Rudolf Petersen wurde am 15.06.1905 in Atzerballig auf Alsen/Dänemark, als Sohn eines Pfarrers, geboren.
Nach seiner schulischen Ausbildung trat er am 16.11.1925 als Seekadett in die
Reichsmarine ein, wo er bis zum 01.07.1931 zum Oberleutnant zur See befördert
wurde.
In der neuen Kriegsmarine, wo er am 01.09.1935 zum Kapitänleutnant befördert
wurde, übernahm er das am 06.09.1934 in Dienst gestellte Schnellboot S 9
(Stapellauf 22.01.1934) mit dem Leitenden Maschinisten Obermaschinist Karl
Langner. S8 erhielt noch den neu entwickelten Diesel-Motor MAN L-7 7-Zylinder
Viertakt-Diesel zu je 960/1320 PS. Gebaut wurde es von der Firma Lürssen in
Vegesack.
Am 01.08.1938 kam es aufgrund der Neubauungen von Schnellbooten zur Bildung
der 2. Schnellboot-Flottille in Wilhelmshaven, deren Chef Kapitänleutnant
Rudolf Petersen wurde.
Mit Kriegsbeginn 1939 lag die 2. Schnellbootflottille mit S9, S10, S14, S15,
S16 und S17, sowie mit dem Begleitschiff "TANGA" (unter Kapitänleutnant
Reinhold Bening) im U-Boothafen von Helgoland. Von hier aus startete die
Flottille am 04.09.1939 einen Aufklärungsvorstoß auf See, dabei gerieten sie
in schweres Wetter und mussten das Unternehmen abbrechen. Am 10.09.1939
verlegte die Flottille nach Kiel, dann nach Swinemünde, Saßnitz, Rostock und
wieder Kiel. Man betrieb dabei vor allem Ausbildung. So zum Beispiel das
Torpedoschießen vor Schleimünde und fuhr U-Boot-Sicherung für die schweren
Kreuzer "ADMIRAL HIPPER" und "BLÜCHER". Weiterhin suchte man in der
westlichen Ostsee, den Belten und im Sund nach polnischen U-Booten. Während
dieser Zeit unterstand man dem Befehlshaber der Sicherungsstreitkräfte Ostsee
(BSO), Konteradmiral Hermann Mootz.
Am 16.09.1939 wird die 2. Schnellbootflottille der Gruppe Ost für kurzfristige
Unternehmungen im Kattegat zur Verfügung gestellt und sollte in bestimmten
plötzlich auftretenden Konfliktfällen im Gebiet des Sundes und an der
Schwedenküste einsatzbereit sein.
Vom 05. - 08.10.1939 versuchte man das polnische U-Boot "ORZEL" unter
Kapitänleutnant Grudzinski daran zu hindern aus der Ostsee auszubrechen.
Dieses Unternehmen scheiterte. Die Folge war, das die Seekriegsleitung nun
annahm, das der Sperrriegel durchlässig war und vermutete nun britische
U-Boote im Ostseeraum. So operierte man vom 18. bis 20.11.1939 durch die
westliche Ostsee auf der Suche nach britischen U-Booten. Doch gab es durchaus
berechtigte Zweifel an der Eignung der Schnellboote in der U-Bootabwehr.
Am 01.01.1940 wird Petersen zum Korvettenkapitän befördert und die Flottille
wurde in die Nordsee verlegt. Hier machte sich die fehlende Luftunterstützung
schwerstens bemerkbar und wurde von Petersen des öfteren angesprochen.
Am 04.08.1940 erhielt er als Korvettenkapitän und Chef der 2.
Schnellbootflottille das Ritterkreuz.
Am 15.08.1940 explodierte bei einem Besuch des Gruppenbefehlshabers West
Generaladmiral Alfred Saalwächter das Torpedolager der Schnellbootflottille.
Dabei wurden alle Schiffe der Flottille beschädigt, wodurch die Flottille ganz
ausfiel. Auf Seiten der Seekriegsleitung geht man von Sabotage aus.
