Ritterkreuzträger
Günther Anhalt
SS-Standartenführer, Polizei











Günther Otto Friedrich Anhalt wurde am 23.01.1906 in Breslau geboren.
Nach der schulischen Ausbildung und dem Abitur wurde er am 01.04.1924 Offiziersanwärter
beim Pionier-Bataillon 5 der Reichswehr in Ulm, wo er bis Anfang Juli
1925 eingesetzt wurde.
Anhalt trat dann der Universität Breslau bei und nahm ein Studium der
Rechtswissenschaften auf, welches er aber kurz vor seinem Abschluss wieder
abbricht. Stattdessen trat er im Juli 1930 dem SA-Sturm 51 in Breslau bei,
wobei er die SA aber bereits Anfang Dezember 1931 wieder verlässt, um mit
dem 01.07.1932 der NSDAP (Nummer 1.395.568) und der SS (Nummer 45.437) beizutreten.
Anhalt gehörte zunächst dem 4. Sturm der 16. SS-Standarte in Breslau an und
wurde dann einer der 117 Männer, die die SS-Stabswache stellten. Aus dieser
entstand dann am 17.03.1933 die SS-Leibstandarte.
Nachdem die Standarte im September 1933 in Adolf-Hitler-Standarte umbenannt
wurde, übernahm Anhalt dabei den Posten eines Zugführer in der 2. Kompanie.
Vom 27.07.1934 bis zum 17.10.1934 wurde er für die Dauer von drei Monaten auf den
Reichswehr-Truppenübungsplatz Jüterbog kommandiert, wo er die 2.
Ausbildungskompanie des Ausbildungs-Depot-Jüterbog
errichtete. Dieses gliederte sich in 12 Ausbildungskompanien. Günther Anhalt
gehörte hier zur 2. Ausbildungs-Kompanie unter dem SS-Hauptsturmführer Emil Sator.
Am 17.10.1934 wird er als SS-Hauptscharführer, Zugführer in der 7. Kompanie
der Leibstandarte-SS "Adolf Hitler" versetzt. Kompaniechef war der damalige
SS-Hauptsturmführer Grezesch. Anhalt besucht dabei von Januar bis März 1939
einen Pionier-Lehrgang beim Pionier-Sturmbann der SS-VT in Dresden.
Anlässlich des Besuches
des italienischen Außenministers Graf Ciano in Berlin, übernimmt Anhalt die
Führung der 7. Kompanie und erweist dem Gast die
militärischen Ehrenbezeigungen. Graf Ciano und von Ribbentrop trafen am
22.05.1939 in Berlin zusammen, um den deutsch-italienischen Freundschafts- und
Bündnispakt (Stahlpakt) zu unterzeichnen.
Anhalt nimmt mit der 7. Kompanie am Polen-Feldzug teil und wird dabei am
07.09.1939 verwundet, verbleibt aber bei der Kompanie, wird aber später zum
Ersatz-Bataillon der Leibstandarte versetzt, um dort die Verwundung bis
Januar 1940 auszuheilen. Es gibt allerdings auch Hinweise, dass Anhalt noch
am 28.08.1939 in die 5. Kompanie wechselte und zusammen mit
Wilhelm Mohnke verwundet wurde.
Während seiner Rekonvaleszenz übernahm er u.a. die Führung der
Ehrenformation anlässlich des Besuches Benito Mussolinis in Berlin.
Anhalt übernimmt im Januar 1940 die 6. Kompanie der Leibstandarte und wird
Mitte August durch
SS-Obersturmführer Hermann Krämer abgelöst. Mglw. übernahm er die
Kompanie auch erst am 10.05.1940 und nimmt mit dieser am Westfeldzug teil.
Am 18.08.1940 wechselte er zum neuen Pionier-Bataillon der Leibstandarte
unter
Christian Hansen und übernimmt dort den Posten des ersten Chefs der 1.
