55. Schwerterträger Richard Heidrich
General der Fallschirmtruppe

Geboren wurde dieser vorbildliche Soldat am 28. Juli 1896 in Lewalde bei Bautzen/Sachsen als Sohn eines Bauunternehmers.
Von der Schulbank weg trat er am 18. August 1914 als Kriegsfreiwilliger beim Reserve-Infanterieregiment 101 ein und kam nach der militärischen Grundausbildung an der Westfront zum Einsatz.
Am 11. April 1915 wechselte der 18jährige Gefreite Heidrich zum Königlich-Sächsischen 3. Infanterieregiment Nr. 102 "König Ludwig III. von Bayern", dessen Friedensgarnison Zittau war, hier avancierte er am 18. Mai 1915 zum Unteroffizier und noch im gleichen Jahr zum Fähnrich und Leutnant, als solcher wurde er zu dem in Freiberg beheimateten Königlich-Sächsischen 16. Infanterieregiment Nr. 182 versetzt und tat hier bis zum Kriegsende im Westen und im Osten als Zug- und MGK-Kompanieführer sowie schließlich als Regimentsadjutant Dienst.
An der Somme wurde er verwundet und kehrte im November 1918 hoch ausgezeichnet in die Heimat zurück.
1919 ging Heidrich mit einem Freikorps nach Litauen und wurde dann 1920 in die Reichswehr übernommen, wo das 10. (Sächsische) Infanterieregiment für das nächste Jahrzehnt seine soldatische Heimat wurde.
Hier tat er zunächst als Zugführer in einer Schützenkompanie Dienst. Am 31. Juli 1925 wurde er nach 10 Leutnantsjahren zum Oberleutnant befördert und zur Infanterieschule Dresden kommandiert, wo u.a. die nachmaligen Generalfeldmarschälle von Manstein und von Witzleben seine Lehrer waren.
Als Hauptmann (seit 01. Februar 1931) war er mehrere Jahre lang Chef der Unteroffiziersanwärter-Lehrkompanie im Ausbildungsbataillon  des IR 10 in Löbau. Ab 1934 fand er an den Kriegsschulen Dresden, München und Potsdam als Taktiklehrer Verwendung, hier in Potsdam wirkte übrigens damals der spätere Generalfeldmarschall Rommel als Schulkommandeur, dem - wie Heidrich - ebenfalls die Qualifikation für den Generalstabsdienst versagt geblieben war und der sich dann dennoch als einer der bedeutendsten deutschen Truppenführer des II. Weltkriegs erweisen sollte.
Im Jahre 1937 meldete sich Heidrich als 41jähriger Major freiwillig zu den in Aufstellung begriffenen Heeresfallschirmjägern, absolvierte eine Springerausbildung, wurde am 12. Oktober 1937 zum Chef der Fallschirm-Infanteriekompanie Stendal ernannt und begann damit eine wahre Pionierarbeit beim Aufbau einer damals völlig neuen Waffengattung.
1938 wurde aus der Stendaler Kompanie ein Fallschirm-Infanteriebataillon und Heidrich am 30. Mai 1938 dessen erster Kommandeur. Mit Wirkung vom 01. Januar 1939 schieden Heidrich - nunmehr Oberstleutnant - und seine Fallschirmjäger aus dem Heer aus und wurden in die Luftwaffe überführt, wo seine Truppe zum II. Bataillon des Fallschirmjägerregiments 1 umbenannt wurde.
Ab Dezeber 1939 gab Heidrich noch einmal eine vorübergehende Gastrolle beim Heer, wurde dort mit sofortiger Wirkung vom 01. April 1940 zum Oberst befördert und nahm als Kommandeur des neuaufgestellten Infanterieregiments 514 im Rahmen der 294. Infanteriedivision am Westfeldzug teil. Dabei erwarb er sich die Spangen zu den Eisernen Kreuzen von 1914/18.
Noch während der Kampfhandlungen im Westen wurde Oberst Heidrich nach Berlin gerufen - nun wieder in Luftwaffenuniform - den Befehl über das neue Fallschirmjägerregiment 3 zu übernehmen und es frontreif auszubilden.
Bei der Planung des größten deutschen Fallschirmjägereinsatzes während des II. Weltkrieges, der Einnahme der Mittelmeerinsel Kreta aus der Luft, hatte Heidrichs Truppe den Einsatzraum Mitte in deutschen Besitz zu bringen, dabei stürmte Oberst Heidrich am Morgen des 20. Mai 1941 nach der Landung an der Spitze seiner Männer das Zuchthaus von Agya bei Alikianou unter den Augen des griechischen Königs und des griechischen Ministerpräsidenten, die beinahe in Gefangenschaft geraten wären, und richtete dort seinen Regimentsgefechtsstand ein.
Für seinen maßgeblichen Anteil an der Einnahme von Kreta wurde Oberst Heidrich am 14. Juni 1941 mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet.
Im Herbst 1941 wurden die zur 7. Fliegerdivision gehörenden Fallschirmjägerverbände - darunter auch Oberst Heidrichs Regiment - auf dem Luftweg an die Leningrad-Front geflogen und dort im Erdkampf eingesetzt.
Am 01. August 1942 wurde Heidrich, der am 04. August 1942 im Alter von 46 Jahren die Beförderung zum Generalmajor erhielt, mit der Führung der 7. Fliegerdivision betraut und am 16. November 1942 deren offizieller Kommandeur. Mit Wirkung vom 01. Mai 1943 wurde er zum Kommandeur der 1. Fallschirmjägerdivision ernannt, deren Führung er bis zum Herbst 1944 beibehielt. Am 24. Dezember 1943 fand die nun in Italien eingesetzte Division Erwähnung im deutschen Wehrmachtsbericht, darin hieß es:

