Ritterkreuzträger Arnold Döring
Leutnant, Jagdflieger


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Erst im März 1966 und somit mehr als 20 Jahre nach Kriegsende erfuhr der damalige Bundeswehr-Hauptmann Arnold Döring über die Zentralnachweisstelle des Bundesarchivs in Kornellimünster, daß ihm am 17. April 1945 als Leutnant und Flugzeugführer in der II. Staffel des Nachtjagdgeschwaders 3 das Ritterkreuz verliehen worden war.
Der am 29.01.1918 als Lehrersohn im ostpreußischen Heilsberg geborene spätere Kampfflieger und Nachtjäger war für die Fliegerei familiär sozusagen schon doppelt belastet, sein Onkel, Leutnant Otto Parchau (1890 - 1916), gehörte nämlich als Inhaber des Vorweltkriegspatentes Nr. 455 für das Fliegen von "Zweideckern" zu den sog. "Alten Adlern" der deutschen Fluggeschichte, außerdem war er als Führer des Kampfgeschwaders 1 der Obersten Heeresleitung am 10. Juli 1916 nach seinem 8. Luftsieg mit dem Pour le merite, dem höchsten preußischen Tapferkeitsorden für Offiziere, ausgezeichnet worden.
Zu Dörings Verwandtschaft gehörte aber auch sein aus Voigtshof bei Seeburg in Ostpreussen stammende Großonkel Johann Hermann Ganswindt (1856 - 1934), ein ebenso einfallsreicher wie vielseitiger Erfinder, der seiner Zeit in der zeitgenössischen Presse als der "Edison von Schöneberg" bezeichnet wurde, er hatte bereits 1891 den ersten Entwurf eines "Raumschiffes" veröffentlicht, Auch die Motorfliegerei hatte ihm manche technischen Impulse zu verdanken, so war es kein Wunder, daß sich Arnold Döring schon während seiner Schulzeit in Heilsberg und Tilsit für die Segelfliegerei interessierte, sich dafür in Rossitten und Sensburg ausbilden ließ und die A-, B- und C- Segelflugscheine erwarb.
Nach dem Abitur meldete sich der junge Segelflieger freiwillig zur Reichsluftwaffe und erlebte daraufhin seine militärische Grundausbildung bei der 4. Staffel der Flieger-Ersatzabteilung in Neukuren/Kreis Firchhausen (Samland), nachdem er seit Ende 1938 zum Luftwaffen-Bodenpersonal gehört hatte, folgten Kommandos zur Flugzeugführerschule und zu Kampfflieger- und Blinflugschulen in Linz und Wien, bis er schließlich mit der 9. Staffel des KG 53 im November 1940 als Gefreiter zum Fronteinsatz gegen England, als im Sommer 1941 der Krieg gegen die Sowjetunion begann, war der mittlerweile dreiundzwanzigjährige ebenfalls dabei.
Im Sommer 1942 kam er zur 8./KG 55, unter anderem flog er damals Einsätze bei Stalingrad, an der Miusfront und im Raum Bjelgorod, nach Verleihung der Eisernen Kreuze wurde der nunmehrige Feldwebel, der seit dem 25. Februar 1942 den Ehrenpokal für besondere Leistungen im Luftkrieg besaß, am 25. September 1942 mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet.
Über Stalingrad schoss er in einer Nacht 3 sowjetische viermotorige Bomber des Typs TB 3 ab, 6 weitere TB 3 zerstörte er auf einem gegnerischen Flugplatz 300 km jenseits der Wolga am Boden, es folgten dann noch 7 Abschüsse von MiG 1 - und MiG 3 - Jägern, zu den Erfolgen in Dörings Kampfflieger-Einsätzen gehörten schließlich - neben 25 am Boden vernichteten Feindflugzeugen - auch noch rund 200 Lastkraftwagen, 70 Eisenbahnzüge und Lokomotiven, 4 Munitionszüge, 1 Panzerzug, 16 Panzer, 2 Munitionslager, 8 Brücken sowie die Versenkung von einem Kanonenboot, 2 Tankern und 2 Frachtern mit zusammen 18.000 BRT.
Als Leutnant meldete sich Döring im Sommer 1943 nach 348 Feindflügen zur Nachtjagd und kam ab August 1943 bei der 2./JG 300 ("Wilde Sau") zum Einsatz.
