Ritterkreuzträger Hans-Jürgen Stumpff
Generaloberst

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Hans-Jürgen Stumpff wurde am 15. Juni 1889 als zweiter Sohn des Infanterieoffiziers Max Stumpff und seiner Frau Käte, geb. Bodenstein, in Kolberg geboren.
Beide Söhne traten im gleichen Jahr in die Kgl. Preuß. Armee ein, wurden gleichfalls wie der Vater Infanteristen und erreichten beide Hohe Ränge innerhalb der Wehrmacht. Beiden wurde im September 1941 das Ritterkreuz verliehen, dem einen als Oberbefehlshaber eine Luftflotte und dem anderen als Kommandeur der 20. Panzerdivision. Der um ein Jahr ältere Bruder Horst wurde General der Panzertruppe und Inspekteur der Panzertruppe des Ersatzheeres.
Hans-Jürgen begann seine militärische Ausbildung im Grenadier-Regiment Prinz Carl von Preußen (Brandenburgisches Nr.2) Nr. 12 in Frankfurt/Oder, dort war er als 17jähriger Abiturient am 01. April 1907 eingetreten und wurde am 19.11.1908 zum Leutnant befördert.
Als Adjutant des I. Bataillons seines Regiments zog er im August 1914 ins Feld und erlebte den Vormarsch im westen im Verband des III. Armeekorps. Seine erste Verwundung erlitt er in Kämpfen mit britischen Einheiten bei Mons. Nach der Gesundung kommt er als Oberleutnant an die Ostfront wo er als Kompanieführer und Brigadeadjutant Verwendung findet. Am 18.08.1916 wird er zum Hauptmann befördert und wird nach einer Ausbildung als Generalstabsoffizier an der West- und Südfront eingesetzt und wird schließlich ins Grosse Hauptquartier versetzt. Das Kriegsende erlebt er in der Nachrichtenabteilung des Chefs des Generalstabs des Feldheeres zu der er seit Januar 1918 gehörte. Neun deutsche, österreichisch-ungarische und bulgarische Auszeichnungen zeugen seine militärische Bewährung im 1. Weltkrieg.
In die Reichwehr übernommen tat er ab Oktober 1919 im Reichswehrministerium Dienst, bevor er im April 1922 für 2 ½ Jahre das Kommando über die 9. Kompanie des 8. (Preuß.) Infanterie-Regiments in Görlitz antrat. Im Jahr Oktober 1924 folgt die Versetzung in den Stab der 1. Division nach Königsberg an, Kommandeur und zugleich Befehlshaber des Wehrkreises I war der spätere Chef der Heeresleitung, Generalleutnant Heye, Chef des Generalstabs war Oberstleutnant Freiherr von Fritsch.
Am 01. Juli 1927 wird er als Adjutant des Chefs der Heeresleitung zum Major befördert.
Im Februar 1929 wird Major Stumpff erstmalig im Heerespersonalamt, zunächst als Referent, mit Personalangelegenheiten konfrontiert. In dieser Stellung wird er am 01.10.1931 zum Oberstleutnant befördert und übernimmt ab Oktober 1932 die Leitung des Heeres-Personalamtes 1, hier machte er die Erfahrungen die ihn später zum Personalfachmann der Luftwaffe machen sollte.
Mit der Beförderung zum Oberst am 01. April 1934 oblag ihm die Leitung des Luftwaffen-Personalamtes und hatte somit eine entscheidende Position beim Aufbau der Luftwaffe.
Bei der Besetzung der Spitzenstellungen der Luftwaffe berücksichtigte man fliegerisch zwar ungeschulte Offiziere, dafür waren diese in der Reichswehr äußerst bewährt und erfahren. Stumpff befürwortete einen Generalstab der Luftwaffe und zählt zu den Vätern eines einheitlichen Generalstabs-Offizierskorps der Luftwaffe. Diese Offiziere mussten allerdings fliegen lernen um der neuen Sache auch gewachsen zu sein.
Innerhalb von nur 3 Jahren gelang es Stumpff das Offizierskorps der Luftwaffe von anfänglich 50 Offizieren auf ca. 10.000, einschließlich der Reserveoffiziere, zu vergrößern.
Am 20. April 1936 wird Stumpff Generalmajor und löste am 01. Juni 1937 Generalleutnant Kesselring als Chef des Generalstabes der Luftwaffe ab und wird am 01. September 1937 in dieser Position Generalleutnant.
Am Rande der Bayreuther Festspiele trafen sich Göring, Milch und Stumpff um Einzelheiten eines deutschen Spanien-Einsatzes zur Unterstützung Francos zu erörtern, daraus entstand die "Legion Condor".
