
326. Eichenlaubträger Georg Christiansen
Korvettenkapitän, Schnellboote






Georg-Stuhr Christiansen wurde am 21.10.1914 in Flensburg geboren und trat am
08.04.1934 der Reichsmarine bei. Seine militärische Grundausbildung erhielt er
bei der 2. Schiffsstammdivision Ostsee und seine praktische Bordausbildung, ab
dem 15.06.1934, auf dem Segelschulschiff der Marine "GORCH FOCK". Von
dort wechselte er ab dem 27.09.1934 auf den Leichten Kreuzer "EMDEN".
Vom 27.06.1935 bis zum 30.03.1936 wird er zur Ableistung eines
Fähnrich-Lehrgangs an die Marineschule Flensburg kommandiert, sowie anschließend
zu einem Fähnrichs-Artillerie-Lehrgang an die Schiffsartillerieschule nach Kiel.
Weiterhin schlossen sich an: Fähnrichs-Torpedo-Lehrgang an der Torpedoschule
Flensburg, ein Fähnrichs-Nachrichten-Lehrgang an der Marine-Nachrichtenschule,
ein Fähnrichs-Sperr-Lehrgang an der Sperrschule in Kiel und ein
Fähnrichs-Infanterie-Lehrgang bei der II. Schiffsstammabteilung Ostsee.
Mit dem 10.10.1936 erfolgte dann die weitere Bordausbildung auf dem Torpedoboot
"TIGER", der 3. Torpedo-Flottille. Sein erstes Bordkommando erhielt
Christiansen nach seiner Beförderung zum Leutnant zur See als Kommandant auf dem
Torpedoboot "ILTIS", der 3. Torpedo-Flottille. Christiansen absolviert
weiterhin einen Starboot-Lehrgang und gewinnt eine Segelwettfahrt.
Ab dem 12,07.1937 wechselte er zur 2. Zerstörer-Division, wo er zunächst als
Zugführer in der Ausbildungs-Abteilung eine neue Verwendung findet. Anschließend
wird er vom 15.09.1937 bis zum 29.03.1938 als IV. bzw. III. Wachoffizier auf dem
Zerstörer Z 7 "HERBERT SCHOEMANN" eingesetzt.
Am 30.03.1938 wird Christiansen an die Torpedoschule Flensburg, sowie am
12.06.1938 als Kommandant zur 1. Schnellboot-Flottille versetzt, wobei er vom
12.08. bis zum 10.10.1938 kurzzeitig als Kommandant von "S 7" bei der 2.
Schnellboot-Flottille zum Einsatz kommt.
Am 11.10.1938 erfolgte dann seine Rückversetzung zur 1. Schnellboot-Flottille,
wo er als Kommandant auf den Schnellbooten "S 23", "S 18" und "S
101" eingesetzt wird.
Im Polen-Feldzug im Einsatz, gelingt es Christiansen mit "S 23" ein
polnisches Schiff zu versenken. Am 03.09.1939 hatte die Flottille, unter
Kapitänleutnant Heinz Birnbacher, den Befehl erhalten gegen Minenverseuchung
durch polnische Überwasserstreitkräfte und U-Boote zu sichern. Dabei sichtete
Christiansen den polnischen Trawler "LLOYD BYDGOSKI" mit 133 BRT. Das
deutsche Boot sprach den Gegner als Sperrlotsenfahrzeug an und eröffnete das
Feuer mit seiner 20-mm-Kanone. Die Versenkung dieses Schiffes sollte während des
Polen-Feldzuges der einzige Erfolg der Schnellbootwaffe bleiben. Im weiteren
Verlauf des Krieges folgten dann 1939/1940 Einsätze in der Nordsee.
Beim Nordfeldzug, dem Unternehmen "Weserübung" wird Christiansen ebenfalls
eingesetzt. Seine Flottille gehörte dabei zur Kriegsschiffgruppe 3 unter
Konteradmiral Herbert Schmundt, mit dem Ziel Bergen.
