Georg Bochmann wurde am 18.09.1913 als
Sohn des Textil-Fabrikarbeiters Gustav Bochmann in Albernau/Sachsen geboren
und besuchte zunächst die Schule in Schneeberg, wo er sein Abitur ablegte, um
dann an der Universität Leipzig zu studieren. Vom 01.10.1930 bis zum
02.05.1933 Mitglied in der Hitlerjugend, trat er am 14.03.1933 der NSDAP und
der SS bei. Dort gehörte er zunächst der 2. Schar des IV. Sturmbanns der 7.
SS-Standarte an und wechselte am 24.05.1934 zur 3. Hundertschaft der
Polizei-Bereitschaft Sachsen.
Am 01.11.1934 wechselte Bochmann zum SS-Totenkopfsturmbann "Sachsen",
wo er am 20.04.1936 zur 15. Hundertschaft kam. Diese führte er ab dem
01.05.1937 an. Ab August 1937 kommandiert zu der 11./SS-Wachtruppe "Oberbayern"
in Dachau, übernahm er im Mai 1937 das Kommando über die 3. Hundertschaft des
I. Sturmbanns "Oberbayern" und gab diese am 10.07.1937 wieder ab, um
das Kommando über die 2. Hundertschaft der neu formierten I.
SS-Totenkopfstandarte "Oberbayern" zu übernehmen.
Am 01.11.1939 wechselte Bochmann in die 14. (Panzerjäger) Kompanie des neuen
SS-Totenkopf-Infanterie-Regiments 1, während der Aufstellung der
SS-Totenkopf-Division. Bis zu den ersten Einsätzen der Division im
Frankreich-Feldzug wurde er an Anfang November 1939 die Infanterieschule
Döberitz und erwarb sich dann im folgenden Feldzug das Eiserne Kreuz II.
Klasse. Während des
Frankreichfeldzuges kämpfte die Division bei Cambrai, Arras und Dünkirchen und
stieß im weiteren Verlauf des Feldzuges nach Südwestfrankreich vor. Nach Ende
der Kämpfe wurde er zur 31. Infanterie-Division kommandiert, Ende November
1940 zum AOK 7 und erhielt eine Kommandierung zu einem
Bataillonsführer-Lehrgang nach Königsbrück von Mitte Februar bis Mitte März
1941.
Am 27.03.1941 zum Kommandeur der 2. Kompanie der
SS-Totenkopf-Panzerjäger-Abteilung 3 ernannt, nahm Bochmann am Feldzug gegen
die Sowjetunion teil. Die Division kämpfte im Rahmen der Heeresgruppe Nord,
unter dem späteren Generalfeldmarschall von Leeb, im Baltikum und stieß
Richtung Leningrad vor.
Bochmann führte seine Kompanie bei den Kämpfen bei Kaunas und an der Düna.
Im August 1941
erreichte die Division den Ilmensee und führte später bei Lushno heftige
Abwehrkämpfe.
Im Januar 1942 wurde die Division, die im Rahmen des II. Armeekorps
(Kommandeur war der spätere Eichenlaubträger General der Infanterie Walter
Graf von Brockdorff-Ahlefeldt) eingesetzt war, während der russischen
Winteroffensive bei Demjansk eingekesselt. Rund 100.000 Soldaten waren im
Kessel eingeschlossen. Während der nächsten 3 Monate gelang es den
eingeschlossenen Verbänden den Kessel zu halten, was nur aufgrund einer
effektiven Luftversorgung durch die Luftwaffe möglich war. In Landserkreisen
erhielt der Kessel den Namen „Grafschaft Demjansk“, in Anspielung auf
den Kommandierenden General von Brockdorff-Ahlefeldt. In den Kämpfen um den
Kessel zeichnete sich besonders die „SS-Totenkopf-Division“ aus und
ihren Reihen Georg Bochmann als Führer einer Kampfgruppe. Seine Kampfgruppe
"Bochmann"
war es auch die, am 28.04.1942 mit, von außerhalb des Kessels, angreifenden
Verbänden Kontakt herstellen, am Lowat einen Durchbruch erzielen und offen
halten konnte, dies bedeutete den Rettungsweg für die eingeschlossenen
Truppen. Seine Kampfgruppe, bestehend aus dem SS-Totenkopf-Infanterie-Regiment
1, der 3./SS-AA 3, der Divisions-Sturmkompanie, einer Panzerjäger-Kompanie,
einem Sturmgeschütz-Zug und einer Divisions-Begleit-Einheit, war Garant der
Erfolge der Division. Dafür erhielt er am 03.05.1942, als SS-Hauptsturmführer
und Kommandeur der SS-Panzerjäger-Abteilung "Totenkopf" das
Ritterkreuz.