In der Nacht zum 28. September 1943 errang er seinen ersten Nachtjagdsieg bei der Reichsverteidigung, ab März 1944 flog er bei der 7./JG 300, als Angehöriger dieses Geschwaders konnte er insgesamt 5 Nacht- und 3 Tagesabschüsse erringen, im Mai 1944 wurde Leutnant Döring zur 7./NJG 2 versetzt, wo ihm noch einmal 5 Nachtabschüsse gelangen, darunter 2 beim Unternehmen "Gisela" in der Nacht zum 4. März 1945, dieser Erfolg war dann der Anlass, Leutnant Döring für die Auszeichnung mit dem Ritterkreuz einzugeben, dessen Verleihung er angesichts des in den letzten Kriegswochen herrschenden Durcheinanders vor Kriegsende am 8. Mai 1945 nicht mehr erlebte.
Über die Geschehnisse beim Unternehmen "Gisela" kann man in Dörings bisher noch unveröffentlichten persönlichen Erinnerungen unter anderem folgendes nachlesen:"Im Januar 1945 wird unter strengster Geheimhaltung eine große Sache vorbereitet. Es ist ein Fernnachtjagdunternehmen, daß unter dem Decknamen "Gisela" läuft. Unser Geschwaderkommodore spricht mit uns das Unternehmen genau durch für den Tommy soll es eine große Überraschung werden das Unternehmen zielt daraufhin, nach einem Großangriff des Tommy bei günstiger Wetterlage den zurückfliegenden verbänden im Tiefflug außerhalb der Radargerät-reichweite zu folgen und ihn erst über den eigenen Plätzen zu jagen. Es müsste drüben auf der Insel eine große Verwirrung geben, denn der Tommy ist seit 1942 nicht mehr an Fernnachtjäger gewöhnt. Obendrein fliegt er fast friedensmäßig mit vollen Positionslichtern umher, seine Plätze weisen einen großen Lichterzauber auf.
Wir glauben, das es bald losgehen wird, erhalten eine Sonderausrüstung, bestehend aus Schaumwäsche die die Unterkühlung des Körpers im eisigen winterlichen Nordseewasser verhindern soll und die Überlebensdauer auf 12 Stunden erhöht, wie es ein Fall im nördlichen Eismeer bewiesen hat, während man im Winter normalerweise meist nach etwa 1 Stunde im wasser an Unterkühlung stirbt.
Endlich, am 3. März 1945, erhalten wir am Nachmittag das Stichwort "Gisela". Ich bin mit meinem Haufen als Dritter dran. Damit uns die generischen Suchgeräte nicht erfassen können, geht's im Tiefflug in 30 - 50 m Höhe über den Bach. Mit WNW-Kurs wird die Halbinsel Flamborough Head angesteuert. Schon beim Überflug kann ich die ersten Abschüsse beobachten. Mein Funker Walter heuer notiert die Zeiten. Viele Flugplätze sind hier im Raum der 100. Bombergroup zu sehen.
Ich drücke an, und zwischen 900 und 600 m fliege ich mit Kurs auf einige aufgehellte Flugplätze vor mir. Drei habe ich erleuchtet vor mir, am Boden blinken rote Lampen: Jägerwarnung. Trotzdem fliegen einige Tommys leichtsinnig mit vollster Festbeleuchtung.
Ich greife mit den nächsten, der von rechts angewackelt kommt, schneide seinen Landeanflug, brause wie der Teufel hinterher. Mit hoher Fahrt komme ich meinem Opfer schnell näher, drücke noch etwas nach und unterfliege ihn, um mit meinen Schrägwaffen, der "schrägen Musik" (nach oben gerichtete Bordwaffen), anzugreifen. An dem weit nach vorn gezogenen Leitwerk erkenne ich, das es sich um eine B-17 handelt. Das Fadenkreuz wandert durch Rumpf und rechte Tragfläche, meine Glimmspur frisst sich in mein Opfer. Die "Boing" versucht, leicht brennen, zu landen, jedoch macht der Platz seine Lichter aus. Langsam sinkt der Brummer tiefer, und als der platz wieder aufhellt, schlägt die "Boing" weit davor unter großer Staub- und Rauchentwicklung auf dem Boden auf. Der Brand verlöscht nach kurzer Zeit. Die Borduhr zeigte 1.05 Uhr. Walter notiert die Zeit.
