Am 13. Juni 1996
hätte der 1986 verstorbene Brigadegeneral der
Bundeswehr a. D. Werner Streib, einer der erfolgreichsten deutschen Nachtjäger
des II. Weltkrieges, seinen 85. Geburtstag feiern können. Der 54. Schwerterträger mit insgesamt 66 Luftsiegen
- davon 65 in der Nacht - starb am 15. 6. 1986 im Alter von 75 Jahren.
Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden war Werner Streib mit 28 Jahren, als der
Wehrmachtbericht am 1. 1. 1940 zum ersten Male
einen Nachtjäger - wenn auch mit falschem Namen erwähnte, damals hieß es
nämlich.
"Als Nachtjäger zeichnete sich Oberleutnant
Streib ganz besonders
aus. Er brachte allein drei feindliche Flugzeuge zum Absturz."
Geboren wurde der erste Ritterkreuzträger der
Nachtjagd am 13. Juni 1911 im badischen Pforzheim als Sohn eines Kaufmanns. Nach dem Abitur absolvierte er zunächst eine
Banklehre, ehe er 1934 als bereits 23jähriger
Fahnenjunker beim 14. (Badischen) Infanterieregiment, das in Konstanz,
Melningen, Tübingen, Donaueschingen und Villingen stationiert war, seine
soldatische Laufbahn begann.
Als Oberfähnrich wurde er am
1. 10. 1935 auf eigenen Wunsch zur Luftwaffe versetzt, wo er zunächst als
Beobachter in einer Aufklärungseinheit Dienst tat. Nach seiner Beförderung
zum Leutnant im Jahre 1936 erhielt er eine
fliegerische Ausbildung in Braunschweig, Göppingen, Schleißheim, Fürth und
Wesendorf, anschließend wurde er am 1. 8. 1938
nach Jüterbog-Damm zur II. Gruppe des Jagdgeschwaders 132 "Richthofen"
versetzt.
Hier wurde er am 28. 3. 1939 mit der
Führung einer Flughafen-Betriebskompanie betraut.
Die bisherige II. Gruppe des JG 132 unter ihrem
Gruppenkommandeur Major Joachim Huth (1896-1962),
einem erfahrenen Weltkrieg-I-Flieger und späterem Kommandeur der
Luftwaffengruppe Süd der Bundeswehr im Rang eines Generalleutnants, wurde im
Sommer 1939 zur I. Gruppe des neu aufgestellten Zerstörergeschwaders 1
umgebildet. Zu jener Zeit kam auch Leutnant Streib zur Zerstörerfliegerei. Als "Zerstörer"
bezeichnete man damals schwere Jagdflugzeuge des Messerschmitt-Modells Me (Bf)
110.
Als Flugzeugführer im ZG 1 nahm Leutnant Streib
im September 1939 unter dem damaligen
Staffelkapitän Wolfgang Falck (geb. 1910) am
Polenfeldzug, am Einsatz in Dänemark und am Westfeldzug vom Sommer
1940 teil. Dabei errang der nunmehrige Oberleutnant Streib am 10. 5. 1940
seinen ersten Luftsieg (am Tage), indem er einen "Blenheim" Bomber
abschießen konnte.
Anfang 1940
begannen erste Nachtjagdversuche von Hauptmann Falck, der dann mit der
Aufstellung des Nachtjagdgeschwaders (NJG) 1 beauftragt worden war. Damit
wurde die I. Gruppe des ZG 1 zur Keimzelle der deutschen Nachtjägerei.
Zum ersten Versuchsnachtflug starteten im
März 1940 die Oberleutnants Streib und Viktor Mölders, der jüngere Bruder des späteren
Jagdfliegerasses Oberst Werner Mölders
(1913-1941).
Am 26.06.1940 kam
es dann offiziell zur Bildung der I. Gruppe des NJG 1 (der bisherigen I./ZG 1)
in Düsseldorf, in ihr übernahm Streib die Führung
der 2. Staffel und erzielte am 20. 7. 1940 seinen ersten Nachtjagdabschuss. Das war
allerdings nicht der erste Nachtjagdsieg überhaupt, den vollbrachte vielmehr
schon am 9. 7. 1940 der Oberfeldwebel Förster, dessen Beispiel am
3. 7.1940 Oberfeldwebel Schmale folgte.
