Am 30. September 1979
endete die 1937 begonnene aktive soldatische
Dienstzeit des 6. deutschen Oberbefehlshabers der alliierten Streitkräfte
Europa-Mitte (AFCENT), des Vier-Sterne-Generals (Generaloberst) Franz-Joseph Schulze.
Zu seinen Vorgängern
gehörten u.a. die Generale Dr. Speidel
(1957-1963), Graf von Kielmannsegg (1963-1966), Bennecke (1968-1973),
Ferber (1973-1975) und Dr. Schnell
(1975-1976).
Franz-Joseph Schulze zählte zu den
noch während des I. Weltkrieges geborenen und am II. Weltkrieg von Anfang bis
Ende beteiligten Offizieren der Bundeswehr, die ab 1956
eine bis in die Generalsränge hinaufführende Karriere erleben konnten.
Der spätere Ritterkreuzträger des II.
Weltkrieges Franz-Joseph Schulze wurde am 18. September 1918 in der
westfälischen Kleinstadt Salzkotten geboren.
In der alten Bischofsstadt Paderborn besuchte
er das humanistische Gymnasium "Theodorianum", wo er im Frühjahr 1937
mit dem Abitur abschloss. Nach Erfüllung der
halbjährigen Reichsarbeitsdienstpflicht trat der Neunzehnjährige im November 1937 als Offiziersanwärter bei der
Luftwaffen-Ersatzabteilung 34 in Handorf bei Münster ein und wechselte nach
der Grundausbildung zur II. Abteilung des Flak-Regiments 4 in
Münster-Gievenbeck.
Bei Ausbruch des II. Weltkrieges im September 1939 war er bereits Zugführer und fand
nach der Beförderung zum Leutnant ab Februar 1940 als Abteilungsadjutant
Verwendung.
Ab Dezember 1940 bis Kriegsende stand er als Führer und Batteriechef leichter
und schwerer Flak-Batterien im Kampfeinsatz. Von seiner soldatischen Bewährung
zeugen u.a. die Eisernen Kreuze I. und II. Klasse, das Deutsche Kreuz in Gold
und schließlich das Ritterkreuz. Diese hohe Auszeichnung erhielt er am 26. 12. 1944
als Oberleutnant und Chef der 3. Batterie des Flak-Sturm-Regiments 241 (mot.).
Der Zusammenbruch von 1945 führte auch den Flak-Oberleutnant Schulze wie
Millionen anderer deutscher Soldaten - zunächst in die Kriegsgefangenschaft.
Als er ziemlich bald in die Heimat
entlassen wurde, musste er sich zunächst einmal mit den damals üblichen
Berufsbeschränkungen und Studienverboten für ehemalige Berufsoffiziere
abfinden, ehe er an der westfälischen Landesuniversität Münster das Studium
der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften aufnehmen konnte.
Am
Oberlandesgericht in Hamm legte der inzwischen einunddreißigjährige
Wirtschaftsjurist im April 1949 die 1. juristische Staatsprüfung
(Referendarexamen) ab und ging dann für einige Jahre in die Wirtschaftspraxis.
Nach Tätigkeit in Großhandels-, Steuer- und
Wirtschaftsberatungsunternehmen schloss er seine berufspraktische Ausbildung
mit dem Examen als Wirtschaftsprüfer ab.
Im März 1956
wechselte Ex-Oberleutnant Schulze abermals den
Beruf, indem er als Hauptmann in die Bundeswehr eintrat.
Schulze begann, seine zweite Offizierskarriere als Prüfgruppenleiter bei der
Bundeswehr-Annahmestelle in Köln, Paderborn und Münster, bis er als Dezernent
zum Wehrbereichskommando III nach Düsseldorf versetzt wurde.
Nach
einjähriger Hauptmannszeit wurde er bereits zum Major befördert und
absolvierte ab 1. 2. 1958 an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg
eine Generalstabsausbildung.
Im Mai 1959 kam er zum Führungsstab der Bundeswehr
nach Bonn in das Verteidigungsministerium, wo er 1961 zum Oberstleutnant
aufrückte.
Danach war ein Truppenkommando fällig, das ihn für zwei Jahre zu seiner alten
Waffe - der Flugabwehr (Flak) - zurückführte. Er wurde Kommandeur des
Heeresflugabwehrbataillons 1 in Langenhagen bei Hannover. Von September 1964 bis Februar 1965 nahm er am 26. Lehrgang des
NATO-Defense-College in Paris teil und erwarb sich dadurch die Qualifikation
zur Verwendung in sogenannten "integrierten" (d.h. multinationalen)
NATO-Stäben.
Im Rang eines Obersten ging er am 01.04.1965 als Leiter der Planungsabteilung in
der Operationsabteilung der alliierten Europa-Streitkräfte Europa-Mitte
(AFCENT) nach Fontainebleau (Frankreich) und später nach Brunssum
(Niederlande). In diesem hohen NATO-Stab war er bald heimisch und bewährte
sich so, daß ihn sein weiterer militärischer Berufsweg immer wieder zu
verantwortlichen Stabs- und Führungsfunktionen im NATO-Rahmen zurückführte.
Am 7. 9. 1967 übernahm Oberst
Schulze die Panzergrenadierbrigade 19 in Ahlen/Westfalen, wo er
schließlich am 14. 10. 1968 zwölf Jahre nach seinem Eintritt in die Bundeswehr
als Hauptmann - die Beförderung zum Brigadegeneral erhielt. Unter gleichzeitiger Berufung zum
Stabsabteilungsleiter für "Militärpolitik und Operationen" im Bonner
Führungsstab der Streitkräfte, wurde ihm als Generalmajor am 15. 12. 1970 ein
Bundeswehr-Großverband, die 6. Panzergrenadierdivision in Neumünster,
anvertraut.
Rund zweieinhalb Jahre
stand Generalmajor Schulze an der Spitze seiner
Division, bis er am 1. 5. 1973 als
Generalleutnant wieder aufs supranationale Militärparkett zurückgeholt und
stellvertretender Chef des Stabes für "Planung und Operationen" im
NATO-Hauptquartier Casteau/Belgien (SHAPE) wurde.
Als "rechte Hand" des
obersten NATO-Befehlshabers, eines amerikanischen Generals, hatte er damit
maßgeblichen Anteil an den operativen und organisatorischen Planungen des
nordatlantischen Verteidigungsbündnisses, damit hatte er die Vorstufe zu
seiner letzten Verwendung als einer der höchsten NATO-Oberbefehlshaber
erreicht.
Nachdem im Dezember 1976
der damalige Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte Europa-Mitte,
General Dr. Schnell, von Brunssum als ziviler
Staatssekretär ins Bonner Verteidigungsministerium übergewechselt war, wurde
Generalleutnant Schulze am
7. 1. 1977 - unter gleichzeitiger Beförderung zum Vier-Sterne-General -
Oberbefehlshaber.
Auch nach Erreichung der Altersgrenze, die für
Bundeswehrgenerale normalerweise mit vollendetem sechzigstem Lebensjahr
vorgesehen ist, blieb der bewährte General, den große Truppen- und
Stabserfahrung gleichermaßen auszeichnen, noch ein weiteres Jahr in seinem
hohen Amt, um die Kontinuität der Führung zu gewährleisten.
Er wurde am 1. 10. 1979
mit großem Zapfenstreich feierlich verabschiedet und übergab die Amtsgeschäfte
dem bis dahin kommandierenden General des I. Korps (Münster), Generalleutnant Dr. Ferdinand von Senger und Etterlin, als 7.
deutscher AFCENT-OB.