwegen ein. Es folgten
zahlreiche Einsätze insbesondere im Raum Stavanger und Haugesund am 21.04.1940.
Am 25.04.1940 stiess u.a. auch "S 25" und das Minensuchboot "M 1"
unter Kapitänleutnant
Hans Bartels in den Hardjangerfjord vor und erreichte dort gegen 07.30 Uhr
Ulvik Reede. Dort eröffneten norwegische Soldaten das Feuer auf die Boote, dabei
wird der Flottillenchef Birnbacher und die Kommandanten Büchting und Klug, sowie
neun Seeleute verwundet. Der Oberfähnrich zur See Spickenbom kam ums Leben. Die
Vertretung Büchtings übernahm der Adjutant der Flottille Leutnant zur See
Karl-Friedrich Künzel.
Mit Ende der Einsätze im Norden verlegte die Flottille an die holländische Küste
und unternahm Einsätze im Kanal und an der französischen Küste, vor allem
während der Evakuation britischer Truppen aus Dünkirchen. Büchting
versenkt hier am 08.08.1940 die "OUSE" mit 1004 BRT. Dabei kommt es mehrmals zu
Angriffe auf gegnerische Konvois. So auch am 18.10.1940 als die Flottille bei
Smith Knoll auf den Konvoi FN.311 stiess. Büchting, betraut mit dem
Kommando über "S 27", schoss dabei einen Torpedo auf einen Frachter der
später als französischer Kohlefrachter "P.L.M. 14" erkannt wurde.
Nach einem kurzem Minenunternehmen nördlich Shipwash verlegte die
Seekriegsleitung die 1. S-Flottille zur Gruppe Nord, wo sie am 28.10.1940 wieder
in Bergen eintraf, wo sie die Sicherung des Schweren Kreuzers "ADMIRAL SCHEER"
übernahm. Von Norwegen aus sollten Unternehmungen gegen die Shetlands gefahren
werden. Die Planungen waren jedoch wenig geeignet diese durchzuführen. Damit
verlegte die Flottille Mitte November 1940 zurück in den Westen. Dort versenkte
Büchting am 15.12.1940 zusammen mit "S 58" die "M.C. MONBERG"
durch Torpedotreffer.
Unter dem Kommando Birnbachers ging Büchting als Kommandant von "S 27" in
das Jahr 1941. Es folgten zunächst zahlreiche Einsätze im englischen Seeraum, wo
Büchting am 08.03.1941 den Frachter "RYE" mit 1049 BRT durch Torpedo
versenkte.
Mit Meldung von Juni 1941 gehörte Büchting dann der 5. S-Flottille unter
Kapitänleutnant Bernd Klug an, wo er das Kommando über "S 27" beibehielt.
Die 1. S-Flottille traf im Zuge der Operation "Barbarossa" am 15.06.1941
in Danzig-Langfuhr ein. Am 16.06.1941 begaben sich "S 27", "S 28"
und "S 29" unter Kluge zur Minenübernahme nach Goten Hafen, wo die drei
Schiffe nun die 5. S-Flottille bildeten. In den nächsten Wochen bis November
1941 erfolgte dann der Einsatz im Finnischen Meerbusen.
Anschließend verlegen Teile der 1. S-Flottille unter Birnbacher in das Schwarze
Meer, wobei "S 27" unter Büchting nun wieder zur Flottille stieß. Am
24.05.1942 trafen die ersten Schiffe im Hafen von Konstanza ein. Büchting kehrte
erst mit dem 13.06.1942 über die Donau kommend zur Flottille zurück, die
mittlerweile in Ak Mecet an der Westküste der Krim lag. Mit Minenschienen
ausgerüstet legte u.a. auch "S 27" am 30.06.1942 Minen in der Anlaufgasse
sowjetischer Schiffe zur eingeschlossenen Festung Sewastopol.