Kompanie des Bataillons. Kurz nach Beginn des Ostfeldzuges wird Anhalt dabei
durch SS-Obersturmführer
Gerhard Steinert abgelöst und am 03.07.1941 mit der Nachfolge
SS-Sturmbannführers Willi Janke als Führer des IV. Bataillons der
Leibstandarte betraut, nachdem dieser verwundet wurde. Zwei Tage später
verstarb er.
Anhalt führte das Bataillon bis zum 14.09.1942 und wurde dann durch
SS-Hauptsturmführer Jochen Peiper abgelöst. Nach Umformung der Division in
eine motorisierte Division erhält Anhalt am 05.07.1942 das Kommando über das
III. Bataillon des Infanterie-Regiments (mot.) 2 der Leibstandarte, welches
aus seinem bisherigen Bataillon hervorging. Hier zeichnete er sich bereits
bei den Kämpfen um Wesseloje, während der Rückzugskämpfe in den Raum
Henrikovka, während der Abwehrkämpfe bei Rostow und Hofschoperski und beim
Angriff auf die Stadt Bultan Sally, die er trotz schwerster Gegenwehr nahm.
Anhalt selbst wird bis Januar 1943 dem Ersatz-Bataillon "Leibstandarte"
zugewiesen. Von Mitte Januar bis Februar 1943 besuchte er den 6.
Abteilungs-Führer-Lehrgang in Paris und kommt dann in die neu aufzustellende
10. SS-Panzer-Division "Frundsberg", wo er im Februar 1943 das
Kommando über das I. Bataillon im SS-Panzergrenadier-Regiment 1 "Frundsberg",
dem späteren SS-Panzergrenadier-Regiment 21, übernahm. Die Übernahme
erfolgte jedoch erst mit Ende des Lehrgangs in Paris.
Durch seine Erlebnisse während des Russland-Feldzuges begann Anhalt zu
trinken, was bei seinem Regiments-Kommandeur
SS-Standartenführer Martin Kohlroser registriert wurde. Dieser forderte
dann auch Anhalts Versetzung, da er einen negativen Einfluss auf die jungen
Rekruten befürchtete. Damit kam Anhalt Anfang Juli 1943 zum Chef der Bandenkampfverbände
Erich von dem Bach, wo er im Stab eingesetzt und dem Nachschubkommandant
für Russland Mitte Rudolf Pannier unterstellt wird.
Mitte Juli 1943 wird er zum Führer eine Bataillons im Polizei-Regiment 2
ernannt und übernimmt im September 1943 das Kommando über das
SS-Polizei-Regiment 2. Anhalt löste damit
Oberstleutnant der Schutzpolizei Hans Griep ab, bis Anhalt selbst am
11.04.1944 abgelöst wurde. Anhalt übernahm das Kommando über die
SS-Polizei-Brigade "Anhalt". Seine Nachfolge beim SS-Polizei-Regiment
2 trat der bisherige Bataillons-Kommandeur
Major der Schutzpolizei Franz Stümpfl an.
Die SS-Polizei-Brigade "Anhalt" wurde der SS-Kampfgruppe "von
Gottberg" für das Unternehmen "Frühlingsfest" bis zum
12.05.1944 im Raum Uschatschi unterstellt. Zweck des Unternehmens war die
Bereinigung des Rückwärtigen Raumes, also Partisanenkampf. Mit Ende des
Unternehmens verbleibt Anhalt zunächst in seiner Dienststellung. Für die
Einsätze während des Unternehmens "Frühlingsfest" wird Anhalt durch
Curt von Gottberg am 12.05.1944 zum Deutschen Kreuz in Gold vorgeschlagen.
Dies ist bereits der 2. Vorschlag. So hatte ihn bereits Heinz Lammerding am
20.11.1943 in seiner Eigenschaft als Führer der Kampfgruppe "von Gottberg"
zu dieser Auszeichnung eingereicht. Allerdings wurde der Vorschlag bereits
drei Tage später durch den Oberbefehlshaber der 3. Panzer-Armee
Generaloberst Georg-Hans Reinhardt abgelehnt.