Mit Beginn des Westfeldzuges steht auch Christiansen im Einsatz. Für die dabei
erreichten Erfolge wird Christiansen am 08.05.1941 als Oberleutnant zur See und
Kommandant auf "S 101" mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Ihm war es
gelungen am 09.04.1940 ein norwegisches Torpedoboot, am 23.05.1940 den
französischen Zerstörer "JAGUAR", sowie am 31.05.1940 den frz. Zerstörer
"SIROCCO" mit "S 23" zu versenken. Außerdem schoss er aus stark
gesicherten Geleitzügen Schiffe mit einer Gesamttonnage von mindestens 30.000
BRT heraus. Das Schiff "S 23" war u.a. am 12.07.1940 gegen einen
Geleitzug zwischen Kentish Knock und Shipwash ausgelaufen Gegen 01.30 Uhr
meldete das Schiff einen Minentreffer. "S 30" schleppte das Schiff in
Richtung Calais, da es aus eigener Kraft nicht mehr fahrbereit war. Der
Flottillenchef forderte dringend Jagdschutz. Dennoch gelang es nicht "S 23"
in einen Hafen zu schleppen. Gegen 05.00 Uhr wurde es gesprengt und das Schiff
versank schließlich. Personalverluste waren dabei nicht eingetreten.
Christiansen und der Leitende Maschinist Stabsobermaschinist Burmeister stiegen
auf "S 30" um. Nach der Übernahme von "S 18" versenkte
Christiansen am 04.09.1940 das britische Schiff "JOSEPH SWAN" und den
Niederländer "NIEUWLAND". Am 18.10.1940 sichtete die 1.
Schnellboot-Flottille bei Smith Knoll den Konvoi FN.311, aus dem Christiansen
zwei Torpedos abgab. Ein Frachter mit 6.000 BRT und ein Tanker mit 7.000 BRT
konnten dabei versenkt werden. Wann genau er das Kommando über "S 101"
übernahm ist unklar, zumindest wird er als Kommandant auf diesem Schiff für das
Jahr 1941 genannt. Am 07.01.1941 versenkte er den britischen Frachtdampfer "H.H.
PETERSEN" mit 975 BRT und am 07.03.1941 den britischen Frachtdampfer "NORMAN
QUEEN" mit 957 BRT.
Am 07.10.1941 erklärte der Chef des Stabes der Seekriegsleitung vor Hitler, dass
man während des kommenden Monats nicht mit größeren Aktionen rechnen könne.
Hitler sprach sich dagegen aus und befahl eine Verstärkung der leichten
Seestreitkräfte im Nordmeer. Am 20.10.1941 erging der Befehl zur Verlegung der
2. Schnellboot-Flottille unter dem Kommando des Flottillenchefs Korvettenkapitän
Petersen, zunächst nur mit vier Booten und dem Begleitschiff "ADOLF LÜDERITZ"
nach Kirkenes, ab. Am 01.11.1941 erfolgte dann jedoch in Kiel die Aufstellung
der nun als 8. Schnellboot-Flottille bezeichneten Flottille unter dem Kommando
des Kapitänleutnants Georg Christiansen. Sein Schiff "S 101" übernahm
Oberleutnant (Ing.) Werner Grotsch. Am 11.11.1941 erfolgte die Verlegung und am
15.12.1941 traf die Flottille in Tromsö ein. Es folgten zunächst Einsätze gegen
britische Überwasserstreitkräfte unter dem Befehl des britischen Konteradmirals
H.M. Burrough, die sämtlich jedoch zu keinem Erfolg führten. Die endgültige
Verlegung nach Kirkenes erfolgte ebenfalls erst am 27.01.1942. Die Flottille,
nie vollständig aufgestellt, wurde am 10.07.1942 aufgelöst.
Christiansen stand zunächst bis zum 04.08.1942 z.V. des Befehlshabers der
Schnellboote, bevor er am 31.08.1942 das Kommando über die 1.
Schnellboot-Flottille im Schwarzen Meer übernahm. Er löste damit Kapitänleutnant
Töniges ab.
Zunächst erfolgten Einsätze gegen den Hafen von Noworossijsk und im Raum der
Taman-Halbinsel, wo die Flottille beachtliche Erfolge errang. Während seines
Kommandos versenkten die Schnellboote der 1. Schnellboot-Flottille insgesamt 49
gegnerische Schiffe mit ca. 60.000 BRT. Christiansen erhielt dafür als
Korvettenkapitän am 13.11.1943 das 326. Eichenlaub zum Ritterkreuz. Er war damit
der 4. Träger dieser Auszeichnung innerhalb der Schnellbootwaffe.
Am 10.09.1943 wechselte Christiansen dann als 2. Admiralstabsoffizier in den
Stab des Führers der Schnellboote, Rudolf Petersen. Am 22.02.1945 wird er in ein
Lazarett nach Malente verlegt, dem sich ein Genesungsurlaub bis zum 08.03.1945
anschloss.
Vom 09.05. bis zum 30.09.1945 war Christiansen in der Verwaltungs-Abteilung der
Deutschen Minenräum-Leitung in Glückstadt/Elbe tätig.
Georg Christiansen verstarb am 14.06.1997 in Krusau in Dänemark.