Nach Eroberung der Festung verlegte die Flottille dann am 21.07.1942 nach Ivan
Baba, westlich von Feodosija, wo sich die weiteren Einsätze nun auf die
Kaukasusküste richteten. Am 03.09.1942 versenkte Büchting bei der
Taman-Halbinsel mit Torpedos den sowjetischen Tanker "PROLETARII" mit ca.
4.000 BRT und am 04.09.1942 im gleichen Seegebiet einen 2.500 BRT großen
Dampfer, dessen Versenkung nach sowjetischen Quellen nicht nachgewiesen ist. Am
05.09.1942 folgten zwei weitere Schiffe mit 1.500 bzw. 1.000 BRT. Beim gleichen
Einsatz wird "S 27" durch ein Torpedo von "S 72" im Vorschiff
getroffen und so versenkt. Die Überlebenden, darunter der schwer verwundete
Flottillenarzt Marine-Stabsarzt Dr. Rolf Haenisch werden von "S 28"
aufgenommen. Drei Männer der Besatzung wurden schwer, Büchting, der II.
Flottilleningenieur und ein weiteres Besatzungsmitglied leicht verwundet.
Haenisch verstarb am 09.06.1942 im Reserve-Lazarett 646 in Simferopol nur wenige
Tage später.
Wieder genesen übernimmt Büchting dann das Kommando über "S 51" innerhalb
der 1. S-Flottille. Mit seinem Boot gelang Büchtung dann am 28.02.1943 die
Versenkung des Minensuchbootes der Fugas-Klasse "GRUZ" (T-403) mit 441
BRT, sowie des Küstenfahrzeuges "RACIJA". Am 18.04.1943 versenkte
Büchting dann ein weiteres Küstenfahrzeug im Zuge der Operationen des Heeres
gegen die gegnerischen Anlandungen bei Noworossisjk. Es folgten daraufhin nun
weitere Einsätze im Landungsraum.
Für seine bisherigen Erfolge im Angriff mit Schnellbooten erhielt Büchting am
22.04.1943 als Kapitänleutnant und Kommandant auf "S 51" das Ritterkreuz.
Auch am 30.04.1943 versenkte Büchting zwei weitere Küstenfahrzeuge vor Kap
Idokopas. Weiterhin stellte u.a. "S 51" am 14.05.1943 die Eskorte zum Transport des
3.000 t-Trockendocks "NELLY II" von Mariupol nach Sewastopol.
In dieser Zeit greifen die Überwassereinheiten auch immer mehr in den Landkampf
ein. Von den Besatzungen nicht geliebt, verhalf er den Heeres-Soldaten doch so
manchen Atempause in den schweren Abwehrkämpfen insbesondere auf der Krim, oder
im Kuban-Brückenkopf.
Während der Evakuierung der Krim fuhren die Schiffe der Flottille zahllose
Einsätze um die Evakuierung der Soldaten zu schützen. Mit Ende der Räumung
verlegte die Flottille nach Konstanza. Ende Oktober endete der Einsatz der
Flottille im Raum des Schwarzen Meeres mit der Versenkung der restlichen
Schnellboote im Zuge der Absetzung Marschall Antonescus. Zunächst interniert
gelangten die meisten der Flottillenangehörigen zurück nach Deutschland.
Dort stellt Büchting die neue 1. Schnellboots-Flottille auf. Stationiert ist
diese in den letzten Kriegstagen in Saßnitz. Während dieser Endkämpfe führt die
Flottille einen ihrer traurigsten Einsätze durch. So müssen am 30.03.1945 zwei
Schiffe der Flottille das am 27.03.1945 vor Gotenhafen auf Grund gesetzte
Schlachtschiff "GNEISENAU" torpedieren, da sich in dem Wrack sowjetische
Artilleriebeobachter eingenistet hatten.
Bei Kriegsende geriet Büchting dann am 08.054.1945 in britische Gefangenschaft.
Hermann Büchting verstarb am 27.06.1992 in Rellingen.