Bis zu diesem Zeitraum wurde Bochmann am 08.07.1941, 17.01.1942 und am
20.04.1942 verwundet. Weiterhin übernahm er bereits Ende 1941 das Kommando der
Panzerjäger-Abteilung. In der Begründung zum Ritterkreuz durch Generaloberst
Busch heißt es:
"SS-Hauptsturmführer Bochmann, an
der Spitze seiner Kampfgruppe, spielte eine entscheidende Rolle im Angriff der
Gruppe Eicke. Durch hohe Führungseigenschaften und persönlicher Tapferkeit des
Kommandeurs, eroberte die Kampfgruppe die Ortschaft Novo-Ramuschevo in den
harten Kämpfen des 21.04.1942. SS-Hauptsturmführer Bochmann drängte seine
Kampfgruppe aus eigenem Entschluss weiter zum Angriff und eroberte im schweren
Nahkampf 12 2-cm-Kanonen und u.a. 6 Zugfahrzeuge.
Mit der Einnahme der Ortschaft konnte der Kontakt zur angreifenden Gruppe von
Seydlitz hergestellt werden, sowie mit weiteren eigenen Truppen am Westufer
des Lowat."
Im Oktober 1942 wurde die Division aus
der Front gezogen und nach Frankreich verlegt, aufgefüllt und umgerüstet. Am
21.10.1942 übernimmt Bochmann das Kommando über das II. Bataillon des
SS-Totenkopf-Kradschützen-Regiments "Thule", um dann im Frühjahr 1943
mglw. in Personalunion das stellvertretende Kommando über die II. Abteilung
des SS-Panzer-Regiments 3 zu übernehmen. Das Kradschützen-Bataillon und wohl
auch die Panzer-Abteilung führte er, wieder an der Ostfront, durch die Kämpfe
um Charkow, Ssorokowka und Tetlega. Für die Einsätze des II. Bataillons erhält
Bochmann am 17.05.1943 das 246. Eichenlaub zum Ritterkreuz. In der Begründung
dafür heisst es unter anderem:
"Am 09.03.1943 besetzte das
Bataillon eine Sicherungslinie bei Schelstovo, als die Luftaufklärung
Bewegungen des Gegners meldete. Sofort entschloss sich SS-Sturmbannführer
Bochmann eine kampfstarke Aufklärung unter seiner Führung auf die Ortschaft
Katchalovka anzusetzen. Nach 13 Kilometer hinter den feindlichen Linien,
brachte er dem Gegner hohe blutige Verluste bei, erbeutete vier LKW, eine
7,62-cm-Pak und zerstörte weiteres Kriegsmaterial des Gegners. Danach kehrte
er zu den eigenen Linien, ohne Verluste, zurück.
Am 10.03.1943 erhielt das Bataillon den Auftrag das Dorf Krassnokutsk so
schnell wie möglich zu nehmen. An der Spitze des vordersten Zuges, konnte sich
Bochmann ein eigenes Bild der Lage im Dorf machen. Gegen Abend entschloss er
sich zu einem Nachtangriff aus drei Richtungen auf die Ortschaft. Der Angriff,
den er selbst führte, war ein voller Erfolg. Der Gegner ließ zahlreiche
Gefallene, mehrere Kanonen und Pak, sowie weiteres Material zurück.
