Rudolf Winnerl wurde am 15.03.1916 in Lugau im
Erzgebirge als Sohn eines Bergmanns geboren und erlernte nach dem besuch der
Volksschule den beruf eines Formers. Im Jahre 1930 der Hitlerjugend
beigetreten, wird er dort ein Jahr später zum Führer ernannt.
Am 05.06.1935 trat er der Landespolizei in Chemnitz bei und wird kurze Zeit
später ins Heer überführt, wo er seine militärische und infanteristische
Grundausbildung erhielt.
Im Zuge der Vermehrung der Luftwaffe meldet sich Winnerl freiwillig und wird
Anfang 1938 zum Flieger-Ausbildungs-Regiment 31 nach Magdeburg versetzt. Am
02.05.1938 begann an der Flugzeugführerschule 4 in Zeltweg seine Ausbildung
zum Flugzeugführer. Dem schloss sich dann die Versetzung zur
Ergänzungskampfgruppe 2 nach Quedlinburg an.
Nach Ende der Ausbildung zum Flugzeugführer einmotoriger Flugzeuge am
29.04.1939, wechselt er vom 02.10. bis zum 30.12.1939 in die 2.
Schülerkompanie der Kampffliegerschule Tutow, wo er zum Kampfflieger
ausgebildet wurde und erstmals mehrmotorige Flugzeuge, wie die Do 17, Ju 86
oder He 111, flog. Nach einer kurzen Kommandierung an die Flugzeugführerschule
C nach Zeltweg, wird Winnerl am 09.01.1940 in die 9. Staffel des
Kampfgeschwaders 1 "Hindenburg" versetzt.
Mit seiner Staffel startete er am 16.05.1940 gegen 15.15 Uhr vom Flugplatz
Ettinghausen mit einer He 111 zu seinem ersten Feindflug. Ziel dieses ersten
Einsatzes waren der Bahnhof und Truppen in bzw. bei Berlagmont in Frankreich.
Sein zweiter Einsatz erfolgte schon am nächsten Tag gegen Ziele im Bahnhof von
Perame. Nach Köln-Butzweilerhof zurückverlegt, unternahm er von dort am
27.05.1940 seinen 3. Feindflug gegen Truppen im Raum Armentiers und ab dem
28.05.1940 im Raum Dünkirchen, Brügge und Ostende.
Nach der Versetzung in die 7. Staffel des Geschwaders am 06.07.1940, nahm er
noch am gleichen Tag an Einsätzen gegen gegnerische Truppen teil, wobei er mit
Ausfall des rechten Motors zu seinem Einsatzhafen zurückkehren musste. Am
16.07.1940 erfolgte dann die endgültige Versetzung in die 4. Staffel, der II.
Gruppe unter Major Benno Kosch, des Geschwaders. Diese 4. Staffel war die
älteste Kampffliegerstaffel der Luftwaffe und ging aus dem Funkpeilinstitut
der elektronischen Industrie e.V. in Tutow bei Demmin in Pommern hervor. Mit
der Staffel nahm er an den folgenden Verlegungen bzw. Einsätzen über England
teil, erhielt am 22.12.1940 erstmalig Heimaturlaub und absolvierte, nach 10
weiteren Kampfeinsätzen, vom 13.01. bis zum 31.05.1941 die Blindflugausbildung
an der Blindflugschule 2 in Neuburg a.d. Donau.
Am 02.06.1941 wieder zu seiner 4. Staffel zurückgekehrt, übernahm er die
Position des "Kettenhundes" des Staffelkapitäns Johannes Brandenburg.
Kurze Zeit später wird die II. Gruppe aus dem England-Einsatz herausgenommen
und auf den E-Hafen Powunden in Ostpreußen verlegt. Das Fliegende Personal
traf dort erst am 18.06.1941 ein, da die Besatzungen zur Unterstützung des
schwer ringenden Schlachtschiffes "BISMARCK" eingesetzt werden sollten.
Mit Beginn des Feldzuges gegen die Sowjetunion stand die II. Gruppe in
ununterbrochenen Einsatz. Kurze Zeit vorher hatte er geheiratet und seinen
Wohnsitz nach Syke bei Bremen verlegt. Vorwiegend flog man Einsätze gegen die
Flugplätze Libau, Mitau, Windau, Riga-Spilve, auf Eisenbahnlinien, gegen
Truppenbewegungen, Küstenbefestigungen, zu Bekämpfung der sowjetischen
Ostseeflotte und gegen den gegnerischen Nachschub. Die Einsätze wurden dabei
bei Tag und bei Nacht geflogen. Zunächst nur im Nordabschnitt, verlegte das
Geschwader bald in den Mittel- bzw. Südabschnitt und flog Einsätze gegen
Moskau und Rshew.