Im neuerlichen Vorschlag werden die Leistungen Anhalts erneut
herausgestellt. So zeichnete er sich bereits beim Unternehmen "Heinrich"
aus. So gelang es ihm am 28.09.1943 südöstlich von Dokszyce, bei Zapronie,
eine gegnerische Partisanen-Brigade aufzureiben.. Dabei wurden mindestens
100 "Banditen" getötet und unzähliges Material erbeutet. Weiterhin
konnte sogar eine befestigte Stellung gestürmt werden. Während dieser Kämpfe
führte Anhalt im entscheidenden Moment seine kleine Reserve-Gruppe gegen den
anstürmenden Gegner und führte an der Seite seiner Soldaten den Nahkampf. Im
Zuge der Kämpfe war es dem Gegner zunächst gelungen in Zaponie einzudringen,
wurde aber durch Anhalts wieder hinausgedrängt.
Während des Unternehmens "Fritz" im Platorowo Wald, griff eine
gegnerische Gruppe die Abwehrlinie an der Ponja bei Prudniki an, um den
eingekesselten Partisanen im Wald zur Hilfe zu kommen. Während der Nacht vom
02. auf den 03.10.1943 gelingt es dem Gegner die Ponya auf mehreren Booten
zu überqueren. Es entspann sich eine schwerer Kampf am Westufer des Flusses,
wobei sich Anhalt auch hier durch persönliche Tapferkeit auszeichnete, So
stieß er sofort mit Verstärkungen, gebildet aus Nachschub- und
Stabs-Soldaten) zu den bedrängten Einheiten. Gegner die bereits
durchgebrochen waren, worden im Nahkampf vernichtet und schließlich die Lage
wieder hergestellt.
Am 09.10.1943 verließ eine starke Gruppe der SS-Polizei-Regiments 2 die
Stadt Niebysano um eine Kampf-Aufklärung im Raum Begonie durchzuführen. Im
Wald zwei Kilometer nordwestlich von Nowosiolki konnte eine gegnerische
Partisanengruppe entdeckt werden. Nach mehreren Stunden des Kampfes wurde
die eigene Angriffsgruppe allerdings eingeschlossen. Erneut sammelte Anhalt
Reserven und kommt der eingeschlossenen Kampfgruppe zur Hilfe. Anhalt
gelingt es den Einschließungsring aufzubrechen und nun selbst zum Angriff
überzugehen. Auch hier zeichnete sich Anhalt durch persönliche Tapferkeit
aus und war der erste der die gegnerische Verteidigung im Nahkampf aufbrach.
Am 13.10.1943 bewies Anhalt erneut besondere Tapferkeit, als er sich einer
Versorgungskolonne anschloss, die von der vordersten Linie nach Budslaw
fuhr, wo sich der Gefechtsstand Anhalts befand. Die Kolonne geriet
allerdings in einem Wald einen Kilometer südöstlich von Csowo in einen
Hinterhalt. Der überlegene Gegner schloss die Kolonne ein und drängte die
Verteidiger immer mehr zurück, dabei kam es u.a. auch zu Nahkämpfen. Als die
Munition weniger wurde und auch die Moral der Soldaten sank, war Anhalt die
Seele des Widerstands. Er ging von Position zu Position und beschwor seine
Soldaten auszuhalten. Erst nach mehreren Stunden gelang es einer Kompanie
die Kolonne freizukämpfen. Da diese Kolonne lediglich wenige Verluste in
Kauf nehmen musste und somit von der Vernichtung verschont wurde, ist nur
dem Einsatzwillen Anhalts zu verdanken.
In den Morgenstunden des 04.11.1943 griff die gegnerische 119.