Am 17.03.1943 erhielt das Bataillon den Auftrag einen Wald 3 Kilometer
südöstlich von Ssorokovka zu nehmen und zu säubern, sowie die Ortschaften
Saroshnoje und Tetlega zu sichern. In Zusammenwirken mit dem I. Bataillon des
Regiments zeigte Bochmann erneut außerordentliche persönliche Tapferkeit.
Nachdem die Infanterie die ersten Feldstellungen erreichte, rollte Bochmann
mit einem gepanzerten Fahrzeug zwischen den Gegner, der daraufhin seine
Stellungen verließ. Bochmann stiess hinterher und begründete so die Einnahme
der Ortschaft Saroshnoje. Das Dorf Tetlega verteidigte der Gegner hingegen
verbissen. Zusammen mit seiner 5. Kompanie griff Bochmann an und erkannte
sofort eine günstige Möglichkeit in das Dorf einzudringen. So konnte er in
kürzester Zeit den Nordteil des Dorfes erobern. Dadurch konnte der Kontakt zur
südlich angreifenden Gruppe hergestellt werden."
Nachdem am 08.07.1943 der Kommandeur des SS-Panzer-Regiments 3 Eugen Kunstmann
im Kampf fiel, übernahm Bochmann am 01.08.1943 das Kommando über das Regiment.
Es folgten Einsätze am Mius und Donez, bei Stalino, Poltawa und am Narew. Nach
einer erneuten Verwundung wurde er von der Front abgezogen und ab dem
10.02.1944 mit dem Kommando über die SS-Wirtschafts-Verwaltungs-Führerschule
Arolsen beauftragt. Nach Abgabe des Kommandos an Wilhelm Karius, kehrte
Bochmann an die Front zurück. Zunächst befand er sich vom 15. bis 20.11.1944
bei der 2. SS-Panzer-Division "Das Reich", um dann bis zum 03.01.1945
das Kommando über das SS-Panzer-Regiment 9 "Hohenstaufen" zu
übernehmen, nachdem der bisherige Kommandeur Otto Meyer gefallen war.
Am 03.01.1945 übernahm Bochmann das Kommando über die 18.
SS-Freiwilligen-Panzergrenadier-Division "Horst Wessel" von
SS-Gruppenführer Vitzthum, der zuvor tödlich verunglückt war. Bochmann stieß
jedoch erst Ende Januar zur Division. Beim ersten Zusammentreffen mit seinem
Ia Major i.G. Wind, klärte ihn Bochmann über seine Führung der Division auf:
"[...] daß er bei künftigen
Einsätzen stets vorn bei der Truppe sei, und er (sein Ia) die Fäden auf dem
Divisionsgefechtsstand ziehen und in der Hand halten müsse - bei steter
Abstimmung durch Fernsprecher und Funk mit ihm."
Mit der Division verlegte Bochmann in
den Raum Mährisch-Ostrau bzw. Leobschütz, um dort gegen den gegnerischen
Oder-Brückenkopf bei Cosel zum Einsatz kommen. Dort trat der Gegner am
16.02.1945 zum Grossangriff an, in dessen Folge die Division Anfang März 1945
bei Oberglogau eingeschlossen wurde. Aufgrund des Ablaufs der Ausbruchskämpfe,
bei denen Bochmann zum fünften mal verwundet wurde, erhob Ferdinand Schörner,
Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte, schwere Vorwürfe gegen Bochmann, der
seine Soldaten eben nicht rücksichtslos in den Tod schickte. Daraus
resultierte am 27.03.1945 die Ablösung Bochmanns als Kommandeur der Division.
