Walter Bornschein wurde am 07.09.1914 in Obergeißlau bei
Weißenfels als Sohn des Maurers Willi Bornschein und seiner Frau Hulda, geborene
Kornmann, geboren.
Nach dem Besuch der Grundschule in Obergeißlau und der Oberschule für Jungen in
Weißenfels, wo er sein Abitur ablegte, leistete er seine Arbeitsdienstpflicht ab
und trat dann am 01.11.1935 freiwillig der Luftwaffe für drei Jahre bei. Dort
gehörte er ab dem 15.12.1937 der I. Gruppe des Kampfgeschwaders 153 in Merseburg
an und kommt dann in die II. Gruppe des neuen Kampfgeschwaders 2 auf den
Flughafen Liegnitz. Nach Ableistung seiner aktiven Dienstzeit, sein Berufswunsch
war Kunstmaler, entschied er sich dann aktiver Offizier zu werden und nahm so am
Feldzug gegen Polen, wo er u.a. drei Eisenbahnzüge vernichtete, und Frankreich,
wo er am 11.05.1940 zusammen mit weiteren Maschinen der 4. Staffel durch einen
kühnen Tiefangriff auf den Flugplatz Vaux bei Sissone-La Malmaison von sich
reden machte. Die dort startklaren Maschinen der 114. Staffel der Royal Air
Force wurden komplett zerstört. Weiterhin war er an der Vernichtung einer 10
Kilometer langen Feindkolonne beteiligt und nahm an der Bekämpfung zahlreicher
Artillerie-Einheiten des Gegners teil. Ebenso ist er an den Einsätzen gegen
England beteiligt, wo er an Angriffen gegen Dockanlagen, Flugplätze, Geleitzüge
und Industrieanlagen flog. Am 11.07.1940 flog er als Beobachter in der Maschine
des späteren Ritterkreuzträgers Oberleutnant Joachim Genzow als die Do17Z bei
Harwich von britischen Hurricanes der 85. Squadron unter der Führung von Sqd.
Leader Townsend, angegriffen wurde. Hierbei gelang es Townsend insgesamt mehr
als 200 Treffer anzubringen und mindestens drei Besatzungsmitglieder der
deutschen Maschine, darunter Bornschein, zu verwunden. Doch die Maschine
schaffte es zurück bis zum Heimathafen.
Am 20.06.1942 wird er zum Kapitän der 4. Staffel ernannt, die er bis zum
15.02.1943 führen sollte. Er nahm an Kampfeinsätzen über Dieppe und bei St.
Nazaire teil. Anschließend wurde er zu Adolf Hitler zum Rapport bestellt und
erhielt von diesem ein Bild mit persönlicher Widmung.
Danach erneut im Einsatz versenkt er zwei Dampfer mit zusammen 9.000 BRT, wofür
er am 24.09.1942 als Oberleutnant und Flugzeugführer in der II. Gruppe des
Kampfgeschwaders 2 das Ritterkreuz erheilt.
Am 16.02.1943 wird er als Kompaniechef an die Flugzeugführerschule A/B 3 nach
Guben versetzt, wo er seine im Kampf gemachten Erfahrungen an den
Kampffliegernachwuchs weitergab.
Am 17.05.1943 erfolgte die Versetzung als Staffelkapitän zur
Führer-Kurierstaffel auf den Heimathorst Berlin-Staaken. Einsatzhafen war
Rastenburg in Ostpreußen.
Im Frühjahr 1944 nahm Bornschein an einem zweitägigen Seemanöver in Pillau auf
einem U-Boot teil. Am 27.04.1944 wieder auf dem Flugplatz München-Riem mit der
Ju-88, ausgestattet mit dem Lichtenstein-Gerät, im Einsatz. Als er erfuhr, daß
sich ein gegnerischer Bomberverband auf Schweinfurt bewegte, stieg er auf und
schleuste sich in den Verband ein. Über dem Stadtgebiet von Schweinfurt setzte
er sich hinter eine Lancaster und griff diese an. Jedoch entdeckte ihn der
Heckschütze Sergeant W. G. Stevens, der ebenfalls Feuer gab. Beide Maschinen
wurden getroffen, wobei die Lancaster um 02.25 Uhr bei Schraudenbach aufschlug.
Nur der Navigator Flight Sergeant Burns und ein weiteres Besatzungsmitglied
konnten sich durch Fallschirmsprung retten. Die fünf weiteren
Besatzungsmitglieder starben beim Absturz der Maschine. Dieser Sieg über die
Lancaster war der einzigste Luftsieg Bornscheins. Allerdings hatte er den
Aufschlag des abgeschossenes Flugzeugs nicht mehr erlebt. Vermutlich durch einen
Herzschuss getroffen sackte Bornschein auf die Steuerhebel nach vorn über. Die
Ju-88 ging sofort in einen Sturzflug über und schlug schließlich auf einer Wiese
bei Schweinfurt auf. Zusammen mit Walter Bornschein fielen Bordfunker
Stabsfeldwebel Wilhelm Steuer und der Bordmechaniker Feldwebel Josef Schmitz. Ob
ein viertes Besatzungsmitglied an Bord war, konnte bisher nicht geklärt werden.
Walter Bornscheins sterbliche Überreste wurden später geborgen, nach Obergeißlau
überführt und auf dem dortigen Friedhof beigesetzt.