Hartmann Grasser wurde am 23.08.1914 in Graz/Steiermark
geboren.
Im Jahre 1934 verließ er aufgrund politischer Gründe Österreich und siedelte
nach Deutschland über, wo er 1936, im Range eines Fahnenjunkers, der Luftwaffe
beitrat. Zuvor erhielt er eine vormilitärische Ausbildung an der Marineschule
in Neustadt und an an der Sportfliegerschule Rossitten. Danach ging er für 6
Monate zur Fliegerschule Johannisthal.
Bei Ausbruch des 2. Weltkrieges gehörte Grasser zur Jagdgruppe 152, wo er der
3. Staffel zugeteilt war. Kurz im Polen-Feldzug eingesetzt, wird die Gruppe
Mitte September zur Luftflotte 3, unter Hugo Sperrle, nach Westen verlegt.
Dort schießt er als Leutnant, am 16.09.1939 einen französischen
Aufklärungsballon ab. Seinen ersten Luftsieg erringt er am 24.09.1939 über dem
Luftraum Hornbach, über eine französische Curtiss Hawk.
Im Januar 1940 wurde die Jagdgruppe 152 in die 1. Gruppe des
Zerstörergeschwaders 52 umbenannt, aus der sie 1939 zunähst entstanden war,
und wurde mit Me 110-Zerstörern ausgerüstet.
Nach Teilnahme im Feldzug gegen Frankreich, wird die I. Gruppe des Geschwaders
in II. Gruppe umbenannt und Grasser gehörte dann zur 6. Staffel des
Geschwaders, mit der er über England zwei Flugzeuge abschießen konnte und so
sein Konto auf 6 Luftsiege erhöhte. Im Herbst sollte er zum Nachtjäger
umgeschult werden, was ihm jedoch nicht passte. Er stellte dann unter anderem
die Z-Staffel des Jagdgeschwaders 5 auf, und wurde Testflieger bei Fieseler
für die Me 109 T, das Flugzeugträgerjagdflugzeug. Grasser traf dann zufällig
auf Oberleutnant Kolbow, Offizier in der II./JG 51, der ein Treffen mit
Mölders arrangierte, der ihn dann Ende 1940 in den Stabsschwarm holte. Dieser
Stabsschwarm, etwa die Größe einer Staffel, forderte Offiziere "zur
Einweisung und Führungsreserve" an. Grasser war es dann bspw. der den
späteren Eichenlaubträger Hans Strelow darauf hinwies, beim Schuss nicht auf
die Leuchtspur zu achten sondern sich auf die Technik zu verlassen.
Grasser nahm dann im Verband des Jagdgeschwaders am Feldzug gegen die
Sowjetunion teil, dort übernahm er im Juli 1941 den Posten des Staffelkapitäns
der 5. Staffel, nachdem sein Vorgänger Hans Kolbow am 16.07.1941 bei Stara
Bychow abgeschossen wurde. Am 08.09.1941 wurde der Kommandeur der II. Gruppe
Oberleutnant Hohagen abgeschossen und dabei schwer verwundet, erst im Jahre
1943 war er wieder frontverwendungsfähig. Durch seinen Ausfall übernahm
Grasser die Führung der II. Gruppe. Zuvor hatte er am 04.09.1941 nach 29
Luftsiegen das Ritterkreuz erhalten. Im Oktober 1941 schoss er bspw. 7 Gegner
ab.
Grasser übernahm dann im Februar 1942 das Kommando über die II. Gruppe.
General Fiebig der Nahkampfführer II, befahl der II. Gruppe
Tieffliegerangriffe auf den Flugplatz Tula, südwestlich Moskaus, zu fliegen.
Grasser erklärte diesen Befehl für unsinnig, da seine Jagdmaschinen dafür
Zusatztanks benötigten, die aber nicht vorhanden waren.