Am 27.11.1940 übernahm er kurzzeitig die Vertretung des Führers der
Torpedoboote und sein Stellvertreter Kapitänleutnant Obermaier die 2.
Schnellbootflottille.
Mitte Oktober 1941 übernahm Kapitänleutnant Klaus Feldt die 2.
Schnellbootflottille, da sein Vorgänger Petersen am 20.10.1941 als
Admiralstabsoffizier dem FdT zugeteilt wurde, um dort auf seine Aufgabe als Führer der S-Boote
vorbereitet werden sollte.
Am 20.04.1942 wird Petersen Führer der Schnellboote und bleibt dies bis zum
Kriegsende.
Zwischenzeitlich erhält er am 01.04.1944 die Beförderung zum Kapitän zur See.
Am 13.06.1944 erhält er als Kapitän zur See das Eichenlaub zum Ritterkreuz als
Führer der Schnellboote. Am 23.09.1944 wird er zum Kommodore ernannt.
In der Zeit als FdS wurde er stets von seinen Vorgesetzten (Generaladmiral
Marschall, Admiral Krancke und später auch Dönitz) gerügt, aufgrund der
angeblichen Erfolglosigkeit seiner Schnellboote. Petersen jedoch musste das
Verhältnis zwischen Versenkungen und Neubauten wahren, wodurch er sich kaum
Risiken leisten konnte um den Stand von möglichst 40 Schnellbooten im Westraum
aufrecht erhalten zu können.
Anfang Mai 1945 versammelte Petersen, als Führer der Schnellboote (FdS), seine
Schiffe in der Flensburger Bucht. Dort war er in seiner Eigenschaft als FdS
Gerichtsheer über den letzten Fahnenflucht-Prozess der Kriegsmarine gegen den
Matrosen Fritz Wehrmann (26) aus Leipzig, dem Funker Alfred Gail (20) aus
Kassel und dem Obergefreiten Martin Schilling (22) aus Ostfriesland. Diese
hatten am 04.05.1945 von der Kapitulation der deutschen Truppen gegenüber den
Briten erfahren und versucht am 6. Mai von ihrer Unterkunft in Svendborg auf
der Insel Fünen auf das Festland zu gelangen. Sie wurden dabei von einem
dänischen Hilfspolizisten verhaftet und den dt. Stellen übergeben. Alle drei
Angeklagten wurden noch am 10. Mai 1945 auf dem Schnellbootbegleitschiff "BUEA"
hingerichtet und das obwohl Petersen bereits am 08.05.1945 die dt.
Hoheitsflaggen auf seinen Schiffen streichen ließ. Im Zuge der Kapitulation
hatten die Alliierten jedoch die Aufrechterhaltung der Disziplin und der
deutschen Kriegsgerichtsbarkeit verlangt. Damit begründeten später die
Protagonisten ihre Tat. Allerdings hatten die Alliierten auch gefordert daß
die Bestätigung und Vollstreckung von Todesurteilen durch die britische
Besatzungsmacht gebilligt werden müsse. Dieses soll den Mitgliedern des
Kriegsgerichts allerdings nicht bekannt gewesen sein.
Nach dem Krieg wurden Petersen und sämtliche Mitglieder des Kriegsgerichts in
drei Prozessen vor dem Landgericht Hamburg im Jahre 1953 vom Vorwurf des
Totschlags und der Rechtsbeugung freigesprochen. Der Vorsitzende des
Kriegesgerichts wurde zu zwei Jahren Haft veruteilt. Petersen arbeitete dann
zunächst als Handelsvertreter und übernahm vom 01.06.1953 bis Anfang 1958 die
Leitung der Hanseatischen Yachtschule in Glücksburg des Deutschen
Hochseesportverbandes HANSA e.V. und gehörte weiterhin dem Militärischen
Abschirmdienst (MAD) der Bundeswehr an.
Rudolf Petersen starb am 02.01.1983 in Flensburg, nachdem ihm Jugendliche am
Silvestertag 1982 Silvesterraketen ins Gesicht geschossen hatten.