Herward Braunegg wurde am 26.12.1917 in Graz im damaligen Österreich-Ungarn
als Sohn eines Hauptmanns a.D. und späteren Generalmajors geboren. Im Alter von
20 Jahren schrieb er sich an der Chemischen Fakultät der Universität Wien ein.
Er brach seine akademische Ausbildung jedoch ab und trat 1937 als
Einjährig-Freiwilliger dem österr. Infanterie-Regiment 3 bei. Nach
verschiedensten Offiziersauswahlkursen, kommt er als Fähnrich in das Grazer
Alpenjäger-Regiment 10 und absolvierte dann die Ausbildung an der
Offiziersakademie Wiener-Neustadt.
Zum Leutnant befördert wechselte er zur deutschen Luftwaffe über und besuchte
die Ausbildungslehrgänge in Berlin-Gatow, Braunschweig und Hildesheim, wo er
schlussendlich zum Aufklärungspiloten ausgebildet wurde.
Bei Kriegsausbruch noch in der Aufklärer-Ergänzungsgruppe, nimmt er ab Januar
1940 an ersten Einsätzen im Westen teil.
Im Westfeldzug der 1. Staffel der Nahaufklärungsgruppe 2, auf Henschel Hs-126,
zugeteilt, ist er für die taktische Feindaufklärung für Heer und Luftwaffe
zuständig. Für seine Verdienste in Frankreich wird er bereits hier mit dem
Eisernen kreuz II. Klasse und kurze Zeit später für die zahlreichen
Aufklärungsflüge über England, mit dem Eisernen Kreuz I. Klasse ausgezeichnet.
Mit Beginn des Ostfeldzuges erlebt auch das Aufklärungskorps mehr Aufgaben und
Einsätze und trotz gutem Schutz durch eigene Jäger, müssen die Aufklärer
schmerzliche Verluste hinnehmen. Braunegg ist dabei mit seiner Staffel direkt
dem IV. Armee-Korps unterstellt und fliegt mit der Fw-189 ihre Einsätze. Stets
befindet er sich an der Spitze deutscher motorisierter Verbände und gerät dabei
selbst oft in feindliches Flakfeuer.
Nach der überstandenen Winterschlacht 1941/42 bereits mit über 100 Einsätzen
betraut und Träger der Frontflugspange für Aufklärer in Gold, folgen schwere
Einsätze im Raum Bjelgorod und im Donez-Becken im Rahmen der neu aufgestellten
Nahaufklärungsgruppe 9. Dort wird er im Sommer 1942 als Adjutant in den
Gruppenstab versetzt und auf die Me 109 umgeschult. Somit folgen nun Einsätze
über Rostow, dem Kuban und im Kaukasus. Dabei wird er mehrmals in Luftkämpfe
verwickelt und greift in die Landkämpfe ein.
Im Winter 1942/43 kommt er als Ic zum IV. Fliegerkorps und ist so an den
verzweifelten Versuchen der Versorgung des Kessels Stalingrad beteiligt. Danach
Technischer Offizier wieder bei der Nahaufklärungsgruppe 9, erlebt er die
schweren Rückzugskämpfe im Kuban-Brückenkopf und ist daneben für den Nachschub
an Treibstoff, Motoren, Ersatzteilen, Munition usw. verantwortlich. Für die
Einsätze über dem Kuban wird er in relativ kurzer Reihenfolge mit dem
Ehrenpokal, dem Deutschen Kreuz und dem Belobigungsschreiben des AOK 17 für
seinen 300. Feindflug ausgezeichnet.
Zusammen mit den Truppen des Heeres zieht sich auch die Nahaufklärungsgruppe 9
auf die Krim zurück, bis auch von dort die letzten Maschinen abgezogen werden.
Im Dezember 1943 erreicht die Gruppe ein Befehl, wonach Braunegg mit einem
Flugverbot belegt und nach Berlin befohlen wurde. Für die Erfolge in der
Aufklärung wird Braunegg am 26.03.1944, als Oberleutnant, Flugzeugführer
und Beobachter im Stab der Nahaufklärungsgruppe 9, mit dem Ritterkreuz
ausgezeichnet. Er gehörte damit zu den nur 33 Piloten von Aufklärungsflugzeugen,
die diese Auszeichnung erhielten. Ganze 14 davon waren Österreicher.
Im Oberkommando der Luftwaffe entbrannte zu jener zeit ein schwerer Streit über
den Einsatz des neuen Düsenfliegers Me 262. Die einen, unter Galland, plädierten
für den Einsatz als Jagdflieger, die anderen für einen Einsatz als Jagdbomber.
Daneben entwickelte man auch eine Aufklärer-Maschine, die es nun endlich wieder
möglich machen sollte, Aufklärung über England und über den Osten machen zu
können. Zum Kommandanten dieses Versuchskommandos in Münster-Handorf wurde der Oberleutnant
Braunegg im November 1944 bestimmt und unterstand dem Versuchsverband des
Oberkommandos der Luftwaffe. Der niedrige Rang Brauneggs, spricht für seine Begabung.
In der Folge führte Braunegg mit seinen Piloten, u.a. der Ritterkreuzträger und
spätere Oberst der Reserve (ÖBH) Ludwig Hammer, hunderte Test- und Frontflüge
über Frankreich und Belgien durch und leisteten so Pionierarbeit auf dem Gebiet
der Düsenaufklärung. Dabei stachen Einsätze zur Aufklärung für die
Ardennenoffensive und für die
Operation "Bodenplatte" hervor.
Am 06.02.1945 wird das Komamndo aufgelöst und in Stab bzw. 2. Staffel Nahaufklärungsgruppe
6 umbenannt, wobei Braunegg mit dem Posten des Kapitäns der 2. Staffel betraut
wird. Im März 1945 übernimmt er dann als Hauptmann das Kommando der Gruppe, das
er im April 1945 an Major Arthur Schulze abgab und in
britische Gefangenschaft geriet. Im Oktober 1945 entlassen, hielt er sich
zunächst mit verschiedenen Arbeitsplätzen über Wasser und nahm 1950 sein
Chemiestudium wieder auf, das er mit dem Diplom abschloss. Als Chemiker bzw.
Abteilungsleiter in einer Firma, baute er sich zugleich eine eigene Firma in
Graz auf und ließ sich 1970 als Zivilangestellter beim Bundesheer anwerben. Bis
dato hatte Braunegg bereits dem Reservekorps der Fliegertruppe angehört und als
Oberstleutnant der Reserve (ÖBH) bereits sieben Übungen als Pilot bzw.
Truppenoffizier abgeleistet. Als Zivilangestellter übernahm Dr. Braunegg
anschließend das Referat für Chemie im Amt für Wehrtechnik und wechselte 1974 in
die Versuchsanstalt für Schwach- und Starkstromtechnik in Wien. Später wird er
Hauptreferatsleiter für wehrtechnische Belange beim BMLV und erhält 1979 als
Hofrat einen eigenen Sitz im Beirat des Bundeskanzerleramtes. Im Jahre 1977
Oberst der Reserve (ÖBH) wurde er im Ernstfall als Stabsoffizier in der
Zentralabteilung des BMLV vorgesehen.
Eine überraschend diagnostizierte Krankheit beendete seine Karriere 1980 abrupt.
Der vierfache Vater
Dr. Herward Braunegg verstarb am 16.12.1983 in seiner Heimatstadt Graz.