Schützen-Division an, um unter allen Umständen die Ortschaft Dretun zu
nehmen und weiter nach Polozk vorzustoßen. Dabei stieß sie auf die östlichen
Verteidigungsstellungen der Kampfgruppe "Anhalt". Im Zuge dieser
Kämpfe musste der nördliche Flügel der Kampfgruppe den Raum Sseliniki
aufgeben und sich in den Raum Wedeto See-Glubetschino See
zurückziehen. Die deutschen Soldaten mussten dabei schwere Verluste
hinnehmen, wodurch es zu einer sehr bedrohlichen Lage kam. Auf befehl des
SS-Gruppenführers von Gottberg, reorganisierte Anhalt persönlich die Truppen
in der vordersten Linie, unter schwerem Artillerie- und Granatwerferfeuer
und führte persönlich den Angriff zweier Bataillone gegen den Feind. Nach
drei Stunden schwerster Kämpfe gelang es Anhalt das gegnerische 421.
Regiment zu vernichten und dem 365. Regiment schwere Verluste zuzufügen. Die
eigene Luftaufklärung bestätigte daraufhin den panikartigen Rückzug des
Gegners bis zum Ausgangspunkt des Angriffes im Raum Sslobodka. Damit war die
Gefahr für den nördlichen Flügel gebannt. Derweil gelang es dem Gegner,
obwohl er bereits sechsmal abgeschlagen wurde, dennoch ein Durchbruch im
Raum der Polota-Brücke am Südflügel der Kampfgruppe und damit in deren
Flanke. Der Gegner schlug damit einen Keil in die deutsche Truppe, welche
nun auf der einen Seite nördlich des Öl-Depot bei Dretun und auf der anderen
Seite am Bahnhof Dretun lag. Die geschwächten Einheiten begannen sich
angesichts des Drucks des Gegners zurückziehen, ungeachtet des Abwehrerfolgs
im Norden. Anhalt gelang es dennoch, erneut durch persönlicher Tapferkeit,
in letzter Minute, mit seinen Truppen den Weg nach Polozk zu versperren.
Trotz starken Artilleriefeuers sammelte er ruhig und besonnen u.a. auch
Heerestruppen, ging mit ihnen vor und wies ihnen die entsprechenden
Positionen zu. Nur dadurch war es möglich eine zusammenhängende Front im
Raum Dretun aufzubauen, gegen die der Gegner bis zum Abend vergeblich
anrannte.
Am 05.11.1943 wurden drei Bataillone nördlich des Öl-Depots bei Dretun durch
den Gegner umgangen und abgeschnitten. Diese drei Bataillon wurden
kommandiert von
Major der Schutzpolizei Franz Stümpfl, der u.a. auch für diese Kämpfe
später das Deutsche Kreuz in Gold erhielt. Nachdem sämtliche
Kommunikationsverbindungen abgebrochen waren, entschied sich Anhalt am
Morgen des 06.11.1943 zu einem Gegenangriff und zur Herstellung der
Verbindung zu den drei Bataillonen. Nachdem der Angriff gelang, verstärkte
sich der Gegner erneut und schloss den Durchbruch mit neuen starken
verbänden. Erneut griff Anhalt ein, setzte sich an die Spitze zweier
Kompanien und griff erneut an. Der Angriff gelang und es konnte wieder eine
Versorgungsverbindung aufgebaut werden. Die Verluste waren allerdings hoch.
So verloren die deutschen Truppen nicht weniger als 15 Offiziere und 261
Unteroffiziere und Mannschaften. Dem gegenüber waren de Verluste der 119.
Schützen-Division, beigefügt durch deutsche Polizei- und Heerestruppen,
weitaus höher. Erbeutet wurden dabei vier 3,7-Pak, zwei schwere
Maschinengewehre, drei leichte Maschinengewehre, 21 Maschinenpistolen, 56
Karabiner, 14 Panzerbüchsen. Daneben wurden vernichtet: vier 7,62-Geschütze,
11 3,7-Pak, ein Infanteriegeschütz, sieben schwere Granatwerfer, acht
leichte Granatwerfer, 13 schwere Maschinengewehre, 19 leichte
Maschinengewehre, 29 Maschinenpistolen, 245 Karabiner, 35
Scharfschützengewehre und 20 Panzerbüchsen. Der Gegner verlor allein
mindestens 1.600 an Toten und eine weitaus höhere Zahl an Verwundeten.
