Paul Claas wurde am 12.12.1908 in Linden im Kreis
Hattingen geboren und trat am 01.10.1928 dem Polizeidienst bei, bis er
sich am 01.08.1935 zur Luftwaffe meldete. Claas erhielt dort zunächst eine
Ausbildung zum Beobachter und befand sich ab dem 01.03.1936 beim
Kampfgeschwader 253 in Gotha.
Mit dem 01.10.1936 wechselte Claas zum Flieger-Ausbildungs-Regiment 16 nach
Schleswig, wo er u.a. eine Verwendung als Kompanieoffizier und Adjutant
fand.
Am 01.04.1940 erfolgte seine Versetzung an die Flugzeugführerschule (See)
nach Bug, bis er am 01.08.1940 der I. Gruppe des Kampfgeschwaders 28
zugewiesen wurde. Mit dieser Gruppe führte er bis zum Juli 1941 insgesamt
103 Kampfeinsätze an der Kanalfront durch. Allerdings gibt es in dieser
Phase einige biographische Unklarheiten. So wurde die I. Gruppe des
Geschwaders im Februar 1940 in III. Gruppe/Kampfgeschwader 26 umbenannt.
Allerdings sollte Claas am Juli 1941 an der Ostfront zum Einsatz kommen, wo
bspw. das Kampfgeschwader 26 nie eingesetzt wurde. Demnach muss er nach der
Umbenennung also beim Kampfgeschwader 28 verblieben sein. In welcher
Dienststellung ist bisher unbekannt. Die neue I. Gruppe des Kampfgeschwaders
28 wurde er st im Dezember 1940 neu aufgestellt. Wo Claas seinen Dienst
zwischen beiden Daten versah ist unklar. In der Literatur findet sich jedoch
kaum eine Nennung als Angehöriger des Kampfgeschwaders 28, sondern vielmehr
des Kampfgeschwaders 26. Hier bedarf es eindeutig einer Klärung.
Ab dem 01.02.1941 bekleidete er den Posten des Staffelkapitäns der 2.
Staffel. Die Einsätze richteten sich in erster Linie gegen die britische
Schifffahrt. So gelang es Claas u.a. am 14.04.1941 einen Tanker mit 5.000
BRT bei den Scilly-Inseln zu versenken. Weiterhin beschädigte er am
28.05.1941 einen Kreuzer westlich von Irland und schoss in Zusammenarbeit
mit der gesamten Besatzung in der nacht vom 17. auf den 18.01.1941 einen
gegnerischen Nachtjäger vom Typ "Blenheim" ab.
Am 19.07.1941 verlegte das Geschwader an die Ostfront und unternahm dort
Einsätze im Mittelabschnitt. Am 04.11.1941 gelang Claas u.a. ein
Bombenvolltreffer in einem Rüstungswerk in Gorki.
Im Januar 1942 wird er zum Kommandeur der IV (Erg.). Gruppe des
Kampfgeschwaders 100 ernannt, die er bis Oktober 1942 führt. Anschließend
wird er zum Kommandeur der I. Gruppe ernannt und fliegt mit dieser u.a.
Versorgungseinsätze in den Kessel von Stalingrad. Claas transportierte dabei
ca. 6.000 t Versorgungsgüter und flog unzählige Verwundete aus. Zuvor führte
er u.a. Einsätze gegen den Schiffsverkehr auf der Wolga durch, wobei ihm am
31.10.1942 die Versenkung eines Dampfers mit 2.000 BRT gelang.
Für seinen 300. Feindflug wird er mit der Frontflugspange für Kampfflieger
in Gold mit Anhänger und am 14.03.1943 als Major und Kommandeur der I.
Gruppe im Kampfgeschwader 100 mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.
In der Nacht vom 19. auf den 20.06.1943 musste die Besatzung Claas,
bestehend aus dem Flugzeugführer Feldwebel Franz Dittrich, dem Bordfunker
Feldwebel Klaus Fritsche und dem Bordschützen Obergefreiter Hubert Both, mit
ihrer He 111 H-11 "6N+MH" auf dem Asowschen Meer notlanden. Alle
Besatzungsmitglieder überlebten die Notlandung und wurden kurze Zeit später
von einem sowjetischen Schiff entdeckt und gefangengenommen. Claas
verweigerte jedoch die Heerausgabe seines persönlichen Besitzes und wurde
daraufhin im Schlauchboot sitzend erschossen. Hubert Both verstarb am
07.09.1943 in einem Kriegsgefangenenlager in Astrachan.
Paul Claas flog mindestens 350 Einsätze. Beim Vorschlag zur Verleihung des
Ritterkreuzes hatte er bereits 311 Feindflüge durchgeführt, davon 208 an der
Ostfront.