Karl Christmann wurde am 16.06.1912 in Feilbingert im
Kreis Bad Münster in der Pfalz geboren und trat im September 1936 bei der
Fliegerübungsstelle Mannheim der neuen Luftwaffe bei. Er wird im April 1937
an die Großen Kampffliegerschule in Lechfeld und Tutow zum Kampfbeobachter
ausgebildet und nach Beendigung seiner Ausbildung im März 1940 zur 4.
Staffel des Kampfgeschwaders 53 "Legion Condor" nach Manching
versetzt.
Mit dieser Staffel flog Christmann erste Einsätze während des Westfeldzuges
1940. Während eines Einsatzes am 10.06.1940 musste er mit seiner He 111 H,
A1+JM, südlich Sedan allerdings notlanden. Er blieb dabei aber mehr oder
weniger unverletzt. Es schlossen sich dann schwere Einsätze während der
Luftschlacht um England an, wobei Christmann als Beobachter bei Nacht- und
Tagflügen gegen Industrie- und Militärziele, mit Schwerpunkt London,
eingesetzt wurde.
Bis zur Verlegung der Gruppe nach Radom in Polen, Mitte Juni 1941, führte
Christmann 38 Feindflüge durch.
Mit Beginn des Feldzuges gegen die Sowjetunion im Einsatz, kommt Christmann
bis Ende März 1942 im Mittel- und Nordabschnitt zum Einsatz und führt dort
79 weitere Feindflüge durch.
Nach seiner Versetzung in die 6. Staffel am 01.04.1942, fliegt er als
Beobachter in der Besatzung des späteren Ritterkreuzträgers Heinz Zöllner.
Dabei nimmt er bis zum 09.11.1942 an weiteren 206 Einsätzen teil. Darunter
fallen Einsätze auf Mogilew, Orscha, Orel, Smolensk, Tula, Klin, Welish,
Medyn, sowie im Raum des Ladoga- und Ilmensees, Welikije Luki und bei
Staraja Russa. Am 28.08.1943 führt er seinen 400. Feindflug durch.
Ab November 1943 wird Christmann höchstwahrscheinlich als Ausbilder bei der
IV. Gruppe des Geschwaders in Orleans-Bricy verwendet und kehrt im Februar
1944 wieder zur 6. Staffel zurück. An der Ostfront führt er u.a. Einsätze
über dem Kessel von Tscherkassy , sowie im Raum Tarnopol durch. Für seine
Leistungen als Beobachter in der 6. Staffel des Kampfgeschwaders 53 "Legion
Condor", wird er als Oberfeldwebel am 05.04.1944 mit dem Ritterkreuz
ausgezeichnet.
Im August 1944 verlegt die II. Gruppe, zu der auch die 6. Staffel gehört,
nach Frankreich und wird dort in den Strudel der Invasion und dem Rückzug
der deutschen Truppen gerissen. Einsatzflüge können in dieser Situation nur
wenige durchgeführt werden. Ab Anfang September 1944 erfolgte eine
Auffrischung im Reich und ab Oktober Einsätze mit neuen He 111 und
untergehängten V1-Flugkörpern gegen England. In der Nacht vom 05./06.11.1944
stieg die Besatzung Heinz Zöllner, mit Christmann als Beobachter, Feldwebel
Erich Schneider als Bordfunker, Oberfeldwebel Fritz Marhoun als
Bordmechaniker und Feldwebel Leonhard Dollmeier als Bordschütze zu einem
neuerlichen Einsatz auf. Zusammen mit drei weiteren Besatzungen wurde die
Besatzung Zöllner mglw. von britischen Nachtjägern über der Nordsee
angegriffen und abgeschossen. Sie gelten noch immer als vermisst.
Karl Christmann flog mehr als 400 Feldflüge an der West- und Ostfront.