Im Jahr 1937 unternahm Stumpff 3 Englandreisen, zuerst stattete er im Rahmen einer Luftwaffen-Delegation dem Flugplatz Hendon einen Besuch ab, im Mai gehörte er als Vertreter der Luftwaffe zu einer offiziellen Abordnung unter Führung des Reichskriegsministers Generalfeldmarschall von Blomberg, anlässlich der Krönungsfeierlichkeiten für König Georg VI. . Im Oktober besuchte er zusammen mit den Generalen Milch und Udet England zu Besprechungen mit dem Luftfahrt-Minister Lord Swinton und dessen Stabschef Sir Cyril Newall, Stumpff verschaffte sich einen Eindruck vom Rüstungs- und Ausbildungsstand der britischen Luftwaffe.
Im Februar 1938 trat eine Neugliederung der Luftwaffe in Kraft, um den Zwiespalt zwischen dem Staatssekretär der Luftfahrt General Milch und dem Chef des Generalstabes der Luftwaffe Stumpff zu beseitigen. Nach Stumpff wirke sich der Dualismus zwischen Staatssekretär und Generalstabschef negativ auf den Aufbau der Luftwaffe aus, da sich das Nebeneinander von Befehlen und Verordnungen als unproduktiv herausstellte. Alle Kommandostellen sollen nur dem Ziel der Kriegsvorbereitung zugeordnet sein.
Nach den Vorstellungen der generale Milch, Stumpff und Jeschonnek wurde der neu organisierte Generalstab der Oberbefehlshabers der Luftwaffe eine einheitliche und zusammenfassende Befehlsstelle des Reichsluftfahrtministeriums. Man schuf den "Chef der Luftwehr", den "Generalinspekteur der Luftwaffe" und den "Chef des Ministeramtes" neu. So wurde am 01. November 1938 General Stumpff zum General der Flieger ernannt.
Mit Wirkung vom 01. Februar 1938 kam es erneut zu einer Umbesetzung in der Spitzengliederung der Luftwaffe, an die Stelle des Generals Stumpff trat nun der 10 Jahre jüngere Chef des Führungsstabes des Generalstabs der Luftwaffe Oberst i.G. Jeschonnek.
In seiner neuen Funktion als Chef der Luftwehr löste Stumpff den General der Flakartillerie Rüdel ab, damit unterstanden ihm das Allgemeine Luftamt, das Luftverwaltungsamt, das Nachschubamt sowie die Zentralabteilung. Er selbst unterstand dem Staatssekretär der Luftfahrt und Generalinspekteur der Luftwaffe, Generaloberst Milch, dessen ständiger Vertreter im Amt Stumpff war.
Am 12. Januar 1940 übernahm Stumpff das Kommando über die Luftflotte 1 die in ihren Heimatstandorten im Raum Berlin verblieben war und löste somit erneut Kesselring als Kommandeur ab.
Am 11. Juni 1940 überträgt man ihm das Kommando über die Luftflotte 5, die ab August 1940 von Norwegen gegen Großbritanniens Versorgungshäfen an der schottischen Küste operierte. Diese Luftflotte wurde neu aufgestellt und im Norwegen-Feldzug von Milch geführt.
Im Zuge der Beförderungswelle nach dem Sieg im Westen wurde Stumpff zum Generalobersten befördert und nahm am 13.09.1940 beim großen Empfang in der Reichskanzlei teil.
Mit Beginn es Ostfeldzuges verlagerte sich der Schwerpunkt der Luftflotte 5, mit der Stärke eines Fliegerkorps, in den Hohen Norden. Der Gefechtsstand befand sich zunächst in Oslo, später in Rovaniemi in Finnland, Chef des Generalstabes war Oberst Nielsen. Weite des Raumes, das Klima und die wenigen Einsatzhäfen erschwerten die arbeit der Luftflotte erheblich. Schwerpunkt war der Kampf gegen die Geleitzüge England-Murmansk/Archangelsk, von Nordnorwegen und Nordfinnland flog man Angriffe auf die Murmanbahn, ab März 1942 auf Murmansk und ab August 1942 auch auf Archangelsk. Mit nie mehr als 100 einsatzbereiten Flugzeugen erzielte Stumpff mit seiner Luftflotte beachtliche Erfolge, so konnte er am 12.07.1942 die Vernichtung des Geleitzuges PQ 17 mit einer Versenkungstonnage von 142.216 BRT melden.
Zwischen Frühjahr 1941 und Frühjahr 1942 wurden die Verbände der Luftflotte 5 dreimal im Wehrmachtsbericht erwähnt, so gab man am 10.06.1941 die Versenkung von insgesamt 208.000 BRT bekannt, sowie die Beschädigung von 86 Schiffen im Seegebiet um England seit dem 01.02.1941. Trotzdem konnte man das Ziel den Geleitzugverkehr nach Russland zu unterbinden, nicht erreichen, allerdings wurden nach der Vernichtung von PQ 17 die Lieferung vorerst eingestellt.
Generaloberst Stumpff führte die Luftflotte 5 noch bis zum 05. November 1943, in der sie alleine 1400 Feindmaschinen abschoss und wurde dann in die Führerreserve des OKL versetzt.
