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Ritterkreuzträger Franz-Joseph Schulze
Oberleutnant, Flak-Artillerie

22.06.194112.06.1941

Am 30. September 1979 endete die 1937 begonnene aktive soldatische Dienstzeit des 6. deutschen Oberbefehlshabers der alliierten Streitkräfte Europa-Mitte (AFCENT), des Vier-Sterne-Generals (Generaloberst) Franz-Joseph Schulze.
Zu seinen Vorgängern gehörten u.a. die Generale Dr. Speidel (1957-1963), Graf von Kielmannsegg (1963-1966), Bennecke (1968-1973), Ferber (1973-1975) und Dr. Schnell (1975-1976).
Franz-Joseph Schulze zählte zu den noch während des I. Weltkrieges geborenen und am II. Weltkrieg von Anfang bis Ende beteiligten Offizieren der Bundeswehr, die ab 1956 eine bis in die Generalsränge hinaufführende Karriere erleben konnten.
Der spätere Ritterkreuzträger des II. Weltkrieges Franz-Joseph Schulze wurde am 18. September 1918 in der westfälischen Kleinstadt Salzkotten geboren.
In der alten Bischofsstadt Paderborn besuchte er das humanistische Gymnasium "Theodorianum", wo er im Frühjahr 1937 mit dem Abitur abschloss. Nach Erfüllung der halbjährigen Reichsarbeitsdienstpflicht trat der Neunzehnjährige im November 1937 als Offiziersanwärter bei der Luftwaffen-Ersatzabteilung 34 in Handorf bei Münster ein und wechselte nach der Grundausbildung zur II. Abteilung des Flak-Regiments 4 in Münster-Gievenbeck.
Bei Ausbruch des II. Weltkrieges im September 1939 war er bereits Zugführer und fand nach der Beförderung zum Leutnant ab Februar 1940 als Abteilungsadjutant Verwendung.
Ab Dezember 1940 bis Kriegsende stand er als Führer und Batteriechef leichter und schwerer Flak-Batterien im Kampfeinsatz. Von seiner soldatischen Bewährung zeugen u.a. die Eisernen Kreuze I. und II. Klasse, das Deutsche Kreuz in Gold und schließlich das Ritterkreuz. Diese hohe Auszeichnung erhielt er am 26. 12. 1944 als Oberleutnant und Chef der 3. Batterie des Flak-Sturm-Regiments 241 (mot.).
Der Zusammenbruch von 1945 führte auch den Flak-Oberleutnant Schulze wie Millionen anderer deutscher Soldaten - zunächst in die Kriegsgefangenschaft.
Als er ziemlich bald in die Heimat entlassen wurde, musste er sich zunächst einmal mit den damals üblichen Berufsbeschränkungen und Studienverboten für ehemalige Berufsoffiziere abfinden, ehe er an der westfälischen Landesuniversität Münster das Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften aufnehmen konnte.
Am Oberlandesgericht in Hamm legte der inzwischen einunddreißigjährige Wirtschaftsjurist im April 1949 die 1. juristische Staatsprüfung (Referendarexamen) ab und ging dann für einige Jahre in die Wirtschaftspraxis. Nach Tätigkeit in Großhandels-, Steuer- und Wirtschaftsberatungsunternehmen schloss er seine berufspraktische Ausbildung mit dem Examen als Wirtschaftsprüfer ab.
Im März 1956 wechselte Ex-Oberleutnant Schulze abermals den Beruf, indem er als Hauptmann in die Bundeswehr eintrat. Schulze begann, seine zweite Offizierskarriere als Prüfgruppenleiter bei der Bundeswehr-Annahmestelle in Köln, Paderborn und Münster, bis er als Dezernent zum Wehrbereichskommando III nach Düsseldorf versetzt wurde.
Nach einjähriger Hauptmannszeit wurde er bereits zum Major befördert und absolvierte ab 1. 2. 1958 an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg eine Generalstabsausbildung.
Im Mai 1959 kam er zum Führungsstab der Bundeswehr nach Bonn in das Verteidigungsministerium, wo er 1961 zum Oberstleutnant aufrückte.
Danach war ein Truppenkommando fällig, das ihn für zwei Jahre zu seiner alten Waffe - der Flugabwehr (Flak) - zurückführte. Er wurde Kommandeur des Heeresflugabwehrbataillons 1 in Langenhagen bei Hannover. Von September 1964 bis Februar 1965 nahm er am 26. Lehrgang des NATO-Defense-College in Paris teil und erwarb sich dadurch die Qualifikation zur Verwendung in sogenannten "integrierten" (d.h. multinationalen) NATO-Stäben.
Im Rang eines Obersten ging er am 01.04.1965 als Leiter der Planungsabteilung in der Operationsabteilung der alliierten Europa-Streitkräfte Europa-Mitte (AFCENT) nach Fontainebleau (Frankreich) und später nach Brunssum (Niederlande). In diesem hohen NATO-Stab war er bald heimisch und bewährte sich so, daß ihn sein weiterer militärischer Berufsweg immer wieder zu verantwortlichen Stabs- und Führungsfunktionen im NATO-Rahmen zurückführte.
Am 7. 9. 1967 übernahm Oberst Schulze die Panzergrenadierbrigade 19 in Ahlen/Westfalen, wo er schließlich am 14. 10. 1968 zwölf Jahre nach seinem Eintritt in die Bundeswehr als Hauptmann - die Beförderung zum Brigadegeneral erhielt. Unter gleichzeitiger Berufung zum Stabsabteilungsleiter für "Militärpolitik und Operationen" im Bonner Führungsstab der Streitkräfte, wurde ihm als Generalmajor am 15. 12. 1970 ein Bundeswehr-Großverband, die 6. Panzergrenadierdivision in Neumünster, anvertraut.
Rund zweieinhalb Jahre stand Generalmajor Schulze an der Spitze seiner Division, bis er am 1. 5. 1973 als Generalleutnant wieder aufs supranationale Militärparkett zurückgeholt und stellvertretender Chef des Stabes für "Planung und Operationen" im NATO-Hauptquartier Casteau/Belgien (SHAPE) wurde.
Als "rechte Hand" des obersten NATO-Befehlshabers, eines amerikanischen Generals, hatte er damit maßgeblichen Anteil an den operativen und organisatorischen Planungen des nordatlantischen Verteidigungsbündnisses, damit hatte er die Vorstufe zu seiner letzten Verwendung als einer der höchsten NATO-Oberbefehlshaber erreicht.
Nachdem im Dezember 1976 der damalige Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte Europa-Mitte, General Dr. Schnell, von Brunssum als ziviler Staatssekretär ins Bonner Verteidigungsministerium übergewechselt war, wurde Generalleutnant Schulze am 7. 1. 1977 - unter gleichzeitiger Beförderung zum Vier-Sterne-General - Oberbefehlshaber.
Auch nach Erreichung der Altersgrenze, die für Bundeswehrgenerale normalerweise mit vollendetem sechzigstem Lebensjahr vorgesehen ist, blieb der bewährte General, den große Truppen- und Stabserfahrung gleichermaßen auszeichnen, noch ein weiteres Jahr in seinem hohen Amt, um die Kontinuität der Führung zu gewährleisten.
Er wurde am 1. 10. 1979 mit großem Zapfenstreich feierlich verabschiedet und übergab die Amtsgeschäfte dem bis dahin kommandierenden General des I. Korps (Münster), Generalleutnant Dr. Ferdinand von Senger und Etterlin, als 7. deutscher AFCENT-OB.

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