Unter Führung Anhalts nahm die nach ihm benannte Kampfgruppe am Unternehmen
"Frühlingsfest" zur Zerschlagung der Partisanengruppen im Raum
Lepel-Uschtscha teil. Dazu bildeten die beteiligten Verbände einen Kessel in
dem die Partisanen festgehalten wurden. In den späten Morgenstunden des
18.04.1944 bildete das Polizei-Regiment 2 einen Brückenkopf über die
Beresina, einem kleinen Fluss mit gleichem Namen. Der Übergang selbst
gestaltete sich schwierig, da den Pionieren dafür lediglich Gummi-Boote zur
Verfügung standen. Darüber hinaus verfügte der Gegner am anderen Ufer über
befestigte Bunker und bestens getarnte Feldstallungen, aus denen heraus er
die deutschen Angreifer unter Feuer nahm. Anhalt führte, unter dem Vorteil
des eigenen Artilleriefeuers, persönlich seine erste Angriffswelle über den
Fluss. Nach schweren Kämpfen gelingt es Anhalt mit seinen Männern eine
Bresche in die gegnerische Verteidigung zu schlagen, wodurch ein neuer
Brückenkopf gebildet werden konnte. Nach Herankommen neuer Truppen konnte
dieser ausgedehnt und der Gegner nach Nordosten zurückgedrängt werden.
Während der Verfolgung des Gegners gelingt es Anhalt, stets an der Spitze
seiner Männer, die schwer befestigte Ortschaft Ottubrok am gleichen Tag zu
nehmen. Im weiteren Verlauf wurde die Tschernitza nördlich von Ottubrok am
19.04.1944 überquert. Nachdem Anhalt die Feuerpunkte für die eigenen
schweren Waffen festlegte, war er der erste an der Spitze seiner Männer der
das andere Ufer erreichte. Nachdem er aus dem Wald nordwestlich von Ottubrok
schweres Flankenfeuer erhielt, ließ sich Anhalt nicht beunruhigen, schlug
mehrere Gegenangriffe im Nahkampf ab und erweiterte den Brückenkopf. Gegen
Abend lagen bereits große Teile des Regiments am anderen Flussufer. In der
Nacht versuchte der Gegner immer wieder den Brückenkopf einzudrücken, wobei
er allerdings immer wieder abgeschlagen wurde. Weiterhin konnte in der Nacht
ein gegnerisches Gleitflugzeug erbeutet werden. An Bord waren 850 kg
Sprengstoff und Verbandsmaterial.
Am 24.04.1944 versammelte Anhalt seine Truppen zum Angriff auf die
Ortschaften Tschernisa, Sswisstopolje, Lessiny, Pachomunki und
Sarubowschtschina. Bereits gegen 05.00 Uhr morgens kam es zu heftigen
Kämpfen. Die geographischen Gegebenheiten sprachen eindeutig für den Gegner.
So saß er in befestigten und erhöhten Stellungen. Durch sein Abwehrfeuer,
gelang es dem Gegner den deutschen Angriff zum Stehen zu bringen, womit
Anhalt erneut entscheidend in die Kämpfe eingriff. Er stellte sich wiederum
an die Spitze seiner Männer und führte sie zu einem neuerlichen Angriff vor.
