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Ritterkreuzträger Rudolf Winnerl
Oberfeldwebel, Kampfflieger

25.02.1942

Rudolf Winnerl wurde am 15.03.1916 in Lugau im Erzgebirge als Sohn eines Bergmanns geboren und erlernte nach dem besuch der Volksschule den beruf eines Formers. Im Jahre 1930 der Hitlerjugend beigetreten, wird er dort ein Jahr später zum Führer ernannt.
Am 05.06.1935 trat er der Landespolizei in Chemnitz bei und wird kurze Zeit später ins Heer überführt, wo er seine militärische und infanteristische Grundausbildung erhielt.
Im Zuge der Vermehrung der Luftwaffe meldet sich Winnerl freiwillig und wird Anfang 1938 zum Flieger-Ausbildungs-Regiment 31 nach Magdeburg versetzt. Am 02.05.1938 begann an der Flugzeugführerschule 4 in Zeltweg seine Ausbildung zum Flugzeugführer. Dem schloss sich dann die Versetzung zur Ergänzungskampfgruppe 2 nach Quedlinburg an.
Nach Ende der Ausbildung zum Flugzeugführer einmotoriger Flugzeuge am 29.04.1939, wechselt er vom 02.10. bis zum 30.12.1939 in die 2. Schülerkompanie der Kampffliegerschule Tutow, wo er zum Kampfflieger ausgebildet wurde und erstmals mehrmotorige Flugzeuge, wie die Do 17, Ju 86 oder He 111, flog. Nach einer kurzen Kommandierung an die Flugzeugführerschule C nach Zeltweg, wird Winnerl am 09.01.1940 in die 9. Staffel des Kampfgeschwaders 1 "Hindenburg" versetzt.
Mit seiner Staffel startete er am 16.05.1940 gegen 15.15 Uhr vom Flugplatz Ettinghausen mit einer He 111 zu seinem ersten Feindflug. Ziel dieses ersten Einsatzes waren der Bahnhof und Truppen in bzw. bei Berlagmont in Frankreich. Sein zweiter Einsatz erfolgte schon am nächsten Tag gegen Ziele im Bahnhof von Perame. Nach Köln-Butzweilerhof zurückverlegt, unternahm er von dort am 27.05.1940 seinen 3. Feindflug gegen Truppen im Raum Armentiers und ab dem 28.05.1940 im Raum Dünkirchen, Brügge und Ostende.
Nach der Versetzung in die 7. Staffel des Geschwaders am 06.07.1940, nahm er noch am gleichen Tag an Einsätzen gegen gegnerische Truppen teil, wobei er mit Ausfall des rechten Motors zu seinem Einsatzhafen zurückkehren musste. Am 16.07.1940 erfolgte dann die endgültige Versetzung in die 4. Staffel, der II. Gruppe unter Major Benno Kosch, des Geschwaders. Diese 4. Staffel war die älteste Kampffliegerstaffel der Luftwaffe und ging aus dem Funkpeilinstitut der elektronischen Industrie e.V. in Tutow bei Demmin in Pommern hervor. Mit der Staffel nahm er an den folgenden Verlegungen bzw. Einsätzen über England teil, erhielt am 22.12.1940 erstmalig Heimaturlaub und absolvierte, nach 10 weiteren Kampfeinsätzen, vom 13.01. bis zum 31.05.1941 die Blindflugausbildung an der Blindflugschule 2 in Neuburg a.d. Donau.
Am 02.06.1941 wieder zu seiner 4. Staffel zurückgekehrt, übernahm er die Position des "Kettenhundes" des Staffelkapitäns Johannes Brandenburg. Kurze Zeit später wird die II. Gruppe aus dem England-Einsatz herausgenommen und auf den E-Hafen Powunden in Ostpreußen verlegt. Das Fliegende Personal traf dort erst am 18.06.1941 ein, da die Besatzungen zur Unterstützung des schwer ringenden Schlachtschiffes "BISMARCK" eingesetzt werden sollten.
Mit Beginn des Feldzuges gegen die Sowjetunion stand die II. Gruppe in ununterbrochenen Einsatz. Kurze Zeit vorher hatte er geheiratet und seinen Wohnsitz nach Syke bei Bremen verlegt. Vorwiegend flog man Einsätze gegen die Flugplätze Libau, Mitau, Windau, Riga-Spilve, auf Eisenbahnlinien, gegen Truppenbewegungen, Küstenbefestigungen, zu Bekämpfung der sowjetischen Ostseeflotte und gegen den gegnerischen Nachschub. Die Einsätze wurden dabei bei Tag und bei Nacht geflogen. Zunächst nur im Nordabschnitt, verlegte das Geschwader bald in den Mittel- bzw. Südabschnitt und flog Einsätze gegen Moskau und Rshew.
Am 02.09.1941 verlegte die II. Gruppe, zur Umschulung auf das neue Flugzeugmuster Ju 88 A-4, nach Insterburg in Ostpreußen. Anfang Oktober wieder einsatzbereit verlegte die Gruppe nach Staraja Russa und nahm an den schweren Winterkämpfen der Wehrmacht teil. Geflogen wurden u.a. Einsätze gegen den Ladoga See, der Nachschubweg für Leningrad, sowie zur Unterstützung der kämpfenden Truppe. Mitte Dezember erfolgte dann die Verlegung zur III. Gruppe nach Dno.
Mit Beginn des Jahres 1942 folgten pausenlose Einsätze der 4. Staffel zur Unterstützung der Abwehr der gegnerischen Winteroffensive im norden der Ostfront. Winnerl steigerte seine Einsatzzahlen und flog jeden Einsatz der 4. Staffel mit. So erfolgte bspw. am 27.02.1942 der 1000. Feindflug der 4. Staffel.