Am 02.09.1941 verlegte die II. Gruppe, zur Umschulung auf das neue
Flugzeugmuster Ju 88 A-4, nach Insterburg in Ostpreußen. Anfang Oktober wieder
einsatzbereit verlegte die Gruppe nach Staraja Russa und nahm an den schweren
Winterkämpfen der Wehrmacht teil. Geflogen wurden u.a. Einsätze gegen den
Ladoga See, der Nachschubweg für Leningrad, sowie zur Unterstützung der
kämpfenden Truppe. Mitte Dezember erfolgte dann die Verlegung zur III. Gruppe
nach Dno.
Mit Beginn des Jahres 1942 folgten pausenlose Einsätze der 4. Staffel zur
Unterstützung der Abwehr der gegnerischen Winteroffensive im norden der
Ostfront. Winnerl steigerte seine Einsatzzahlen und flog jeden Einsatz der 4.
Staffel mit. So erfolgte bspw. am 27.02.1942 der 1000. Feindflug der 4.
Staffel.
Am 28.02.1942 startete die Staffel zur Bekämpfung von gegnerischen Truppen im
Kastenwald bei Dobrowo/Cholm. Nach Abwurf der Bomben meldete eine Besatzung
auf dem Rückflug noch Bomben an Bord zu haben. Staffelkapitän
Brandenburg befahl einen weiteren Angriff und begleitete dieses Maschine. Zu
diesem Zeitpunkt rollte aber bereits ein weiterer Angriff, diesmal von
Sturkampfflugzeugen. Dabei wurde Brandenburgs Maschine von einer Stuka-Bombe
getroffen und auseinandergerissen. Brandenburg fand dabei den Tod. Winnerl
hatte seinen Kapitän mehrmals gewarnt. Später vorgehende Heereseinheiten
fanden die Reste der Maschine und konnten Brandenburg anhand seines
Ritterkreuzes identifizieren.
Ab dem 20.03.1942 nahm Winnerl mit seiner Staffel an Einsätzen zur Entlastung
der eingekesselten deutschen Truppen bei Cholm und Demjansk teil und erreichte
so am 29.03.1942 seinen 200. Feindflug.
Winnerls Besatzung bestand damals aus dem Bordfunker Christian Heil, dem
Bordmechaniker Johann Gürtler und dem Beobachter Kurt Seidel. Heil und Gürtler
erhielten später beide das Deutsche Kreuz in Gold.
Ostern 1942 nahm Winnerl an einem Tagesgrossangriff auf den Hafen Leningrad
teil und beschädigte dabei ein 5.000 BRT-Schiff schwer. Die Versenkung von
drei Schiffen gelang ihm am 25.06. und am 05. und 06.07.1942. Im Sommer 1942
gelang es hm weiterhin ein sowjetisches U-Boot zu versenken.
Nach Brjansk verlegt erfolgten Einsätze gegen Kaluga, Rshew und Orel, sowie
gegen gegnerische Durchbruchsversuche. Danach am 10.09.1942 wieder in den Raum
Leningrad verlegt, kehrt die II. Gruppe Ende Dezember 1942 nach
Königsberg-Neuhausen in die Heimat zurück. Zuvor nahm die Gruppe an Einsätzen
gegen Stalingrad teil. Dabei wurde Winnerls Maschine so schwer beschädigt, das
er hinter den feindlichen Linien notlanden musste und sich in mehreren
Tagesmärschen mit seiner Besatzung zu den eigenen Linien durchschlug. Wieder
bei seiner Staffel, erhält er vier Wochen Erholungsurlaub in Kitzbühl und
kehrt dann wieder zu seiner Staffel zurück.
Am 20.04.1943 wird Winnerl als Flugzeug- und Kettenführer der 4. Staffel des
KG 1 "Hindenburg" mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Ihm war es auf
über 300 Feindflügen gelungen drei Schiffe zu versenken, vier Flak- und
Artilleriestellungen, zehn Panzer, neun Bunkerstellungen, drei Munitions- und
ein Versorgungslager, 11 Materialtransportzüge zu vernichten, 19
Eisenbahnstrecken nachhaltig zu unterbrechen, ein 5000-BRT-Schiff schwer zu
beschädigen, den schweren Kampf des Heeres zu unterstützen und weiterhin
Versorgungsflüge für Demjansk und Cholm zu fliegen. Winnerl war damit der 2.
Angehörige der 4. Staffel dem das Ritterkreuz verliehen wurde. Die
Überreichung erfolgte am 27.04.1943.
Im September 1943 erfolgte dann die Verlegung der II. Gruppe nach Italien.
Winnerl kam dort nicht zum Flugeinsatz , sondern übernahm nichtfliegerische
Tätigkeiten. Im November 1943 wurde er am Flugplatzrand in einen Hinterhalt
gelockt und in den Kopf geschossen, was zur fast vollständigen Lähmung führte.
Damit war Winnerl nicht mehr dienstfähig. Während seiner Dienstzeit flog er
auf mehr als 21 verschiedenen Flugzeugtypen und absolvierte 355 Feindflüge
gegen Frankreich, Großbritannien und Russland.
Rudolf Winnerl verstarb am 26.02.1991 in Syke bei Bremen.