Er brach in die gegnerischen Stellungen ein und zerschlug den Gegner im
Nahkampf. Allerdings verlor er den Kontakt zu seinem rechten Nachbarn, der
Kampfgruppe "Kaminski". Als der Gegner diese Lücke erkannte, stieß
dieser nach und griff die Kampfgruppe Anhalt in der rechten Flanke an. Als
Anhalt diese brenzlige Situation erkannte, stellte er eine Truppe aus
Stabspersonal, Trossleuten und kleinen Reserven zusammen und führte diese
gegen den Angreifer. Nach mehreren Stunden eines schweren Nahkampfes gelingt
es den deutschen Truppen den Gegner, unter für ihn hohen Verlusten, in die
Sümpfe östlich von Sarubowschtschina zurückzutreiben. Die Lücke zum Nachbarn
wurde bereinigt und der Ring um den Gegner wieder lückenlos geschlossen.
In der Nacht vom 26. auf den 27.04.1944 versuchte erneut eine ca. 4.000 Man
starke Gruppe den Ausbruch an der Nahtstelle zwischen den Kampfgruppen
Kaminski und Anhalt im waldreichen Gebiet um Sarubowschtschina. Zunächst
gelang ihnen der Durchbruch durch die erste Verteidigungslinie und der
Vorstoß in südliche Richtung. Anhalt erreichte den betreffenden Raum nach
der Durchquerung eines Sumpfgebietes, setzte seine Einheiten geschickt ein
und riegelte den Durchbruch zunächst ab. Die durchgebrochenen Gegner wurden
vernichtet und der Rest in den Kessel zurückgedrängt.
Währen des Unternehmens "Frühlingsfest" unterstanden Anhalt u.a.:
SS-Polizei-Regiment 2
SS-Polizei-Regiment 24
SS-Sonder-Bataillon "Dirlewanger"
1. u. 3. Batterie/Polizei-Geschütz-Abteilung 1
1 Batterie der Schutzmannschafts-Artillerie-Abteilung 56
Stab und 1.Kompanie Pionier-Bataillon 743
1 Kampfgruppe Flak-Abteilung "RFSS"
zwei Kompanien Hunde-Abteilung
An weiteren Einheiten verfügte von Gottberg über die
Kampfgruppen "Kaminski", "Krehan", Rehdantz" und "Jeckeln".
Anhalt war stets an exponierter Stellung während des Unternehmens von Anfang
bis Ende zu finden und trug damit erheblich zum Erfolg des Unternehmens bei.
Bis zum 01.05.1944 stellte sich sein "Erfolg" folgendermaßen dar:
734 Feindtote
524 Gefangene
erbeutet wurden:
12 MG
vier Panzerbüchsen
29 Maschinenpistolen
221 Karabiner
12 Pistolen
54 Minen
mehr als 1.000 kg Sprengstoff
1 englischer Kurzwellensender
Die eigenen Verluste lagen bei 41 gefallenen und 148
verwundeten Soldaten. Für die genannten Erfolge wird Anhalt am 16.06.1944
mit dem Deutschen Kreuz in Gold ausgezeichnet.
Ende Juli 1944 übernimmt Anhalt die SS-Polizei-Brigade "Anhalt",
deren Stab aus dem Stab der Kampfgruppe "Anhalt" und dem Reststab des
SS-Polizei-Regiments 2 gebildet wurde. Die Einheiten stammen von der
Kampfgruppe von Gottberg, welche im Juli 1944 zur Auffrischung kamen. Die
Brigade "Anhalt" führte dabei bis Anfang Oktober Sicherheits- und
Säuberungsaktionen durch.
Am 26.07.1944 reicht von Gottberg den bewährten Anhalt zum Ritterkreuz ein.
Maßgeblich dafür dürften zum einen die Bandenkämpfe des Unternehmens "Frühlingsfest"
gewesen sein, sowie die Rückzugskämpfe im Mittelsektor der Ostfront. Anhalt
hielt den Raum östlich von Borissow und setzte seine Einheiten
taktisch hervorragend ein, wobei stets die Gefahr bestand eingeschlossen zu
werden. Damit trug er zu einer gewissen Beruhigung der Rückzugsbewegungen
bei und verhinderte so schwerere Verluste. Im Raum Minsk wurde die Brigade
allerdings doch eingeschlossen. Ein erster Ausbruchsversuch scheiterte im
Abwehrfeuer des Gegners. Anhalt stellte nun eine starke Kampfgruppe zusammen
mit der der Durchbruch unter geringen Verlusten gelang. Aufgefüllt mit
Trossleuten des Regiments, gelingt es dem SS-Polizei-Regiment die Vorstöße
des Gegners im Raum Grodno an der Memel zu stoppen. Dabei wurde er an beiden
Beinen verwundet, woraufhin seine Männer begannen sich zurückzuziehen.