Schörner selbst veranlasste diese Ablösung durch den Kommandeur des
SS-Panzergrenadier-Regiments 40, SS-Standartenführer Petersen. Bereits am
24.03.1945 hatte der Ic der Division SS-Hauptsturmführer Stüber eine
schriftliche Rechtfertigung Bochmanns zum Entschluss aus dem Kessel von
Oberglogau auszubrechen an Schörner weitergesandt. Außerdem rechtfertigte er
sich während eines gemeinsamen Gespräches in Melnik erneut vor Schörner. Doch
Bochmann trug für den Befehl zum Ausbruch nicht die Verantwortung, diese hatte
der Kommandeur der 344. Infanterie-Division Generalleutnant Jolasse zu
verantworten. Möglicherweise anerkannte Schörner die Leistungen Bochmanns,
denn er schlug ihn am 25.03.1945 über das PzAOK 1 und dem Verbindungsoffizier
der Waffen-SS im Führerhauptquartier Fegelein, zu den Schwertern zum
Eichenlaub vor. Darin heisst es:
"1. SS-Standartenführer Bochmann
hat im Kampfraum Ratibor am 08.03.1945 in schwerem Feindfeuer liegen
gebliebenen Angriff von Truppenteilen seiner Division unter beispielhaftem
persönlichen Einsatz in vorderster Linie
mitgerissen.
2. Am 12.03.1945 unter schwierigsten Verhältnissen einen Nachtangriff zur
Wegnahme des Vorwerks Annahof persönlich in vorderster Linie geführt.
3. Am 14.03.1945 bei Langlieben unter hervorragendem Einsatz und durch persönlich
angesetzte und schneidig geführte Gegenangriffe erwirkt, daß dieser Eckpfeiler
der Verteidigung gegen den Ansturm des waffen- und zahlenmäßig weit
überlegenen Feindes gehalten wurde, wobei Bochmann, in vorderster Linie
kämpfend, die Seele des Widerstandes seiner um ihn versammelten Truppe war.
4. In den besonders schweren Kämpfen am 16.03.1945 war es nur seinem persönlichen
Eingreifen in vorderster Linie zu verdanken, daß Kreuzlinden, südwestlich Oberglogau
gehalten und damit die Vorraussetzung für die planmäßige Räumung des
Brückenkopfes Cosel geschaffen wurde.
5. Am 19.03.1945 war es wieder nur seine mitreißende Führerpersönlichkeit in
Deutsch-Mühlen, die diesen Ort gegen alle feindlichen Panzer- und
Infanterie-Angriffe hielt und damit die Vorraussetzung für den Durchbruch der
beiden Divisionen (18. SS und 344. ID) am Abend schufen.
6. Während des Durchbruchs in der Nacht vom 19./20.03.1945 durch
Deutsch-Rasselwitz über Stubendorf auf Hotzenplotz war er wiederum leuchtendes
Vorbild mitreißenden Führertums. Besonders hervorzuheben ist, daß er trotz
seiner am 14.03.1945 erlittenen nicht unerheblichen Verwundung und trotz allen
ärztlichen Abratens bei der Truppe blieb
und die Führung beibehielt.
Mit der Verleihung der 140. Schwerter an Bochmann, als SS-Standartenführer und
Kommandeur der 18. SS-Freiwilligen-Panzergrenadier-Division "Horst Wessel"
wurde auch der aufopfernde Einsatz der gesamten Divisionsangehörigen
gewürdigt. Dennoch blieb es fraglich warum Schörner zunächst diese
Auszeichnung an Bochmann mit
"Sehr einverstanden!
Ich befürworte baldige Verleihung des Eichenlaubs mit Schwertern an diesen
kampfbewährten und krisenfesten Standartenführer aufs Beste.
Bochmann ist aufgrund seines Persönlichkeitswertes und der gezeigten
Leistungen dieser hohen Auszeichnung besonders würdig."
unterzeichnete und ihn dann
zwei Tage später absetzte.
Bochmann erhielt die Auszeichnung am 30.03.1945 durch Hitler, wo er
gleichzeitig mit der Führung der 17. SS-Panzer-Division "Götz von
Berlichingen" beauftragt wurde. Mit ihr kämpfte er noch bei Nürnberg und
in Niederbayern.
Am 09.05.1945 kapitulierte er mit den Teilen seiner Division gegenüber
amerikanischen Soldaten in Rottach-Egern und verblieb im Kommando bis zur
vollständigen Auflösung der Divisionsteile am 11.06.1945.
Georg Bochmann verstarb bereits am 08.06.1973 im Alter von 59 Jahren in Offenbach am Main.
Zeit seines Lebens war er stark durch die Ansteckung mit Sumpffieber in
Russland beeinträchtigt.