Nach Beginn der sowjetischen Gegenoffensive am 06.12.1941 war die II. Gruppe
in Kaluga akut bedroht und musste unter Schutz der III. Gruppe nach
Tschaikowka ausweichen. Bis Ende Januar 1942 erreichte Grasser eine
Abschusszahl von 45 anerkannten Abschüssen. Am 24.01.1942 wurde Grasser
allerdings abgeschossen, stieg aus, verwundete sich schwer am Auge und stellte
fest, daß er sich hinter den sowjetischen Linien befand. Dennoch schaffte er
es zu den eigenen Linien und kehrte im März 1942 zu seiner Gruppe zurück. Dort
erzielte er am 23.06.1942 seinen 50. Abschuss und war zum Hauptmann befördert
worden.
Mit Beginn der Sommeroffensive schoss Grassers Gruppe am 05.07. allein 46
Gegner ab, wovon Grasser allein 8 erreichte, ein einmaliger Vorgang in der
Geschichte des Jagdgeschwaders. Weiterhin erzielte Leutnant Puschmann, am
05.08.1942 den 1.000. Abschuss der Gruppe, die somit die erfolgreichste des
Geschwaders war. Am 29.08.1942 schoss Grasser seinen 90. Gegner ab.
Am 07.10.1942 verlegte die II. Gruppe nach Jesau zur Umrüstung. Nachdem sich
jedoch Anfang November 1942 in Nordafrika durch die Landung der Amerikaner
eine Krise abzeichnete, wurde die Umrüstung der Gruppe abgebrochen.
Stattdessen wurde sie nach Wiener-Neustadt verlegt, wo sie mit der
Tropenversion der Me 109 G-2 ausgerüstet und nach Italien verlegt wurde. Bis
zu diesem Zeitpunkt hatte Grasser 90 Abschüsse erreicht. Am 14. November 1942
erreichte die Gruppe Nordafrika, wo es Grasser gelang bis zum 26.03.1943
weitere 13 Flugzeuge abzuschießen.
Nach seinem 103. Luftsieg, am 26.03.1943, wäre eigentlich die Verleihung des
Eichenlaubes fällig gewesen, doch aufgrund der Vorgesetztenstellungnahmen
verzögerte sich die Verleihung bis zum 31.08.1943. Im April 1943 verließ
Grasser die Gruppe und übernahm eine Stabsstelle bei der 4. Fliegerdivision in
Paris, bzw. dem Jagdführer Paris.
Major Grasser übernahm dann am 28.04.1944 den Posten des Kommandeurs der III.
Gruppe des Jagdgeschwaders 1 in der Reichsverteidigung, gab diesen Posten doch
bereits im Mai 1944 wieder ab.
Im Dezember 1944 übernimmt er das Jagdgeschwader 210 und gerät so in
Gefangenschaft. In der Literatur findet sich auch die Bezeichnung
Jagdgeschwader 120. Ein Punkt der noch einer Klärung bedarf.
Er wurde nach dem Abkommen zwischen Roosevelt und Stalin an die Sowjets
ausgeliefert und kam in ein russisches Gefangenenlager.
Grassers Ansichten über Militärdienst hatten sich grundlegend geändert, als er
aus Russland zurückkehrte. Er schwor sich, niemals mehr eine Uniform anzuziehen. So
ging er 1949 nach Indien, um Zivilpiloten in Alahabad und in Neu-Dehli
auszubilden.
Im darauffolgenden Jahr wurde er Berater der syrischen Luftwaffe im
Verteidigungsministerium in Damaskus.
Das war das Ende seiner Fliegerlaufbahn.
Nach seiner Heimkehr begann er mit der Fabrikation von industriellen
Pressteilen aus Stahl. Als Oberst Günther Maltzahn kurz vor seinem Tode im
Jahr 1953 Offiziere für die neue deutsche Luftwaffe suchte, sprach er auch mit
Grasser und bot ihm die Führung eines Geschwaders an.
Der ehemalige Kriegsgefangene blieb seinem Vorsatz treu. Er sagte seinem alten
Kameraden ab und blieb Geschäftsmann.
Hartmann Grasser verstarb am 02.06.1986 in Köln und wurde in seiner
Heimatstadt Graz, in der Familiengruft, beigesetzt. Grasser hatte auf über 700
Feindflügen 103 Flugzeuge abgeschossen, davon 20 an der Westfront.