"An der süditalienischen front herrschte gestern mit Ausnahme des Abschnitts von Ortona Ruhe. Südlich und südwestlich der Stadt Ortona scheiterten auch gestern alle feindlichen Angriffe, obwohl sie von starkem Artilleriefeuer, von Panzern und Schlachtfliegern unterstützt wurden. Bei diesen kämpfen zeichnete sich die 1. Fallschirmjägerdivision des Generalleutnants Heidrich durch besondere Standhaftigkeit aus."

Heidrichs höchste Bewährungsprobe bildeten die schweren Kämpfe um Monte Cassino in den ersten Monaten des Jahres 1944, damals gaben die Gegner seinen Fallschirmjägern respektvoll den Ehrennamen "Die Grünen Teufel". Ihrem Kommandeur wurde am 05. Februar 1944 das 382. Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen, am 25. März 1944 folgten auch noch die 55. Schwerter dazu, erneut im Wehrmachtbericht genannt wurde die 1. Fallschirmjägerdivision am 29. Juni 1944.
Am 31. Oktober 1944 erhielt Richard Heidrich seine letzte Beförderung, die zum General der Fallschirmtruppe und wurde danach mit der Wahrnehmung der Aufgaben eines Kommandieren General des I. Fallschirmkorps beauftragt.

Letzter Tagesbefehl des Kommandierenden Generals

des 1. Fallschirm-Korps ,General der Fallschirmtruppe,

Richard Heidrich, an seine Fallschirmjäger.

Gegeben am 01.Mai 1945 auf dem Korpsgefechtsstand

in Italien.

Fallschirmjäger, die militärischen Kriegshandlungen neigen sich dem Ende zu. Die letzten Wochen und Tage haben ungeheure Leistungen und Anstrengungen von Euch gefordert.

Doch der Geist des Korps ist ungebrochen.

In dieser Stunde möchte ich Euch danken für Eure Leistungen, Eure Einsatzbereitschaft und Euren Heldenmut.

Fallschirmjäger, alle, die Ihr standhaft waret, schließt Euch zu Euren Gemeinschaften zusammen! Wir beenden, wenn es befohlen wird, den Kampf mit reinem Gewissen und stolzen Herzens.

Wir haben unsere Pflicht bis zuletzt getan und fühlen uns nicht geschlagen. Ebenso wissen wir, dass das letzte Wort des wirklichen Sieges in dem Kampf der Weltanschauungen noch nicht gesprochen ist.