Anstelle des Generalobersten Weise rat Stumpff am 06. Januar 1944 die Dienststellung des Luftwaffenbefehlshabers Mitte an und wurde dann später, aufgrund der erhöhten Bedeutung der Reichsverteidigung in Oberbefehlshaber der Luftflotte Reich umbenannt.
Der Gefechtsstand befand sich in Berlin-Wannsee. Im Sommer 1944 wurden der Luftflotte die Jagd- und Flakverbände in Ungarn unterstellt. Der Schwerpunkt der Luftverteidigung verschob sich nun von den 1500 Flak-Batterien zu den 3, später 4, Jagddivisionen des I. Jagdkorps, im Spätherbst kam das Luftwaffen-Kommando West unter das Kommando des generalobersten Stumpff.
Ab dem 16.12.1944 unterbrach die Luftwaffe die Reichsverteidigung und unterstütze die Erdtruppen in der Ardennenoffensive.
Im November 1944 erreichte die Luftwaffe zumindest zahlenmäßig ihren Höchststand, so waren unter anderem die ersten Strahlflugzeuge im Einsatz, die jedoch keine entscheidende Wende herbeiführen konnten.
Mit der Trennung des Reiches in einen Nord- und Südraum im April 1945 wurde auch die Luftwaffenführung in Süd, unter Generalfeldmarschall von Greim, mit der Masse des OKL und Nord unter Generaloberst Stumpff, dem auch die Luftwaffenverbände in Kurland, Ostpreußen und Norwegen unterstellt waren, geteilt.
Unterstellt war Stumpff zunächst dem OB Nord Karl Dönitz, später aber dann dem OKW direkt. Der letzte Gefechtsstand der Luftflotte Reich befand sich in Missunde bei Eckernförde. In den letzten Tagen musste das Fliegende Personal aus Treibstoffmangel am Boden bleiben.
Am 09. Mai erfolgte die Wiederholung des Kapitulationsaktes von Reims, zwischen den Deutschen und den Westalliierten, in Berlin-Karlshorst zwischen den Deutschen und den Sowjets. Auf Weisung von Dönitz unterschrieben folgende Offiziere die Kapitulationsurkunde für die jeweiligen Wehrmachtsteile: Generalfeldmarschall Keitel, Generaladmiral von Friedeburg und Generaloberst Stumpff als neuer Chef des Generalstabes der Luftwaffe und in Vertretung des verwundeten Generalfeldmarschalls von Greim.
Im Oktober 1947 wird Stumpff als britischer Kriegsgefangener von einem Militärgericht von der anklage der Weitergabe des "Terrorfliegerbefehls", wonach es deutschen Bewachungsmannschaften verboten war, abgeschossene und kriegsgefangene alliierte Terror-Flieger vor Angriffen durch die Bevölkerung zu schützen, freigesprochen und entlassen.
In der Folgezeit setzte er sich für die Wiederherstellung des Ansehens der Wehrmacht ein und sprach unter anderem auf Wahlveranstaltungen der CDU. Stumpff gründete den schleswig-holsteinischen Landesverband der BvW (später VdS), hatte von 1948 - 1952 den Vorsitz und bekam 1954 die Ehrenmitgliedschaft.
Im Jahre 1953 gehörte er dem Ausschuss zur Prüfung der Frage der Wiederzulassung der Kriegsauszeichnungen an. Als ehemaliger Personalchef der Luftwaffe erteilte er der Nachfolgeorganisation der Bundeswehr zahlreiche nützliche Hinweise und Tipps.
Der Vorstand der "Stiftung Luftwaffen-Ehrenmal" bat Stumpff im November 1961 um eine Festrede anlässlich der Einweihung des Ehrenmals am 18. November 1962 in Fürstenfeldbruck.
Am 01. Januar 1964 übernimmt er den Vorsitz der Kameradschaft seines alten Regiments und wurde von der Clausewitz-Gesellschaft als Ehrenmitglied aufgenommen.
Im Jahre 1952 war Stumpff nach bad Godesberg umgesiedelt und heiratete nach seiner ersten Frau Ilse, geb. Grapow, die er am 02. August 1914 ehelichte und mittlerweile verstarb, am 02. Mai 1961 Vera-Ingrid geb. Klebs.
Aus der 1. Ehe waren 3 Kinder hervorgegangen, der einzigste Sohn war allerdings am 11. Juli 1941 im Osten als Oberleutnant und Kompaniechef in einem Infanterieregiment gefallen, was Stumpff nie vergessen konnte.
Hans-Jürgen Stumpff starb am 09. März 1968 im Alter von 78 Jahren in Frankfurt/Main. Die Beisetzung fand am 14. März 1968 auf einem Friedhof in Bonn statt.EHRE SEINEM ANDENKEN - GOTT GEBE IHM DIE LETZTE RUHE