Obwohl verwundet, sandte er sie zurück an die Front.
Für die
Kämpfe mit seinem Polizei-Regiment 2, wird Anhalt als SS-Standartenführer und
Oberst der Schutzpolizei am 12.08.1944 mit dem Ritterkreuz
ausgezeichnet.
Im November 1944 wird Anhalt auf den Truppenübungsplatz Döllersheim
versetzt, um dort am 21.11.1944
den Posten des ersten Kommandeurs des Waffen-Grenadier-Regiments der Waffen-SS
(bulgarische Nr. 1). Allerdings scheint er dieses Kommando nie angetreten zu
haben, denn mit dem 20.01.1945 wird seine Versetzung mit dem 21.11.1944
widerrufen und Anhalt in die Reserve versetzt. Ab Ende Januar 1945 liegen
kaum gesicherte Erkenntnisse über seine neue Dienststellung vor. In einigen
Quellen wird er als Kommandeur des SS-Polizei-Regiments zbV. 2genannt,
welches später in SS-Polizei-Regiment 30 bzw. SS-Polizei-Grenadier-Regiment
90 umbenannt wird. Weiterhin gibt es Quellen, die ihn als Kommandeur des
SS-Regiments 32, dem späteren SS-Freiwilligen-Grenadier-Regiments 87
benennen, bis er im Februar 1945 erneut verwundet worden sein soll. Auch für
einen Posten als Kommandeur des SS-Regiments "Kurmark" finden sich
keine gesicherten Quellen. Selbst die Chroniken der Traditionsverbände
schweigen sich darüber aus.
Gesichert ist zumindest, dass Anhalt an den Endkämpfen in Berlin teilnahm.
Dort fällt Günther Anhalt am 27.04.1945. Über seinen
Tod berichtet sein damaliger Fahrer Philipp Masbender, der zusammen mit einem
gewissen Triebel mit Anhalt im Auto saß. Welche Strecke gefahren wurde ist
nicht mehr bekannt, jedoch ließ Anhalt den Wagen halten und er stieg aus.
Aufrecht unter Infanteriefeuer auf der Strasse stehend, schlug plötzlich vor
den Füssen Anhalts eine Granate ein. Anhalt wurde hochgerissen und landete auf
dem Gesicht. Als Masbender ihn erreichte war Anhalt bereits tot. Vermutlich
erlitt er schwere innere Verletzungen, da er aus Nase und Mund blutete. Man
brachte ihn dann zurück zum Gefechtsstand, wo man keinerlei Papiere oder
Erkennungsmarke bei ihm fand. Ebenfalls fehlten persönliche Gegenstände.
Masbender geht daher davon aus, dass Anhalt, wie viele andere, den Tod suchte.
Die Auszeichnungen Anhalts übergab Masbender dessen Putzer. Beerdigt wurde er
im Garten hinter dem Gefechtsstand.
In der Literatur zur Leibstandarte findet sich zumindest der Hinweis darauf,
dass Anhalt zwei Bataillone im Rahmen der Kampfgruppe Mohnke kommandierte.
Ein Bataillon wurde befehligt von SS-Hauptsturmführer Thomas Mrugalla und
das andere von SS-Hauptsturmführer Fritz Schäfer. Man könnte allerdings
davon ausgehen, dass die Position Anhalts in irgendeiner Weise mit seiner
späteren Verwendung in unmittelbarer Nähe zu Mohnke im Zusammenhang steht.