Positionslichter wandern unter mir vorüber: da muss wohl einer im Tiefflug sein Heil in der Flucht suchen. Ich lasse diesen Tommy sausen, will mir nicht im unbekannten, leicht bergigen Gelände den Schädel einrennen. So greife ich mir eine andere viermotorige, die, ebenfalls hell erleuchtet, zur Landung ansetzen will. Ich pirsche mich heran, schneide ihr den Weg ab, und dann spricht wieder meine "schräge Musik" aus ca. 30 m Entfernung. Groß wie ein Scheunentor hängt die "Lancaster" über mir. Ich ziele sauber zwischen beide Motoren in den großen Spritbehälter, und nach 15 Schuss ist auch diese Maschine erledigt. In Flammen gehüllt, die rasch größer werden und bis über das Leitwerk hinausschlagen, fliegt dieser Tommy wohl noch 2 Minuten geradeaus und schmiert dann über die rechte Tragfläche ab. Um 1.15 Uhr gibt es unten eine große Explosion, die weithin alles erleuchtet, und dann brennen die Rest am Boden aus.
Mein Spritvorrat geht bedenklich zur Neige. Trotzdem fliege ich noch einmal um den Platz.
Noch liegen etwa 80 km bis zur Küste vor mir, und viele Lichter sind am Boden zu erkennen. wir dürfen kein Schuss Munition mit nach hause bringen. Die Jagd ist freigegeben auf alle Ziele, die sich bieten, am Boden und in der Luft.
Ein Doppelmorskennfeuer liegt vor mir, sauber gezielt, und diese Laterne ist erledigt. Dann greife ich einige Fahrzeuge auf einer Bergstrasse an. Ein Zug wird in Brand geschossen, und der Rest meiner Munition prasselt in Lagerschuppen der kleinen Hafenstadt Scarborough. Nachdem der letzte Schuss meine Kanone verlassen hat, springe ich über die Küste, drücke scharf nach, und im Tiefflug geht's auf Heimatkurs.
Wir freuen uns über den guten Erfolg unseres ersten Fernnachtjagdunternehmens, Paulchen und Walter am meisten, denn für sie bedeuten diese beiden Abschüsse das EK 1. Ich stecke mir etwas Schokolade in den Mund, Paulchen reicht Drops, und dann lassen einige Zigaretten die gewaltige Nervenanspannung etwas abflauen. "So erlebte Leutnant Döring jenen Einsatz, der ihm das Ritterkreuz einbracht. Von Dänemark aus ziehen sich die Überlebenden des NJG 3 nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 über die Grenzen heimwärts zurück und werden dort nach Husum eingewiesen, wo der Geschwaderkommodore in einem Zeltlager haust, hier bleiben Döring und seine Kameraden einige Wochen in britischer Kriegsgefangenschaft, ehe sie auf die Halbinsel Eiderstedt ins sogenannte "Sperrgebiet G" verlegt werden.
Hart am Deich bei Uelvesbüll warten sie auf ihre Entlassung, die zieht sich aber noch einige Monate hin, aber am 05. Oktober 1945 war auch Leutnant A. D. Döring wieder Zivilist und stand vor der Notwendigkeit, sich beruflich neu zu orientieren, er schlug sich mit handwerklichen Arbeiten durch und wurde dann Angestellter bei der Deutschen Bundespost.
Am 01. Juli 1975 begann Arnold Dörings 2. soldatische Karriere mit seinem Eintritt in die Bundesluftwaffe, als Oberleutnant fand er zunächst Verwendung als Zug- und Kompanieführer beim Luftwaffen- Ausbildungsregiment 1 in der Uetersen und war dann als Hauptmann Chef der dortigen 9. Kompanie (1962/63), 1963 wurde er zur MAD-Gruppe beim Wehrbereichskommando III nach Düsseldorf versetz, dem er bis zu seinem Ausscheiden aus dem aktiven dienst am 31. März 1972 angehörte.
In der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger ist der in Krieg und Frieden bewährte Soldat, der auf insgesamt 392 Feindflügen 23 Luftsieger errang und selbst nicht weniger als 12 Abstürze überlebte, war Döring selbst mit 83 Jahren immer noch Leiter der Sektion Düsseldorf.
Arnold Döring starb am 10.04.2001.EHRE SEINEM ANDENKEN - GOTT GEBE IHM DIE LETZTE RUHE