Nach acht Luftsiegen wurde Oberleutnant Streib am 6. 10. 1940 das Ritterkreuz
des Eisernen Kreuzes verliehen.
Im gleichen Monat übernahm er
unter Beförderung zum Hauptmann als Nachfolger von Hauptmann Günther Radusch
(1912-1988) die Führung der I. Gruppe des NJG 1.
Mit ihren zweimotorigen Bf-110-Maschinen führten Streibs Nachtjäger vom
niederländischen Venlo aus ihre Einsätze gegen die britischen Bombereinflüge
ins Reichsgebiet durch. Dort war in wenigen Monaten ein neuer Fliegerhorst
geradezu aus dem Boden gestampft worden. An die 16 000 Arbeiter - vorwiegend Holländer - hatten in jener Gegend
ein 1500 ha großes, gut getarntes Gelände mit einem 48 Kilometer langen Netz
von Rollbahnen, drei Start- und Landebahnen, Hangars, Wärmehallen, Werften und
Wohngebäuden für das fliegende Personal errichtet.
Im Kampf der Nachtjäger gegen Nachtbomber
konnte Hauptmann Streib die Zahl seiner Luftsiege ständig erhöhen - vor allem
dann, nachdem die inzwischen veralteten Bf 110 durch das leistungsfähigere
Heinkel-Flugzeug He 219 ersetzt worden waren. Mit
diesem Typ schoss Streib, der am 31. Mai 1942 seinen 25. und 26. Nachtjagdsieg
erringen konnte, während eines einzigen Einsatzes gleich fünf Feindmaschinen
ab.
Nach 40 Luftsiegen wurde dem inzwischen zum Major beförderten
Gruppenkommandeur am 26. 2. 1943 als 197.
Soldaten der deutschen Wehrmacht das Eichenlaub zum Ritterkreuz verliehen, zum
250. Luftsieg der I./NJG 1 erhielt Major Streib
am 7.4.1943 ein besonderes Anerkennungsschreiben
des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Reichsmarschall
Göring.
Am 1. 7. 1943
wurde Streib anstelle von Oberst Falck, der in den Generalstabsdienst
wechselte, Kommodore des NJG 1. In dieser neuen Funktion wurde ihm am 11. 3. 1944
nach insgesamt 65 Nachtjagdsiegen, als 54. Angehörigem der Wehrmacht das
Eichenlaub mit Schwertern verliehen.
Mit
Einsatzfreudigkeit gepaarte Besonnenheit, beispielhafte Menschenführung und
reiche Erfahrung machten ihn, der mitunter als "Vater der Nachtjagd"
bezeichnet wurde, zu einem idealen Verbandsführer.
Nachdem er zum
Oberstleutnant befördert worden war, wurde er im März
1944 zum "lnspekteur der Nachtjäger" ernannt und gab die Führung
seines Geschwaders an den Eichenlaubträger Major
Hans-Joachim Jabs (geb. 1917) ab, den bisherigen Kommandeur der IV. Gruppe des
NJG 1. Unter Jabs als Kommodore
erreichte das Geschwader, das in seinen Reihen 26 Ritterkreuz-, 11 Eichenlaub-
und zwei Schwerterträger aufzuweisen hatte, die Zahl von 1500 Abschüssen.
Nach Kriegsende betätigte sich Oberst a. D. Streib als erfolgreicher Geschäftsmann in der
Lebensmittelbranche, bis er im März 1956 als Oberst reaktiviert und zum
Kommandeur der Flugzeugführerschule Landsberg ernannt wurde.
Als er 1958 zum Brigadegeneral
befördert wurde, was dem Generalmajor in der Wehrmacht entspricht, übernahm er
das Amt eines "Fliegerführers Süd", woraus die Fliegerdivision Süd
der Bundesluftwaffe entstand.
Seine Bundeswehrkarriere beendete er am 31. 3. 1966 als "Inspizient Fliegende Verbände".
Werner Streib, der
"Wegbereiter der deutschen Nachtjagd", starb am
15. Juni 1986 in München - zwei Tage nach Vollendung seines 75. Lebensjahres.
Er wurde mit militärischen Ehren von einer großen Trauergemeinde
auf dem Münchener Ostfriedhof zur letzten Ruhe geleitet.
EHRE SEINEM ANDENKEN - GOTT GEBE IHM DIE LETZTE RUHE