Am 28.02.1942 startete die Staffel zur Bekämpfung von gegnerischen Truppen im Kastenwald bei Dobrowo/Cholm. Nach Abwurf der Bomben meldete eine Besatzung auf dem Rückflug noch Bomben an Bord zu haben.  Staffelkapitän Brandenburg befahl einen weiteren Angriff und begleitete dieses Maschine. Zu diesem Zeitpunkt rollte aber bereits ein weiterer Angriff, diesmal von Sturkampfflugzeugen. Dabei wurde Brandenburgs Maschine von einer Stuka-Bombe getroffen und auseinandergerissen. Brandenburg fand dabei den Tod. Winnerl hatte seinen Kapitän mehrmals gewarnt. Später vorgehende Heereseinheiten fanden die Reste der Maschine und konnten Brandenburg anhand seines Ritterkreuzes identifizieren.
Ab dem 20.03.1942 nahm Winnerl mit seiner Staffel an Einsätzen zur Entlastung der eingekesselten deutschen Truppen bei Cholm und Demjansk teil und erreichte so am 29.03.1942 seinen 200. Feindflug.
Winnerls Besatzung bestand damals aus dem Bordfunker Christian Heil, dem Bordmechaniker Johann Gürtler und dem Beobachter Kurt Seidel. Heil und Gürtler erhielten später beide das Deutsche Kreuz in Gold.
Ostern 1942 nahm Winnerl an einem Tagesgrossangriff auf den Hafen Leningrad teil und beschädigte dabei ein 5.000 BRT-Schiff schwer. Die Versenkung von drei Schiffen gelang ihm am 25.06. und am 05. und 06.07.1942. Im Sommer 1942 gelang es hm weiterhin ein sowjetisches U-Boot zu versenken.
Nach Brjansk verlegt erfolgten Einsätze gegen Kaluga, Rshew und Orel, sowie gegen gegnerische Durchbruchsversuche. Danach am 10.09.1942 wieder in den Raum Leningrad verlegt, kehrt die II. Gruppe Ende Dezember 1942 nach Königsberg-Neuhausen in die Heimat zurück. Zuvor nahm die Gruppe an Einsätzen gegen Stalingrad teil. Dabei wurde Winnerls Maschine so schwer beschädigt, das er hinter den feindlichen Linien notlanden musste und sich in mehreren Tagesmärschen mit seiner Besatzung zu den eigenen Linien durchschlug. Wieder bei seiner Staffel, erhält er vier Wochen Erholungsurlaub in Kitzbühl und kehrt dann wieder zu seiner Staffel zurück.
Am 20.04.1943 wird Winnerl als Flugzeug- und Kettenführer der 4. Staffel des KG 1 "Hindenburg" mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Ihm war es auf über 300 Feindflügen gelungen drei Schiffe zu versenken, vier Flak- und Artilleriestellungen, zehn Panzer, neun Bunkerstellungen, drei Munitions- und ein Versorgungslager, 11 Materialtransportzüge zu vernichten, 19 Eisenbahnstrecken nachhaltig zu unterbrechen, ein 5000-BRT-Schiff schwer zu beschädigen, den schweren Kampf des Heeres zu unterstützen und weiterhin Versorgungsflüge für Demjansk und Cholm zu fliegen. Winnerl war damit der 2. Angehörige der 4. Staffel dem das Ritterkreuz verliehen wurde. Die Überreichung erfolgte am 27.04.1943.
Im September 1943 erfolgte dann die Verlegung der II. Gruppe nach Italien. Winnerl kam dort nicht zum Flugeinsatz , sondern übernahm nichtfliegerische Tätigkeiten. Im November 1943 wurde er am Flugplatzrand in einen Hinterhalt gelockt und in den Kopf geschossen, was zur fast vollständigen Lähmung führte. Damit war Winnerl nicht mehr dienstfähig. Während seiner Dienstzeit flog er auf mehr als 21 verschiedenen Flugzeugtypen und absolvierte 355 Feindflüge gegen Frankreich, Großbritannien und Russland.
Rudolf Winnerl verstarb am 26.02.1991 in Syke bei Bremen.

Beförderungen

 

Auszeichnungen

Gefreiter 02.05.1936 Ritterkreuz zum Eisernen Kreuz

16.04.1943

Obergefreiter 01.10.1937 Eisernes Kreuz II. Klasse 25.06.1940
Unteroffizier 10.04.1939   Eisernes Kreuz I. Klasse 13.07.1941
Feldwebel 01.10.1941   Deutsches Kreuz in Gold 11.05.1942
Oberfeldwebel 01.08.1942   Flugzeugführerabzeichen 30.04.1939
      Ehrenpokal 23.02.1942
      Dienstauszeichnung IV. Klasse 01.05.1939
      Frontflugspange für Kampfflieger in Bronze 05.07.1941
      Frontflugspange für Kampfflieger in Silber 04.10.1941
      Frontflugspange für Kampfflieger in Gold 20.04.1942
      Frontflugspange für Kampfflieger in Gold mit Anhänger 13.10.1942
      Medaille Winterschlacht im Osten 16.07.1942
      Verwundetenabzeichen in Schwarz 27.07.1942
      Verwundetenabzeichen in Gold 01.12.1944
      Demjanskschild 31.12.1943

EHRE SEINEM ANDENKEN - GOTT GEBE IHM DIE LETZTE RUHE

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