Wenn die Feinde im Rausch ihres Siegestaumels uns mit manchem beschmutzen mögen, wir hören es nicht, sondern sehen stolzen inneren Bewußtseins in die Ferne, denn die Geschichte geht unerbittlich weiter ihren Weg.

Das aufrechte Herz ist unbesiegbar und aus ihm entspringen bereits die Kräfte der Erneuerung.

Fallschirmjäger, ich befehle auf lange Sicht:

Erhaltet den Fallschirmjägergeist und formt ihn weiter!

Er wirkt durch Hilfsbereitschaft für die Schwachen, durch frisches Zupacken überall fort und wird damit ein wesentlicher Teil des unsichtbaren führenden Geistes im deutschen Volk.

Jeder aufrechte Fallschirmjäger ist Führer an seiner Stelle.

Selbst wenn wir uns vorübergehend trennen müssen, so bleiben wir trotz allem eine Gemeinschaft, die, wenn sie wieder gebraucht wird, zu großem Zweck zusammentritt.

Jeder von Euch muß wissen, dass die dunkelste historische Stunde unseres Volkes männliche Würde verlangt.

Ich fordere Euch auf, haltet Manneszucht und seid dem anderen ein Vorbild, tragt den Kopf hoch und macht den Blick frei, Eure Haltung muß erschrecken und andere hochreißen. Bietet den Feinden nicht schimpfliche Würdelosigkeit. Unsere Leistungen sind einmalig, dieses stolze Gefühl kann uns niemand beschmutzen.

Gedenkt Eurer gefallenen Kameraden, die für Euch starben.

Arbeitet weiter an Euch, indem Ihr Eure Herzen stählt, Euren Charakter läutert, und in Euren Gemeinschaften Eure zukünftige Aufgabe überdenkt. Diese zukünftigen Aufgaben im deutschen Volk rufen zuverlässige, selbstbewusste Männer.

Die Zukunft wird zeigen was Ihr bedeutet, denn Ihr seid bereits ein Samenkorn zu neuen Wegen.

Niemals darf das deutsche Volk sich selbst zerfleischen und die Vernunft muß alles beherrschen.

Ich grüße Euch als meine unbesiegten treuen Fallschirmjäger.

Euer General

Das Kriegsende führte den General zunächst unter demütigenden Umständen in amerikanische und dann in britische Gefangenschaft, wegen angeblicher "Kriegsverbrechen" sollte er vor Gericht gestellt werden, jedoch erwiesen sich alle Anschuldigungen als nichtig, deshalb gab es keinen Prozess, aber er war ein gesundheitlich gebrochener Mann, als er im Sommer 1945 aus der Gefangenschaft entlassen wurde, er hatte nicht mehr lange zu leben und starb bereits am 22. Dezember 1947 im Alter von erst 51 Jahren im Versorgungskrankenhaus Hamburg-Bahrenfeldt.
Der einstige Kommandeur der Heeresfallschirmjäger Richard Heidrich wurde von Generaloberst Student später einmal als "einer der ältesten Pioniere und besten Lehrmeister der Fallschirmtruppe" gekennzeichnet, frühere Untergebene von ihm gedenken heute noch ihres inzwischen zu Unrecht ziemlich in Vergessenheit geratenen Bataillons-, Regiments- und Divisionskommandeurs und zuletzt Kommandierenden Generals mit großer Verehrung, sie bescheinigen dem unverheiratet gebliebenen General, daß er dem Soldatenberuf seine volle Arbeitskraft gewidmet habe, streng aber gerecht und bei seinen Soldaten beliebt war. Hoch gerühmt werden seine infanteristischen Kenntnisse und Ausbildungsgrundsätze sowie sein bemühen, Höchstleistungen nach harter Ausbildung unter größtmöglicher Schonung von Blut und Leben zu erreichen
Am 27. Dezember 1947 wurde General Heidrich von Fallschirmjägerkameraden auf dem Bergedorfer Friedhof zur letzten Ruhe gebettet.

EHRE SEINEM ANDENKEN - GOTT GEBE IHM DIE LETZTE RUHE

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